Leben und Sterben in New Hampshire

In knapp sechs Stunden schließen die Wahllokale in New Hampshire. Höchste Zeit also, sich noch schnell mit ein paar Prognosen aus dem Fenster zu lehnen!

Wer gewinnt bei den Republikanern?

Ronald Reagan. Denn im Prinzip möchte jeder Republikaner so sein, wie er. Damit America endlich wieder so great wird, wie unter seiner Herrschaft. Was damals so genau so großartig war, ist ganz egal. Hauptsache es wird irgendwie so, wie es irgendwann mal war irgendwie war. Irgendwas. Schon Ronald Reagan nutzte ja bekanntlich den Slogan “Make America Great Again”, um wieder so ein schönes Amerika zu erschaffen, wie damals, als er regierte. Ok, das geht ja nicht. Vielleicht meinte er auch Jimmy Carter? Oder doch James A. Garfield? Egal. Wichtig ist: Früher war alles besser. Und da müssen wir wieder hin.

Da Donald Trump also den gleichen Slogan wie Ronald Reagan hat – und sich ihre Vornamen fast gleichen!!!1!! – kann nur er gewinnen. Er hat ja eigentlich auch in Iowa gewonnen, wie er mehrfach betonte. Beziehungsweise wurde im Iowa von diesem windigen Kanadier Ted Cruz (der sich ja eigentlich bei diesem Nachnamen irgendwie aus Mexiko eingeschlichen haben muss! Also ein Mexican-Canadian!) fies geklaut. In den Umfragen liegt Ronald Trump aber tatsächlich soweit vorne, dass ihm wohl keiner diesen Vorsprung klauen kann: er führt mit mindestens 10 Prozent und liegt konstant bei über 30 Prozent. Prognose: Trump wird trotzdem verlieren. Zumindest wünschen wir uns das, damit er sich wieder so schön via Twitter aufregt. Er wird schlechter als die Umfragen abschneiden, bei unter 28 Prozent. Denn die unentschlossenen Wähler wollen ihn eher nicht.

Ted Cruz: Der gottesfürchtige Texaner hat in New Hampshire eigentlich keine Chance. Trotz der Nähe zu Kanada. Denn es gibt dort nicht so viele Evangelikale. Egal. Er wird eine Runde beten, kurz abschütteln, dass Trump ihn grad als Pussy bezeichnet hat – und sich auf South Carolina konzentrieren. Prognose: Die Champions League ist auch mit Gottes Hilfe nicht drin, er hat aber auch nichts mit dem Abstieg zu tun.

RobotRubio: Es sah nach dem Caucus in Iowa eigentlich gut aus, dass der telegene Roboter mit dem jungendlichen Charme sein Momentum auch nach New Hampshire trägt. Ein paar fehlerhafte Updates in der Sprachsoftware und einer dadurch deutlich erhöhten Reaktionsfähigkeit haben seine Werte aber wieder nach unten gezogen. Prognose: Es wird nicht soweit gehen, dass die Hardware ausgetauscht werden muss. Außerdem hört sein Publikum gerne Wiederholungen. Allerdings wird er sich nicht deutlich von Kasich, Bush und sogar Christie absetzen können.

Jeb “Please Clap Your Hand Say Yeah” Bush: New Hampshire ist seine letzte Chance. Danach dürfte er alles Geld ausgegeben haben. Er muss überraschen und sich an Rubio und am besten Kasich vorbei in die Top 3 quetschen. Sonst gibt es bald kein Geld mehr, denn Hank Greenberg ist echt sauer. Prognose: Das wird leider nichts. Nicht in New Hampshire, in South Carolina, selbst in Florida. Danach hat er keine Lust mehr, vorher wird er noch ein bisschen Geld ausgeben.

John Kasich: Ist den Umfragen nach überraschend stark, liegt zuletzt bei 17 Prozent. Es könnten deutlich mehr sein, wenn ihn ein paar mehr Leute kennen würden. Hat dafür noch nicht soviel Ärgern mit Trump gehabt, wurde selten beschimpft und sagt zuwenig dummes Zeug. Sollte daher noch ein bisschen länger im Rennen bleiben um zu gucken, was die Leute von ihm halten. Prognose: Er denkt von Spiel zu Spiel.

Chris Christie: Wird überraschen, wird deutlich mehr als die 5.8 Prozent bekommen, die er in den letzten Polls im Durchschnitt hatte. Wird danach noch angriffslustiger sein und von Donald Trump als “Pussy Fatass” beschimpft werden. Wird dadurch in den Umfragen steigen. Prognose: Bleibt eher ein One Hit Wonder und geht zurück nach New Jersey, wenn die Brücken wieder offen sind. Versucht es dann in 2020 nochmal.

Carly Fiorian und Ben Carson: Sollen Gerüchten zufolge noch im Rennen sein. Dürfen aber bald nicht mehr mitspielen. Ben Carson wird nach Hause fliegen, noch vor der Primary in Florida, die Hose wechseln und sich auf die Couch legen.

Und die Demokraten? Sanders wird gewinnen. Das ist aber recht egal. Denn Hillary und Bernie fetzen sich weiter – angetrieben und unter tatkräftiger Mithilfe ihrer Anhänger – und versuchen so auch ein bisschen mehr Stimmung reinzubringen. Aber das beleuchten wir an anderer Stelle noch einmal genauer.

Und was sagen die Experten? Wir haben mal bei unseren Blog-Freunden nachgehorcht, wie sie die Lage sehen. Thomas Rasser von US-Präsidentschaftswahl 2016 sieht Chris Christie auf dem Weg nach Hause:

Ich rechne damit, dass Chris Christie trotz seines guten Auftritts bei der TV-Debatte nach New Hampshire aufgeben wird, wenn er hinter Kasich und Bush ins Ziel kommt. An der Spitze rechne ich nicht mit einer Überraschung, Donald Trump dürfte mit 27% aufwärts gewinnen. Bei den Demokraten wird es darauf ankommen, wie weit Sanders vor Clinton landet. Ist der Abstand nur einstellig, wäre dies sicherlich ein kleiner Dämpfer für den Senator aus Vermont.

Und Kai Uwe Hülss von 1600 Pennsylvania setzt dagegen eher auf ein Ausscheiden von Ben Carson. Und bringt Jim Gilmore ins Spiel, von dem ich vorher – ehrlich – noch nichts gehört hatte.

Carsons Kampagne hat mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sollte er zudem in NH schlecht abschneiden, könnte das Ende nah sein. Ansonsten wird sich das Feld der Establishment-Kandidaten wohl reduzieren. Rubio, Kasich, Bush, Christie – mittelfristig wird nur eine Kampagne überleben können. Eine Frage wird auch sein, wie viele Bewerber der “12-Stimmen-Kandidat” Jim Gilmore noch überleben kann…

Danke für eure Einschätzungen, wir sind jetzt auf die Ergebnisse gespannt!

Fallon reißt Witz – Christie haut ab

“Juhu!”: Chris Christie (l.) und Late-Night-Talker Jimmy Fallon.

Republikaner und Humor: Das ist oft eine schwierige Kombination. (Wir wollen an dieser Stelle Donald Trumps Kandidatur einmal außen vor lassen.) Glücklicherweise gibt es New Jerseys Gouverneur Chris Christie. Bei Late-Night-Talker Jimmy Fallon hat der republikanische Präsidentschaftskandidat erneut bewiesen, keine Probleme mit Witzen über sein Gewicht zu haben. Oder doch? Zumindest stürmte Christie nach einer Bemerkung von Fallon über vermeintliche Jubelstürme des Politikers über Eiscreme (“Juhu!”) erst einmal von der Bühne.

Ernst gemeint war das natürlich nicht. Christie kam schnell zurück und sagte zu Fallon: “Sollte ich mich je aus der Öffentlichkeit zurückziehen, müsstest du zwei Schreiber einstellen, um mit ihren Texten all den Müll über mich zu ersetzen.”

Ach so: Im Anschluss drohte Christie noch an, bei der anstehenden TV-Debatte der Republikaner (16. September) gegebenenfalls zur “Atomwaffe zu werden”. Der Mann weiß einfach, wie er Aufmerksamkeit erzeugen kann.

Christie will US-Präsident werden

“Ich bin bereit”: Chris Christie in New Jersey.

Das Feld der republikanischen Bewerber um die US-Präsidentschaft ist erneut größer geworden. Mit New Jerseys Gouverneur Chris Christie stieg der 14. Kandidat ins Rennen um die Nominierung bei den Vorwahlen ein. “Ich bin bereit, für die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika zu kämpfen“, sagte der 52-Jährige bei der Verkündung in einer High School in New Jersey.

Chris Christie am Boden

Missgeschick vor laufender Kamera: der gefallene Chris Christie.

Das Internet vergisst nicht. Für Politiker ist das ein oft ärgerlicher Fakt. Doch auch US-Radiosender scheinen ein langes Gedächtnis zu haben. Der Sportsender 94WIP aus Philadelphia (Bundesstaat Pennsylvania) hat nun ein ziemlich unvorteilhaftes Video des Gouverneurs von New Jersey, Chris Christie, veröffentlicht. Es zeigt, wie der Republikaner vor einem Interview mit Moderator Angelo Cataldi im Juni 2014 von einem Stuhl fällt und auf dem Boden landet. Die Tatsache als solche ist unspektakulär, als GIF ist der fallende Christie aber durchaus lustig:

Das Wochenmagazin “New York” fragte recht süffisant: “Ganz ehrlich, wenn er nicht auf einem Stuhl sitzen kann, kann er dann eine Nation führen?” Bei den Republikanern werden Christie Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt.

Bush gegen Clinton? Das sagen die Zahlen

Strebt wohl nach Höherem: Jeb Bush (Archivbild) prüft eine Präsidentschaftskandidatur.

Jeb Bush, Bruder des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush und Ex-Gouverneur von Florida, trifft offenbar konkrete Vorbereitungen für eine Bewerbung um das Präsidentenamt. Der 61-Jährige habe alle Vorstandsposten niedergelegt und seine Beraterverträge gekündigt, berichtete die “Washington Post“. Zudem überlege der Republikaner, sich aus seiner Firma Jeb Bush & Associates zurückzuziehen.

Sprecherin Kristy Campbell sagte der “Washington Post”, dass sich Bush mit der Aufgabe seiner geschäftlichen Tätigkeiten auf “seine mögliche Kandidatur für das Präsidentenamt”  konzentrieren wolle. Diese hat Bush noch nicht offiziell erklärt. Mitte Dezember stellte er sie allerdings – etwas verklausuliert – in Aussicht.

Damals kündigte er auf Twitter und Facebook an, der Möglichkeit einer Kandidatur “aktiv nachzugehen”. In US-Medien wurde dies als klarer Schritt in Richtung einer Bewerbung für die Wahl im November 2016 gewertet. In der republikanischen Partei werden ihm große Chancen eingeräumt, das Weiße Haus zu erobern. Amtsinhaber Barack Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten.

Druck auf Bushs Konkurrenten wächst

Bushs Offensive erhöht den Druck auf andere Republikaner, ihre Pläne offenzulegen. Besonders dem Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, werden Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt. Auch die Senatoren Rand Paul, Marco Rubio und Ted Cruz heben wohl Ambitionen. Der seriösen Webseite “Realclearpolitics” zufolge liegt Bush in aktuellen Umfragen eindeutig vorne.

Sollte es Bush gelingen, die Republikaner zu überzeugen, käme es möglicherweise zu einem brisanten Duell zweier Polit-Dynastien. Bei den Demokraten denkt Ex-Außenministerin Hillary Clinton über eine Bewerbung nach. Trotz zahlreicher Andeutungen steht ein klares Statement aber noch aus. “Realclearpolitics” zufolge hätte Clinton zurzeit gute Chancen, Bush bei einer Präsidentschaftswahl zu schlagen.

Christie “rockt” mit Fallon

Bitte tanzen Sie jetzt: Jimmy Kimmel (l.) und Chris Christie.

First Lady Michelle Obama machte es vor, nun hat New Jerseys Gouverneur Chris Christie nachgezogen. Mit US-Talker Jimmy Fallon ließ der potenzielle Präsidentschaftskandidat der Republikaner in der vergangenen Woche seine Hüften kreisen. Ja, seine Hüften. Beim “Bridgegate”-Tanz wurde es Christie dann aber doch zu viel. Ein Auftritt mit viel Selbstironie – so lieben die Amerikaner ihre Politiker.

Beyond Bridgegate: does Chris Christie have a political future?

Interview with Nick Ragone

Chris Christie’s strategy so far has been that of an all out attack: fire and denounce his former employees and appointees and then declare ignorance of what was going on. Has this strategy worked so far?

I’m not sure his strategy has been an “all out attack” so far. Clearly, he’s decided to attack David Wildstein after his attorney revealed that there may be evidence that Governor Christie was aware of the lane closings. It’s too early to tell if that strategy will work, but it doesn’t change the basic calculus of this scandal: If it’s proven that Governor Christie either ordered or was aware of the lane closings then his political career is likely over. He’s staked his entire reputation on the fact that he knew nothing about this. If that turns out to be a lie than he’s in deep trouble.

Christie lambasted both the New York Times and David Wildstein after the newspaper came out with the story that Christie knew more about Bridgegate than he admits. Can this strategy of personal attacks work?

With the New York Times, I believe he corrected some inaccuracies in their lede and the story (which the Times itself has gone on to correct). The Times admitted it was a bit loose with its language in the story and I think the Christie Administration rightly pushed back. As for Wildstein, the Christie Administration is clearly trying to discredit him as a source. It’ll all come down to why type of evidence Wildstein has to prove that Governor Christie was aware of the lane closings.

If – as Wildstein claims – Christie really knew about the lane closures: can he survive this politically?

No, his political career will be effectively over.

Even if he is cleared of any wrongdoings, will Bridgegate stick on him and diminish his chance on a presidential run?

If it turns out, after all the investigations, that Governor Christie did not authorize and was not aware of the lane closings, than he’ll still have a chance at seeking the Republican nomination. I’m not sure Republican primary voters – three years from now — will care about the lane closings (again, should it turn out Governor Christie told the truth). All comes down to whether or not Governor Christie was telling the truth.

Finally, what would your advice for Christie be. How should he handle the situation?

Focus on your job, tell the truth, and let the chips fall where they may.

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Nick Ragone is Partner at Ketchum and the Director of Ketchum Washington, D.C.

Nick serves as a senior strategist, counselor and media trainer to many of the agency’s top clients. In 2007, Nick was named one of PR Week’s “40 under 40” to watch in the industry. He is the author of five books, including four on government and politics, with his most recent being Presidential Leadership: 15 Decisions that Changed the Nation (February, 2011). Nick is a regular contributor to Fox News, CNN and Fox Business on issues of politics and communications, as well as the Star-Ledger, Politico, the Washington Times and US News & World, PRWeek, Adage, and the New York Times. Nick is an Adjunct Professor at Georgetown University.

Interview: Adrian Rosenthal & Georg Schmitt

Fallon, Romney und die 47 Prozent

Mitt Romney mal anders: Der Ex-Präsidentschaftskandidat der Republikaner schaute am Freitag in der Late-Night-Show von Jimmy Fallon vorbei, um Werbung für die Netflix-Dokumentation “Mitt” zu machen. Romney ließ es sich nicht nehmen, mit Fallon einen “Slow Jam” der Nachrichten zu präsentieren:

Für Romney ein erstaunlicher Auftritt: Der Republikaner gilt – wenn er nicht gerade   “Gangnam Style” tanzt – als langweiliger und spröder Politiker. Nun durfte sich Fallon sogar über Romneys verhängnisvolle 47-Prozent-Bemerkung über jenen Teil der Amerikaner, der in Abhängigkeit vom Staat lebe, lustig machen. “Tiefschlag”, konterte der Mormone mit einem Augenzwinkern. Romney ist nicht der erste Politik, der bei Fallon zum “Slow Jam” eingeladen war. Im Juni 2013 war New Jerseys Gouverneur Chris Christie zu Gast …

… im April 2012 ließ es sich auch US-Präsident Barack Obama nicht nehmen, im Wahlkampf mit den “langsamen Nachrichten” Werbung für sich zu machen.

“Eine grandiose politische Dummheit”

Will in der NSA-Spähaffäre Vertrauen zurückgewinnen: US-Präsident Barack Obama

Die zweite Amtszeit von US-Präsident Barack Obama begann denkbar schlecht. Der dramatische Kampf um den Staatshaushalt, Pannen bei der Einführung der Gesundheitsreform, die NSA-Krise: Der Demokrat und seine Partei gerieten schnell unter Druck. “Amerika wählt” hat sich mit dem Chef des Aspen-Instituts in Deutschland, Rüdiger Lentz, über die Zwischenwahlen, die Lage der Republikaner und Obamas politisches Erbe unterhalten.

“Amerika wählt”: Herr Lentz, die Rede von US-Präsident Barack Obama zur NSA-Affäre ist hierzulande auf viel Kritik gestoßen. Was sagt die Krise über das Verhältnis zwischen den USA und Deutschland aus?

Rüdiger Lentz: Sie zeigt, dass grundsätzlich ein Dissens darin besteht, wie die Amerikaner und die Deutschen die persönliche Privatsphäre, den Eingriff in diese und die Überwachung beurteilen. Die Amerikaner sind viel eher bereit, zugunsten der Sicherheit gewisse Teile der Privatsphäre aufzugeben. Dieser grundsätzliche Unterschied zwischen beiden Ländern dürfte bestehen bleiben. Doch die Amerikaner haben begriffen, dass all das für die Deutschen ein Problem ist. Washington hat bereits reagiert: Es wird Veränderungen bei der NSA, in der Gesetzgebung und im Umgang mit Daten geben. Insofern hat diese Krise, ausgelöst durch Edward Snowdens Veröffentlichungen, auch etwas Gutes bewirkt. Sie hat ein grundsätzliches Problem für beide Seiten sichtbar gemacht. Nun ist ein Problembewusstsein da, Washington und Berlin wollen diese Herausforderung gemeinsam lösen. Ich glaube, dass Kanzlerin Angela Merkel die richtige Person ist, Obama all das klarzumachen.

Im November finden in den USA Zwischenwahlen statt. Wie werden die Republikaner abschneiden?

Rüdiger Lentz

An für sich würde ich ihnen gute Chancen einräumen, weil Obama mit der pannenreichen Umsetzung der Gesundheitsreform stark an Ansehen verloren hat. Auch die NSA-Affäre hat viele Demokraten und links von der Mitte stehende Amerikaner abgeschreckt. All das müsste den Republikanern in die Karten spielen. Sie haben aber weiterhin das Problem der „Tea Party“. Sie hat das politische System der USA radikalisiert. Nun hat diese Bewegung an Zugkraft verloren, trotzdem sind viele Amerikaner der Meinung, dass eine Partei, die einen solch extremen Flügel hat, per se problematisch ist. Die Zwischenwahlen werden zeigen, welche Mitte gestärkt wird – die der Republikaner oder die der Demokraten. Ich persönlich gehe davon aus, dass die Republikaner das Abgeordnetenhaus behalten, im Senat aber die Mehrheit verfehlen werden.

Der „Bridgegate“-Skandal rund um New Jerseys Gouverneur Chris Christie erschüttert die republikanische Partei. Wie beschädigt ist Christie?

Das war eine grandiose politische Dummheit – selbst wenn er nicht persönlich dahinterstecken mag. Im schlimmsten Fall hat er seine Mitarbeiter nicht im Griff. Doch bis zur Präsidentenwahl sind es noch drei Jahre. Geht Christie den Skandal richtig an, dürfte dieser seine Präsidentschaftschancen nicht oder nur unmaßgeblich schmälern. Sollten die Ermittlungen aber zeigen, dass er mehr gewusst hat oder gar selbst dahintersteckt, dürften seine Chancen rapide sinken.

Bei den Demokraten scheint es nur eine Frage zu geben: Tritt Hillary Clinton an?

Ich glaube nicht, dass ihre Kandidatur bereits zu 100 Prozent feststeht. Bei Clinton muss man beachten, dass sie bereits 66 Jahre alt ist. Dazu kommen umstrittene Entscheidungen aus ihrer Zeit als Außenministerin, zum Beispiel was den Irak angeht. Außerdem ist Clinton im linken Lager ihrer Partei nicht gut verankert. Die Frage, ob sich bei den Demokraten in den nächsten drei Jahren noch ein anderer Kandidat profilieren kann, ist völlig offen. Natürlich hat Clinton Vorteile: Sie ist unglaublich professionell, und sie hat eine kaum zu schlagende Partei- und Spendenmaschinerie. Aber Amerika ist immer bereit, kurzfristig umzusteuern. Das hat Obamas Aufstieg 2008 gezeigt. Auch wenn ein solcher „Dark Horse“-Kandidat heute noch nicht sichtbar ist: Im Vergleich mit einer dann fast 70-jährigen Clinton hätte ein junger und unbelasteter Kandidat gute Chancen.

Drei Jahre bleiben Obama noch: Welche Themen wird er anpacken?

Zunächst einmal ist es für ihn wichtig, die Diskussionen um die Gesundheitsreform zu beenden. Sie ist der Kern seiner ersten Legislaturperiode. Im Bereich der der Außenpolitik muss er versuchen, Afghanistan ohne größere Probleme abzuwickeln. Auch der Irakkrieg dürfte auf der Agenda bleiben. Dazu kommt die Frage, wie stark der wirtschaftliche Aufschwung, den Amerika zurzeit erlebt, wirklich ist. Reicht er, um die Zahl der Arbeitslosen zu senken? Spielt die Industrie mit, könnte Obama am Ende seiner zweiten Legislaturperiode sagen, dass er die schwierigste Wirtschaftskrise Amerikas gemeistert hat. Sollte es so kommen, könnte er stolz auf sein politisches Erbe sein.

Interview: Johannes Altmeyer

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Rüdiger Lentz, 66, ist seit September 2013 geschäftsführender Direktor des Aspen-Instituts Deutschland. Lentz wechselte aus Washington D.C. nach Berlin. In der US-Hauptstadt war er seit November 2009 Chef der German-American Heritage Foundation. Der US-Experte studierte an der Universität Hamburg unter anderem Politikwissenschaft und schlug im Anschluss eine Karriere als Journalist ein.

Der teuflische Chris Christie

Der Druck auf New Jerseys Gouverneur Chris Christie wächst. Grund ist der “Bridgegate”-Skandal, bei dem es um forcierte Staus auf der New Yorker George-Washington-Brücke geht. Die US-Medien reagieren mit Häme und Spott auf den Eklat.

So stellt sich beispielsweise das Magazin “The New Yorker” die Machtzentrale des Republikaners vor:

“Bridgegate”-Skandal schockt Chris Christie

Gerne würde Chris Christie (r.) Nachfolger von Präsident Barack Obama werden

Lange galt New Jerseys Gouverneur Chris Christie als Hoffnungsträger der Republikaner, als potenzieller Nachfolger von US-Präsident Barack Obama. Nun ist Christie in arge Bedrängnis geraten. Der ”Bridgegate”-Skandal lässt den Stern des moderaten Konservativen sinken – und zwar rapide. Im Zentrum des politischen Eklats stecken tagelange Sperrungen rund um die New Yorker George-Washington-Brücke, eine der meistbefahrenen Brücken der Welt.

Veröffentlichte E-Mails legen den Verdacht nahe, dass Mitarbeiter Christies die Staus forcierten – als perfide Rache für fehlende Unterstützung in dessen Wahlkampf. Bridget Anne Kelly, eine enge Beraterin des Republikaners, soll sich vor dessen Wiederwahl Anfang November an den für die George-Washington-Brücke zuständigen Leiter der Verkehrsbehörde gewandt haben: Es sei “Zeit für ein paar Verkehrsprobleme in Fort Lee”, schrieb Kelly unmissverständlich. Die “New York Times” hat die E-Mails auf ihrer Webseite veröffentlicht. Nun hat Christie reagiert und Kelly entlassen. ”Peinlich” und “demütigend” sei die ganze Sache, so Christie während einer Pressekonferenz. Kelly habe sich “dumm” und “hinterlistig” verhalten.

Im November vergangenen Jahres wurde Christie deutlich als Gouverneur wiedergewählt - auch dank der Unterstützung mehrerer Bürgermeister der gegnerischen Demokraten. Einer, der sich jedoch nicht für ihn einsetzte, war Mark Sokolich, Stadtchef von Fort Lee. Das hatte Folgen: Anfang September wurden in seiner Stadt tagelang mehrere Zugangsstraßen zur George-Washington-Brücke in Richtung New York gesperrt. Es kam zu massiven Verkehrsproblemen, die Wut wuchs.

Christie will nichts gewusst haben

In den Staus blieben Rettungswagen stecken, Schulbusse kamen nicht mehr durch. Christie sagte damals, dass die Durchführung einer Verkehrsstudie Grund für die Probleme sei. Kelly dagegen schrieb, dass lediglich “die Kinder von Buono-Wählern” betroffen seien. Die Demokratin Barbara Buono war Christies Gegenkandidatin bei der Gouverneurswahl.

Nachdem der Schriftverkehr öffentlich wurde, dementierte Christie, von den Vorgängen gewusst zu haben. An dieser Aussage hält er weiter fest. Kellys demütigende Entlassung soll Schlimmeres verhindern. Doch die US-Medien sind sich sicher: Dem in der eigenen Partei umstrittenen Christie dürfte der “Racheakt” seiner Mitarbeiterin schaden. Es sei schwer vorstellbar, was dessen Anhänger Schlimmeres hätten tun können um dessen Hoffnungen auf den Einzug ins Weiße Haus zunichtezumachen, kommentierte unter anderem die Tageszeitung “USA Today”.

Booker will in den US-Senat

Es ist eine Wahl, in der es auch um die Macht von US-Präsident Barack Obama geht. New Jerseys Gouverneur Chris Christie hat bekannt gegeben, dass die Bürger des Bundesstaats im Oktober entscheiden werden, wer Nachfolger des jüngst verstorbenen Senators Frank Lautenberg wird.

Nun hat auch Newarks Bürgermeister Cory Booker seinen Hut in den Ring geworfen. Der 44-Jährige gilt bei den Demokraten als politischer Hoffnungsträger. Es gab zuletzt immer wieder Spekulationen, wann Booker den nächsten Karriereschritt machen würde. Beobachter gingen jedoch davon aus, dass der auch auf Twitter und auf Facebook populäre Demokrat erst im kommenden Jahr entscheiden würde, ob sich für den Senat bewerben wolle. Lautenbergs Tod hat die Situation nun verändert – auch für Obama. Bookers Chancen, in den Senat einzuziehen, stehen aktuellen Umfragen zufolge gut.

Denn mit dem Tod des Senators ist die ohnehin knappe Mehrheit der Demokraten im 100-köpfigen Senat geschrumpft. Dort verfügte die Partei des Präsidenten bislang über 53 Sitze. Lautenbergs vorübergehender Nachfolger ist Jeffrey Chiesa, ein enger Vertrauter Christies, der bislang als Attorney General (Staatsanwalt) fungierte. Chiesa ist damit New Jerseys erster republikanischer Senator seit über 30 Jahren. Im Oktober will er sich jedoch nicht zur Wahl stellen.

5 Fragen an … Stephan Strothe

In regelmäßigen Abständen befragt “Amerika wählt” US-Experten zum Wahlkampf und zu aktuellen politischen Themen. Für die dritte Ausgabe von “5 Fragen an …” hat sich Johannes Altmeyer mit Stephan Strothe, dem US-Korrespondenten des Nachrichtensenders N24, unterhalten.

“Amerika wählt”: Herr Strothe, 2008 war die Welt fasziniert von Barack Obama. Der US-Präsident ist älter geworden, die Begeisterung hat sich gelegt. Wie haben Sie das erlebt?

Stephan Strothe: Man muss sich in Erinnerung rufen, dass Obama in den USA nie diese mythische Gestalt wie in Europa war. Einen Messias-Status hat Obama zu Hause nie gehabt. Er hat sicherlich als Hoffnungsträger angefangen. Doch das hat sich schnell gelegt. Das liegt vor allem an den Republikanern. Sie haben Obama derart auflaufen lassen, dass er kaum eine Chance hatte.

Die zweite Amtszeit eines US-Präsidenten ist unweigerlich mit dem Begriff der “lame duck” verbunden, des gelähmten Staatschefs. Wann wird Obama zur “lahmen Ente”?

Ich schätze, dass das nach der nächsten Zwischenwahl eintreten wird, also nach 2014. Da wird sich entscheiden, wie viel politische Kraft ihm die Wähler zugestehen werden. Welche Partei im Senat und welche Partei im Repräsentantenhaus die Mehrheit bekommen wird. Was man mittlerweile gut sehen kann, ist, dass Obama die Verschärfung des Waffenrechts zu dem entscheidenden Thema seiner zweiten Amtszeit machen will. Es ist schwer einzuschätzen, ob er damit Erfolg haben wird. Es ist ein wenig wie bei der Gesundheitsreform. Er hat die besten Chancen seit 20 oder 30 Jahren. Trotzdem glaube ich, dass sich letztlich nicht viel ändern wird.

Welch Rolle wird die “Tea-Party”-Bewegung in Zukunft spielen?

Die “Tea Party” hat die Republikaner verändert. Die Partei ist stark nach rechts gerückt. Ich bin skeptisch, ob es Ronald Reagan heute gelingen würde, eine Vorwahl der Republikaner zu gewinnen. Die “Tea Party” drückt aus, was ein relativ großer Teil der Amerikaner denkt. Das Ergebnis sind jedoch solch radikale Forderungen, die es der Partei fast unmöglich machen, die entscheidende Bevölkerungsgruppe zu gewinnen: die Independents, also die parteiunabhängigen Wähler. Wenn die Republikaner sich nicht verändern, wenn sie den Weg zurück in die Mitte nicht schaffen, dann werden sie das Weiße Haus für lange Zeit nur von außen sehen.

Wer versucht für die Republikaner 2016 das Weiße Haus zurückzuerobern?

Es ist durchaus möglich, dass Jeb Bush eine Kandidatur anstrebt und so versucht, die Ehre seiner Familie wieder herzustellen. Marco Rubio wäre für die Republikaner ein idealer Kandidat, denn als Senator von Florida könnte er diesen enorm wichtigen Staat für seine Partei leichter gewinnen. Als Latino könnte er außerdem die “Obama-Koaltion” ins Visier nehmen, diese bunte Mischung aus Jungwählern, Frauen und Einwanderern. Auch Chris Christie darf man nicht vergessen. Wobei er für die Republikaner mittlerweile fast zu liberal ist. Früher gab es Diskussion, dass sein Übergewicht eine Rolle spielen könnte. Das scheint sich mittlerweile gelegt zu haben. Allerdings würden Christies Vize-Kandidat und dessen Gesundheit dann umso mehr ins Zentrum der Diskussionen rücken.

Und wer wird für die Demokraten 2016 in den Ring steigen?

Da gibt es für mich nur einen Namen: Hillary Clinton. Sie wird es tun. Sie kann der Versuchung nicht widerstehen, diese historische Chance zu ergreifen. Sie will weiterhin die erste US-Präsidentin werden.

Stephan Strothe, 62, ist einer der erfahrensten Amerika-Korrespondenten im deutschen Fernsehen. 1988 gründete er in New York für Sat.1 das erste US-Büro eines deutschen Privatsenders. Seit 1991 berichtet er aus Washington für N24 und die ProSiebenSat.1-Senderfamilie. Von den USA ist er – auch nach 25 Jahren Berichterstattung vor Ort – immer noch fasziniert, auch aus beruflicher Sicht: “Amerika ist ein Paradies für Journalisten.”

Fünf Lehren aus der CPAC 2013

Rand Paul während der CPAC-Konferenz 2012

Sie gilt als jährlicher Stimmungsmesser der republikanischen Partei, die CPAC, die “Conservative Political Action Conference”. In diesem Jahr herrschte vor dem Konferenzstart besonders große Anspannung, schließlich stand die Frage im Raum: Wie würden die Republikaner auf die verheerende Niederlage Mitt Romneys bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen November reagieren? Nach der CPAC lassen sich fünf Lehren ziehen.

1. Mitt Romney bleibt ein ungeliebter Konservativer
Der Ex-Präsidentschaftskandidat hielt ein 15-minütige Rede, von der bei der Parteibasis nicht viel in Erinnerung bleiben dürfte. Romney brachte es selbst auf den Punkt, als er sagte: “Als jemand, der gerade die vergangene Wahl verloren hat, bin ich wahrscheinlich nicht die beste Person, um den Weg für die kommende Wahl zu bestimmen.”

Die Partei, die eh immer mit Romney fremdelte, sieht ihn nicht als Vordenker oder als politischen Anführer. Das “National Journal” schreibt, dass Romneys Rede genauso schnell in Vergessenheit geraten werde wie seine Kandidatur. Noch nicht einmal Fox News konnte sich dazu durchringen, die Rede zu übertragen.

2. Marco Rubio ist ein Top-Kandidat für 2016
Mit Spannung wurde das Ergebnis der “Straw Poll” erwartet, der traditionellen Abstimmung über potenzielle Präsidentschaftskandidaten. In diesem Jahr setzte sich Rand Paul durch. Der Senator aus Kentucky und Sohn von Ex-Präsidentschaftskandidat Ron Paul lag jedoch nur knapp vor dem Senator aus Florida, Marco Rubio. Dieser bleibt damit einer der Top-Kandidaten für die Präsidentschaftskandidatur 2016. Rubio, der auf Barack Obamas Rede zur Lage der Nation antworten durfte, gilt als Politiker, der seiner Partei neues Leben einhauchen kann. Im Gegensatz zum radikal-libertären Rand Paul vertritt er Ansichten, die auch für die Mitte der US-Gesellschaft attraktiv sind. Weiteres Ergebnis der “Star Poll”: Romney scheint es – ganz nebenbei – wohl auch gelungen zu sein, seinen ehemaligen Vize-Präsidentschaftskandidaten Paul Ryan bei der Partei unbeliebt zu machen. Ryan bekam bei der Abstimmung lediglich sechs Prozent der Stimmen.

3. Chris Christies Stern strahlt – trotz Abwesenheit
Viele Republikaner haben den Gouverneur von New Jersey schmerzlich vermisst. Warum die American Conservative Union, die die CPAC veranstaltet, Christie nicht eingeladen hat, bleibt wohl ein Geheimnis. Genauso wie die Tatsache, dass Donald Trump eine Einladung bekam. Gut möglich, dass viele Republikaner immer noch verärgert über Christie sind, weil dieser während der “Sandy”-Katastrophe kurz vor der Wahl eng mit Obama zusammenarbeitete. Doch Christie bleibt im Rennen um die Kandidatur 2016. Im November wird er – mit großer Wahrscheinlichkeit – als Gouverneur wiedergewählt. Spätestens dann werden sich die Republikaner wieder mit Christie versöhnen.

4. Die Tea Party mischt immer noch mit
Die Tea-Party-Aktivisten sind nach der Wahl ein wenig in Vergessenheit geraten. Romneys missglückte Kandidatur und das schlechte Abschneiden der ultrakonservativen Kandidaten während des Vorwahlkampfs lähmte auch die innerparteiliche Bewegung. Doch ihre Frontfrauen – und -männer bleiben aktiv. Michelle Bachman, Sarah Palin, Newt Gingrich und Scott Walker: Die CPAC räumte den Tea-Party-Lieblingen viel Platz ein. Als Dankeschön gab es ein nettes Youtube-Video. “Salon.com” nennt es einen “viralen Hit“:

5. Die Republikaner wirken orientierungslos
Eines hat die CPAC mehr als deutlich gezeigt: Die Republikaner haben die Niederlage bei der Präsidentschaftswahl noch immer nicht überwunden. Obamas Sieg hat tiefe Wunden hinterlassen. Die Konservativen streiten weiter, in welche Richtung sie sich bewegen sollen? Radikal-libertär oder doch eher moderat? Ist Rand Paul wirklich ein Mann, der die Mitte der Gesellschaft für sich gewinnen kann? Ist Marco Rubio schon bereit, 2016 – er wäre erst Mitte 40 – einen Präsidentschaftswahlkampf durchzustehen? Und wie kann sich die Partei auf die “Obama-Koalition” einstellen, diesen Block aus jungen US-Amerikanern, Frauen und Einwanderern, die den Präsidenten zwei Mal ins Weiße Haus wählten?

All diese Fragen dürften den Republikanern gehörige Kopfschmerzen bereiten. Lange Zeit für Diskussionen haben sie nicht: Im kommenden Jahr stehen bereits Zwischenwahlen an. Die Demokraten bauen auf die für sie positiven Umfragen und peilen bereits die Mehrheit in beiden Kammern des Kongress an.