Nach Anklage: Rick Perry stellt sich

Der Druck auf Rick Perry wächst. Wegen Amtsmissbrauchs und Nötigung ist der texanische Gouverneur angeklagt worden. Der Republikaner, der als möglicher Präsidentschaftsbewerber 2016 zählt, soll versucht haben, mit einer Veto-Drohung die demokratische Staatsanwältin Rosemary Lehmberg zum Rücktritt zu zwingen. Nun berichtet der TC-Sender CBS, dass sich Perry der Polizei stellen will.

Konkret heißt das, dass Perry zur formellen Bearbeitung der Anklage durch die Behörden seine persönliche Informationen angeben muss. Dabei werden auch seine Fingerabdrücke genommen und Fotos (“Mugshots”) gemacht. Die Gegner des Republikaners dürften sich bereits die Hände reiben.

Die Anklage ist in den USA umstritten. Die “New York Times” bezeichnete sie als falsch, David Axelrod, ein enger Vertrauter von US-Präsidenten Barack Obama, nannte sie auf Twitter “dürftig”. Perry selbst wies die Anschuldigungen zurück. “Diese Anklage läuft auf nichts anderes hinaus als Machtmissbrauch und ich kann und werde nicht zulassen, dass so etwas passiert”, sagte er auf einer Pressekonferenz.

Obama: “Ich muss sehr vorsichtig sein”

Die Krawalle in der Stadt Ferguson nach den tödlichen Schüssen eines Polizisten auf den schwarzen Teenager Michael Brown sind ein Symbol für das bis heute wohl größte Reizthema der USA: die Hautfarbe. Präsident Barack Obama hat in dem Konflikt offensive Worte bislang vermieden. Während einer Pressekonferenz im Weißen Haus sagte er: “Ich muss sehr vorsichtig sein, die Geschehnisse [in Ferguson] vor dem Abschluss der Untersuchungen nicht vorschnell zu beurteilen.”

So bewerten die Medien Obamas Rolle in dem Konflikt:

Die “L.A. Times” analysiert die Hintergründe von Obamas Ferguson-Strategie.

Das “Time“-Magazin vermutet, dass der Präsident versuchen wird, eine Reise nach Ferguson zu verhindern.

Die “New York Times” geht auf die vergleichbare Tragödie um den 2012 in Florida erschossenen Trayvon Martin ein.

Die Nachrichten-Webseite “The Daily Beast” ordnet die zögerliche Reaktion des Demokraten in einen historischen Kontext ein.

Die Politik-Webseite “Politico” erläutert die politischen Motive hinter der Reaktion des Weißen Hauses.

Ebenfalls auf “The Daily Beast” ist ein lesenswerter Artikel zu finden, der erklärt, wie sich Obama – allen aktuellen Annahmen zum Trotz – um junge Afroamerikaner kümmert.

Der TV-Sender “Fox News” kritisiert Obama dafür, die Gewalt in Ferguson nicht explizit verurteilt zu haben.

Für die “Süddeutsche Zeitung” ist Obama im Ferguson-Konflikt ein “farbloser Präsident”. (Eine verunglückte Überschrift für einen ansonsten ausgewogenen Text.)

Kevin Spacey foppt Hillary Clinton

Die Netflix-Serie “House of Cards” ist ein Publikums- und Kritikerhit. Auch Bill und Hillary Clinton sind große Fans der TV-Serie. Ein neues YouTube-Video zeigt eindrucksvoll, wie eng die Clintons mit Hauptdarsteller Kevin Spacey verbunden sind. Spacey spielt in “House of Cards” den skrupellosen Politiker Frank Underwood, der es nur mit Intrigen bis zum Vizepräsidenten der USA bringt.

“Washington ist so langweilig im Sommer, dass ich mich selbst ein bisschen unterhalten muss”, sagt Spacey in seiner bekannt arroganten Underwood-Stimme in dem Clip. Dann greift er zum Telefonhörer und ruft Hillary Clinton an. Allerdings tut er dies mit verstellter Stimme. Hier nun verschwimmen die Grenzen zwischen der TV- und der realen Welt. Denn Spacey ist ein talentierter Imitator des Ex-Präsidenten.

Die ehemalige US-Außenministerin nimmt ab und unterhält sich mit ihrem “Ehemann” über seinen bevorstehenden Geburtstag. Nach einer kurzen Diskussion über mögliche Geschenke und Vornamen für das Kind von Tochter Chelsea fragt Clinton schließlich: “Kevin, kannst Du nicht einfach die Geburtstagskarte für meinen Mann unterschreiben?” Spätestens jetzt wird klar: Der Clip ist eine gut gemachte PR-Aktion der Clinton-Stiftung für den 68. Geburtstag des Demokraten am 19. August.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass sich Spacey als Clinton-Imitator für die Stiftung einsetzt. 2011 war er Teil einer illustren Runde aus Hollywood-Stars, die in einem amüsanten Video der US-Webseite “Funny or Die” auf die Ziele der Organisation aufmerksam machten.

Perry wegen Amtsmissbrauchs angeklagt

Der texanische Gouverneur Rick Perry ist wegen Amtsmissbrauchs und Nötigung angeklagt worden. Perry, der bei den Republikanern zu den möglichen Präsidentschaftsbewerbern 2016 zählt, soll versucht haben, mit einer Veto-Drohung die demokratische Staatsanwältin Rosemary Lehmberg zum Rücktritt zu zwingen.

Perry wies die Anschuldigungen zurück. Er nannte die Anklage empörend und eine Farce. “Diese Anklage läuft auf nichts anderes hinaus als Machtmissbrauch und ich kann und werde nicht zulassen, dass so etwas passiert”, sagte er auf einer Pressekonferenz.

Sollte der 64-Jährige wegen Machtmissbrauchs verurteilt werden, drohen ihm zwischen 5 und 99 Jahre Gefängnis. Sollte die Grand Jury zum Schluss kommen, dass sich Perry der Nötigung schuldig gemacht hat, wären bis zu 10 Jahre Gefängnis möglich.

2012 war im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur Mitt Romney unterlegen. Dieser er wiederum verlor gegen den demokratischen Amtsinhaber Barack Obama.

Hillary Clinton vs. Stephen Colbert

Ex-Außenministerin Hillary Clinton ist weiter auf Werbetour für ihr Buch “Entscheidungen” (Originaltitel: “Hard Choices”). Dabei entschied sie sich auch für einen “Überraschungsbesuch” beim “Colbert Report”. Mit Moderator Stephen Colbert lieferte sie sich ein amüsantes Duell um VIP-Freunde und politische Bekanntschaften.

Clinton verlor kein Wort über ihre angeblichen Pläne, sich 2016 um die Präsidentschaft zu bewerben. Eine ausführliche (und meist positive) Berichterstattung war ihr trotzdem sicher.

Rand Paul und das “Kamikaze-Interview”

Erika Andiola im Gespräch mit Steve King (vorne). Rechts: Rand Paul.

Der US-Senator Rand Paul gilt als potenzieller Präsidentschaftskandidat der Republikaner für das Jahr 2016. Wenn er die Kampagne (und den möglichen Wahlkampf) überstehen will, sollte er an seiner Standhaftigkeit üben. Im Internet verbreitet sich zurzeit ein auf YouTube gepostetes Video wie ein Lauffeuer, das Paul in einem für ihn äußerst schlechten Licht darstellt.

Der rund siebeneinhalb Minuten lange Clip wurde am Montag in der Stadt Okoboji im Bundesstaat Ohio aufgenommen. Er zeigt eine “Dreamerin”, eine als Kind illegal in die USA eingewanderte Frau, die den Abgeordneten Steve King anspricht. Dieser sitzt mit Paul an einem Tisch, der Senator aus Kentucky beißt gerade genüsslich in einen Hamburger. Als Paul jedoch hört, wie sich Erika Andiola als “Dreamerin” vorstellt, kaut er noch einige Mal und verschwindet.

Gegenüber dem TV-Sender Fox News verteidigte sich Paul. Er sagte, dass ein Mitarbeiter (der ebenfalls in dem Video zu sehen ist) ihn kurz vor Andiolas Auftritt auf einen Interviewtermin aufmerksam gemacht hätte. Aus diesem Grund sei er kurz darauf verschwunden. Das Gespräch selbst bezeichnete er als “Kamikaze-Interview”. Auf YouTube wurde das Video bislang rund 900.000 Mal aufgerufen.

US-Präsident Barack Obama will im Kongress eine Einwanderungsreform ohne die Republikaner durchsetzen. „Wenn der Kongress nicht seinen Job macht, machen wir wenigstens unseren”, sagte er Anfang Juli. In den USA sollen sich rund elf Millionen Menschen sollen illegal aufhalten. Obama will es ihnen ermöglichen, die Staatsbürgerschaft zu erlangen. Der Ausgang der Kongresswahlen im Herbst dürfte die weitere Zukunft der Einwanderungsreform maßgeblich mitbestimmen.

Obamas Telefon-Diplomatie

Wichtige Präsidentenaktivität: Barack Obama während eines Telefonats im Oval Office.

Die (stets lesenswerte) Webseite “Vox.com” hat eine spannende Grafik über die Telefon-Diplomatie von US-Präsident Barack Obama veröffentlicht. Sie zeigt, mit welchen Staats- und Regierungschefs Obama in diesem Jahr am häufigsten telefoniert hat. Ein Blick genügt, um zu erkennen, dass die Ukraine-Krise für einen intensive Austausch mit europäischen Spitzenpolitikern gesorgt hat. Auf Platz eins von Obamas Anrufsliste steht: Kanzlerin Angela Merkel. Gemeinsam auf Platz zwei: Russlands Präsident Wladimir Putin und Großbritanniens Premier David Cameron.

Merkel ist “Vox.com” zufolge “die Figur innerhalb der Europäischen Union mit dem größten Einfluss”. Gleichzeitig sei die EU die mächtigste Organisation, die der Ukraine in der Krise helfen und Russland bestrafen könne. Der zweite wichtige Grund für die häufigen Obama-Merkel-Gespräche dürfte die NSA-Affäre sein.

Die Daten für die Weltkarte stammten vom Reddit-Nutzer nyshtick. Für seine Erhebung griff er auf die Pressemitteilungen des Weißen Hauses zurück.

“Pulp Fiction” in Iowa

Für die “Washington Post” ist es “einer der “bizarrsten Politik-Spots in diesem Jahr”. Die Organisation NextGen Climate des liberalen Umweltschützers Tom Steter nimmt mit einem neuen Video die Republikanerin Joni Ernst ins Visier, die bei den Kongresswahlen im Herbst für Iowa in den US-Senat einziehen will. Letztlich geht es in dem kuriosen Clip um Ernsts Unterstützung für die Lobbygruppe Americans for Tax Reform des Steueraktivisten Grover Norquist. Diesem ist es gelungen, einen Großteil der republikanischen Abgeordneten auf eine Fundamentalopposition beim Thema Steuererhöhungen einzuschwören.

Die “Washington Post” resignierte vor dem Inhalt des einminütigen Clips. Eine logische Zusammenfassung fällt in der Tat schwer. Ein Mann mit Brille (ein “Spin Doctor”?) einem zweiten am Tisch sitzenden Mann (ein Großspender?) die Wahlkampfsituation in Iowa. Letztlich bleibt alles vage und voller Andeutungen. So erinnert beispielsweise der Blick in einen (für den Betrachter nicht einsehbaren) Koffer an den Kultfilm “Pulp Fiction” des US-Regisseurs Quentin Tarantino. “Wir sind ein bisschen verwirrt”, lautet das Fazit der “Washington Post”. Ein bisschen?

Hier das Video:

Happy Birthday, Mr. President

Ein neuer Berater zum Geburtstag? US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus.

Heute feiert US-Präsident Barack Obama seinen 53. Geburtstag. Obama nutzte den Anlass, um am Sonntag auf dem Gelände der Andrews Air Force Base eine Runde Golf mit seinen drei Jugendfreunden Mike Ramos, Bobby Titcomb und Greg Orte zu spielen. Obamas Vorfreude auf die kurze Pause von den Krisen dieser Welt muss groß gewesen sein. Die Tageszeitung “The Daily News” berichtete, dass der Demokrat am Freitag geradezu enttäuscht reagierte, als er von Journalisten nicht auf seinen Ausflug nach Maryland angesprochen wurde. “Was ist aus der Geburtstags-Sache geworden”, fragte Obama erstaunt.

In diesem Sinne: alles Gute zum Geburtstag, Mr. President.

Republikaner wollen Obama verklagen

US-Präsident Barack Obama im Garten des Weißen Hauses

Es ist eine Kampfansage der Republikaner. Das US-Repräsentantenhaus will Präsident Barack Obama vor Gericht bringen. Es geht um einen angeblichen Bruch der Verfassung. Die Abgeordneten verabschiedeten eine Resolution, die es erlaubt, Obama zu verklagen. 225 Parlamentarier stimmten für den Beschluss, 201 dagegen. Alle Ja-Stimmen kamen von Republikanern, kein Demokrat votierte für die Klagebefugnis. Lediglich fünf Republikaner lehnten die ungewöhnliche Resolution ab.

Schon vor Wochen hatte John Boehner, republikanischer Vorsitzender des Abgeordnetenhauses, gedroht, Obama zu verklagen. Die Republikaner werfen dem Präsidenten vor, mit präsidialen Erlassen zur Umsetzung der Gesundheitsreform (“Obamacare”) die Verfassung gebrochen zu haben. Als Staatsoberhaupt hätte er das Gesetz strikt befolgen müssen, mit seinen Verordnungen habe er es jedoch auf unerlaubte Art verändert. Boehner will nun im Namen der Parlamentskammer eine Klage bei einem Bundesgericht einreichen. Selbst Rechtsexperten wissen nicht, wie eine solche Klage funktionieren soll.

Die Aktion gilt als weiterer Versuch der Republikaner, Obama zu schwächen. Aktivisten der ultrakonservativen “Tea Party” geht die mögliche Klage sogar nicht weit genug. Seit Wochen fordern sie ein Amtsenthebungsverfahren. Obama zeigte sich nach der Entscheidung des Repräsentantenhauses gelassen: “Jeder weiß, dass das ein politischer Werbegag ist”, sagte er.

Kiffen mit Obama

Irgendetwas stimmt hier nicht: US-Präsident Barack Obama (vorne) in Denver.

Für das Internet war die Reise von Barack Obama nach Denver vor allem eines: Gold wert. Im US-Bundesstaat Colorado besuchte der US-Präsident am vergangenen Dienstag unter anderem die Wynkoop-Brauerei, was zu vielen wunderbaren Fotos führte. Der “New York Times”-Journalist Doug Mills veröffentlichte einige von ihnen wenig später auf seinem Twitter-Kanal. Auf einem der Bilder ist zu sehen, wie Obama vor der Brauerei einem Mann mit einer Pferdemaske etwas irritiert die Hand schüttelt. Für die Personenschützer des Demokraten muss das ein Alptraum gewesen sein, für das Internet ist das – wie bereits erwähnt – pures Gold.

Einen besonderen Höhepunkt gab es in der Brauerei selbst. Dort stellte ein Mann Obama die Frage, ob er einen Joint rauchen wolle. Obama, der aus einer Drogenvergangenheit als Teenager nie einen Hehl machte, reagierte mit einem breiten Lachen. Besonders schön: Ein Gast nahm die amüsante Begegnung auf Video auf. Vielen Dank dafür.

Willkommen in Hillaryland

Hillary Clinton und Christoph Amend in Berlin

Hillary Clintons Auftritt beginnt mit euphorischem Applaus. Als die frühere US-Außenministerin am Sonntagvormittag die Bühne des Schillertheaters in Berlin-Charlottenburg betritt, jubeln die Gäste. Die Hauptstadt und die Vereinigten Staaten von Amerika: Auch in Zeiten der nicht enden wollenden NSA-Affäre bleibt das eine schwer zu erklärende Liebesbeziehung.

Clinton ist in Berlin, um ihr neues Buch “Entscheidungen” (Originaltitel: “Hard Choices”) vorzustellen. Es ist der einzige Auftritt der Demokratin in Deutschland. Eingeladen haben der Droemer-Verlag, in dem die deutsche Ausgabe erschienen ist, und das “Zeit-Magazin”. Chefredakteur Christoph Amend hat die schwierige Aufgabe, bei dieser Werbeveranstaltung Concierge und seriöser Fragesteller zu sein. Mal gelingt ihm das, mal nicht. Aber letztlich spielt das eine untergeordnete Rolle. Bei dieser Konversation gibt es eine Hauptperson, einen Star: Hillary Rodham Clinton.

Die 66-Jährige erzählt viele Episoden aus ihrer Zeit im Außenministerium und benutzt dabei oft den Titel den fast 900 Seiten dicken Buchs. Viele Entscheidungen seien hart und schwierig gewesen. Missen möchte sie diese nicht. “Sie haben mich bescheidener werden lassen.” Dass sie nach den Attacken vom 11. September 2001 die Irak-Pläne des damaligen Präsidenten George W. Bush im Senat unterstützt habe, sei eine “falsche Entscheidung” gewesen. Clinton sagt: “Es war schwierig zu sehen, dass ich einen Fehler gemacht hatte.”

Insgesamt sind die rund 70 Minuten eine Aneinanderreihung von Anekdoten aus Clintons Buch. Oft geht es um Kleidung (sie selbst trägt an diesem Tag einen strahlend blauen Hosenanzug), um Haare und Frisuren. Zu kritischen Nachfragen, die sie am Abend in der TV-Sendung von Günther Jauch beantworten muss, kommt in dem 1000-Sitze-Theater nicht. Über die NSA-Affäre sagt sie lediglich, dass das deutsch-amerikanische Verhältnis wichtig sei, und dass nun die “notwendigen Konsequenzen” gezogen werden müssten. Das Handy der von ihr bewunderten Kanzlerin Angela Merkel sei tabu. Das Publikum nimmt es nickend zur Kenntnis.

Die Geschichten, die Clinton erzählt, sagen viel aus über die US-Politik. Sie erzählt, wie Barack Obama als designierter Präsident überraschend um ihre Mitarbeit in seinem Kabinett geworben habe. Nach der Wahl habe sie Obama zunächst zweimal abgesagt. Erst nach reiflicher Überlegung sei sie zu dem Entschluss gekommen, doch Außenministerin werden zu wollen. Diese Strategie habe sie übrigens schon einmal benutzt, so Clinton. Als Bill Clinton in den 1970er um ihre Hand angehalten habe, sei sie ebenfalls unsicher gewesen und habe zunächst zweimal abgesagt. Erst beim dritten Mal sagte sie zu. “Ich und diese charismatischen Männer”, sagt Clinton. “Ich sage erst einmal immer Nein.”

Clinton erklärt noch einmal die Hintergründe der Tötung Osama bin Ladens sowie das Zustandekommen des mittlerweile legendären Fotos im “Situation Room“. Der russische Präsident  Wladimir Putin ist für sie ein Cowboy, “mit und ohne T-Shirt”. Putin gebe sich stark, sei jedoch äußert dünnhäutig. Spätestens hier wird klar, welche Rolle der Sexismus noch immer in der weltweiten Diplomatie spielt. “Man nimmt ihn hin, aber daran gewöhnen darf man sich nicht”, sagt Clinton.

Im Anschluss erzählt sie eine Geschichte aus der Zeit, als Putin zwischen 2008 und 2012 Ministerpräsident seines Landes war. Während dieser Zeit war Clinton in Russland und traf sich neben dem damaligen Präsidenten Dmitri Medwedew auch Putin. Das Gespräch sei jedoch nicht in Gang gekommen, Putin habe desinteressiert gewirkt und gelangweilt. Clinton wies ihn daraufhin auf eine eine Gemeinsamkeit hin: das Interesse für die Erhaltung von Naturgebieten. Daraufhin habe Putin seine verdutzten Sicherheitsmänner weggeschickt und sei mit Clinton in sein Büro gegangen. Auf einer riesigen Karte habe er der Amerikanerin Russland gezeigt. Wenig später fragte er sie, ob ihr Mann Bill nicht Lust habe, ihn auf eine Expedition zu begleiten. Clinton sagte, dass sie das nicht wüsste, sie aber auch mitkommen könne. Putin habe kein Interesse gezeigt. Der Saal lacht.

18 Millionen Risse in der “gläsernen Decke”

Als sich das Interview dem Ende zuneigt, wendet sich Clinton dem Thema Frauenrechte zu. Sie spricht über die “gläserne Decke”, die sie mit ihrer Präsidentschaftskandidatur durchbrechen wollte, und über die kulturellen, religiösen und rechtlichen Widerstände gegen die Frauenrechte in vielen Ländern. Die 18 Millionen Stimmen, die sie während ihrer Kandidatur landesweite bekommen habe, seien Risse in der Glasdecke gewesen. Ähnlich äußerte sie sich bereits im Jahr 2008.

Natürlich weicht Clinton am Ende des Gesprächs Amends Frage nach einer möglichen Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2016 aus. “Ich schicke Ihnen eine E-Mail, wenn ich mich entschieden habe”, sagt Clinton. Sie wisse es zurzeit einfach noch nicht. Außerdem freue sie sich, dass ihre Tochter Chelsea bald ein Kind bekomme und ihre Eltern damit zu Großeltern mache.

Doch eine kurze Randbemerkung der “Hard Choices”-Autorin, ungefähr in der Mitte der Veranstaltung gefallen, lässt einen an dieser anscheinenden Unentschlossenheit zweifeln. Clinton erzählte, dass sie am Abend zuvor in London gewesen sei. Dort habe sie die Frage gestellt bekommen, ob es möglich sei, dass eine Großmutter US-Präsidentin werden könne. Das Publikum, ihr Publikum, staunte, Clinton selbst blieb locker. “Aber natürlich ist das möglich”, sagte sie. Zweifel? Fehlanzeige.

Amend beendet das Interview mit einer Steilvorlage für Clinton. Hollywood plane einen Film über ihr Leben, welche Schauspielerin wünsche sie sich eigentlich? “Meryl Streep”, sagt Clinton. Eine bessere Wahl gebe es nicht. Natürlich weiß Clinton, dass Streep 2012 für ihr Rolle der britischen Premierministerin Margaret Thatcher in “Die Eiserne Lady” einen Oscar gewann. Was würde da besser passen als die Rolle der ersten US-Präsidentin?

Das Publikum versteht den Witz, lacht und klatscht ein weiteres Mal. Clinton verabschiedet sich, es gibt stehende Ovationen. Vor dem Saal liegt Clintons Buch aus. Es gibt lange Schlangen, die Verkäufer kommen mit den Rechnungen kaum nach.

Willkommen in Hillaryland – mitten im Westen Berlins.

So verfolgte Obama die US-Niederlage

Deutschland steht im WM-Achtelfinale. Auch “Amerika wählt” freut sich über den 1:0-Sieg gegen die USA. US-Präsident Barack Obama verfolgte das Spiel übrigens in der Air Force One. Doug Mills, Fotograf der “New York Times”, twitterte das oben zu sehende und ein weiteres Bild. Auch Beraterin Valerie Jarrett scheint Fußball-Fan zu sein. Sie verfolgte das Spiel gemeinsam mit Obama.

 

Hundert Jahre US-Politik auf einen Blick

Vo wenigen Tagen ging es hier auf “Amerika wählt” um die politische Stimmung in den USA, die sich immer mehr verschlechtert, immer mehr verschärft. “Es gibt keine roten und blauen Staaten, es gibt nur die Vereinigten Staaten.” Mit diesem Satz gelang es Barack Obama in seiner ersten Präsidentschaftskampagne 2008, seine berühmte Botschaft von Hoffnung und Wandelt in die ganze Welt zu tragen. Was damals nach einem lange ersehnten Neustart in der US-Politik klang, entpuppte sich schnell als Utopie und Illusion.

Denn die Hauptstadt Washington bewies schnell, dass der Wandel kaum durchzusetzen war. Die Republikaner schalteten nach den schmachvollen Wahlniederlagen 2008 und 2012 auf Totalopposition. Die erzkonservative Tea-Party-Bewegung hält die Partei weiterhin in Atem. Eine konstruktive Zusammenarbeit ist so unmöglich. Das auf gegenseitige Kontrolle angelegte System der USA ist gelähmt – und der Präsident gleich mit.

Wie tiefgreifend die politischen Unterschiede in den USA mittlerweile sind, zeigt eine beeindrucke animierte Karte auf der Webseite “MapStory“. Dort ist zu sehen, welche Parteien die einzelnen Wahlbezirke seit 1918 gewinnen konnten. Aus einer einst bunt gemischten Nation wurde im Lauf der Jahre ein politisch geteiltes Land. Republikanisch in ländlichen Gebieten, in der Mitte und im Süden, demokratisch in den Städten sowie an der Ost- und Westküste. Die  Daten für die Karte sammelte Jonathan Davis von der Arizona State Universität.

(Vielen Dank an Sergius Seebohm für den Tipp)