Obwohl amerikanische Fußballfans die größte Gruppe in Südafrika stellten und in den USA Millionen gegen Ball treten (warum sie Fußball “Soccer” nennen und einen anderen Sport “Football”, bei dem man das Spielgerät (denn ein Ball ist es ja nicht) fast nie mit dem Fuß berühren darf, ist eine andere Geschichte), gab es vom Suppenkasper-Sender FOX News und ihrem obersten Schreihals Glenn Beck mal wieder einen kleinen Sommerloch-Stopfer. BP eignet sich ja grad nicht so richtig, den Oil Spill kann man Obama nicht so wirklich in die Schuhe schieben, ansonsten herrschte ja grad ein bisschen Ruhe – also machen wir es wie an Weihnachten mit den Klagen über den “War in Christmas”… wir denken uns mal schnell einen kleinen Aufreger aus.
Also knöpfte sich er im am Rande des Nervenzusammenbruchs wandelnde Glenn Beck, der immer für alle Amerikaner spricht, Soccer vor:
“It doesn’t matter how you try to sell it to us. It doesn’t matter how many celebrities you get, it doesn’t matter how many bars open early, it doesn’t matter how many beer commercials they run, we don’t want the World Cup, we don’t like the World Cup, we don’t like soccer, we want nothing to do with it.”
Warum? Ganz klar: Soccer ist ein unamerikanischer Sport, so einfach ist das. Die ganzen Immigranten und illegalen Einwanderer lieben den Sport. Und wer war 1998 Weltmeister? Die Franzosen!!! Dann war auch noch Bill Clinton beim Spiel der USA gegen Ghana im Stadion. Was für ein verabscheuungswürdiger Sport.
Matthew Philbin vom konservativen Unterhaltungsmagazin NewsBusters schmeißt gleich Soccer und Socialismin einen Topf – denn beides wird ja wieder nur von Liberalen innig geliebt:
The liberal media have always been uncomfortable with “American exceptionalism” – the belief that the United States is unique among nations, a leader and a force for good. And they are no happier with America’s rejection of soccer than with its rejection of socialism.
Soccer is the perfect game for the post-modern world. It’s the quintessential expression of the nihilism that prevails in many cultures, which doubtlessly accounts for its wild popularity in Europe. Soccer is truly Seinfeldesque, a game about nothing, sport as sensation.
Soccer wird dabei immer mit den gleichen Begriffen assoziiert: liberals, un-american, multicultural, immigrants, european aka french, not a real sport, usw usf. Für Beck und seine Mitschreier geht es also auch hier darum, ein Bild vom “wirklichen (weißen) Amerika” vis à vis einem multikulturellem Amerika zu konstruieren, ein Other, um ihre Schäfchen so hinter sich zu sammeln. Daher sei all die Aufmerksamkeit, die Fußball bzw. die Weltmeisterschaft momentan bekommt, auch Teil eines “browning of America”, wie in der Gordon Liddy-Show (ja, der Gordon Liddy, der auch in den Watergate Skandal involviert war und die tolle Idee mit den Klempnern hatte) festgestellt wurde. Daher passen die Anti-Fußball-Tiraden auch grade ganz toll in das Umfeld der Immigrations-Debatte – und das ist auch so gewünscht.
Aber hassen konservative Amerikaner wirklich Soccer? Nö. Auch wenn Glenn Beck das gerne so hätte und versucht, dieses Bild zu konstruieren. Dieser wunderbare Sport ist ihnen im Zweifel entweder völlig egal. ODer sie mögen ihn einfach (was die Einschaltquoten irgendwie doch nahe legen). Und daher fahren die Soccer Moms aus dem Suburbs ihre Kinder weiter zum Training. Und meine stockkonservativen Ex-Kommilitonen aus Texas fiebern mit dem Team USA mit (ok – jetzt dann beim nächsten America’s Cup).
Und wer kann bei solchen Bildern eigentlich bezweifeln, dass es wirkliche amerikanische Fußballfans gibt.
Barbara Vorsamer in der Süddeutschen über die neue Obama-Doktrin: 1. Abkehr vom Krieg gegen den Terror ::: 2. Abkehr von Präventivschlägen ::: 3. Fokus auf Bedrohung im Inland ::: 4. Wirtschaftliche Stärek ::: 5. Eine G-20-Welt
zurPolitik begrüßt die geplante Finanzreform als Hinwendung zu einer neuen Strukturpolitik
“Drill, Baby, Drill” ist passé: der Christian Science Monitor sieht BP in der Hauptverantwortung, obwohl auch Obama’s Krisenmanagement von der amerikansichen Bevölkerung in Umfragen mehrheitlich kritisch gesehen wird. Plus: die Öffentlichkeit steht Offshore-Drilling immer ablehnender gegenüber.
Machs noch einmal, Billy! Spiegel Online berichet, dass Bill Clinton im Senatsrennen von Pennsylvania auf Bitten von Rahm Emmanuel den demokratischen Kandidaten Joe Sestak zum Rückzug gedrängt haben soll, damit Arlen Specter freie Bahn hat. Der wollte aber nicht… die Republikaner freuen sich.
Karl Rove ist nicht nur auf Lesetour (also auf einer Tour durch texanische Kleinstädte), sondern organisert auch fleißig konservative 527s, die er sich gerne von Finanziers aus der Ölindustrie sponsern lässt
Jill Lepore // The New Yorker: “Who owns the American Revolution?”“I am here to reclaim my home town for America. The hippies have had it long enough.”
You betcha’: Die Stimme der hard-working Americans erhält 75.000 Dollar für eine kleine Rede an einer kalifornischen Universität. Richtig so: Diesen liberal-akademischen Kommuzialisten muss man das Geld wegnehmen, wo man kann.
Neues von Lord Sith Cheney: In den republikanischen Vorwahlen für den Gouverneurs-Posten in South Carolina schmeißt sein ganzes Schwergewicht hinter Gresham Barrett. Außer Darth Barrett würde das kaum einen republikanischen Politiker mehr freuen, aber wer seinen Fokus darauf setzt, im von illegalen mexikanischen Kommunisten überfluteten South Carolina ein ähnlich hartes Einwanderungsgesetz wie in Arizona durchzusetzen, ist über jede Hilfe froh.
BP’s oil spill is Lord Sith Cheney’s Katrina?“A common spin in the right wing coverage of BP’s oil spill is a gleeful suggestion that the gulf blowout is Obama’s Katrina. In truth, culpability for the disaster can more accurately be laid at the Bush Administration’s doorstep. For eight years, George Bush’s presidency infected the oil industry’s oversight agency, the Minerals Management Service, with a septic culture of corruption from which it has yet to recover. Oil patch alumnae in the White House encouraged agency personnel to engineer weakened safeguards that directly contributed to the gulf catastrophe.”
Der America Speak Out of the Day (ASOOTD) von meiner neuen Lieblingswebseite: “Now that the GOP has figured out how to make a cool, hip website, their future looks a lot less grim. They should try to overtake Facebook. They could call it RepublicanBook, and have some extremist ghostwrite it for them.”
Schöne, neue Viral-Aktion von CNNBC, die dem (w)irren Paranoiker Glenn Beck sehr gerecht wird. Wenn sich Beck irgendwann als Comedian zu erkennen gibt, halte ich ihn für genial. Und seine Tafelbilder (“Joe Biden, George Soros, Batman”) sind einfach spitze und geben die Gedankenwelt seiner Zuschauer einfach sehr prägnant wieder.
Das neue Viral-Video knüpft damit an die erfolgreiche “Obama’s Loss traced to Nonvoter”-Kampagne von http://www.moveon.org/, die kurze Zeit vor den US Präsidentschaftswahlen gelaunched wurde ein großer Erfolg war.
Igor Schwarzmann on March 25th, 2010 · Election 2008
Change we can trust in.
Barack Obama hat eine gute Woche. Dies ist, mit Sicherheit, kein Zufall. Im Gegensatz zu dem sonst vorherrschenden Chaos der demokratischen Partei, ist Obamas Team schon immer dafür bekannt gewesen sehr penibel zu sein. Alles ist koordiniert, kontrolliert und kommunikativ ausgenutzt.
Mit einem Menschen wie Rahm Emanuell, David Axelrod und Pete Rouse ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Alltag des Präsidenten nahezu reibungslos zu Verlaufen scheint. Mal sehen, ob wir noch erfahren werden, welche Rolle Emanuell bei der Abstimmung zur Gesundheitsreform gespielt hat – seine Verbindung zu den Abgeordneten und sein Einfluss unter diesen waren unter anderem die ausschlaggebenden Gründe für seine Ernennung zur Rechten Hand des Präsidenten. Dass die beiden alte Freunde sind, hat natürlich ebenfalls nicht geschadet.
Doch wer meint, dass die Gesundheitsreform – an der Präsidenten in den USA seit 70 Jahren scheiterten – alleine schon ausreichend wäre, der täuscht sich. Nach Wochen und Monaten in den die Administration einiges an Glaubwürdigkeit und Reputation eingebüsst hat, was sich vor allem in den Umfragewerten widerspiegelt, müssen nun Zeichen gesetzt werden. Jetzt, nach der großen, schweren Kampf mit sehr vielen Lehrstunden ein Eigenständnisen kann sich die demokratische Maschinerie auf den Wahlkampf im November einschießen. Und das muss sie. Die Republikaner konnten zwar die Gesundheitsreform nicht verhindern, doch der gemeinsame Widerstand hat die Partei zu einer neuen Form des Zusammenhalts geführt. Zwar gibt es noch keinen eindeutigen Kandidaten der Obama in zwei Jahren anfechten kann, doch darum geht es im November auch noch nicht.
Um wieder Schwung für die Administration und die Partei selbst aufzunehmen, wurde die perfekte Barack Obama Woche inszeniert. Erst die Gesundheitsreform und ein paar Tage später einigt man sich nun mit Russland bei dem Thema Abrüstung von atomaren Waffen.
The United States and Russia have broken a logjam in arms control negotiations and expect to sign a treaty next month to slash their nuclear arsenals to the lowest levels in half a century, officials in both nations said Wednesday.
Ein Meilenstein, der vor allem einer Mona Sutphen zu zuschreiben ist. Die Beraterin des Präsidenten hat die Zeichen der Zeit früh erkannt und sieht schon lange nicht mehr die USA als alleinige Großmacht auf dem internationalen Parket. Ihre Reputation als konstruktive Verhandlungspartnerin mit eindeutigen Loyalitäten wird geschätzt, nicht nur vom Präsidenten sondern auch von internationalen Verhandlungspartnern.
Zwei große, bedeutende Errungenschaften für Barack Obama in einer Woche. Damit hat sich die Administration einer gesamte Woche voller positiver Schlagzeilen orchestriert, die sie schon sehr lange nicht mehr hatte. Sie ist auch bitter nötig, den die Umfragezahlen des Präsidenten liegen als schwerer Schatten über den Abgeordneten und Senatoren, die im November zur Wahl antreten müssen. Doch damit da nicht allzu viel schief läuft, wurde ja bereits ein weiterer Experte aus dem alten Wahlkampf Team von Obama in einer neue Machtposition gehoben. Ab jetzt beginnen die David Plouffe Monate …
Wir erinnern uns: Ari Fleischer, der erste Sprecher von George W. Bush stand oft im Weißen Haus vor den Pressevertretern, guckte traurig in die Runde und versuchte die versammelte Meute von den Standpunkten der Bush-Regierung zu überzeugen. Das hat nicht immer geklappt, manchmal lachte in das Pressekorps gemeinerweise aus, auch von der Existenz von Massenvernichtungswaffen war Fleischer felsenfest überzeugt. Jedenfalls wollte er zumindest die Medien davon überzeugen. Außer der Darlegung der eigenen Standpunkte war ihm jedoch sehr wenig an der Verbreitung objektiver Informationen (soweit es diese überhaupt gibt, aber das ist ja eine eigene Geschichte).
2003 hat er dann hingeschmissen, um mehr Zeit mit seiner Frau zu verbringen, hat dann ein Buch geschrieben, in dem das White House Press Corps ordentlich einen auf den Deckel bekommt, weil sie ja alle immer so unverschämt waren, so viele Fragen zu stellen und nicht einfach alles geglaubt haben, was er ihnen erzählte, und sie ja überhaupt eigentlich alle Demokraten sind. Und er verteidigt nach wie vor mit Verve seinen ehemaligen Vorgesetzten und damit ja auch wieder sich selbst. In der Daily Show schaut er auch mal vorbei undbetont, dass er Sarah Palin eigentlich auch ganz gut findet.
Und vielleicht findet sich ja in ihrer Wahlkampfmaschine ein Plätzchen für Ari Fleischer, erfahrene und mit der Abwehr von kritischen Fragen vertraute Presseleute kann Sarah Palin immer gut gebrauchen. Irgendwer wird ihn schon irgendwann wieder nach Washington rufen. In der Zwischenzeit beschäftigt sich Fleischer nun als Kommunikationsberater damit, Tiger Woods nach ein paar Eskapaden wieder als respektables Mitglieder der Golf-Gemeinschaft zu etablieren. Das kann nach dem Einstehen für die irakischen Massenvernichtungswaffen und der Vorwärtsverteidigung für die Präsidentschaft von George W. Bush ja nur ein Pappenstiel werden.
Jetzt wird er wieder etwas kämpferischer: Barack Obama begab sich vor kurzer Zeit in die Höhle der hungrigen republikanischen Hauslöwen – zu einem gemeinsamen Mittagessen mit den House Republicans, die ihn zu ihrer jährlichen Klausurtagung nach Baltimore eingeladen hatten. Eigentlich wollten ihn die Republikaner ein bisschen grillen und ihm dabei vor seine mit Hinblick auf seine von ihnen wahrgenommenen Schwächen bei der Gesundheitsreform und der Nationalen Sicherheit auf den Zahn fühlen – und das vor einem Live-Publikum, den das Lunch-Meeting wurde kurzfristig live auf mehreren nationalen Sendern zeitgleich übertragen. Der Plan ist jedoch leider komplett nach hinten losgegangen, den eigentlich kam der Löwe in die Höhle der zahmen Hauskätzchen. Die brav gescheitelten konservativen Hinterbänkler lieferten Obama mit ihren Fragen die geeignenten Steilvorlagen, um die Vorwürfe von Seiten der GOP zu entlarven.
Adrian Rosenthal on January 31st, 2010 · Election 2008
Photo by Austin Kleon @ Flickr
Am Mittwoch verstarb mit Howard Zinn einer der großen Intellektuellen der amerikanischen Linken. Er verstand sich nicht als Gelehrter, der im Büro verstaubt und wissenschaftliche Aufsätze am Stück produziert. Zinn war ein Aktivist, ein Bürgerrechtskämpfer, der später auch gegen den Vietnamkrieg auf die Straße ging und zusammen mit seinem Freund Noam Chomsky das Bild des aktivistischen Gelehrten prägte.
Sein Hauptwerk war A Peoples History of the United States, ein Buch geschrieben aus der Perspektive des einfachen Volkes: der Indianer, der einfachen Siedler, der Arbeiter, der Immigranten. Das 1980 erstmals und seitdem immer wieder erweiterte Buch ist bewusst an vielen Stellen eher unwissenschaftlich gehalten – und ist dadurch grade so gut lesbar, weil es den Fokus auf Ereignisse und Hauptpersonen legt, die eher unbekannt sind und so einen einzigartigen Blickwinkel auf die amerikanische Geschichte geben.
Sein Fokus auf das einfache Volk und seine immerwährende Hoffnung auf eine Revolution von unten hat ihn wie auch Chomsky komplett außerhalb des politischen Establishments und des Zweiparteiensystems stehen lassen. Den auch von den Demokraten hat er sich keine linke Politik nach seiner Vorstellung versprochen. Für eine Einbindung in demokratische Parteistrukturen war Zinn einfach zu weit links, so dass er sich selbst mit Hinblick auf seine Verortung in der amerikanischen Gesellschaft als radical angesehen hat. Daher kommt auch sein Urteil über Obama, welches er jüngst zu dessen einjährigem Amtsjubiläum gab, nicht überraschend:
As far as disappointments, I wasn’t terribly disappointed because I didn’t expect that much. I expected him to be a traditional Democratic president. (…) I think people are dazzled by Obama’s rhetoric, and that people ought to begin to understand that Obama is going to be a mediocre president–which means, in our time, a dangerous president–unless there is some national movement to push him in a better direction.
Sein letztes großes Projekt war die Dokureihe The People Speak, welches basierend auf seiner People’s History das amerikanische Volk für mehr direkte Demokratie und Aktivismus begeistern soll.
Ich habe ja lange nicht mehr gebloggt. Das ist vor allem Zeitgründen geschuldet, der Tag hat leider nur 24 Stunden. An mangelnden Themen lag es mit Sicherheit nicht. Sarah Palin treibt immer noch ihr Unwesen, die Hysterie um die Gesundheitsreform war unterhaltend und beängstigend zugleich, mit Bezug auf die Politik von Obama gab es Licht und Schatten, Hoffnungsschimmer, Zustimmung und Enttäuschungen von meiner Seite.
Eine neue Entscheidung der Obama-Administration ruft bei mir nun aber völliges Unverständnis hervor: die von der Bush-Regierung übernommene Haltung zu Landminen und die damit verbundene anhaltende Weigerung zur Ratifizierung der Konvention gegen Landminen. Die Begründung aus dem Weißen Haus:
“We made our policy review and we determined that we would not be able to meet our national defense needs nor our security commitments to our friends and allies if we sign this convention.” (via foreignpolicy.com
Aha. Friends and allies? Nun, alle NATO-Staaten haben das Anti-Landminen-Abkommen bereits unterzeichnet, insgesamt sind es 156 Staaten (Stand: September 2007). Wer hat es dagegegen nicht unterzeichnet? China, Russland, Iran, Israel, Nordkorea, Syrien, usw. Also bis auf Israel alles langjährige und enge Verbündete der Vereinigten Staaten. To meet our national defense? Wie soll diese Art der Verteidigung der Nation denn bitteschön aussehen? Die Grenzen zu Mexiko und Kanada mit Landminen zupflastern, damit kein Terrorist über den Landweg mehr reinkommt? Das ist sicher ein wirksames Mittel. [Update: Der Politblogger weist grad noch auf einen Zusammenhang mit Nord- und Südkorea hin, da liegen auch ein paar Landminen rum.]
Wo könnte man Landminen denn sonst noch so einsetzen? Nun, fast alle Landminen liegen in Entwicklungsländern. Oftmals sind ganze Gebiete regelrecht verseucht. Das führt dazu, dass auch Jahrzehnte nachdem die kriegerischen Auseinandersetzungen vorbei sind, immer noch Menschen Opfer von Landminen werden. Die Entfernung der Landminen kostet Millionen. Viel schlimmer aber ist, dass nach Schätzungen der Vereinten Nationen pro Monat mehr als 2.000 Opfer von Landminen werden. 80% von ihnen sind Zivilisten, 25% Kinder. Anti-Personen-Landminen sind äußerst effiziente Verstümmelungsmaschinen, die auch in Friedenszeiten daher Leid und Schrecken verbreiten.
Erwähnt werden muss natürlich auch, dass die USA der größte Geldgeber für NGOs sind, die in der Beseitigung von Landminen aktiv sind. Daher mutet das kontinuierliche “NO” umso paradoxer an. Vor allem, da Obama 2006 im Senat auch noch für den Mine Ban Treaty gestimmt hat (im Gegensatz zu Hillary Clinton).
Wie ist dieser Sinneswandel zu erklären? Ist Obama jetzt ein knallharter Realpolitiker geworden, der kein Abkommen mittragen will, welches nicht auf von konkurrierenden Mächten wie China und Russland ratifiziert wird. Eine “Ich mach nur mit wenn die auch mitmachen”-Politik ist hier aber das falsche Signal, vor allem wen man angetreten ist, grade mit Hinblick auf internationale Verträge und Abrüstungspolitik der Weltgemeinschaft ein führendes Beispiel zu geben. “Lead by example” sieht anders auch. Auch das Argument, dass die Zustimmung kaum durch den Senat zu bekommen sei (67 Senatoren müssten zustimmen), kann hier nicht gelten. Denn so gibt man sich ja schon von Anfang an geschlagen.
Also: Weiter mit der humanitären Hilfe zur Beseitigung von Landminen in ehemaligen Kriegsgebieten. Dazu aber bitte Unterzeichnung der Konvention sowie Vernichtung der Millionen von Landminen, die noch in Depots des US-Militärs lagern. Denn die braucht wirklich kein Mensch. Und ein Friedensnobelpreisträger erst recht nicht.
Adrian Rosenthal on August 18th, 2009 · Election 2008
Da sitzen ein paar voll engagierte Team Deutschland-Mitglieder schön im Tiergarten und sinnieren darüber, was für einen Knaller man den noch unter das deutsche Wahlvolk bringen kann. Heureka! Dieser Obama! Der hat doch auch was mit Musik und so gemacht – und das war doch echt voll erfolgreich:
Die hatten doch Scarlett Johansson und so ein paar völlig unbekannte Menschen – und das Video war trotzdem voll der Hit. Wir nehmen einfach Leslie Mandoki – den kennt die ganze Welt. Den er arbeitet ja schließlich mit Phil Collins und Lionel Richie, ist also grade total angesagt, vor allem im Internetz. Und Thriller hat der doch auch produziert, oder?
Und Power wie wir hat der auch, wie der die Faust ballen kann. Ist ja auch kein Wunder: Er vereint Wolle Petry, Dragoslav Stepanovic, Dschingis Khan und Obelix in ein und derselben Person. Hat also quasi Quadruple Power. Total abgefahren. Man gebe ihm ein Ministeramt. Die Sänger sind auch voll cool, treffen beim ersten Take gleich jeden Ton. Damit könnten wir auch die deutsche Vorentscheidung zum Eurovision Songcontest gewinnen. Und für alle Fans von Pur und der Münchener Freiheit ist das Lied der Hochgenuss.
Mal ehrlich, so etwas Peinliches hab ich selten gesehen. Wie kann das CDU-intern eigentlich durchgehen? Nicht wenige CDU-Sympathisanten werder hier vor Scham im Boden versinken. Oder zielen sie damit tatsächlich nur auf Schunkelhallen ab, die sich beim Anblick von Florian Silbereisen reflexartig auf die Schenkel klopfen? Der Text ist fast schon grandios schlecht und unübertrefflich nichtssagend. Leere Wortwolken – so wie man es auch öfter mal in Parteiprogrammen liest. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich vermuten, dass es sich hier um eine gelungene Guerillaaktion des politischen Gegners handelt. Diese Steilvorlage muss einfach aufgegriffen werde…
Toll finde ich auch, dass sich das Team Deutschland explizit Remixe von dem Lied wünscht. Fragt doch mal bei Oli P. an – der kann bestimmt noch ein paar tolle Reime beisteuern. Word up!
Seit heute ist die Hängepartie nun vorbei: Acht Monate nach der Wahl hat der Supreme Cout von Minnesota Al Franken zum Sieger der Wahl und somit zum Senator von Minnesota erklärt. Das Ergebnis war aufgrund des geringen Abstands bei den Stimmen von seinem republikanischen Herausforderer Norm Coleman angefochten wurden. Heute bestätigte das oberste Gericht des Bundesstaates jedoch, dass Franken die Wahl mit einem haudünnen Vorsprung von 312 Stimmen gewonnen hat.
Al Franken wurde als Komiker (u.a. Saturday Night Live), Buchautor (sehr zu empfehlen: Lies and the Lying Liars Who Tell Them), Radiomoderator (Air America) und Intimfeind von Bill O’Reilly bekannt, dem schon seit langem politische Ambitionen nachgesagt wurden.
Nun hat er es also geschafft. Was politisch von ihm zu erwarten ist, mag ich (noch) nicht zu beurteilen. Allerdings ist dieser für die Mehrheitsverhältnisse im Senat aus demkratischer Sicht von herrausragender Bedeutung. Mit Al Frankens Stimme verfügen die Demokraten nun 60 Stimmen im Senat – die Anzahl, die benötigt wird, um einen Filibuster von Seiten der Republikaner zu verhindern. Dies kann beispielsweise ein entscheidender Vorteil sein, um Nominierungen für den Supreme Court durch den Kongress zu drücken.
Eins lässt sich aber mit Sicherheit schon jetzt sagen: Langweilig wird es mit einem Senator Al Franken nicht