Willkommen in Obamaville

Die Wahlkampagne des Republikaners Rick Santorum hat ein neues Video veröffentlicht, mit der sie gezielt um Wähler in ländlichen Gegenden der USA werben will. In dem düsteren Clip beschreibt das Santorum-Team, wie eine typische US-Kleinstadt im Fall einer Wiederwahl von Präsident Barack Obama im Jahr 2014 aussehen könnte: die Wirtschaft ist am Ende, die Arbeitslosigkeit hoch, die Menschen haben Angst um ihre Jobs – und um ihr Leben (Hollywood lässt grüßen). Letzteres liegt, so suggeriert zumindest das Video, an Obamas lascher Reaktion auf die Atompläne des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Es scheint, als ob Santorum dieser Punkt besonders wichtig ist: Plakativ verwandelt sich Ahmadinedschads Gesicht in einer kurzen Szene in das Gesicht Obamas.

Die für gewöhnlich gut informierte Webseite “Politico.com” berichtet, dass der Clip mit dem Titel “Obamaville” der Auftakt einer achtteiligen Mini-Serie ist, mit der Tea-Party-Liebling Santorum gezielt um die Stimmen der konservativen Basis werben will.

Am Samstag findet im US-Bundesstaat Louisiana die nächste Vorwahl der Republikaner statt. Aktuellen Umfragen zufolge liegt Santorum vor seinem härtesten Konkurrenten Mitt Romney.

Wahlkampf made in Hollywood

Die Wahlkampagne von US-Präsident Barack Obama hat die rund 17 Minuten lange Dokumentation “The road we’ve traveled” – auf Deutsch: “Die Strecke, die wir zurückgelegt haben” – veröffentlicht (Vorbericht: siehe hier). US-Regisseur Davis Guggenheim, 2007 mit einem Oscar für seinen Al-Gore-Film “Eine unbequeme Wahrheit” ausgezeichnet, zählt darin gekonnt die bisherigen politischen Erfolge Obamas auf: die Rettung der Automobilindustrie, die Gesundheitsreform oder die Tötung Osama bin Ladens beispielsweise.

Neben Obama und seiner Frau Michelle kommen vor allem Weggefährten und ehemalige Berater zu Wort, darunter Vizepräsident Joe Biden, der ehemalige Stabschef Rahm Emanuel oder Ex-Präsident Bill Clinton. Erzählt wird der Film, der sich vor allem auf die sich erholende US-Wirtschaft konzentriert, von Hollywood-Star und Demokraten-Freund Tom Hanks.

Nach der Premiere am Freitag – bislang haben sich rund 140.000 [Update 24. März: rund 1,9 Millionen] Nutzer den Film auf Youtube angeschaut – diskutierten Obama-Berater David Axelrod und Organizing-for-America-Chef Mitch Stewart via Adobe-Web-Konferenz über die Hintergründe der Dokumentation.

Zitat des Tages

Predicting Hillary's Endorsement of Barack

“Why extremists always focus on women remains a mystery to me. But they all seem to. It doesn’t matter what country they’re in or what religion they claim. They want to control women. They want to control how we dress. They want to control how we act. They even want to control the decisions we make about our own health and bodies.”

–Hillary Clinton // Women in the World Summit

Umfragen, Umfragen, Umfragen

Vor den beiden Primaries in Alabama und Mississippi wurden gestern und heute noch einmal eine ganze Reihe neuer Umfragen veröffentlicht.

In Alabama liegt Romney ganz knapp vor Gingrich und Santorum – wobei jeder der drei hier sogar Gewinnchancen hat. Der PPP-Poll von gestern sieht Romney bei 31 Prozent, Gingrich bei 30 und Santorum bei 29.
In Mississippi ein ähnliches Bild: Hier führt Gingrich (33) vor Romney (31) und Santorum (27).

Dank der Stärke von Gingrich in den Südstaaten werden die Vorwahlen im Dixieland also zu einem Dreikampf. Damit hat Mitt Romney die reelle Chance, endlich einen tief konservativen Bundesstaat zu gewinnen. Dies wäre aber – wenn er in den niedrigen 30ern von der Prozentzahl her bleibt – sicherlich kein Signal der Stärke. Sondern ein Zeichen der anhaltenden Uneinigkeit innerhalb der GOP. Die Parteirechte ist sich relativ einig in ihrer Ablehnung von Romney, können sich aber immer noch nicht einigen, ob sie Gingrich oder Santorum wollen. Und keiner von beiden hat Ambitionen, aus dem Rennen auszusteigen. Hier ist Romney also einmal der lachende Dritte.

In Louisiana und Illinois wird im März ebenfalls abgestimmt. In Louisiana sieht es ebenfalls nach einen Dreikampf aus, in Illinois hingegen ist Gingrich in den Umfragen deutlich abgeschlagen hinter Romney und Santorum, die sich einen Zweikampf liefern.

Der März wird daher sicher noch keine Entscheidung bringen. Romney, Santorum, Gingrich – alle drei werden sicher den ein oder anderen Bundesstaat gewinnen. Und alle werden daher weiter wahlkämpfen.

Die Primary-Season der GOP wird daher erst Ende Mai/Anfang Juni entschieden, wenn die Wähler in Texas (29. Mai) und Kalifornien (5. Juni) an die Urne gehen. Denn diese beiden Bundesstaaten haben mit Abstand die meisten Delegiertenstimmen (Texas 155, Kalifornien 172) zu vergeben. Momentan liegt Romney in den aktuellen Umfragen in Kalifornien deutlich vorne (+20), in Texas aber nur knapp vor Santorum (+2). Santorum und Gingrich (Paul macht eh weiter) werden ihre Niederlage erst dann eingestehen, wenn auch diese beiden Vorwahlen vorbei sind und sie rechnerisch keine Chance mehr haben. Bis dahin kann sich in diesen unberechenbaren Vorwahlen aber noch einiges tun. Es wird aber schwer, Romney noch aufzuhalten. Auch wenn er kein überzeugender Frontrunner ist, wird er bis zum Nominierungsparteitag einfach die meisten Delegierten gesammelt haben.

Und Obama? Dessen Approval Rating ist in den letzten vier Wochen wieder deutlich gesunken (von 50 auf 41 Prozent). Die New York Times macht dafür eine Melange aus hohen Benzinpreisen und außenpolitischen Brennpunkten in Iran und Afghanistan verantwortlich. In den Umfragen schlägt er sich aber weiterhin relativ gut: In der aktuellen CBS/NYT-Umfrage liegt er deutlich vor Gingrich und Paul und knapp vor Romney (Obama 47 – Romney 44) und Santorum (Obama 48 – Santorum 44). Eine Umfrage von ABC und WaPo bringt fast die gleichen Resultate. Nur bei Rasmussen liegt auch einmal Romney vor Obama. Bis zum Wahltag im November werden wir hier aber sicher noch ein munteres Auf und Ab beobachten können.

Photo Credit: “Polling Station” // kagey_b // Flickr

Chuck Norris in “Robocallcop”

Was macht Chuck Norris eigentlich so den ganzen Tag? Er kann ja nicht den ganzen Tag Roundhouse-Kicks üben, dafür sorgen, dass die Erde sich weiter dreht und lustige Kolumnen für das SatireportalHuman Events schreiben.

Nein, der Chuckster stellt sich auch jetzt auch einer schier unmenschlichen Aufgabe, die nur er bewältigen kann: Newt Gingrich zum Wahlsieg zu verhelfen. Dafür macht Walker Texas Ranger jetzt sogar Robocopcalls:

“As my wife Jean and I watched the GOP debate, we were trying to decide which of the candidates would be best to do head-to-head combat with President Obama. Now, I didn’t say hand-to-hand combat, even though I think they would win there too. Jean and I decided that Newt Gingrich would be the best man to beat President Obama.”

Ich kann mir nur vorstellen, wie Menschen zusammenzucken, wenn sie auf einmal die Stimme von Chuck Norris am anderen Ende der Leitung hören. Newt Gingrich hofft derweil, dass Chuck ein noch größeres Wunder als das eh schon allergrößte (Gingrich als Präsident) schaffen kann: den Benzinpreis halbieren. Gingrich wird auf Twitter auch ganz konkret, wie er den Plan umsetzen will:

“New energy proposal: When Chuck Norris looks at gas prices they drop in fear. #250gas”

Also geht er mit diesem Versprechen kokett von Haustür zu Haustür. Was für Wunder wird er denn noch versprechen? Krankenversicherung für alle? Eine Stadt auf dem Mond? Die Wiedereinführung der Polygamie (um so Romney ein paar Mormonen-Stimmen zu klauen!)? Die Wiederauferstehung von Ronald Reagan, der ihm dann als Vize dienen könnte? Ich bin gespannt.

Zitat des Tages

“When I was 18, people called me Donald Trump. When he was 18, @BarackObama was Barry Soweto. Weird.”

Donald Trump will irgendwie keine Ruhe geben. Was will er uns mit diesem Tweet eigentlich sagen? Das Obama aus Soweto kommt und in Nowosibirsk geboren wurde? Oder auf dem Planten Melmac? Dann kann er doch mal Alf fragen, die beiden gehen ja anscheinend zum selben Friseur. Man könnte es aber auch so drehen: Als Obama 47 war, war er Präsident. Und Trump? Der war mit 47 grade bankrott. Amen.

[via Gawker]

Photo Credit: “Donald Trump Billboard” // Thomas Hawk // Flickr

Obama Bracket Challange

Als begeisteter Basketballer komme ich nicht umhin und muss einen kleine Verweis auf die Bracket Challange von Barack Obama hinzuweisen.
Anlässlich der diesjähren March Madness im College Basketball fordert Obama dazu auf, gegen ihn und seine Tipps um den zukünfitgen College Champion anzutreten.

Eine, wie ich finde, ganz nette Abwechslung und erfrischende Idee um mit Wählerinnen und Wählern in Kontakt zu kommen.

Photobucket

[Breaking] Romney gewinnt Guam

Ist das die Vorentscheidung? Mitt Romney hat auch die Vorwahlen in Guam gekauft gewonnen. Einstimmig! Das hätte nicht einmal Walter Ulbricht geschafft. Damit hat Romney bewiesen, dass er auch die Stimmen und Herzen von Sozialisten gewinnen kann.

Und nicht nur das: Romney gewann auch den Caucus auf den Northern Mariana Islands. Hier holte er allerdings nur 87 Prozent der Stimmen.

Und was macht Santorum? Er konnte in Kansas lediglich knapp über 50 Prozent der Stimmen gewinnen – und damit 33 Delegierte. Kein Wunder, dass er nur Zweiter ist – denn er kann wirklich noch viel von Romney lernen.

Photo Credit: “Hello Kitty Surfs the North Shore” // puuikibeach // Flickr

Die Geburt eines Stars

Für alle Sarah-Palin-Fans: Gestern Abend lief auf dem Bezahlsender HBO der Film “Game Change” über den Präsidentschaftswahlkampf 2008 – und über den kometenhaften Aufstieg der Tea-Party-Ikone Palin. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch, das die beiden Journalisten Mark Halperin und John Heileman 2010 veröffentlichten.

Der Film ist hochklassig besetzt: Ed Harris spielt den damaligen Präsidentschaftskandidaten John McCain, Woody Harrelson dessen Wahlkampfchef Steve Schmidt und Julianne Moore die Überraschungskandidatin Palin. Die Republikaner sind von der Art und Weise, wie Regisseur Jay Roach und Drehbuchautor Danny Strong die McCain-Kampagne beschreiben jedoch wenig begeistert: Palin tritt als dümmliche Jungpolitikerin auf, die keine Ahnung hat, was die US-Notenbank Fed ist, und warum die USA im Irak stationiert sind.

Sarah-Pac“, die politische Unterstützerkampagne Palins, hat Ende Februar eine Persiflage des HBO-Trailers auf Youtube hochgeladen. Für die Palin-Mannschaft verbreitet der Film vor allem eines: “liberale Lügen”.

Neuer Obama-Film: The Road We’ve Travelled

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Mit “The Road We’ve Travelled”, dem Film zur ersten Amstzeit von Präsident Barack Obama, belegt sein Wahlkampfteam einmal mehr, dass es im Einsatz von Bewegtbild, beim Erzeugen von Stimmungen und der Inszenierung des Präsidenten kaum zu übertreffen ist. Mehr Pathos geht kaum. Dabei mag geholfen haben, das Davis Guggenheim Regie geführt hat. Der wurde vor allem für seinen Klimaschutzstreifen “An Inconvenient Truth” bekannt, in dem Al Gore (direkt nach der Erfindung des Internets) das Klima quasi im Alleingang rettet. Schon damals blieb keine Insel und kein Auge trocken.

Immerhin, der Film war mit zwei Oscars erfolgreicher in Hollywood als Al Gore bei den Wahlen. Bleibt abzuwarten, wie das Verhältnis zwischen The Road We’ve Travelled und dem Präsidenten ausfällt. Die Wahlen werden auch diesmal eher in Ohio als beim Sundance Film Festival entschieden.

Zugegeben, anschauen werde ich ihn trotzdem und vermutlich auch ein wenig wohlig erschaudern. Und ich will nicht ausschliessen, dass ich mir im Stillen wünsche: mehr White House und weniger Grossburgwedel.

Strategisch gut platziert

Für die New York Times Online-Leser gab es heute ein ganz besonders spannendes Aufeinandertreffen von Obama und Romney. Dank einem Screenshot von @PatrickRuffini können wir nun alle Zeuge werden, wie eine “Pet Lovers for Obama” Anzeige die Seite des Artikels über Romneys Sieg in Ohio “Romney appears the Ohio winner, Santorum strong” schmückte. Sind es nicht diese kleinen Finessen, die den politischen Wahlkampf in Zeiten von Inhaltsleere und Personalisierung so interessant machen?

Super Tuesday: And the Winner is Barack Obama

Foto: CC-SA by Barack Obama

Ja wer tritt denn nun gegen Barack Obama an? Auch der gestrige “Super Tuesday” bringt noch keine Entscheidung im republikanischen Vorwahlkampf mit sich. Am Super Tuesday werden bekanntlich die meisten Delegierten für den Nominierungsparteitag gewählt, doch weder Mitt Romney noch Rick Santorum konnten den Deal besiegeln. Während Romney nach aktuellen Hochrechnungen einen Sieg in Alaska, Idaho, Massachusetts, Vermont und Virginia verbuchen konnte, hat Santorum die Staaten North Dakota, Oklahoma und Tennessee für sich entschieden.  Selbst der weit abgeschlagenen Kandidat Newt Gingrich konnte  in Georgia einen Sieg erringen. Im heiß umkämpften Ohio und in Wyoming laufen die Auszählungen noch, doch Romney scheint, wenn auch knapp, die Nase vorne zu haben.

Das Gerangel um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten bedeutet für die Republikaner in erster Linie, weiter Geld und Zeit in den Nominierungswahlkampf zu investieren und erst spät in den tatsächlichen Wahlkampf gegen Barack Obama einsteigen zu können.

Es heißt doch so schön: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Für den Wahlkamf 2012 gilt dies alle Mal. Eine jüngste Umfrage des Pew Research Center belegt , dass der interne Machtkampf der Republikaner vor allem Obama in Sachen Mobililisierung der eigenen Wähler nützt. 49% der befragten Demokraten gaben an, je mehr sie über die republikanischen Kandidaten und ihre Themenschwerpunkte erfuhren, umso besser wurde ihr Eindruck von Barack Obama.

 

Rush Limbaugh hat nichts mehr zu lachen

Rush Limbaugh bleibt der Hass momentan im Hals stecken. Der feiste Talkradio-Moderator, der sonst in übelsten Schimpftiraden über Obama, Demokraten, Homosexuelle, Femi-Nazis oder jedwede andere Gruppe herzieht, die nicht so ist wie er (also weiß, dick, hetero, stramm rechts), ist ganz kleinlaut geworden. Und das bestimmt zum ersten Mal in seinem Leben.

Was ist passiert? Nun, Limbaugh hatte wie so oft ziemlich gemein über jemanden hergezogen. Diesmal traf es Sandra Fluke, eine Jurastudentin der Georgetown University, die sich in einer Anhörung des House dafür aussprach, dass die Pille und andere Verhütungsmittel für Frauen über die Krankenversicherung abgedeckt werden. Was sagt man zu so einer Forderung? Natürlich sowas:

“What does it say about the college co-ed [Sandra] Fluke, who goes before a congressional committee and essentially says she must be paid to have sex? What does that make her? It makes her a slut, right? It makes her a prostitute. She wants to be paid to have sex. She’s having so much sex she can’t afford the contraception. She wants you and me and the taxpayers to pay her to have sex. What does that make us? We’re the pimps — the johns. No, that’s right — pimp is not the right word.”

Und dann forderte er sie auch noch auf, ihm Sexvideos von ihren in seinen Fantasien stattfindenden Eskapaden zu schicken. Nun ja, s0 sprechen sie, die Anführer der Tea Party, die immer von “Restore America” faseln und einer Nation, die wieder zu Moral und Religion zurückfinden soll.

Denn Rush Limbaugh ist ja auch nicht irgendwer im rechtskonservativen Spektrum. Nachdem Glenn Beck von Fox News gefeuert wurde und etwas in der Versenkung verschwunden ist, avancierte Limbaugh zum unangefochtenen Sprachrohr der Rechten, der wöchentlich bis zu 20 Millionen Hörer erreicht, zum Idol derer, die tatsächlich fürchten, dass Land werde immer kommunistischer, ein von sich selbst berauschter Supermacho, dessen Einfluss in bestimmten Wählerschichten mit dem des Steuernhassers Grover Norquist zu vergleichen ist.

Und nun muss sich der allmächtige Rush entschuldigen. Bei einer Jurastudentin. Denn diesmal war er zu weit gegangen mit seinen Beleidigungen. Selbst viele Republikaner kritisierten ihn für seine Aussagen pflichtschuldig. Aber mehr als eine halbherzige Entschuldigung kam trotzdem nicht dabei raus:

“My choice of words was not the best, and in the attempt to be humorous, I created a national stir. I sincerely apologize to Ms. Fluke for the insulting word choices.”

Soso, witzig soll das alles gewesen sein. Klar. Doch diesmal kommt Limbaugh nicht so einfach davon. Er hat sich seit dem Zwischenfall zwar bereits mehrfach entschuldigt, aber diesmal kommen die Medien und die Öffentlichkeit nicht zur Ruhe, lassen nicht locker. Mittlerweile haben – vor allem durch kritische Kommentare und Boykottaufrufe in Sozialen Medien aufgeschreckt – 24 Unternehmen angekündigt, nicht mehr wie bisher Werbung im Umfeld seiner Radioshow oder Webseite zu schalten, darunter Größen wie AOL, Sears oder AllState (hier gibt es einer Übersicht).

Aber eigentlich juckt es ihn nicht wirklich. Er war auch vorher schon der mit Abstand unbeliebteste Medienmensch in den USA. Und er zeigt schon wieder mit dem Finger auf anderen, denn Rapper seien ja nun einmal viel schlimmer als er. Den Verlust einiger Werbekunden kann er auch verkraften, so lange Clear Channel, das Radio Network, über welches seine Show verbreitet wird, zu ihm steht. Einige Werbekunden werden sicher auch zurückkehren – und in der Zwischenzeit schaltet halt Newt Gingrich’s Super PAC einfach mehr Werbung.

Überhaupt halten sich alle Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, mit Ausnahme von Ron Paul, auffällig zurück mit Kritik an Limbaugh. Aus einem einfachen Grund: “Republican leaders are afraid of Rush Limbaugh.” Das sagt nicht etwa ein Demokrat, sondern der konservative Autor George Will. Angst davor, seine Hörer als Wähler zu verlieren. Angst davor, dass Limbaugh sie im Gegenzug attackiert. Dann lieber laut schreien, dass man Iran so schnell wie möglich von der Landkarte radieren würde.

Ändern wird sich Limbaugh eh nicht, seine Hörer ebenso. Die gefühlte Verschwörung der liberalen Mainstreammedien werden ihn dort eventuell sogar noch populärer machen. Die Limbaughisierung der GOP wird die Partei aber mehr und mehr beschädigen und weiter im Würgegriff des rechten Randes der Konservativen halten. Denn moderate Wechselwähler lassen sich so nicht überzeugen.

Mir bleibt vor allem, mich zusammen mit Stephen Colbert köstlich über die scheinbare Obsession von Rush Limbaugh mit weiblicher Sexualität zu amüsieren. Großartig:

Photo Credit: “July09 199” // Lord Jim // Flickr