“Tränen sind nicht genug”

Der Kampf um ein schärferes Waffenrecht in den USA geht weiter. Nun hat sich erneut Präsident Barack Obama eingeschaltet. Drei Monate nach dem Massaker an einer Schule in Newtown forderte Obama den Kongress auf, rasch zu handeln. Im Weißen Haus sagte er im Beisein von Angehörigen von Opfern: “Tränen sind nicht genug.” Es sei “eine Schande”, falls Amerika bereits vergessen habe, was in Newtown passiert sei. “Ich habe diese Kinder nicht vergessen.”
Konkret geht es um einen Gesetzentwurf, der strikte Kontrollen von Waffenkäufern vorsieht; die Regierung fordert auch ein Verbot von Sturmgewehren. Zuletzt schaltete sich Obamas umgeformte Wahlkampagne Organizing for Action erneut in die Diskussion ein. Ob das Gesetz Realität wird, ist offen. Die Republikaner lehnen es ab, die mächtige Waffenlobby National Rifle Association ruft offen zum Widerstand auf – und auch Obamas Demokraten sind skeptisch.

Jim Carrey vs. Charlton Heston

Hollywood-Star Jim Carrey ist kein großer Waffenliebhaber. Und Charlton Heston mag er auch nicht. Kein Wunder, schließlich war Heston einmal Präsident der einflussreichen National Rifle Association (NRA). Mit einem neuen Video für die Satire-Webseite “Funny or Die” hat sich Carrey nun in die Diskussion um eine Verschärfung des Waffenrechts in den USA eingeschaltet. Als Lonesome Earl macht er sich über die NRA und Heston lustig. Unterstützung bekommt er durch die Band Eels. Auf Twitter schrieb Carrey: “‘Cold Dead Hand’ is abt u heartless motherf%ckers unwilling 2 bend 4 the safety of our kids.Sorry if you’re offended…”
Rund anderthalb Millionen Nutzer haben sich das Video mittlerweile angeschaut. Fox-News-Moderator Greg Gutfeld reagierte wenig überraschend auf Carreys Kritik. Der Schauspieler sei ein “Feigling”, der das ländliche Amerika in den Dreck ziehe und sich über einen toten Mann lächerlich mache. Carrey wird mit der Kritik leben können.

Fünf Lehren aus der CPAC 2013

Rand Paul während der CPAC-Konferenz 2012

Sie gilt als jährlicher Stimmungsmesser der republikanischen Partei, die CPAC, die “Conservative Political Action Conference”. In diesem Jahr herrschte vor dem Konferenzstart besonders große Anspannung, schließlich stand die Frage im Raum: Wie würden die Republikaner auf die verheerende Niederlage Mitt Romneys bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen November reagieren? Nach der CPAC lassen sich fünf Lehren ziehen.

1. Mitt Romney bleibt ein ungeliebter Konservativer
Der Ex-Präsidentschaftskandidat hielt ein 15-minütige Rede, von der bei der Parteibasis nicht viel in Erinnerung bleiben dürfte. Romney brachte es selbst auf den Punkt, als er sagte: “Als jemand, der gerade die vergangene Wahl verloren hat, bin ich wahrscheinlich nicht die beste Person, um den Weg für die kommende Wahl zu bestimmen.”

Die Partei, die eh immer mit Romney fremdelte, sieht ihn nicht als Vordenker oder als politischen Anführer. Das “National Journal” schreibt, dass Romneys Rede genauso schnell in Vergessenheit geraten werde wie seine Kandidatur. Noch nicht einmal Fox News konnte sich dazu durchringen, die Rede zu übertragen.

2. Marco Rubio ist ein Top-Kandidat für 2016
Mit Spannung wurde das Ergebnis der “Straw Poll” erwartet, der traditionellen Abstimmung über potenzielle Präsidentschaftskandidaten. In diesem Jahr setzte sich Rand Paul durch. Der Senator aus Kentucky und Sohn von Ex-Präsidentschaftskandidat Ron Paul lag jedoch nur knapp vor dem Senator aus Florida, Marco Rubio. Dieser bleibt damit einer der Top-Kandidaten für die Präsidentschaftskandidatur 2016. Rubio, der auf Barack Obamas Rede zur Lage der Nation antworten durfte, gilt als Politiker, der seiner Partei neues Leben einhauchen kann. Im Gegensatz zum radikal-libertären Rand Paul vertritt er Ansichten, die auch für die Mitte der US-Gesellschaft attraktiv sind. Weiteres Ergebnis der “Star Poll”: Romney scheint es – ganz nebenbei – wohl auch gelungen zu sein, seinen ehemaligen Vize-Präsidentschaftskandidaten Paul Ryan bei der Partei unbeliebt zu machen. Ryan bekam bei der Abstimmung lediglich sechs Prozent der Stimmen.

3. Chris Christies Stern strahlt – trotz Abwesenheit
Viele Republikaner haben den Gouverneur von New Jersey schmerzlich vermisst. Warum die American Conservative Union, die die CPAC veranstaltet, Christie nicht eingeladen hat, bleibt wohl ein Geheimnis. Genauso wie die Tatsache, dass Donald Trump eine Einladung bekam. Gut möglich, dass viele Republikaner immer noch verärgert über Christie sind, weil dieser während der “Sandy”-Katastrophe kurz vor der Wahl eng mit Obama zusammenarbeitete. Doch Christie bleibt im Rennen um die Kandidatur 2016. Im November wird er – mit großer Wahrscheinlichkeit – als Gouverneur wiedergewählt. Spätestens dann werden sich die Republikaner wieder mit Christie versöhnen.

4. Die Tea Party mischt immer noch mit
Die Tea-Party-Aktivisten sind nach der Wahl ein wenig in Vergessenheit geraten. Romneys missglückte Kandidatur und das schlechte Abschneiden der ultrakonservativen Kandidaten während des Vorwahlkampfs lähmte auch die innerparteiliche Bewegung. Doch ihre Frontfrauen – und -männer bleiben aktiv. Michelle Bachman, Sarah Palin, Newt Gingrich und Scott Walker: Die CPAC räumte den Tea-Party-Lieblingen viel Platz ein. Als Dankeschön gab es ein nettes Youtube-Video. “Salon.com” nennt es einen “viralen Hit“:

5. Die Republikaner wirken orientierungslos
Eines hat die CPAC mehr als deutlich gezeigt: Die Republikaner haben die Niederlage bei der Präsidentschaftswahl noch immer nicht überwunden. Obamas Sieg hat tiefe Wunden hinterlassen. Die Konservativen streiten weiter, in welche Richtung sie sich bewegen sollen? Radikal-libertär oder doch eher moderat? Ist Rand Paul wirklich ein Mann, der die Mitte der Gesellschaft für sich gewinnen kann? Ist Marco Rubio schon bereit, 2016 – er wäre erst Mitte 40 – einen Präsidentschaftswahlkampf durchzustehen? Und wie kann sich die Partei auf die “Obama-Koalition” einstellen, diesen Block aus jungen US-Amerikanern, Frauen und Einwanderern, die den Präsidenten zwei Mal ins Weiße Haus wählten?

All diese Fragen dürften den Republikanern gehörige Kopfschmerzen bereiten. Lange Zeit für Diskussionen haben sie nicht: Im kommenden Jahr stehen bereits Zwischenwahlen an. Die Demokraten bauen auf die für sie positiven Umfragen und peilen bereits die Mehrheit in beiden Kammern des Kongress an.

SXSW: Crowdfunding für staatliche Einrichtungen

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Vom 06. bis zum 13. März waren Adrian und ich auf der wohl weltweit größten Veranstaltung zum Thema “Interactive”, der SouthbySouthwest (kurz SXSW) in Austin, Texas. Wer noch nie dort war, sollte dies definitiv für das nächste Jahr in Erwägung ziehen. Der Mix aus klassischer Konferenz, netten Get togethers und Parties ist sicherlich einzigartig in der Konferenzszene und absolut zu empfehlen.

Wie zu erwarten, gab es auf der SXSW auch einige Sessions die das Zusammenspiel von Technologie, digitalen Raum und Politik behandelten. Neben einer sehr interessanten Keynote von Al Gore, hatte ich das Glück eine sehr spannende Session zum Thema Crowdfunding für staatliche Institutionen zu besuchen. Der genaue Titel der Veranstaltung lautete “Can Crowdfunding Save Local Government Budgets?” – Eine Frage die ich mir selbst auch schon mal gestellt hatte.

Philadelphia zeigt wie es geht
Da die Amerikaner und meist auch die Engländer, so auch hier, uns Deutschen in diesen Bereichen oft einen Schritt voraus sind, freute ich mich auf viele spannende Beispiele und Einblicke. Diese wurden auch prompt erfüllt. So erklärte Jordan Raynor, Gründer von Citizinvestor, einer auf das Crowdfunding von kleinen öffentlichen Projekten spezialisierten Plattform, ihre Vorgehensweise und zeigte eine Reihe von Knackpunkten für eine erfolgreiche Kampagne auf. Besonders hervorgehoben wurde dabei das Zusammenspiel von öffentlichen Einrichtungen und den Bürgern. So können Behörden auf der Website Projekte für ein Funding einreichen, Bürger können diese dann finanziell unterstützen oder aber auch selbst eigene Ideen einbringen.
Eine Stadt, die bisher sehr erfolgreich mit Crowdfunding agiert, ist Philadelphia. Aktuell läuft eine Crowdfunding-Aktion zur Finanzierung eines Projektes, welches Kindern den Anbau von Gemüse beibringt.

Einen ähnlichen Ansatz wie Citizinvestor verfolgt die britische Plattform Spacehive . Auch hier wurden bereits einige Projekte erfolgreich umgesetzt, z. B. die Finanzierung eines Community Centers in Wales. Spannend, so Rodrigo Davies von Spacehive, war oftmals die Bereitstellung weiterer finanzieller Mittel durch private Unternehmen, nach dem ein Projekt durch die Crowdfunding-Kampagne an Aufmerksamkeit gewonnen hatte.

Aber wir zahlen doch bereits Steuern?!
Eine Frage die natürlich bei der anschließenden Diskussion gestellt wurde, war, warum Bürger jetzt auch noch Spenden sollten, da sie ja bereits Steuern zahlen?! Eine Frage, auf die es keine pauschale Antwort gibt. Meiner Meinung nach, sollte man Projekte die durch Crowdfunding initiiert werden, nicht alleine aus der finanziellen Perspektive beurteilen. Neben der Möglichkeit Geld zu beschaffen, bietet Crowdfunding vor allem die Möglichkeit, Aufmerksamkeit für das Projekt/Anliegen zu erzeugen und rückt es somit oftmals erst in den Fokus der Öffentlichkeit bzw. der Behörden. Ein guter Weg also, um Projekte in der eignen Nachbarschaft voran zu treiben und durch gemeinsamen Schulterschluss von Bürgern, öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen aus der Wirtschaft, zu lösen. Zudem kreiert das Crowdfunding nicht nur finanziellen Ressourcen für Projekte sondern zeigt auf sehr transparente Weiße wo für öffentliche Gelder ausgegeben werden. Zukünftig wird es sicherlich interessant zu sehen sein, wie viel Prozent aller öffentlicher Projekte einer quasi Zustimmung durch die Bevölkerung erhalten.

Einen sehr spannender Artikel der sich etwas intensiver mit dem Thema auseinandersetzt findet ihr hier.

“Vogue”-Covergirl Michelle Obama

Ach, die Politik kann so ermüdend sein, so langweilig. Die Ehefrauen der US-Präsidenten wussten jedoch immer, wie sie auch abseits des politischen Parketts glänzen konnten. Michelle Obama beispielsweise beherrscht diese Kunst perfekt. Ob bei den Academy Awards

… bei US-Talker Jimmy Fallon …

… in der Sesamstraße …

… oder bei der feierlichen Einführung von Ehemann Barack Obama:

Michelle Obama weiß, wie sie glänzen, wie sie sich bei den US-Amerikanern immer wieder ins Gedächtnis rufen kann. Ihre Popularitätswerte sind weiter hoch, und davon profitiert natürlich auch ihr Mann.

Nun hat es Michelle Obama erneut geschafft, dass die USA über sie diskutieren. Zum bereits zweiten Mal ist die 49-Jährige auf dem Cover der US-Ausgabe von “Vogue” zu sehen:

Natürlich gibt es im Heft auch ein Interview mit Obama, in dem sie über ihr Leben als “Mom in Chief” im Weißen Haus spricht. Glamour hin, Glamour her, einen politischen Aspekt hat der Artikel natürlich auch. Der Titel der Geschichte lautet: “leading by example” (“Führung durch Vorbild”). Die “Vogue”-Macher spielen damit auf den oft zitierten und oft kritisierten politischen Führungsstil ihres Mannes an, “leading from behind” (“Führung aus dem Hintergrund”).

Barack Obama wird den kleinen Seitenhieb des – für ihn ansonsten sehr hilfreichen – Artikels verkraften können. Der Streit um den US-Haushalt geht für ihn früh genug weiter.