Die Tod-Lüge

US-Präsident Donald Trump polarisiert (Bild: Flickr/Gage Skidmore)

Teresa Elliott wusste, dass ihr Ex-Mann bald sterben würde. Michael Garland Elliott, 75 Jahre alt, litt an einer Herzinsuffizienz. Zuletzt ging es ihm gesundheitlich immer schlechter. In seinem Haus in der Nähe von Portland (Bundesstaat Oregon) lag er in seinem Bett im Sterben. Freunde und Nachbarn waren an seiner Seite.

Eine Person fehlte jedoch: Teresa Elliott. Auch nach ihrer Trennung blieben die Elliotts enge Freunde. Teresa war sich darüber im Klaren, dass sie es von Texas aus, wo sie nun lebte, nicht rechtzeitig nach Portland schaffen würde.

Michaels Freunde wussten um die besondere Beziehung. Sie riefen dessen Ex-Frau an und informierten sie über die aktuelle Situation. Am 6. April verabschiedeten sich die Elliotts am Telefon voneinander.

Eine Sache wollte sich Teresa nicht nehmen lassen. Sie entschied sich dafür, ihrem sterbenden Ex-Mann eine letzte Sache zu sagen. Ihr war jedoch klar, dass es sich um eine Lüge handelte.

“Trump wurde des Amtes enthoben”

Sie wusste, dass Michael ein leidenschaftlicher Anhänger der Demokraten war. Für den neuen Präsidenten – ein “abscheuliches Individuum” – hatte er nur Verachtung übrig. Also sagte Teresa: ”Donald Trump wurde des Amtes enthoben.” Wenig später starb Michael. Friedlich und sicherlich ein Stück weit versöhnt mit der politischen Situation in seinem Land.

Und wie drang all das an die Öffentlichkeit? Durch einen Nachruf, den die Zeitung “The Oregonian” abdruckte. Der Text erfuhr im Internet eine enorme Verbreitung. Im Gespräch mit der “Washington Post” bestätigte Teresa Elliott die Geschichte.

Und wer weiß? Vielleicht wird aus der Lüge irgendwann einmal die Wahrheit. Allan Lichtman, der US-Politikwissenschaftler, der den Sieg des Republikaners voraussagte, geht von einem vorzeitigen Ende von Trumps Präsidentschaft aus.

Hier ein Interview mit Lichtman in der Sendung “Morning Joe”:

War klar! Trump reklamiert Pence-Sieg für sich

“Das war mein Urteilsvermögen”: Donald Trump während seiner Rede in Nevada.

Im US-Präsidentschaftswahlkampf haben sich die beiden Vizekandidaten einen hitzigen Schlagabtausch geliefert. Der Republikaner Mike Pence überzeugte bei dem einzigen TV-Duell der beiden Stellvertreter mit einem präsidialeren Ton. Der Demokrat Tim Kaine trat  aggressiver auf, wirkte aber oft ungeduldig. Eine CNN-Blitzumfrage sah Pence mit 48 Prozent vorne (Kaine: 42 Prozent).

In US-Medien herrschte Einigkeit darüber, dass Pence den besseren Auftritt hinlegte. So meinte die “Washington Post”, er habe zu bemüht gewirkt.

Und Donald Trump? Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner lobte seinen Mitstreiter – und sich selbst gleich mit. ”Mike Pence hat einen unglaublichen Job gemacht. Ich habe viel Lob bekommen, weil das ist meine erste sogenannte Wahl war”, sagte er bei einer Kundgebung in Nevada. “Ich gehe davon aus, dass Mike den höchsten Sieg in der Geschichte der Vizepräsidentschafts-Debatten eingefahren hat.” Amerika sei in der Lage gewesen, aus unmittelbarer Nähe Trumps Urteilsvermögen sehen. “Und das war mein Urteilsvermögen.”

Noch Fragen?

So wollen die Republikaner Trump stoppen

Zwei Republikaner, ein Ziel: Donald Trump (l.) und Ted Cruz wollen US-Präsident werden.

Bei den US-Republikanern macht sich Panik breit. Der Grund ist der Siegeszug von Donald Trump bei den Vorwahlen. Die Präsidentschaftskandidatur ist dem umstrittenen Milliardär kaum mehr zu nehmen. Die Republikaner fürchten sich jedoch davor, den unberechenbaren Trump am 8. November in das Duell mit seiner wahrscheinlichen Gegnerin, der Demokratin Hillary Clinton, zu schicken.

Einflussreiche Republikaner bereiten der “New York Times” zufolge eine Kampagne vor, um Trumps Nominierung noch zu verhindern. Ab dem 5. April, an diesem Tag findet die Vorwahl im Bundesstaat Wisconsin statt, möchten Trumps Rivalen 100 Tage lang auf Delegierte und Mitglieder der Partei einwirken.

Gleichzeitig gibt es Gerüchte über einen Wahlcoup während des Nominierungsparteitags (vom 18. bis zum 21. Juli in Cleveland). Der Plan: Trump soll mit einer ”Contested Convention” (auch “Brokered Convention”) schachmatt gesetzt werden. Der 69-Jährige braucht in Cleveland 1237 Stimmen zur Nominierung. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er dieses Ziel erreichen wird (hier der aktuelle Stand der Delegiertenzahl).

Sollte er jedoch scheitern, ist eine Kampfabstimmung die Folge - zuletzt war das bei den Republikanern 1948 der Fall. Mit jedem Wahlgang sinkt die Anzahl der Delegierten, die an ihren Kandidaten gebunden sind. (Die “New York Times” und CNN erklären das Prozedere auf ihren Webseiten.)

Sollte es tatsächlich so kommen, werden Trumps Gegner (aktuell sind das der texanische Senator Ted Cruz und Ohios Gouverneur John Casich) versuchen, die Delegierten für sich zu gewinnen. Gleichzeitig könnte aber auch ein neuer Bewerber zum Zug kommen. Ex-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney und der Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, gelten als mögliche Retter in der Not.

“Ich werde es nicht sein. Es sollte jemand sein, der kandidiert”, sagte Ryan der “Washington Post” zufolge. Ein klares Dementi? Es darf gezweifelt werden. “Wenn ein Politiker etwas sagt, gibt es oft mehr als einen Weg, das zu interpretieren”, so die Tageszeitung. Ryan weiß: Eine ”Contested Convention” hat die Kraft, die Republikanische Partei zu zerreißen.

Trumps Kommentar: gewohnt brachial. “Ich denke, es würde zu Aufständen kommen.”

PAC erhöht Druck: Erster Biden-Spot online

Mann mit bewegter Vergangenheit: undatiertes Familienfoto von Joe Biden.

Es ist eine Frage, die die US-Demokraten umtreibt: Bewirbt sich Joe Biden im kommenden Jahr um die Präsidentschaftskandidatur? Der Vize von Staatschef Barack Obama zögert – und mit jedem zusätzlichen Tag wird eine Kandidatur unwahrscheinlicher. Die Kampagne von Ex-Außenministerin Hillary Clinton läuft – trotz ihrer E-Mail-Affäre – auf Hochtouren. Schon heute wäre es für den beim Volk beliebten Biden schwierig, organisatorisch nachzuziehen und in den Umfragen aufzuholen.

Das Political Action Committee “Draft Biden” hat nun einen TV-Clip veröffentlicht, um den 72-Jährigen zu einer Kandidatur zu ermuntern. In dem rund anderthalb Minuten Spot geht es um Bidens tragische familiäre Vergangenheit: 1972 kamen Bidens Frau Neilia und seine einjährige Tochter Naomi bei einem Autounfall ums Leben. Im Mai dieses Jahres starb Sohn Beau mit 46 Jahren an einem Gehirntumor.

Der Clip “My Redemption” (“Meine Erlösung”) ist unterlegt mit einer emotionalen Rede Bidens. Zu sehen sind zahlreiche Familienbilder und Aufnahmen mit Obama. Am Ende erscheinen zwei Wörter: ”Joe, run” (“Joe, bewirb dich”). Der “Washington Post” zufolge will Biden Ende Oktober bekannt geben, ob er sich um Obamas Nachfolge bewirbt.

Bush gegen Clinton? Das sagen die Zahlen

Strebt wohl nach Höherem: Jeb Bush (Archivbild) prüft eine Präsidentschaftskandidatur.

Jeb Bush, Bruder des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush und Ex-Gouverneur von Florida, trifft offenbar konkrete Vorbereitungen für eine Bewerbung um das Präsidentenamt. Der 61-Jährige habe alle Vorstandsposten niedergelegt und seine Beraterverträge gekündigt, berichtete die “Washington Post“. Zudem überlege der Republikaner, sich aus seiner Firma Jeb Bush & Associates zurückzuziehen.

Sprecherin Kristy Campbell sagte der “Washington Post”, dass sich Bush mit der Aufgabe seiner geschäftlichen Tätigkeiten auf “seine mögliche Kandidatur für das Präsidentenamt”  konzentrieren wolle. Diese hat Bush noch nicht offiziell erklärt. Mitte Dezember stellte er sie allerdings – etwas verklausuliert – in Aussicht.

Damals kündigte er auf Twitter und Facebook an, der Möglichkeit einer Kandidatur “aktiv nachzugehen”. In US-Medien wurde dies als klarer Schritt in Richtung einer Bewerbung für die Wahl im November 2016 gewertet. In der republikanischen Partei werden ihm große Chancen eingeräumt, das Weiße Haus zu erobern. Amtsinhaber Barack Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten.

Druck auf Bushs Konkurrenten wächst

Bushs Offensive erhöht den Druck auf andere Republikaner, ihre Pläne offenzulegen. Besonders dem Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, werden Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt. Auch die Senatoren Rand Paul, Marco Rubio und Ted Cruz heben wohl Ambitionen. Der seriösen Webseite “Realclearpolitics” zufolge liegt Bush in aktuellen Umfragen eindeutig vorne.

Sollte es Bush gelingen, die Republikaner zu überzeugen, käme es möglicherweise zu einem brisanten Duell zweier Polit-Dynastien. Bei den Demokraten denkt Ex-Außenministerin Hillary Clinton über eine Bewerbung nach. Trotz zahlreicher Andeutungen steht ein klares Statement aber noch aus. “Realclearpolitics” zufolge hätte Clinton zurzeit gute Chancen, Bush bei einer Präsidentschaftswahl zu schlagen.

Midterms 2014: die 15 schrägsten Wahlvideos

“Ich bin nicht Barack Obama”: Alison Lundergan Grimes will für Kentucky in den US-Senat.

Die Spannung in den USA steigt. Am 4. November finden die Zwischenwahlen (“Midterms”) statt. Es geht um alle 435 Sitze im Abgeordnetenhaus und um ein Drittel der 100 Senatssitze. Dazu kommen 36 Gouverneurswahlen. Für Präsident Barack Obama steht viel auf dem Spiel. Ein letztes Mal stellt er als amtierender Präsident seine Politik zur Abstimmung. Ab dem 4. November beginnt die zweite Hälfte seiner zweiten und letzten Amtszeit. Dem Demokraten droht das frühe Schicksal einer “lame duck”, einer “lahmen Ente” im Weißen Haus.

Sollte es den Republikanern gelingen, neben dem Abgeordnetenhaus auch im Senat eine Mehrheit der Sitze zu erreichen, hätte Obama kaum mehr die Chance, Gesetze durchzubringen. Die Folgen wären eine gelähmte Regierung und ein frühzeitig gescheiterter Staatschef. Aktuelle Umfragen sehen die Konservativen bei der Senatswahl leicht im Vorteil.

In den Bundesstaaten versuchen Demokraten und Republikaner mit allen Mitteln, sich von den Entscheidungen in der Hauptstadt Washington abzugrenzen. Eine zentrale Rolle spielen dabei TV-Spots. Rund eine Milliarde US-Dollar haben Parteien und Kandidaten der “Washington Post” zufolge dafür ausgegeben. Auch in diesem Jahr schafften es zahlreiche Landespolitiker, mit den oft kuriosen Clips landesweit auf sich aufmerksam zu machen. “Amerika wählt” hat 15 besonders schräge Videos herausgesucht.

“Squeal” — Joni Ernst, Republikanerin, Iowa

In Iowa will Joni Ernst für die republikanische Partei in den Senat einziehen. Die 44-Jährige tritt gegen den demokratischen Abgeordneten Bruce Braley an. Es geht um den prestigeträchtigen Sitz des langjährigen Senators Tom Harkin. Mit den TV-Spots “Squeal” (“Quieken”) und “Shot” (“Schuss”/”Versuch”) machte Ernst im März und im Mai landesweit auf sich aufmerksam. ”Ich wuchs auf einer Farm in Iowa auf, wo ich Schweine kastrierte”, sagt Ernst in dem Clip “Squeal”. Sollte sie in den Kongress gewählt werden, wüsste sie, harte finanzielle Einschnitte durchzusetzen. “Washington ist voller Geldverschwender – bringen wir sie zum Quieken.” Aktuellen Umfragen zufolge liegt Ernst knapp vor Braley.

“Joni Ernst’s Pledge” — NextGen Climate

Bereits im Juli nahm die Organisation NextGen Climate Joni Ernst mit einem kuriosen Clip ins Visier. Die “Washington Post” bezeichnete ihn damals als einen der “bizarrsten Politik-Spots in diesem Jahr”. “Wir sind ein bisschen verwirrt”, lautete das Fazit der Tageszeitung. Ein bisschen?

“#GotBalls?” Bob Quast, Iowa

Auch Bob Quast würde gerne für Iowa in den Senat einziehen. Die Chancen des unabhängigen Kandidaten sind allerdings äußerst gering. Warum? Unter anderem, weil er in seinem TV-Spot “#GotBalls?” (umgangssprachlich für “Mutig genug?”) damit droht, Einbrechern die “Eier wegzuschießen”. Dabei blitzt Quasts Zahn auf. Noch Fragen?

“Gator” — Rob Maness, Republikaner, Louisiana

In Louisiana will Tea-Party-Kandidat Rob Maness die Senatorin Mary Landrieu ablösen. Mannes präsentiert sich in seinem TV-Spot “Gator” als gekonnter Krokodiljäger. “Hier in Louisiana lernt man, hart zu sein.” Ob das auch für den 4. November gilt? Maness geht als klarer Außenseiter in die Wahl.

“Justice” — Wendy Davis, Demokratin, Texas

Die Demokratin Wendy Davis will neue Gouverneurin von Texas und Nachfolgerin von Rick Perry werden. Das klingt nach einer schweren Aufgabe, schließlich ist Texas einer der konservativsten Bundesstaaten der USA. Davis setzte im Wahlkampf auf Provokation und veröffentlichte Mitte Oktober den kontroversen TV-Spot “Justice” (“Gerechtigkeit”). Der in dem Clip gezeigte leere Rollstuhl ist ein deutlicher Hinweis auf Davis’ republikanischen Gegner Greg Abbott. Seit einem Unfall im Jahr 1984 ist dieser querschnittsgelähmt. Viele Amerikaner fanden das Video schlicht geschmacklos. Davis sagte, dass sie Abbott nicht habe persönlich angreifen wollen. Texas’ amtierender Justizminister hat jüngsten Umfragen zufolge große Chance, Perry zu beerben.

“When the moment is right” — J.D. Winteregg, Republikaner, Ohio

Dieser TV-Spot kostete J.D. Winteregg seinen Arbeitsplatz. Der Republikaner hatte einen ehrgeizigen Plan: Er wollte John Boehner, den Sprecher des Abgeordnetenhauses, als Kandidaten für den achten Wahlbezirk von Ohio ablösen. Boehner hat dieses Mandat seit 1991 inne. Winteregg beschloss, die lange Amtszeit des Spitzenpolitikers auf satirische Weise zu kritisieren. Im TV-Spot “When the moment is right” (“Wenn der Zeitpunkt stimmt”) wurde Boehner eine “electile dysfunction” angedichtet – ein Wortspiel aus “erectile dysfunction” (Potenzstörung) und “election” (Wahl). “Manchmal, wenn ein Politiker zu lange in {Washington} D.C. ist, steigt ihm das zu Kopf. Dann kann er nicht mehr seine Leistung bringen”, heißt es in dem Clip. Im Anschluss folgt ein weiterer platter Witz, der auf Boehners Nachnamen und dessen Ähnlichkeit mit dem Wort “boner” (umgangssprachlich für Erektion) abzielt.

Wintereggs Arbeitgeber, einer christlichen Hochschule, war all das zu heikel. Sie kündigte den Vertrag mit dem Republikaner. Boehner dürfte über die Kontroverse geschmunzelt haben. Er gewann die Vorwahl und geht als klarer Favorit in das Rennen gegen den Demokraten Tom Poetter.

“Nikko” — National Republican Congressional Committee

Mit dem TV-Spot “Nikko” warf die Dachorganisation der Republikaner, das National Republican Congressional Committee (NRCC), dem Demokraten Brad Ashford aus Nebraska einen zu laschen Umgang mit Straftätern vor. In dem Video ist der verurteilte Straftäter Nikko Jennings zu sehen, der kurz nach dem vorzeitigen Verlassen des Gefängnisses 2013 vier Menschen umbrachte. “Nikko” erinnert an den aggressiven Kampagnen-Clip “Willie Horton” des NRCC aus dem Jahr 1988. Ziel des zweifelhaften Angriffs war der damalige Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Michael Dukakis. Ashford liefert sich in Nebraska ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem bisherigen Abgeordneten im Repräsentantenhaus, Lee Terry.

“Cliven Bundy challenges Eric Holder” — Kamau Bakari, Independent America Party, Nevada 

Einer der kuriosesten TV-Spots dieses Jahres stammt aus Nevada. Dort will Kamau Bakari für die Independent America Party ins Abgeordnentenhaus einziehen. Bakaris Chancen auf einen Sieg gelten als äußerst gering. Gut möglich, dass er deshalb Cliven Bundy um Unterstützung bat. Bundy hat einen spektakulären Auf- und Abstieg in der US-Politik hinter sich. Der Farmer aus Nevada wurde Anfang des Jahres zum Held der “Tea Party”. Er bestand darauf, seine Rinder auf einem Stück Prärie grasen zu lassen, das Eigentum des Bundes ist. Bundy nahm den Kampf auf und feierte sich als ”wahren Patrioten”. Der “Tea Party” gefiel das. Mit rassistischen Kommentaren verspielte Bundy seine zweifelhafte Beliebtheit jedoch wieder.

Umso erstaunlicher, dass der Afro-Amerikaner Bakari Bundy um Hilfe bat. Gemeinsam nahmen sie ein Video im Westernstil auf, in dem sie sich über Rassismus in den USA unterhalten und gegen Justizminister Eric Holder wettern. Der Clip mag außergewöhnlich sein, auf den Wahlkampf in Nevada hatte er keine Auswirkungen. Die demokratische Abgeordnete Dina Titus dürfte sich am 4. November gegen die Republikanerin Annette Teijeiro durchsetzen.

“Skeet Shooting” — Alison Lundergan Grimes, Demokratin, Kentucky

Der im September veröffentlichte TV-Spot der Demokratin Alison Lundergan Grimes besitzt eine enorme politische Aussagekraft. Der Clip zeigt Grimes beim Tontaubenschießen. Dabei erzählt die 35-Jährige, dass ihr Gegner Mitch McConnell versuche, den Wählern in Kentucky einzureden, dass sie die Politik des Weißen Hauses unterstütze. “Ich bin nicht Barack Obama”, sagt Grimes mit der Waffe in der Hand. Dieser Satz verdeutlicht die Not der Demokraten bei dieser Zwischenwahl. Obamas Popularitätswerte sind so stark gesunken, dass er im Wahlkampf keine Rolle spielt. Aus dem einstigen Hoffnungsträger der Partei ist eine Persona non grata geworden.

McConnell, Fraktionschef der Republikaner im Senat, führt die Umfragen zurzeit an. Das Rennen gilt jedoch als offen. Sollte der Republikaner die Wahl gewinnen, dürfte er im Fall eines Machtwechsels im Senat neuer Vorsitzender der Parlamentskammer und Nachfolger des Demokraten Harry Reid werden.

“What Rhymes with Alison Lundergan Grimes?” — Mitch McConnell, Republikaner, Kentucky

Im Juli versuchte Mitch McConnell, den Wahlkampf, nun ja, etwas aufzupeppen. Auf YouTube postete McConnells Mannschaft ein scheinbar amateurhaftes Musikvideo, das Alison Lundergan Grimes als Obama-Anhängerin verspottete. Der anderthalb Minuten lange Clip wurde als virales Werbemittel eingesetzt. Mit Erfolg: Auf YouTube haben sich über 620.000 Nutzer das Video angesehen.

“Natalie for West Virginia“ — Natalie West, Demokratin, West Virginia

Im Stress? Nervt die Arbeit mal wieder? Oder die Freundin beziehungsweise der Freund? Dann schauen Sie sich bitte folgendes Video der Demokratin Natalie West an, die neue Senatorin von West Virginia werden möchte. Mehr wollen wir zu diesem äußerst entspannenden Clip gar nicht schreiben.

“Really?” — Terri Lynn Land, Republikanerin, Michigan

Die Republikanerin Terri Lynn Land würde für Michigan gern in den US-Senat einziehen. Ihr demokratischer Gegner Gary Peters will das verhindern. Das Mitglied des Repräsentantenhauses warf Land während des Wahlkampfs vor, einer Partei anzugehören, die einen “Krieg gegen die Frauen” führe. Land lehne es ab, Frauen ein Recht auf Abtreibung einzugestehen. Gleichzeitig setze sie sich nicht dafür ein, die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern zu verkleinern. Die in Umfragen zurückliegende Land reagierte mit dem TV-Spot “Really?” (“Wirklich?”). Das Besondere: Mitten im Video macht Land eine Pause, um Kaffee zu trinken. Der Politikberater Frank Luntz bezeichnete den Clip in einem Fox-Interview als “die schlechteste Werbung in diesem Wahlkampf”. Ob Luntz zum Zeitpunkt des Gesprächs auch diesen Anti-Peters-Spot der Republikaner kannte?

“Restore Leadership” — Allen Weh, Republikaner, New Mexico

Im Wahkampf-Spot “Restore Leadership” (“Führungsstärke wiederherstellen”) des Republikaners Allen Weh sorgte ein Bild für aufgeregte Diskussionen. Wehs Mannschaft veröffentlichte den Clip am 25. August, sechs Tage nachdem die Terror-Miliz “Islamischer Staat” (IS) im Internet das Tötungsvideo des US-Jouranlisten James Foley veröffentlicht hatte. In ”Restore Leadership” ist auch eine Szene aus dem martialischen IS-Clip zu sehen. Foleys Eltern hatten kurz zuvor darum gebeten, das Propagandamaterial der Terroristen nicht weiterzuverbreiten. Weh tritt in New Mexico gegen den demokratischen Senator Tom Udall an. Wehs Chancen auf einen Wahlsieg gelten als gering.

“Betrayal” — Neel Kashkari, Republikaner, Kalifornien

Für Beobachter der Zwischenwahlen gilt der TV-Spot “Betrayal” (“Verrat”) als verzweifelter und hilfloser Versuch, politische Aufmerksamkeit zu erzeugen. Der Clip ist Teil der Kampagne des Republikaners Neel Kashkari. Dieser will Jerry Brown als Gouverneur von Kalifornien ablösen, liegt in Umfragen aber weit hinter dem Demokraten. Das Video zeigt ein Kind, das in einem Schwimmbecken gegen das Ertrinken kämpft. Kashkari selbst rettet den Jungen und sagt im Anschluss: “Als Gouverneur werde ich für die Kinder kämpfen, nicht gegen sie.”

“#TurnOutForWhat” — Rock the Vote 

Ein besonderer Höhepunkt in der heißen Wahlkampfphase war das Video “#TurnOutForWhat” der Non-Profit-Organisation “Rock the Vote“. In dem rund dreieinhalb Minuten langen Clip treten unter anderem der Rapper Lil Jon, die Schauspielerin und Autorin Lena Dunham sowie der Musiker Devendra Banhart auf. Mit dem Spot sollen vor allem junge Amerikaner dazu bewegt werden, am 4. November ihre Stimmen abzugeben. Über 810.000 Mal wurde das amüsante Video auf YouTube angeklickt.

Kleine Geste, großer Streit

US-Präsident Barack Obama (M.) beim Aussteigen aus “Marine One”

Es ist lediglich ein kleines Ritual. Ein Wimpernschlag genügt, um es zu verpassen – und doch ist es weltbekannt. Wenn der US-Präsident in ein Flugzeug oder in einen Hubschrauber ein oder-aussteigt, stehen Marines bereit und salutieren. Dem Protokoll zufolge führt der Staatschef und Oberste Befehlshaber ebenfalls die Hand zur Stirn. Im Handbuch der US-Navy steht, dass die von Ronald Reagan eingeführte Geste die “wichtigste aller militärischen Gepflogenheiten“ sei.

Ausgerechnet diese fast alltägliche Routine wurde Barack Obama jetzt zum Verhängnis. Am Dienstag landete der Demokrat mit seinem Hubschrauber “Marine One” in New York. Beim Aussteigen hatte er jedoch einen Kaffeebecher in der rechten Hand. Also führte er diesen ebenfalls in Richtung Stirn und stapfte dann lässig mit Sonnenbrille weiter. In den sozialen Netzwerken sorgte der vom Weißen Haus auf Instagram veröffentlichte Clip für Unmut.

“Warte – hat Präsident Obama eben den Marines mit einem LATTE in seiner Hand salutiert?!”, schrieb etwa das Republikanische Kongresskomitee auf Twitter. Im Anschluss setzte das NRCC seine Nachrichten mit dem Hashtag #LatteSalute ab. Andere Twitter-Nutzer nannten die Geste “unglaublich respektlos”. Sarah Palin, einstige Ikone der “Tea Party”, reagierte blitzschnell und entschuldigte sich (scheinbar für die Konservativen) auf Facebook beim US-Militär.

“Moment mal, wie despektierlich war das denn”, sagte Karl Rove, einstiger “Spin Doctor” der Republikaner, zum TV-Sender Fox News. Auch die “New York Times“, die “Washington Post” und die Politik-Webseite “Politico” griffen den Streit um den “Latte Salute” beziehungsweise den “Starbucks Salute” auf. Mittlerweile existiert auf Twitter sogar ein eigener Satire-Account.

Bush salutierte mit Hund auf dem Arm

Für den ohnehin unbeliebten Präsidenten kommen die Diskussionen um den “Latte Salute” zur Unzeit. Sechs Wochen vor den Zwischenwahlen am 4. November sind das Weiße Haus und Obamas Demokraten dringend auf gute Nachrichten angewiesen. Die Republikaner dürften daher versuchen, den Pappbecher-Streit weiter anzuheizen.

Dem TV-Sender CNN zufolge gibt es bei dem militärischen Gruß eine Empfehlung, was zu tun ist, wenn die Hände nicht frei sind: einfach nicht salutieren. Obama ist übrigens nicht der erste US-Präsident, dem die Geste gründlich misslingt. Sein Vorgänger George W. Bush versuchte 2001, mit seinem Hund auf dem Arm zu salutieren.

Vox.com – die abgebrochene Revolution?

Kaputt. Langweilig. Veraltet. Wenn es um den aktuellen Zustand des Journalismus geht, greifen Kritiker gerne in die Vollen. In vielen Diskussionen in Deutschland finden sich Verweise auf die Situation der US-Medien. Zwei Namen fallen dann besonders häufig: Ezra Klein und Nate Silver. Klein gelang mit politischen Kolumnen für die “Washington Post” ein erstaunlicher Aufstieg. Silver ist der wohl bekannteste Statistiker und Wahlforscher der USA. Dem langjährigen “New York Times”-Blogger Silver gelang des Kunststück, bei der Präsidentschaftswahl 2012 in allen fünfzig Bundesstaaten die Ergebnisse richtig vorauszusagen.

Mittlerweile haben sich beide von ihren jeweiligen Verlagen gelöst und versuchen, mit eigenen Webseiten erfolgreich zu sein. Der US-Sender ESPN übernahm im Juli 2013 Silvers Blog “Five Thirty Eight” (“538″) und machte den Mittdreißiger zum Chefredakteur.

Klein gründete - begleitet von regem Medieninteresse – vor rund fünf Monaten Vox.com. Die mit großen Ambitionen gestartete Webseite liegt zwar bei den Klickzahlen vor “538″, sie leidet aber noch immer unter Startschwierigkeiten. “Vielen Journalisten und Nachrichtenchefs fehlen die Gründe, um zu verstehen, was ‘Vox’ von anderen Webseiten unterscheiden soll”, schreibt “Politico” in einer lesenswerten Analyse.

Der ehemalige “New York Times”-Journalist Bill Keller, der mittlerweile die journalistische Organisation “The Marshall Project” leitet, sagte zu “Politico”: “Ich weiß, warum mich NYTimes.com (für Nachrichten und Meinungsbeiträge) [...] oder ‘Politico’ (Politik) interessieren. Bei ‘Vox’ und ’538′ [...] geht es nicht um Themen, es geht darum, wie man auf die Themen blickt. Der Grund für die Wirkung [der beiden Webseiten] ist nicht so klar.” Nun gehe es darum herauszufinden, wie die Nutzer am ehesten zu binden seien: durch eine Verbreitung in den sozialen Netzwerken oder durch eine starke Marke.

“‘Vox’ existiert seit ungefähr fünf Minuten”, sagte Keller zu “Politico”. “Ezra Klein ist ein kluger Typ, der von anderen klugen Leuten umgeben ist. Es ist noch zu früh, sie abzuschreiben.”

 

“Pulp Fiction” in Iowa

Für die “Washington Post” ist es “einer der “bizarrsten Politik-Spots in diesem Jahr”. Die Organisation NextGen Climate des liberalen Umweltschützers Tom Steter nimmt mit einem neuen Video die Republikanerin Joni Ernst ins Visier, die bei den Kongresswahlen im Herbst für Iowa in den US-Senat einziehen will. Letztlich geht es in dem kuriosen Clip um Ernsts Unterstützung für die Lobbygruppe Americans for Tax Reform des Steueraktivisten Grover Norquist. Diesem ist es gelungen, einen Großteil der republikanischen Abgeordneten auf eine Fundamentalopposition beim Thema Steuererhöhungen einzuschwören.

Die “Washington Post” resignierte vor dem Inhalt des einminütigen Clips. Eine logische Zusammenfassung fällt in der Tat schwer. Ein Mann mit Brille (ein “Spin Doctor”?) einem zweiten am Tisch sitzenden Mann (ein Großspender?) die Wahlkampfsituation in Iowa. Letztlich bleibt alles vage und voller Andeutungen. So erinnert beispielsweise der Blick in einen (für den Betrachter nicht einsehbaren) Koffer an den Kultfilm “Pulp Fiction” des US-Regisseurs Quentin Tarantino. “Wir sind ein bisschen verwirrt”, lautet das Fazit der “Washington Post”. Ein bisschen?

Hier das Video:

Obamas Kampf gegen den Fluch

Der Druck auf Barack Obama wächst. Gleich drei Skandale beschäftigen den US-Präsidenten zurzeit: Das Justizministerium musste zugeben, sich heimlich die Telefonverbindungen wichtiger Journalisten der Nachrichtenagenturen AP besorgt zu haben. Auch der Terrorangriff auf das Konsulat in Bengasi am 11. September 2012 sorgt weiter für Wirbel. Das Außenministerium wollte die Vorgänge rund um die tödliche Attacke möglicherweise verharmlosen. Dazu gibt es Ärger um die Steuerbehörde IRS, die bei den Amerikanern ohnehin verhasst ist. Die IRS hat zugegeben, regierungskritische und konservative Gruppen jahrelang besonders streng geprüft zu haben.

Nun versucht Obama, sich in zwei der Krisen, die von zahlreichen US-Medien bereits als Fluch seiner zweiten Amtszeit bezeichnet werden, etwas Luft zu verschaffen. Im Weißen Haus sagte der Demokrat am Mittwoch, dass die Fehler in der IRS unerträglich und unentschuldbar seien. Steven Miller, Leiter der Behörde, musste – auf Drängen Obamas – zurücktreten. Gleichzeitig veröffentlichte das Weiße Haus 100 Seiten mit E-Mails und Notizen, die im Zusammenhang mit dem Bengasi-Anschlag entstanden sind.

Doch vor allem die AP-Affäre könnte für das Weiße Haus noch gefährlich werden. Mehr als 50 US-Medienorganisationen haben sich einem Protest gegen das Ausspionieren der Nachrichtenagentur angeschlossen. Die “Integrität” des US-Justizministeriums stehe auf dem Spiel, heißt es in einem nun veröffentlichten Schreiben, das unter anderem die Tageszeitungen “New York Times” und “Washington Post” sowie das “Time“-Magazin unterschrieben haben.

Welche digitalen Werkzeuge nutzen die amerikanischen Medien?

Vor einigen Tagen hat Mashable einen interessanten Post zu der Art und Weiße veröffentlicht, wie Medien digitale Werkzeuge benutzen, um den U.S.-Wahlkampf zu begleiten. Beschrieben wurden folgende sechs Formate:

  1. Social Debates
    Soziale Debaten sind keine absolute Neuerung werden dieses Jahr aber deutlich intensiver eingesetzt als noch zu vor. Nutzer haben die Möglichkeit sich über sozialen Medien wie Facebook und Twitter an der Diskussion zu beteiligen. Oftmals live.
    NBC und Facebook begleitetende bspw. eine republikanische Debate in der Nutzer direkt Fragen stellen und diskutieren konnten.
  2. Election Centers
    Wie der Name bereits sagt handelt es sich bei den Election Centers um umfassende Hubs rund um den Walkampf 2012. Fast alle großen amerikanischen Medien bieten diese Art des one-stop-shops an, wo der Nutzer Neuigkeiten und Hintergründe sowie allerlei andere Informationen zur Wahl und den Kandidaten erfährt.

  3. Calendars and Interactive Maps
    Kalender und Maps die anzeigen, wann wer wo auftritt. Ein schönes Beispiel ist die Kooperation von NBC und Foursquare, die alle Check Ins der Kandidaten abbildet.

    Photobucket

  4. Delegate Trackers
    Ein schönes Instrument sind auch die diversen Delegate Tracker die Anzeigen, wie viele Deligierte ein Kandidat bisher gewonnen hat. CNN und Politico stellen u.a. einen solchen Service  zur Verfügung.

  5. Print goes Digital
    Ob die Mobile-App der New York Times oder der Campaign Finance Explorer der Washington Post, die klassischen Printmedien setzen verstärkt auch auf digitale Tools.

  6. Twitter
    Eine Vielzahl der amerikanischen Journalisten benutzt den beliebten Micro-Blogging-Service um lokale Ereignisse mit anderen zu teilen, ihre Meinung kund zu tun oder mit anderen Kollegen zu debattieren.

    Den ganzen Artikel findet ihr hier.

    Bilder sagen mehr als tausend Worte

    Nach den Vorwahlen vom vergangenen Samstag in South Carolina hat die Washington Post mit einem ganz besonderen Titelblatt aufgemacht – zumindest wenn man Mother Jones folgt. Demnach schafft es Newt Gingrich mit seinem Sieg zwar ganz nach oben, doch erst in Kombination mit dem Foto von Präsident Obama wird das Titelblat zu einem ganz besonderen Schmankerl für Politjunkies.

     

    Disclaimer: das Titelblatt ist eine Montage. Die seriöse Washington Post würde sich einen vergleichbaren Witz natürlich nicht erlauben. Das Original vom 23. Januar 2012 ist hier zu finden.