“Bleib stark, Papa Bär”

Fox News verliert seinen größten Star: Nach Berichten über sexuelle Übergriffe trennte sich der US-Sender von seinem Moderator Bill O’Reilly. Die “New York Times” hatte zuvor berichtet, O’Reilly (67) und Fox News hätten insgesamt 13 Millionen Dollar (rund 12,1 Millionen Euro) an fünf Frauen gezahlt, um Klagen wegen sexuellen Missbrauchs zu vermeiden.

Im Juli 2016 hatte der damalige Fox-News-Chef Roger Ailes nach ähnlichen Vorwürfen sein Amt niedergelegt.

Latenight-Talker Stephen Colbert verabschiedete sich auf ganz eigene Weise von O’Reilly. In seiner “Late Show” bei CBS schlüpfte er in seine legendäre Rolle als egomanischer Kommentator “Stephen Colbert” (Anführungszeichen!) aus seiner einstigen Comedy-Central-Sendung “The Colbert Report”.

Hier das Video:

Midterms 2014: die 15 schrägsten Wahlvideos

“Ich bin nicht Barack Obama”: Alison Lundergan Grimes will für Kentucky in den US-Senat.

Die Spannung in den USA steigt. Am 4. November finden die Zwischenwahlen (“Midterms”) statt. Es geht um alle 435 Sitze im Abgeordnetenhaus und um ein Drittel der 100 Senatssitze. Dazu kommen 36 Gouverneurswahlen. Für Präsident Barack Obama steht viel auf dem Spiel. Ein letztes Mal stellt er als amtierender Präsident seine Politik zur Abstimmung. Ab dem 4. November beginnt die zweite Hälfte seiner zweiten und letzten Amtszeit. Dem Demokraten droht das frühe Schicksal einer “lame duck”, einer “lahmen Ente” im Weißen Haus.

Sollte es den Republikanern gelingen, neben dem Abgeordnetenhaus auch im Senat eine Mehrheit der Sitze zu erreichen, hätte Obama kaum mehr die Chance, Gesetze durchzubringen. Die Folgen wären eine gelähmte Regierung und ein frühzeitig gescheiterter Staatschef. Aktuelle Umfragen sehen die Konservativen bei der Senatswahl leicht im Vorteil.

In den Bundesstaaten versuchen Demokraten und Republikaner mit allen Mitteln, sich von den Entscheidungen in der Hauptstadt Washington abzugrenzen. Eine zentrale Rolle spielen dabei TV-Spots. Rund eine Milliarde US-Dollar haben Parteien und Kandidaten der “Washington Post” zufolge dafür ausgegeben. Auch in diesem Jahr schafften es zahlreiche Landespolitiker, mit den oft kuriosen Clips landesweit auf sich aufmerksam zu machen. “Amerika wählt” hat 15 besonders schräge Videos herausgesucht.

“Squeal” — Joni Ernst, Republikanerin, Iowa

In Iowa will Joni Ernst für die republikanische Partei in den Senat einziehen. Die 44-Jährige tritt gegen den demokratischen Abgeordneten Bruce Braley an. Es geht um den prestigeträchtigen Sitz des langjährigen Senators Tom Harkin. Mit den TV-Spots “Squeal” (“Quieken”) und “Shot” (“Schuss”/”Versuch”) machte Ernst im März und im Mai landesweit auf sich aufmerksam. ”Ich wuchs auf einer Farm in Iowa auf, wo ich Schweine kastrierte”, sagt Ernst in dem Clip “Squeal”. Sollte sie in den Kongress gewählt werden, wüsste sie, harte finanzielle Einschnitte durchzusetzen. “Washington ist voller Geldverschwender – bringen wir sie zum Quieken.” Aktuellen Umfragen zufolge liegt Ernst knapp vor Braley.

“Joni Ernst’s Pledge” — NextGen Climate

Bereits im Juli nahm die Organisation NextGen Climate Joni Ernst mit einem kuriosen Clip ins Visier. Die “Washington Post” bezeichnete ihn damals als einen der “bizarrsten Politik-Spots in diesem Jahr”. “Wir sind ein bisschen verwirrt”, lautete das Fazit der Tageszeitung. Ein bisschen?

“#GotBalls?” Bob Quast, Iowa

Auch Bob Quast würde gerne für Iowa in den Senat einziehen. Die Chancen des unabhängigen Kandidaten sind allerdings äußerst gering. Warum? Unter anderem, weil er in seinem TV-Spot “#GotBalls?” (umgangssprachlich für “Mutig genug?”) damit droht, Einbrechern die “Eier wegzuschießen”. Dabei blitzt Quasts Zahn auf. Noch Fragen?

“Gator” — Rob Maness, Republikaner, Louisiana

In Louisiana will Tea-Party-Kandidat Rob Maness die Senatorin Mary Landrieu ablösen. Mannes präsentiert sich in seinem TV-Spot “Gator” als gekonnter Krokodiljäger. “Hier in Louisiana lernt man, hart zu sein.” Ob das auch für den 4. November gilt? Maness geht als klarer Außenseiter in die Wahl.

“Justice” — Wendy Davis, Demokratin, Texas

Die Demokratin Wendy Davis will neue Gouverneurin von Texas und Nachfolgerin von Rick Perry werden. Das klingt nach einer schweren Aufgabe, schließlich ist Texas einer der konservativsten Bundesstaaten der USA. Davis setzte im Wahlkampf auf Provokation und veröffentlichte Mitte Oktober den kontroversen TV-Spot “Justice” (“Gerechtigkeit”). Der in dem Clip gezeigte leere Rollstuhl ist ein deutlicher Hinweis auf Davis’ republikanischen Gegner Greg Abbott. Seit einem Unfall im Jahr 1984 ist dieser querschnittsgelähmt. Viele Amerikaner fanden das Video schlicht geschmacklos. Davis sagte, dass sie Abbott nicht habe persönlich angreifen wollen. Texas’ amtierender Justizminister hat jüngsten Umfragen zufolge große Chance, Perry zu beerben.

“When the moment is right” — J.D. Winteregg, Republikaner, Ohio

Dieser TV-Spot kostete J.D. Winteregg seinen Arbeitsplatz. Der Republikaner hatte einen ehrgeizigen Plan: Er wollte John Boehner, den Sprecher des Abgeordnetenhauses, als Kandidaten für den achten Wahlbezirk von Ohio ablösen. Boehner hat dieses Mandat seit 1991 inne. Winteregg beschloss, die lange Amtszeit des Spitzenpolitikers auf satirische Weise zu kritisieren. Im TV-Spot “When the moment is right” (“Wenn der Zeitpunkt stimmt”) wurde Boehner eine “electile dysfunction” angedichtet – ein Wortspiel aus “erectile dysfunction” (Potenzstörung) und “election” (Wahl). “Manchmal, wenn ein Politiker zu lange in {Washington} D.C. ist, steigt ihm das zu Kopf. Dann kann er nicht mehr seine Leistung bringen”, heißt es in dem Clip. Im Anschluss folgt ein weiterer platter Witz, der auf Boehners Nachnamen und dessen Ähnlichkeit mit dem Wort “boner” (umgangssprachlich für Erektion) abzielt.

Wintereggs Arbeitgeber, einer christlichen Hochschule, war all das zu heikel. Sie kündigte den Vertrag mit dem Republikaner. Boehner dürfte über die Kontroverse geschmunzelt haben. Er gewann die Vorwahl und geht als klarer Favorit in das Rennen gegen den Demokraten Tom Poetter.

“Nikko” — National Republican Congressional Committee

Mit dem TV-Spot “Nikko” warf die Dachorganisation der Republikaner, das National Republican Congressional Committee (NRCC), dem Demokraten Brad Ashford aus Nebraska einen zu laschen Umgang mit Straftätern vor. In dem Video ist der verurteilte Straftäter Nikko Jennings zu sehen, der kurz nach dem vorzeitigen Verlassen des Gefängnisses 2013 vier Menschen umbrachte. “Nikko” erinnert an den aggressiven Kampagnen-Clip “Willie Horton” des NRCC aus dem Jahr 1988. Ziel des zweifelhaften Angriffs war der damalige Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Michael Dukakis. Ashford liefert sich in Nebraska ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem bisherigen Abgeordneten im Repräsentantenhaus, Lee Terry.

“Cliven Bundy challenges Eric Holder” — Kamau Bakari, Independent America Party, Nevada 

Einer der kuriosesten TV-Spots dieses Jahres stammt aus Nevada. Dort will Kamau Bakari für die Independent America Party ins Abgeordnentenhaus einziehen. Bakaris Chancen auf einen Sieg gelten als äußerst gering. Gut möglich, dass er deshalb Cliven Bundy um Unterstützung bat. Bundy hat einen spektakulären Auf- und Abstieg in der US-Politik hinter sich. Der Farmer aus Nevada wurde Anfang des Jahres zum Held der “Tea Party”. Er bestand darauf, seine Rinder auf einem Stück Prärie grasen zu lassen, das Eigentum des Bundes ist. Bundy nahm den Kampf auf und feierte sich als ”wahren Patrioten”. Der “Tea Party” gefiel das. Mit rassistischen Kommentaren verspielte Bundy seine zweifelhafte Beliebtheit jedoch wieder.

Umso erstaunlicher, dass der Afro-Amerikaner Bakari Bundy um Hilfe bat. Gemeinsam nahmen sie ein Video im Westernstil auf, in dem sie sich über Rassismus in den USA unterhalten und gegen Justizminister Eric Holder wettern. Der Clip mag außergewöhnlich sein, auf den Wahlkampf in Nevada hatte er keine Auswirkungen. Die demokratische Abgeordnete Dina Titus dürfte sich am 4. November gegen die Republikanerin Annette Teijeiro durchsetzen.

“Skeet Shooting” — Alison Lundergan Grimes, Demokratin, Kentucky

Der im September veröffentlichte TV-Spot der Demokratin Alison Lundergan Grimes besitzt eine enorme politische Aussagekraft. Der Clip zeigt Grimes beim Tontaubenschießen. Dabei erzählt die 35-Jährige, dass ihr Gegner Mitch McConnell versuche, den Wählern in Kentucky einzureden, dass sie die Politik des Weißen Hauses unterstütze. “Ich bin nicht Barack Obama”, sagt Grimes mit der Waffe in der Hand. Dieser Satz verdeutlicht die Not der Demokraten bei dieser Zwischenwahl. Obamas Popularitätswerte sind so stark gesunken, dass er im Wahlkampf keine Rolle spielt. Aus dem einstigen Hoffnungsträger der Partei ist eine Persona non grata geworden.

McConnell, Fraktionschef der Republikaner im Senat, führt die Umfragen zurzeit an. Das Rennen gilt jedoch als offen. Sollte der Republikaner die Wahl gewinnen, dürfte er im Fall eines Machtwechsels im Senat neuer Vorsitzender der Parlamentskammer und Nachfolger des Demokraten Harry Reid werden.

“What Rhymes with Alison Lundergan Grimes?” — Mitch McConnell, Republikaner, Kentucky

Im Juli versuchte Mitch McConnell, den Wahlkampf, nun ja, etwas aufzupeppen. Auf YouTube postete McConnells Mannschaft ein scheinbar amateurhaftes Musikvideo, das Alison Lundergan Grimes als Obama-Anhängerin verspottete. Der anderthalb Minuten lange Clip wurde als virales Werbemittel eingesetzt. Mit Erfolg: Auf YouTube haben sich über 620.000 Nutzer das Video angesehen.

“Natalie for West Virginia“ — Natalie West, Demokratin, West Virginia

Im Stress? Nervt die Arbeit mal wieder? Oder die Freundin beziehungsweise der Freund? Dann schauen Sie sich bitte folgendes Video der Demokratin Natalie West an, die neue Senatorin von West Virginia werden möchte. Mehr wollen wir zu diesem äußerst entspannenden Clip gar nicht schreiben.

“Really?” — Terri Lynn Land, Republikanerin, Michigan

Die Republikanerin Terri Lynn Land würde für Michigan gern in den US-Senat einziehen. Ihr demokratischer Gegner Gary Peters will das verhindern. Das Mitglied des Repräsentantenhauses warf Land während des Wahlkampfs vor, einer Partei anzugehören, die einen “Krieg gegen die Frauen” führe. Land lehne es ab, Frauen ein Recht auf Abtreibung einzugestehen. Gleichzeitig setze sie sich nicht dafür ein, die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern zu verkleinern. Die in Umfragen zurückliegende Land reagierte mit dem TV-Spot “Really?” (“Wirklich?”). Das Besondere: Mitten im Video macht Land eine Pause, um Kaffee zu trinken. Der Politikberater Frank Luntz bezeichnete den Clip in einem Fox-Interview als “die schlechteste Werbung in diesem Wahlkampf”. Ob Luntz zum Zeitpunkt des Gesprächs auch diesen Anti-Peters-Spot der Republikaner kannte?

“Restore Leadership” — Allen Weh, Republikaner, New Mexico

Im Wahkampf-Spot “Restore Leadership” (“Führungsstärke wiederherstellen”) des Republikaners Allen Weh sorgte ein Bild für aufgeregte Diskussionen. Wehs Mannschaft veröffentlichte den Clip am 25. August, sechs Tage nachdem die Terror-Miliz “Islamischer Staat” (IS) im Internet das Tötungsvideo des US-Jouranlisten James Foley veröffentlicht hatte. In ”Restore Leadership” ist auch eine Szene aus dem martialischen IS-Clip zu sehen. Foleys Eltern hatten kurz zuvor darum gebeten, das Propagandamaterial der Terroristen nicht weiterzuverbreiten. Weh tritt in New Mexico gegen den demokratischen Senator Tom Udall an. Wehs Chancen auf einen Wahlsieg gelten als gering.

“Betrayal” — Neel Kashkari, Republikaner, Kalifornien

Für Beobachter der Zwischenwahlen gilt der TV-Spot “Betrayal” (“Verrat”) als verzweifelter und hilfloser Versuch, politische Aufmerksamkeit zu erzeugen. Der Clip ist Teil der Kampagne des Republikaners Neel Kashkari. Dieser will Jerry Brown als Gouverneur von Kalifornien ablösen, liegt in Umfragen aber weit hinter dem Demokraten. Das Video zeigt ein Kind, das in einem Schwimmbecken gegen das Ertrinken kämpft. Kashkari selbst rettet den Jungen und sagt im Anschluss: “Als Gouverneur werde ich für die Kinder kämpfen, nicht gegen sie.”

“#TurnOutForWhat” — Rock the Vote 

Ein besonderer Höhepunkt in der heißen Wahlkampfphase war das Video “#TurnOutForWhat” der Non-Profit-Organisation “Rock the Vote“. In dem rund dreieinhalb Minuten langen Clip treten unter anderem der Rapper Lil Jon, die Schauspielerin und Autorin Lena Dunham sowie der Musiker Devendra Banhart auf. Mit dem Spot sollen vor allem junge Amerikaner dazu bewegt werden, am 4. November ihre Stimmen abzugeben. Über 810.000 Mal wurde das amüsante Video auf YouTube angeklickt.

Kleine Geste, großer Streit

US-Präsident Barack Obama (M.) beim Aussteigen aus “Marine One”

Es ist lediglich ein kleines Ritual. Ein Wimpernschlag genügt, um es zu verpassen – und doch ist es weltbekannt. Wenn der US-Präsident in ein Flugzeug oder in einen Hubschrauber ein oder-aussteigt, stehen Marines bereit und salutieren. Dem Protokoll zufolge führt der Staatschef und Oberste Befehlshaber ebenfalls die Hand zur Stirn. Im Handbuch der US-Navy steht, dass die von Ronald Reagan eingeführte Geste die “wichtigste aller militärischen Gepflogenheiten“ sei.

Ausgerechnet diese fast alltägliche Routine wurde Barack Obama jetzt zum Verhängnis. Am Dienstag landete der Demokrat mit seinem Hubschrauber “Marine One” in New York. Beim Aussteigen hatte er jedoch einen Kaffeebecher in der rechten Hand. Also führte er diesen ebenfalls in Richtung Stirn und stapfte dann lässig mit Sonnenbrille weiter. In den sozialen Netzwerken sorgte der vom Weißen Haus auf Instagram veröffentlichte Clip für Unmut.

“Warte – hat Präsident Obama eben den Marines mit einem LATTE in seiner Hand salutiert?!”, schrieb etwa das Republikanische Kongresskomitee auf Twitter. Im Anschluss setzte das NRCC seine Nachrichten mit dem Hashtag #LatteSalute ab. Andere Twitter-Nutzer nannten die Geste “unglaublich respektlos”. Sarah Palin, einstige Ikone der “Tea Party”, reagierte blitzschnell und entschuldigte sich (scheinbar für die Konservativen) auf Facebook beim US-Militär.

“Moment mal, wie despektierlich war das denn”, sagte Karl Rove, einstiger “Spin Doctor” der Republikaner, zum TV-Sender Fox News. Auch die “New York Times“, die “Washington Post” und die Politik-Webseite “Politico” griffen den Streit um den “Latte Salute” beziehungsweise den “Starbucks Salute” auf. Mittlerweile existiert auf Twitter sogar ein eigener Satire-Account.

Bush salutierte mit Hund auf dem Arm

Für den ohnehin unbeliebten Präsidenten kommen die Diskussionen um den “Latte Salute” zur Unzeit. Sechs Wochen vor den Zwischenwahlen am 4. November sind das Weiße Haus und Obamas Demokraten dringend auf gute Nachrichten angewiesen. Die Republikaner dürften daher versuchen, den Pappbecher-Streit weiter anzuheizen.

Dem TV-Sender CNN zufolge gibt es bei dem militärischen Gruß eine Empfehlung, was zu tun ist, wenn die Hände nicht frei sind: einfach nicht salutieren. Obama ist übrigens nicht der erste US-Präsident, dem die Geste gründlich misslingt. Sein Vorgänger George W. Bush versuchte 2001, mit seinem Hund auf dem Arm zu salutieren.

Rand Paul und das “Kamikaze-Interview”

Erika Andiola im Gespräch mit Steve King (vorne). Rechts: Rand Paul.

Der US-Senator Rand Paul gilt als potenzieller Präsidentschaftskandidat der Republikaner für das Jahr 2016. Wenn er die Kampagne (und den möglichen Wahlkampf) überstehen will, sollte er an seiner Standhaftigkeit üben. Im Internet verbreitet sich zurzeit ein auf YouTube gepostetes Video wie ein Lauffeuer, das Paul in einem für ihn äußerst schlechten Licht darstellt.

Der rund siebeneinhalb Minuten lange Clip wurde am Montag in der Stadt Okoboji im Bundesstaat Ohio aufgenommen. Er zeigt eine “Dreamerin”, eine als Kind illegal in die USA eingewanderte Frau, die den Abgeordneten Steve King anspricht. Dieser sitzt mit Paul an einem Tisch, der Senator aus Kentucky beißt gerade genüsslich in einen Hamburger. Als Paul jedoch hört, wie sich Erika Andiola als “Dreamerin” vorstellt, kaut er noch einige Mal und verschwindet.

Gegenüber dem TV-Sender Fox News verteidigte sich Paul. Er sagte, dass ein Mitarbeiter (der ebenfalls in dem Video zu sehen ist) ihn kurz vor Andiolas Auftritt auf einen Interviewtermin aufmerksam gemacht hätte. Aus diesem Grund sei er kurz darauf verschwunden. Das Gespräch selbst bezeichnete er als “Kamikaze-Interview”. Auf YouTube wurde das Video bislang rund 900.000 Mal aufgerufen.

US-Präsident Barack Obama will im Kongress eine Einwanderungsreform ohne die Republikaner durchsetzen. „Wenn der Kongress nicht seinen Job macht, machen wir wenigstens unseren”, sagte er Anfang Juli. In den USA sollen sich rund elf Millionen Menschen sollen illegal aufhalten. Obama will es ihnen ermöglichen, die Staatsbürgerschaft zu erlangen. Der Ausgang der Kongresswahlen im Herbst dürfte die weitere Zukunft der Einwanderungsreform maßgeblich mitbestimmen.

Jim Carrey vs. Charlton Heston

Hollywood-Star Jim Carrey ist kein großer Waffenliebhaber. Und Charlton Heston mag er auch nicht. Kein Wunder, schließlich war Heston einmal Präsident der einflussreichen National Rifle Association (NRA). Mit einem neuen Video für die Satire-Webseite “Funny or Die” hat sich Carrey nun in die Diskussion um eine Verschärfung des Waffenrechts in den USA eingeschaltet. Als Lonesome Earl macht er sich über die NRA und Heston lustig. Unterstützung bekommt er durch die Band Eels. Auf Twitter schrieb Carrey: “‘Cold Dead Hand’ is abt u heartless motherf%ckers unwilling 2 bend 4 the safety of our kids.Sorry if you’re offended…”
Rund anderthalb Millionen Nutzer haben sich das Video mittlerweile angeschaut. Fox-News-Moderator Greg Gutfeld reagierte wenig überraschend auf Carreys Kritik. Der Schauspieler sei ein “Feigling”, der das ländliche Amerika in den Dreck ziehe und sich über einen toten Mann lächerlich mache. Carrey wird mit der Kritik leben können.

Sorgt Sandy Hook für strengere Waffengesetze?

Es ist wieder passiert. Ein schrecklicher Amoklauf. Diesmal sind viele Kinder im Grundschulalter unter den Opfern. Fest steht: die Amerikander haben eine weltweit unvergleichbare Faszination für Waffen – und das ist ein Problem:

Wie schon nach dem Kino-Massaker in Aurora und anderen Amokläufen gibt es auch dieses Mal wieder die üblichen Debatten. Die NRA und andere Waffenarren schreien nach mehr Waffen – denn wenn jeder Erwachsene eine Waffe trägt (natürlich nur zur Selbstverteidigung!), würde sowas ja nicht mehr passieren. Denn dann könne man den Übeltäter ja schnell erschießen. Genau. Total logisch.

Auf deren anderen Seite die Befürworter einer strengeren Waffengesetzgebung, die zum Beispiel auf diese Zahlen hinweisen:

Gun Violence in America

Die Kausilität zwischen laxen Waffengesetzen, Millionne von Schusswaffen in privaten Händen und der Anzahl der Menschen, die jedes Jahr durch Handfeuerwaffen umkommen, sollte eigentlich auf der Hand liegen. Und vor allem nach den Amokläufen sollte man doch eigentlich denken, dass es doch einen Konsens für schärfere Waffengesetze geben könnte. Nun ja: zum einen ist das Meinungsbild dazu ziemlich diffus (auch nach Amokläufen), zum anderen ist die Waffenlobby immens stark. Vor allem auf republikanischer Seite ist die National Rifle Association mit ihren mehr als 4 Millionen Mitgliedern eine nicht nur zahlenmäßig schlagkräftige Vereinigung. Die NRA gibt in Washington auch immens viel Geld für Lobbying aus:

Bislang scheuten sich aber auch die Demokraten, strengere Waffengesetze einzuführen – auch Obama. Doch eventuell ist nun die Zeit gekommen, dass sich doch etwas tut, das es eine breitere Debatte gibt. Zum einen ist Obama jetzt in seiner zweiten Amtszeit, er muss nicht auf seine Wiederwahl schielen und könnte nun auch bei weiten Teilen der Bevölkerung unpopuläre Gesetze durchdrücken. Dabei wird er nicht alleine stehen, denn auch andere prominente Demokraten wie Chuck Sumer und Diane Feinstein würden dahinterstehen, genau wie Michael Bloomberg.

Auf konservativer Seite springen aber wieder die üblichen Verrückten auf: Ann Coulter Und auch wenn die NRA so tut, als ob es keinen Amoklauf mit automatischen Waffen gegeben hätte, die echt niemand in den Händen haben sollte. Ann Coulter sagt, man brauche mehr Waffen und dazu Lizenzen, dass man diese auch versteckt tragen dürfte. Klar, sowas würde Amokläufer stoppen, denn sie würden sich dann ja wundern, ob die alte Dame nicht doch eine Neunmilimeter in der Handtasche hat. In Texas faselt Louie Gohmert, ein Miglied des House of Representatives, auch davon, dass die Lösung – natürlich – mehr Waffen seien. Wer wählt solche Typen eigentlich? Mike Huckabee hat natürlich wieder die Erleuchtung: Am Massaker sei natürlich die Tatsache schuld, dass Gott aus den amerikanischen Schulen verbannt worden sei.

Die Stimme der Vernunft bei all dem Wahnsiinn auf Fox News? Ausgerechnet Rupert Murdoch hat Obama via Twitter schon zweimal dazu aufgefordert, gegen automatische Waffen vorzugehen. Hoffentlich schwenken noch mehr Leute auf seinen Kurs ein. Und lesen den New Yorker.

Wahl Digital // You Decide 2012 Map

Huch, da hat Fox (außer den Simpsons) ja doch mal was Nützliches produziert. Mit der “You Decide 2012 Map” kann jeder Nutzer (so er denn über ein geeignetes mobiles Endgerät verfügt) einmal selbst durchdeklinieren, wie die Wahl von Staat zu Staat wohl ausgehen wird. Man kann seine Szenarien speichern und sie dann noch einmal durchspielen, wenn man nicht mehr betrunken ist oder wenn man Mitt Romney bei den Debatten völlig versagen sehen hat, als er Obama eine Wette um 10 Millionen Dollar anbot. Zudem gibt es allerlei historische Daten und Wahlergebnisse, die denn unkundigen Nutzer davon abhalten sollen, auch New York City rot einzufärben, weil es so schön aussieht.

Außerdem beweist die App, dass nicht alle Republikaner Pessimisten sind. Es heißt ja landauf landab in den USA immer, dass sich alles verschlechtert und der Weg, denn die Weltmacht eingeschlagen hat, nun der völlig falsche Holperpfad ist. Man muss sich nur mal Connie angucken, die allen Umfragen zum Trotz glaubt, dass Romney im November gewinnt. Mit soviel Grundoptimismus klappt es doch auch mit dem netten Nachbarn im Weißen Haus.

PS: Die App gibt es hier bei iTunes zum Download.

Mitarbeiterin des Tages // Noelle Nikpour

Es ist schwierig, Sarah Palin als einen Intelligenzbolzen dastehen zu lassen. Noelle Nikpour schafft das aber locker. Zuerst dachte ich, sie sei Komödiantin, eine echt gute noch dazu. So überzeugend spielt sie. Einfach total witzig.

Nicht witzig ist, dass es sie wirklich gibt und sie wirklich als GOP-Strategin die ganze Zeit auf Fox News rumturnen darf. Ok, das ist eigentlich auch noch recht witzig, weil Fox ja bekanntlich Realsatire ist. Sie darf zu allem Überfluss aber auch wirklich noch eine Kolumne für den Sun Sentinel in Florida schreiben. Diese Kolumnen sind auch noch mäßig witzig.

Aber wirklich nicht witzig ist, dass sie – zwar als Extrem, aber dennoch – für eine Strömung innerhalb der Republikaner steht, die für Wissenschaft und Forschung nur Unverständnis und Spott, sogar Verachtung übrig haben. Von Klimawandel hin zur Evolutionstheorie: die GOP und ihre Vertreter prügeln gerne und vergnügt und ununterbrochen und unverdrossen auf Wissenschaft und Wissenschaftler ein und halten sich in von ihnen unterstützen Think Tanks kleine Pseudo-Wissenschaftler. Das machen sie nicht erst seit dem Aufstieg der Tea Party, sondern seit Jahrzehnten. Darüber habe ich sogar mal eine Magisterarbeit geschrieben (es kam mir vor wie zwei oder drei, doch doch), in der ich mal den Diskurs rund um die Evolutionstheorie und Kreationiusmus/Intelligent Design beleuchtet habe.

Doch zurück: Man kann echt noch froh sein, dass Mitt Romney nun der Kandidat der Republikaner ist. Auch wenn Jon Huntsman der einzige der Kandidaten war, der öffentlich kundtat, dass er an den Klimawandel “glaube”, ist Mitt Romney mit seiner Liebe für Exceltabellen und Zahlenreihen noch das mit Abstand kleinste Übel für die Wissenschaft. Newt Gingrich glaubt nur an Sachen, die er sich selber ausgedacht hat. Rick Santorum, Herman Cain, Michelle Bachmann, Rick Perry? Die Erde würde vor Schreck sofort wieder zu einer Scheibe werden. Punkt.

(Hinweis: Das Daily Show-Video ist schon von 2011, ich habe es heute aber erst entdeckt…)

Tea Party Zombies Must Die

Nicht wirklich mein Ding, aber wer auf Ego Shooter steht und seine Wut auf Glenn Beck, Sarah Palin, Fox-Moderatoren und die Koch-Brüder einfach nicht anders kanalisieren kann: bei Tea Party Zombies Must Die man genauso stumpf und dumpf wie so mancher Tea Party-Anhänger auf dem politischem Gegner rumhacken.

Vom Spielspaß her ziemlich lahm, ein unblutigeres Jump’n'Run hätt ich besser gefunden. Wer kennt denn noch North & South? Das waren noch Zeiten!

Der Mann aus Stahl will frei sein

Der amerikanische Comic-Verlag DC hat mit der aktuellen Ausgabe seiner Reihe “Action Comics” eine politische Kontroverse in den USA ausgelöst. In einer Kurzgeschichte in der Jubiläumsnummer 900, Titel: “The Incident”, gibt Superman seine US-Bürgerschaft auf. “Ich bin es leid, dass meine Taten stets als Instrument der US-Politik ausgelegt werden”, sagt der Mann aus Stahl im Comic. Er reagiert damit auf Vorwürfe, mitverantwortlich für politische Unruhen im Iran gewesen zu sein. “Die Welt ist zu klein, zu vernetzt”, sagt der Superheld zu einem Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten und kündigt an, seine Staatsbürgerschaft vor den Vereinten Nationen niederzulegen. “Wahrheit, Gerechtigkeit und der amerikanische Weg – das ist nicht mehr genug.” Superman sagt sich damit von seinem Motto los, das ihn seit seinem ersten Auftritt im Jahr 1938 zunächst in den USA, später weltweit bekannt gemacht hat.

Das Comic, seit Mittwoch in den USA erhältlich, führte bereits zu hitzigen Debatten in den Medien. Nicht so sehr bei der “New York Times”, die wie immer sachlich-distanziert berichtet. Vor allem konservative US-Medien verbinden die Entwicklung im jüngsten Superman-Comic mit den aktuellen politischen Problemen des Landes. So kritisiert Jonathan Last im Blog des konservativen Wochenmagazins “Weekly Standard”, dass sich DC grundlos vom bislang erfolgreichen Superman-Image abwendet:

All of these stories work because Superman believes in, and is part of, America. Once he’s a “citizen of the universe” what, exactly, will he believe in? Heck, what does “citizen of the Universe” even mean? Will Superman now adhere to the Tamaran code of honor? Will he follow the Atlantean system of monarchy? Does he believe in liberté, égalité, fraternité, or sharia? Does he believe in British interventionism or Swiss neutrality? You see where I’m going with this: If Superman doesn’t believe in America, then he doesn’t believe in anything.

Und so überrascht es, dass Nutzer ausgerechnet auf der Webseite des konservativen Nachrichtensenders Fox News Argumente für Supermans Schritt finden. Dort sagen die DC-Mitherausgeber Jim Lee und Dan DiDio beispielsweise: “Als Comic-Charakter und Symbol verkörpert Superman das Beste am amerikanischen Lebensweg.” Auch wenn er sich nun dazu entschieden habe, seinen Kampf auf einer globalen Ebene auszutragen, bleibe er immer seinen Wurzeln in Smallville, Kansas, verpflichtet.

Vielleicht fasst es der Blogger Scott Thill auf “Wired.com” am besten zusammen: “Superman war schon immer größer als die USA.” Das Geniale sei einfach, dass er allen gehöre.

Fox News erklärt die Welt

Nur 37 Prozent der der jungen Amerikaner können Irak auf einer Weltkarte finden. Kein Wunder, denn neueste wissenschaftliche Studien von Fox News belegen, dass der Irak gar nicht da ist, wo ich ihn immer vermutet haben auf unserer hochgeschätzten Mutter Erde. Denn eigentlich ist liegt Ägypten da, wo der Irak liegt. Das ist doch klar. Und der Irak liegt, hmmh, ja wo eigentlich? Naja, das ist ja egal, irgendwo auf der Weltkarte wird schon ein Plätzchen übrigt sein. Vielleicht irgendwo am Südpol, da ist ja noch Platz. Gibt es da eigentlich Erdöl?

Zum Glück stammt die interessante Karte des Nahen Ostens aber vom Juli 2009. Seitdem hat sich Fox News ja die Geographiemeisterin Sarah Palin an Bord geholt. Und unter ihrer Führung werden solche Fehler mit Sicherheit nie mehr vorkommen. You betcha’!

Internet, Fernsehen, Radio. Alle müssen bedient werden.

Nun haben wir endlich unsere Beweise: Das Weiße Haus hat Fox News quasi mit Scripts für ihre konservativen Shows versorgt und der Sender hat diese dankend angenommen und so getan, als ob sie Journalismus betreiben. Zugegeben, manchen ihrer Show wurde schon seit Jahren kein journalistischer Anklang zugesprochen, doch die Wahrheit kann dennoch schmerzvoll sein.

Doch wie kommt es eigentlich zu sowas? Journalist sein ist immer ein schwieriger Job. Objektivität ist schwer mit persönlichen Motivationen zu vereinen und so wurde der Deckmantel an Neutralität in vielen Bereichen bereits vor Jahrzenten aufgegeben. Fox News ist dabei nur ein Teil einer Medienlandschaft, die genau so zerrissen ist, wie die politische Realität der USA. Demokraten würden nie auf die Idee kommen Fox News zu gucken um Informationen zu bekommen. Sie wählen eine demokratische Alternative, die genau das bringt, was sie hören wollen. Networks, Verlage, eigentlich die gesamte Medienlandschaft bedienen immer ihr Klientel.

Es ist ein Teufelskreis, weil Neutralität zu weilen sehr schmerzlich bestraft wird. Selbst die berühmte New York Times tut sich immer wieder schwer ihre konservativen Ausklänge mit ihrer Hauptklientel zu vereinen. Andere haben diesen Kampf bereits vor Jahren aufgegeben und ich kann nur immer wieder betonen: Es ist keine Sünde, die nur auf republikanischer Seite stattfindet. Die Demokraten haben ihr Instrumentarium ebenfalls. Nur sind sie damit nicht so erfolgreich, wie die Konservativen.

Doch auch das ändert sich im Moment. Viele sprechen über die immensen Erfolge von Barack Obama im Internet. Und das ist vollkommen legitim. Er wird die jungen Wähler und die vielen Spenden im November sehr zu schätzen wissen und vor allem auch wirklich brauchen.

Es gibt aber noch ein anderes Medium welches ihm derzeit und vermutlich bis November sehr viele Wähler bescheren wird und es ist nicht Fernsehen oder das Internet, sondern Radio. In den Metropolen und dicht besiedelten Gebieten sind zwar Internet und Fernsehen die entscheidenden Medien, doch in einigen der Battlegrounds, in den es in manchen Gebieten keinen guten Anschluss ans Internet gibt und Fernseher keine so hohe Verbreitungsdichte wie in New York City haben, gehört das Radio zu den entscheidenden Medien im Wahlkampf.

Deswegen wird es nicht wundern, wenn Obama die ihm so wohlgesonnen afroamerikanischen Radiomoderatoren so oft mit Aufmerksamkeit beschenkt und es wird wohl nicht wundern, dass sie ihn mit aller Kraft unterstützen. Ist das Journalismus? Nein. Stört es Barack Obama? Nein. Warum nicht? Weil die Situation ihm kein Gewissen erlaubt. Lässt er sich nicht auf die Spielregeln der Medienlandschaft ein, wird er zwar der vermeitliche Strahlemann sein aber nur ein sehr unerfolgreicher.