Midterms 2014: die 15 schrägsten Wahlvideos

“Ich bin nicht Barack Obama”: Alison Lundergan Grimes will für Kentucky in den US-Senat.

Die Spannung in den USA steigt. Am 4. November finden die Zwischenwahlen (“Midterms”) statt. Es geht um alle 435 Sitze im Abgeordnetenhaus und um ein Drittel der 100 Senatssitze. Dazu kommen 36 Gouverneurswahlen. Für Präsident Barack Obama steht viel auf dem Spiel. Ein letztes Mal stellt er als amtierender Präsident seine Politik zur Abstimmung. Ab dem 4. November beginnt die zweite Hälfte seiner zweiten und letzten Amtszeit. Dem Demokraten droht das frühe Schicksal einer “lame duck”, einer “lahmen Ente” im Weißen Haus.

Sollte es den Republikanern gelingen, neben dem Abgeordnetenhaus auch im Senat eine Mehrheit der Sitze zu erreichen, hätte Obama kaum mehr die Chance, Gesetze durchzubringen. Die Folgen wären eine gelähmte Regierung und ein frühzeitig gescheiterter Staatschef. Aktuelle Umfragen sehen die Konservativen bei der Senatswahl leicht im Vorteil.

In den Bundesstaaten versuchen Demokraten und Republikaner mit allen Mitteln, sich von den Entscheidungen in der Hauptstadt Washington abzugrenzen. Eine zentrale Rolle spielen dabei TV-Spots. Rund eine Milliarde US-Dollar haben Parteien und Kandidaten der “Washington Post” zufolge dafür ausgegeben. Auch in diesem Jahr schafften es zahlreiche Landespolitiker, mit den oft kuriosen Clips landesweit auf sich aufmerksam zu machen. “Amerika wählt” hat 15 besonders schräge Videos herausgesucht.

“Squeal” — Joni Ernst, Republikanerin, Iowa

In Iowa will Joni Ernst für die republikanische Partei in den Senat einziehen. Die 44-Jährige tritt gegen den demokratischen Abgeordneten Bruce Braley an. Es geht um den prestigeträchtigen Sitz des langjährigen Senators Tom Harkin. Mit den TV-Spots “Squeal” (“Quieken”) und “Shot” (“Schuss”/”Versuch”) machte Ernst im März und im Mai landesweit auf sich aufmerksam. ”Ich wuchs auf einer Farm in Iowa auf, wo ich Schweine kastrierte”, sagt Ernst in dem Clip “Squeal”. Sollte sie in den Kongress gewählt werden, wüsste sie, harte finanzielle Einschnitte durchzusetzen. “Washington ist voller Geldverschwender – bringen wir sie zum Quieken.” Aktuellen Umfragen zufolge liegt Ernst knapp vor Braley.

“Joni Ernst’s Pledge” — NextGen Climate

Bereits im Juli nahm die Organisation NextGen Climate Joni Ernst mit einem kuriosen Clip ins Visier. Die “Washington Post” bezeichnete ihn damals als einen der “bizarrsten Politik-Spots in diesem Jahr”. “Wir sind ein bisschen verwirrt”, lautete das Fazit der Tageszeitung. Ein bisschen?

“#GotBalls?” Bob Quast, Iowa

Auch Bob Quast würde gerne für Iowa in den Senat einziehen. Die Chancen des unabhängigen Kandidaten sind allerdings äußerst gering. Warum? Unter anderem, weil er in seinem TV-Spot “#GotBalls?” (umgangssprachlich für “Mutig genug?”) damit droht, Einbrechern die “Eier wegzuschießen”. Dabei blitzt Quasts Zahn auf. Noch Fragen?

“Gator” — Rob Maness, Republikaner, Louisiana

In Louisiana will Tea-Party-Kandidat Rob Maness die Senatorin Mary Landrieu ablösen. Mannes präsentiert sich in seinem TV-Spot “Gator” als gekonnter Krokodiljäger. “Hier in Louisiana lernt man, hart zu sein.” Ob das auch für den 4. November gilt? Maness geht als klarer Außenseiter in die Wahl.

“Justice” — Wendy Davis, Demokratin, Texas

Die Demokratin Wendy Davis will neue Gouverneurin von Texas und Nachfolgerin von Rick Perry werden. Das klingt nach einer schweren Aufgabe, schließlich ist Texas einer der konservativsten Bundesstaaten der USA. Davis setzte im Wahlkampf auf Provokation und veröffentlichte Mitte Oktober den kontroversen TV-Spot “Justice” (“Gerechtigkeit”). Der in dem Clip gezeigte leere Rollstuhl ist ein deutlicher Hinweis auf Davis’ republikanischen Gegner Greg Abbott. Seit einem Unfall im Jahr 1984 ist dieser querschnittsgelähmt. Viele Amerikaner fanden das Video schlicht geschmacklos. Davis sagte, dass sie Abbott nicht habe persönlich angreifen wollen. Texas’ amtierender Justizminister hat jüngsten Umfragen zufolge große Chance, Perry zu beerben.

“When the moment is right” — J.D. Winteregg, Republikaner, Ohio

Dieser TV-Spot kostete J.D. Winteregg seinen Arbeitsplatz. Der Republikaner hatte einen ehrgeizigen Plan: Er wollte John Boehner, den Sprecher des Abgeordnetenhauses, als Kandidaten für den achten Wahlbezirk von Ohio ablösen. Boehner hat dieses Mandat seit 1991 inne. Winteregg beschloss, die lange Amtszeit des Spitzenpolitikers auf satirische Weise zu kritisieren. Im TV-Spot “When the moment is right” (“Wenn der Zeitpunkt stimmt”) wurde Boehner eine “electile dysfunction” angedichtet – ein Wortspiel aus “erectile dysfunction” (Potenzstörung) und “election” (Wahl). “Manchmal, wenn ein Politiker zu lange in {Washington} D.C. ist, steigt ihm das zu Kopf. Dann kann er nicht mehr seine Leistung bringen”, heißt es in dem Clip. Im Anschluss folgt ein weiterer platter Witz, der auf Boehners Nachnamen und dessen Ähnlichkeit mit dem Wort “boner” (umgangssprachlich für Erektion) abzielt.

Wintereggs Arbeitgeber, einer christlichen Hochschule, war all das zu heikel. Sie kündigte den Vertrag mit dem Republikaner. Boehner dürfte über die Kontroverse geschmunzelt haben. Er gewann die Vorwahl und geht als klarer Favorit in das Rennen gegen den Demokraten Tom Poetter.

“Nikko” — National Republican Congressional Committee

Mit dem TV-Spot “Nikko” warf die Dachorganisation der Republikaner, das National Republican Congressional Committee (NRCC), dem Demokraten Brad Ashford aus Nebraska einen zu laschen Umgang mit Straftätern vor. In dem Video ist der verurteilte Straftäter Nikko Jennings zu sehen, der kurz nach dem vorzeitigen Verlassen des Gefängnisses 2013 vier Menschen umbrachte. “Nikko” erinnert an den aggressiven Kampagnen-Clip “Willie Horton” des NRCC aus dem Jahr 1988. Ziel des zweifelhaften Angriffs war der damalige Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Michael Dukakis. Ashford liefert sich in Nebraska ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem bisherigen Abgeordneten im Repräsentantenhaus, Lee Terry.

“Cliven Bundy challenges Eric Holder” — Kamau Bakari, Independent America Party, Nevada 

Einer der kuriosesten TV-Spots dieses Jahres stammt aus Nevada. Dort will Kamau Bakari für die Independent America Party ins Abgeordnentenhaus einziehen. Bakaris Chancen auf einen Sieg gelten als äußerst gering. Gut möglich, dass er deshalb Cliven Bundy um Unterstützung bat. Bundy hat einen spektakulären Auf- und Abstieg in der US-Politik hinter sich. Der Farmer aus Nevada wurde Anfang des Jahres zum Held der “Tea Party”. Er bestand darauf, seine Rinder auf einem Stück Prärie grasen zu lassen, das Eigentum des Bundes ist. Bundy nahm den Kampf auf und feierte sich als ”wahren Patrioten”. Der “Tea Party” gefiel das. Mit rassistischen Kommentaren verspielte Bundy seine zweifelhafte Beliebtheit jedoch wieder.

Umso erstaunlicher, dass der Afro-Amerikaner Bakari Bundy um Hilfe bat. Gemeinsam nahmen sie ein Video im Westernstil auf, in dem sie sich über Rassismus in den USA unterhalten und gegen Justizminister Eric Holder wettern. Der Clip mag außergewöhnlich sein, auf den Wahlkampf in Nevada hatte er keine Auswirkungen. Die demokratische Abgeordnete Dina Titus dürfte sich am 4. November gegen die Republikanerin Annette Teijeiro durchsetzen.

“Skeet Shooting” — Alison Lundergan Grimes, Demokratin, Kentucky

Der im September veröffentlichte TV-Spot der Demokratin Alison Lundergan Grimes besitzt eine enorme politische Aussagekraft. Der Clip zeigt Grimes beim Tontaubenschießen. Dabei erzählt die 35-Jährige, dass ihr Gegner Mitch McConnell versuche, den Wählern in Kentucky einzureden, dass sie die Politik des Weißen Hauses unterstütze. “Ich bin nicht Barack Obama”, sagt Grimes mit der Waffe in der Hand. Dieser Satz verdeutlicht die Not der Demokraten bei dieser Zwischenwahl. Obamas Popularitätswerte sind so stark gesunken, dass er im Wahlkampf keine Rolle spielt. Aus dem einstigen Hoffnungsträger der Partei ist eine Persona non grata geworden.

McConnell, Fraktionschef der Republikaner im Senat, führt die Umfragen zurzeit an. Das Rennen gilt jedoch als offen. Sollte der Republikaner die Wahl gewinnen, dürfte er im Fall eines Machtwechsels im Senat neuer Vorsitzender der Parlamentskammer und Nachfolger des Demokraten Harry Reid werden.

“What Rhymes with Alison Lundergan Grimes?” — Mitch McConnell, Republikaner, Kentucky

Im Juli versuchte Mitch McConnell, den Wahlkampf, nun ja, etwas aufzupeppen. Auf YouTube postete McConnells Mannschaft ein scheinbar amateurhaftes Musikvideo, das Alison Lundergan Grimes als Obama-Anhängerin verspottete. Der anderthalb Minuten lange Clip wurde als virales Werbemittel eingesetzt. Mit Erfolg: Auf YouTube haben sich über 620.000 Nutzer das Video angesehen.

“Natalie for West Virginia“ — Natalie West, Demokratin, West Virginia

Im Stress? Nervt die Arbeit mal wieder? Oder die Freundin beziehungsweise der Freund? Dann schauen Sie sich bitte folgendes Video der Demokratin Natalie West an, die neue Senatorin von West Virginia werden möchte. Mehr wollen wir zu diesem äußerst entspannenden Clip gar nicht schreiben.

“Really?” — Terri Lynn Land, Republikanerin, Michigan

Die Republikanerin Terri Lynn Land würde für Michigan gern in den US-Senat einziehen. Ihr demokratischer Gegner Gary Peters will das verhindern. Das Mitglied des Repräsentantenhauses warf Land während des Wahlkampfs vor, einer Partei anzugehören, die einen “Krieg gegen die Frauen” führe. Land lehne es ab, Frauen ein Recht auf Abtreibung einzugestehen. Gleichzeitig setze sie sich nicht dafür ein, die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern zu verkleinern. Die in Umfragen zurückliegende Land reagierte mit dem TV-Spot “Really?” (“Wirklich?”). Das Besondere: Mitten im Video macht Land eine Pause, um Kaffee zu trinken. Der Politikberater Frank Luntz bezeichnete den Clip in einem Fox-Interview als “die schlechteste Werbung in diesem Wahlkampf”. Ob Luntz zum Zeitpunkt des Gesprächs auch diesen Anti-Peters-Spot der Republikaner kannte?

“Restore Leadership” — Allen Weh, Republikaner, New Mexico

Im Wahkampf-Spot “Restore Leadership” (“Führungsstärke wiederherstellen”) des Republikaners Allen Weh sorgte ein Bild für aufgeregte Diskussionen. Wehs Mannschaft veröffentlichte den Clip am 25. August, sechs Tage nachdem die Terror-Miliz “Islamischer Staat” (IS) im Internet das Tötungsvideo des US-Jouranlisten James Foley veröffentlicht hatte. In ”Restore Leadership” ist auch eine Szene aus dem martialischen IS-Clip zu sehen. Foleys Eltern hatten kurz zuvor darum gebeten, das Propagandamaterial der Terroristen nicht weiterzuverbreiten. Weh tritt in New Mexico gegen den demokratischen Senator Tom Udall an. Wehs Chancen auf einen Wahlsieg gelten als gering.

“Betrayal” — Neel Kashkari, Republikaner, Kalifornien

Für Beobachter der Zwischenwahlen gilt der TV-Spot “Betrayal” (“Verrat”) als verzweifelter und hilfloser Versuch, politische Aufmerksamkeit zu erzeugen. Der Clip ist Teil der Kampagne des Republikaners Neel Kashkari. Dieser will Jerry Brown als Gouverneur von Kalifornien ablösen, liegt in Umfragen aber weit hinter dem Demokraten. Das Video zeigt ein Kind, das in einem Schwimmbecken gegen das Ertrinken kämpft. Kashkari selbst rettet den Jungen und sagt im Anschluss: “Als Gouverneur werde ich für die Kinder kämpfen, nicht gegen sie.”

“#TurnOutForWhat” — Rock the Vote 

Ein besonderer Höhepunkt in der heißen Wahlkampfphase war das Video “#TurnOutForWhat” der Non-Profit-Organisation “Rock the Vote“. In dem rund dreieinhalb Minuten langen Clip treten unter anderem der Rapper Lil Jon, die Schauspielerin und Autorin Lena Dunham sowie der Musiker Devendra Banhart auf. Mit dem Spot sollen vor allem junge Amerikaner dazu bewegt werden, am 4. November ihre Stimmen abzugeben. Über 810.000 Mal wurde das amüsante Video auf YouTube angeklickt.

“Fassen Sie meine Freundin nicht an!”

Schwierige Dreiecksbeziehung: US-Prasident Barack Obama (M.) in Chicago.

Sogar Barack Obama muss es mit eifersüchtigen Männern aufnehmen. Bereits am Montag gab der US-Präsident in seiner Heimatstadt Chicago (Bundesstaat Illinois) seine Stimme für die am 4. November anstehenden Zwischenwahlen ab. Dabei traf er auf Aia Cooper und ihren Verlobten Mike Jones. Dieser ließ es sich nicht nehmen, Obama zu warnen: “Mr. President, fassen Sie meine Freundin nicht an.” Cooper war peinlich berührt, Obama selbst reagierte gelassen. Am Ende gab es, das war klar, ein Küsschen für Cooper. “Jetzt ist er richtig eifersüchtig”, sagte Obama.

Hier das amüsante Video:

#Clooney2016

Glamouröse Freundschaft: George Clooney (l.) und US-Präsident Barack Obama.

Bei Hillary Clinton dürfte die Nervosität zurzeit etwas steigen. Auf Twitter verbreitet sich ein Hashtag, der einen möglichen neuen Präsidentschaftskandidaten für das Jahr 2016 ankündigt: #Clooney2016. Das US-Magazin “Vanity Fair” hat dem Netz-Hype um George Clooney bereits einen Artikel gewidmet. Fakt ist: Der Schauspieler und Demokraten-Freund hat gute Voraussetzungen. Er ist klug, politisch ambitioniert und in Washington bestens vernetzt. Mit Amal Alamuddin hat er mittlerweile auch eine potenzielle First Lady an seiner Seite. Dazu kommt, dass er weiß, wie anstrengend eine Präsidentschaftskampagne sein kann.

“Nutzt Clooney das PR-Wohlwollen nach seiner Hochzeit, um direkt ins Weiße Haus zu gelangen”, fragt “Vanity Fair” – und gibt die Antwort gleich selbst: “Wahrscheinlich nicht”. Oder doch? “Denn es gibt nicht viel, was Clooney nicht tun kann.” Es mit Hillary und Bill Clinton aufzunehmen, das dürfte jedoch auch für den Hollywood-Liebling eine unmögliche Mission sein.

Fangate in Florida

Charlie Crist in Davie: Der Ventilator unter seinem Pult ist gut zu erkennen. 

Die Geschichte ist kaum zu glauben, und dennoch ist sie wahr. In der Stadt Davie wollten Floridas Gouverneur Rick Scott und sein Herausforderer Charlie Crist in einer TV-Debatte um Wählerstimmen werben. Der Republikaner Scott weigerte sich jedoch auf die Bühne zu kommen, weil sein demokratischer Gegner Crist einen Ventilator unter sein Pult gestellt hatte. ”Meine Damen und Herren, wir haben hier eine ziemlich seltsame Situation”, sagte Moderator Elliott Rodriguez.

Das Publikum buhte, Crist nutzte den Moment und fragte: “Wollen wir wirklich über einen Ventilator debattieren? Oder wollen wir über Bildung, die Umwelt und die Zukunft unseres Staates reden?” In diesem Augenblick erkannte Scott wohl, dass er einen Fehler gemacht hatte. Wenig später erschien er auf der Bühne.

Das Internet hatte da längst einen Namen für die peinliche Posse gefunden: #Fangate.

Fehlgeleitete Republikaner und eine bankrotte Hillary

Hillary Clinton bekommt nichts geschenkt. Schon gar nicht von der GOP, der Grand Old Party, wie sich die Republikaner gerne nennen. Dabei hätte die demokratische Präsidentschaftskandidatin in spe es nötig, wenn man eben genau jener GOP glauben schenken darf. Die haben jetzt auf ihrer Webseite die 404-Meldung mit dem Konterfei der ungeliebten Demokratin versehen. Die 404-Meldung taucht immer auf, wenn ein Link nicht (mehr) funktioniert.

Das Wortspiel dazu ist ebenso lustig wie gemein.

What do Hillary Clinton and this link have in common? They are both “dead broke”.

“Broke” heißt im Falle des Links, dass er nicht funktioniert, für Hillary aber “pleite”. Sorgen muss man sich aber um die Frontfrau der Demokraten nicht wirklich machen. Dank einer schon länger andauernden Vorbereitungsphase für ihre Kandidatur, einem Bestseller im Buchhandel und den fast schon legendären Fundraisung-Künsten ihres Mannes, sollte sie ihre Kriegskassen gut gefüllt haben, um der GOP solche Seitenhiebe in gleicher Münze heimzahlen zu können.

“Isn’t it a bitch?”

Gut aufgelegt: US-Vizepräsident Joe Biden

US-Vizepräsident Joe Biden trägt sein Herz auf der Zunge. Das ist ein bekannter Fakt. Nun hat er diese Charaktereigenschaft auf erneut einprägsame Weise demonstriert. Während einer Veranstaltung der Harvard Universität machte Biden einen derben Scherz über sein eigenes Amt. “Isn’t it a bitch?”, sagte er zu einem Studenten, der sich als Vizepräsident der Studentenschaft vorgestellt hatte. Biden muss sich schnell bewusst geworden sein, was er da gesagt hatte. Rasch schob er hinterher, dass er nur einen Witz gemacht habe. Und das gleich sechs Mal.

Hier das entsprechende Video:

Kleine Geste, großer Streit

US-Präsident Barack Obama (M.) beim Aussteigen aus “Marine One”

Es ist lediglich ein kleines Ritual. Ein Wimpernschlag genügt, um es zu verpassen – und doch ist es weltbekannt. Wenn der US-Präsident in ein Flugzeug oder in einen Hubschrauber ein oder-aussteigt, stehen Marines bereit und salutieren. Dem Protokoll zufolge führt der Staatschef und Oberste Befehlshaber ebenfalls die Hand zur Stirn. Im Handbuch der US-Navy steht, dass die von Ronald Reagan eingeführte Geste die “wichtigste aller militärischen Gepflogenheiten“ sei.

Ausgerechnet diese fast alltägliche Routine wurde Barack Obama jetzt zum Verhängnis. Am Dienstag landete der Demokrat mit seinem Hubschrauber “Marine One” in New York. Beim Aussteigen hatte er jedoch einen Kaffeebecher in der rechten Hand. Also führte er diesen ebenfalls in Richtung Stirn und stapfte dann lässig mit Sonnenbrille weiter. In den sozialen Netzwerken sorgte der vom Weißen Haus auf Instagram veröffentlichte Clip für Unmut.

“Warte – hat Präsident Obama eben den Marines mit einem LATTE in seiner Hand salutiert?!”, schrieb etwa das Republikanische Kongresskomitee auf Twitter. Im Anschluss setzte das NRCC seine Nachrichten mit dem Hashtag #LatteSalute ab. Andere Twitter-Nutzer nannten die Geste “unglaublich respektlos”. Sarah Palin, einstige Ikone der “Tea Party”, reagierte blitzschnell und entschuldigte sich (scheinbar für die Konservativen) auf Facebook beim US-Militär.

“Moment mal, wie despektierlich war das denn”, sagte Karl Rove, einstiger “Spin Doctor” der Republikaner, zum TV-Sender Fox News. Auch die “New York Times“, die “Washington Post” und die Politik-Webseite “Politico” griffen den Streit um den “Latte Salute” beziehungsweise den “Starbucks Salute” auf. Mittlerweile existiert auf Twitter sogar ein eigener Satire-Account.

Bush salutierte mit Hund auf dem Arm

Für den ohnehin unbeliebten Präsidenten kommen die Diskussionen um den “Latte Salute” zur Unzeit. Sechs Wochen vor den Zwischenwahlen am 4. November sind das Weiße Haus und Obamas Demokraten dringend auf gute Nachrichten angewiesen. Die Republikaner dürften daher versuchen, den Pappbecher-Streit weiter anzuheizen.

Dem TV-Sender CNN zufolge gibt es bei dem militärischen Gruß eine Empfehlung, was zu tun ist, wenn die Hände nicht frei sind: einfach nicht salutieren. Obama ist übrigens nicht der erste US-Präsident, dem die Geste gründlich misslingt. Sein Vorgänger George W. Bush versuchte 2001, mit seinem Hund auf dem Arm zu salutieren.

Die gekaufte Demokratie?

Wer Wahlen gewinnen will, braucht Geld. Viel Geld. So wurden zum Beispiel im letzten Präsidentschaftswahlkampf 2008 insgesamt geschätzte 5,3 Milliarden US-Dollar ausgegeben. Vier Jahre zuvor waren es laut dem Center for Responsive Politics “nur” 4,2 Milliarden US-Dollar.

Zugenommen hat zeitgleich die Rolle von so genanntem Dark Money. Das sind Spenden, die zwar bei der Bundeswahlkommission FEC angezeigt werden müssen, es aber ganz legal im Dunkeln bleibt, woher das Geld ursprünglich kommt. Das ist möglich, weil zunehmend Organisationen den Wahlkampf finanzieren, die auf dem Papier keine politischen Organisationen sind. Das können zum Beispiel Gruppen wie die Patriot Majority USA sein, die als 501(c)(4) social welfare organization den Status einer wohltätigen NGO tragen, oder tatsächlich auch die National Rifle Association.

Das Center for Responsive Politics hat errechnet, dass für die anstehenden Midterms schon über 50 Millionen US-Dollar an Dark Money gespendet wurden. Das ist ein neuer Rekord und die siebenfache Summe im Vergleich zu den letzten Kongresswahlen.

Doch auch vermögende Einzelpersonen spielen eine wachsende Rolle in der Politik, wenn man Darrel West glauben darf. West leitet den Bereich Regierungsstudien (Governance Studies) der renommierten Washingtoner Denkfabrik Brookings Institution. Er hat sich dem Thema in einem neuen Buch gewidmet.

Darin geht er der Frage nach, wie die 492 US-Milliardäre, darunter politische Schwergewichte wie Sheldon Adelson, Michael Bloomberg, Bill Gates, die Koch-Brüder Rupert Murdoch, George Soros oder Donald Trump, den demokratischen Prozess beeinflussen und – SPOILER! – massiv verzerren.

Die Finanzierung von Wahlkämpfen dürfte vor diesem Hintergrund auch in den kommenden Monaten und mit Blick auf 2016 ein Thema bleiben. Zumal schon lange eine Reform der Finanzierung von Wahlkämpfen gefordert wird, etwa von der American Civil Liberties Union. Ein neuer Angang einer Reform ist allerdings nicht in Sicht. Vielleicht fehlt es an Spendern.

Viel Lärm um die Noch-Nicht-Kandidatin

 

Wir haben es getan. Wir werden es wieder tun. Viel wichtiger ist aber, dass nahezu alle US-Medien es auch tun. Nämlich über jeden Auftritt von Hillary Clinton zu berichten und sei der Nachrichtenwert auch noch so gering.

Peter Hamby, langjähriger Politikjournalist in Diensten von CNN, hat sich jetzt mit diesem Phänomen auseinandergesetzt. Er beschreibt Szenen aus Iowa, wo Hillary und Bill Clinton zum Steak essen zu Gast waren. Über 200 Journalisten seien über Tage vor Ort gewesen, um alle die selben O-Töne und Bilder einzufangen, während zahllose politische Themen von Immigration bis Ebola kaum Aufmerksamkeit fanden.

Hamby, der schon mit seiner Frage “Did Twitter kill the Boys on the Bus” eine Diskussion um professionelles journalistisches Arbeiten während der Präsidentschaftswahlen auslöste, spricht von einem “Madcap Media Mob”, also einer verrückten Medienmeute.

Es hat schon Züge von Slapstick, wenn Fotografen von Leitern fallen und Reporter von schwenkenden TV-Kameras von den Füßen geholt werden. Vor allem aber ist es eine Herausforderung sowohl für die Journalisten als auch für die Wahlkampfmanager.

Wie kann man eine Kampagne organisieren, die schon 2 Jahre vor den Wahlen einen derartigen medialen Rummel auslöst. Wie kann man ausreichend handfesten “content” anbieten, der die immer hungrige Meute in diesem “atomized and hyperactive social news environment” zufriedenstellt?  Zur Erinnerung: Hillary Clinton hat noch nicht einmal offiziell bekannt gegeben, dass sie antreten wird. Wie kann man andererseits über eine Kampagne mit der nötigen Distanz berichten, wenn der Konkurrenzdruck um Soundbites und Interviews so groß ist?

Peter Hamby eine Idee. Er will seine nächste Recherchereise an einen Ort unternehmen, an dem ganz gewiss keine anderer Journalist ist.

Photo Credit: <a href=”https://www.flickr.com/photos/71336401@N00/2286380499/”>mattscoggin</a> via <a href=”http://compfight.com”>Compfight</a> <a href=”https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/”>cc</a>

Der engagierte Mr. McAvoy

I only seem liberal because I believe that hurricanes are caused by high barometric pressure and not gay marriage.

(Will McAvoy, ACN Newsnight)

Will McAvoy ist erfolgreicher Anchorman im US-amerikanischen Nachrichtengeschäft. Will ist der vielleicht engagierteste Nachrichtensprecher des gesamten Kabelfernsehens. Will ist bekennender Republikaner. Will ist scharfer Kritiker der Tea Party. Und Will McAvoy existiert nicht.

Besser gesagt: die Kunstfigur WillMcAvoy existierte bislang nur in der HBO Serie “The Newsroom” – überzeugend dargestellt von Jeff Daniels. Der spielt einen frustrierten Vollblut-Fernsehjournalisten, der es – nach einigen privaten und beruflichen Turbulenzen – nochmal wissen will. Kann Fernsehen im 21. Jahrhundert bei all den Zwängen aus Konkurrenz, Digitalisierung und sich wandelnden Sehgewohnheiten den Anspruch haben, möglichst objektive Nachrichten zu liefern? Sein Versuch ist grundsympatisch, stößt aber auf massive Widerstände.

Auf dem Kurznachrichtendienst twitter hat Will McAvoy seit Juni 2012 ein Eigenleben entwickelt. Dort wird unter seinem Namen versucht, den hehren Anspruch des Serienhelden in die Wirklichkeit der amerikanischen Politik zu tragen. Das wird umso spannender je näher die Midterms rücken und damit zwangsläufig auch das Schaulaufen der Kandidaten für 2016.

Denn Will McAvoy ist für Republikaner sowohl in der Serie als auch offenbar im richtigen Leben ein rotes Tuch. Entsprechend geht es auf seinem Twitter-Account hoch her.

Ganz aktuell lässt sich sehr schön nachverfolgen, wie sich Will mit großer Hartnäckigkeit dagegen sträubt, dass die GOP Hillary Clinton die Zwischenfälle in Bengazi 2012 als Mühlstein für den kommenden Wahlkampf um den Hals hängt. Die vehemente Gegenrede, die er dabei bekommt, zeigt, das die Idee einer faktenbasierten Berichterstattung und politischen Diskussion auch außerhalb der Serie auf gehörige Widerstände stößt.

 

 

Hillary Clinton: “I’m baaaaack!”

Am Sonntag steigerte sich die politische Spannung in Indianola (US-Bundesstaat Iowa) ins schier Unermessliche. Rund 10.000 Zuschauer waren gekommen, dazu 200 Pressevertreter. Warum? Bill und Hillary Clinton drehten Steaks um und aßen diese anschließend. US-Politik kann faszinierend sein.

Ach so: Bei der vom demokratischen Senator Tom Harkin veranstalteten Brutzel-Party begrüßte Hillary Clinton das Publikum nicht nur mit den verheißungsvollen Worten “I’m baaaaack!”. Sie sagte auch, dass sie in der Tat über eine erneute Kandidatur für das Weiße Haus im Jahr 2016 nachdenke. ”Heute bin ich aber wegen den Steaks hier.” Die Menge jubelte frenetisch, Clinton lachte. Unsicherheit sieht anders aus.

Hier gibt es das passende Video dazu.

Die schrecklich netten Palins

Bleibt eine streitbare Politikerin: Sarah Palin

Es begann als eine Geburtstagsfeier für Schneemobilfahrer – und endete   in einer Schlägerei mit Mitgliedern der Familie von Sarah Palin. Die Polizei untersucht noch, wie es zu dem Vorfall am Samstag in Anchorage (Alaska) gekommen ist, so oder so steht aber fest: Der Vorfall lässt die ehemalige Gouverneurin des nördlichsten US-Bundesstaats und republikanische Vizepräsidentschaftskandidatin von 2008 erneut in einem schlechten Licht erscheinen.

Wie kam es zu der Schlägerei? Der “New York Times” zufolge begann das Fest als eine Geburtstagsfeier für die Zwillingsbrüder Matt und Marc McKenna; letzterer ist ein bekannter Schneemobilrennfahrer. Die Gäste tanzten, eine Live-Band spielte, die Stimmung war ausgelassen. Das änderte sich, als die Palin-Familie mit einer Hummer-Limousine aufkreuzte.

Augenzeugen zufolge stieg Palins bereits betrunkener Sohn Track aus dem Geländewagen und stürzte sich auf einen ehemaligen Freund seiner Schwester Willow, der ebenfalls zu der Party eingeladen war. Ein Streit brach aus, es folgte ein wüstes Handgemenge, bei dem Palin-Tochter Bristol und auch Ehemann Todd mitmischten. Die Schlägerei endete erst, als der Palin-Clan das Gelände verlassen musste.

Der “New York Times” zufolge ließ Sarah Palin vom Auto aus wüste Beschimpfungen los und schrie: “Wisst Ihr nicht, wer ich bin?” Einer der Gäste konterte mit dem Satz: ”Das hier ist keine verdammte Hillbilly-Reality-Show!” Palin hat sich bislang nicht zu dem Vorfall geäußert.

Was Du über die “Midterms” wissen musst

Während wir uns vom Schock der zweistelligen AfD-Ergebnisse erholen und gespannt nach Schottland schauen, laufen in den USA die Wahlkampfmaschinen der Republikaner und Demokraten heiß. Am 4. November sind Halbzeitwahlen, kurz “the Midterms”.

Viel steht auf dem Spiel: ein Drittel (36) der 100 Sitze im Senat wird möglicherweise neu besetzt. Gleichzeitig werden alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses (neu?) gewählt. Satte 36 von 50 Governeursposten werden vergeben. Im Vergleich dazu klein, aber fein: auch die Bürgermeister von Washington DC, San Diego, Newark und New Orleans stehen zur Wahl.

Die meiste Aufmerksamkeit richtet sich in den US Medien auf den Senat. Von den umkämpften Sitzen halten derzeit die Demokraten 21, die Republikaner 15. Wo sonst im bipolaren Parteiensystem in den USA selten Einigkeit herrscht, gehen Beobachter beider Seiten davon aus, dass die Demokraten mit herben Verlusten rechnen müssen. Die Republikaner haben dagegen gute Chancen, die Mehrheit im Oberhaus des Kongresses zu erobern und damit beide Häuser zu kontrollieren.

Die erste – innerparteiliche – Hürde hat die GOP dabei schon genommen: in allen 13 Staaten, in denen sich republikanische Amtsinhaber Herausforderern der Tea Party gegenüber sahen, konnten sich die Senatoren durchsetzen. Der gemäßigte Flügel der Partei geht damit gestärkt in die Wahlen.

Wie stark die Republikaner wirklich sind, kann natürlich niemand voraussagen. Nate Silver wäre aber nicht Nate Silver, wenn er es nicht versuchen würde. Seine Zahlen lassen die Demokraten hoffen. Zwar sieht auch er die Republikaner durch die Bank in allen Umfragen vorne. In den umkämpften Staaten (“purple states”) stellt er aber leichte Vorteile für die demokratischen Kandidaten fest.

Photo Credit: VJnet via Compfight cc

“Ich dachte, es wäre Beyoncé”

“Ich verstehe das”: US-Präsident Barack Obama und Beyoncé-Fan Madison.

Kinder bleiben für US-Präsidenten immer eine Herausforderung. In der US-Hauptstadt Washington zeigte sich das bei einem Schulbesuch von Barack Obama. Als er mit einem jungen Mädchen namens Madison einige Rucksäcke für obdachlose Kinder bestückte, verriet sie ihm, wen sie sich eigentlich als Spezialgast gewünscht hatte: Popsängerin Beyoncé. Obama gab sich verständnisvoll. “Ich verstehe das.” Bei seinen Töchtern wäre das sicherlich genauso gewesen.

Doch Madison legte nach. “Dann wurde mir klar, dass Sie es sein würden – und das war noch besser.” Auch dieses Mal reagierte der Demokrat auf humorvolle Art. “Ich rechne es Dir hoch an, dass Du das vor der Presse sagst. Ich weiß aber, dass es nicht stimmt”, sagte er augenzwinkernd zu Madison.

Der eigentliche Rückschlag für den Staatschef kam jedoch von First Lady Michelle Obama, die wenige Meter von ihrem Ehemann entfernt stand. Sie sagte lapidar: “Ich würde auch lieber Beyoncé sehen.”

Wir fühlen mit Ihnen, Mr. President.

Carney und McCain zoffen sich bei CNN

Bleiben wohl Gegner: Jay Carney (l.) und John McCain.

Im Juni teilte Jay Carney mit, sein Amt als Sprecher von US-Präsident Barack Obama aufzugeben. Nun ist der ehemalige “Time”-Journalist zurück in der politischen Arena. CNN gab bekannt, dass Carney zukünftig als Kommentator für den TV-Sender arbeiten werde. ”Ich bin begeistert, mich CNN in einer Zeit anschließen zu können, in der in der Nation und in der Welt so viel passiert”, teilte der 49-Jährige mit. Seinen ersten Auftritt hatte Carney am Mittwochabend (Ortszeit), als er Obamas Rede an die Nation analysierte.

Der zugeschaltete Senator John McCain ist von Carneys Seitenwechsel wohl nicht überzeugt. Der Republikaner lieferte sich mit dem einstigen Regierungssprecher ein aggressives Wortduell. Hier das Video: