2012

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In Polls We Trust. Photo by Mike Licht, NotionsCapital.com License: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic Eigentlich keine Überraschung: Auch dieses Jahr schmeißt sich Ralph Nader wieder furchtlos ins Wahlkampfgetümmel. Das politische Duracell-Häschen steht damit nach 1992, 1996, 2000 und 2004 bereits zum fünften Mal in Folge auf dem Wahlzettel, wie 2004 auch diesmal als Independent, nachdem er die Jahre davor auch schonmal als Kandidat der amerikanischen Grünen aufgestellt war.

Viele demokratische Wähler haben dem Verbraucheranwalt dabei immer noch nicht verziehen: Für sie ist Nader einer der Hauptschuldigen an der achtjährigen Schreckensherrschaft der Bush-Administration, da er – so geht ihre Geschichte – Al Gore im Jahr 2000 die entscheidenden Wählerstimmen in Florida abjagte. Der Nader effect war geboren.

Damals stilisierte sich Nader als Außenseiter gegen die Vertreter des Big Business, gegen Bush und Gore, die er als eineiige Zwillinge „Tweedledee und Tweedledum“ abtat. 2000 holte er mit dieser Strategie noch für einen Vertreter einer third party respektable 2,7 %. 2004 war sein Stimmanteil aber auf verschwindend geringe 0,38 % gesunken, geschuldet auch dem ihm nun angepapptem Image als spoiler für demokratische Präsidentschaftskandidaten.

Auch 2008 sieht sich Ralph Nader wieder als Sprachrohr des Volkes vis-à-vis Obama, Clinton und McCain, wie er in einem Gespräch mit Tim Russert bei Meet the Press verdeutlichte. Sein Stimmenanteil wird jedoch auch 2008 nicht größer werden und sich wahrscheinlich in den Sphären von 2004 bewegen. So sehen die amerikanischen Medien in Naders Kandidatur durchgängig keine Gefahr für die Kampagnen von Obama und Clinton. Stellvertreted dafür hier Marc Coopers Einschätzung in der Huffington Post:

„Nader is far too smart a man to know that he has any chance of winning anything. What he, and whatever few supporters who will join him, will argue is that by running he will somehow force Obama – or Hillary if she wins the nomination–to move to the left.
This is, of course, nonsense. All of the factors that contributed to Nader’s dismal finish in 2004 are many times more potent this cycle. His candidacy will force nothing, except the voters to view Nader as some sort of bizarre spectacle. The competing candidates will see him as little more than a nuisance.“

Die für Naders Botschaften empfänglichen Wählerschichten werden 2008 fast vollstädnig von der grassierenden Obama Mania absorbiert, ihm fehlen ohne die organisierte Unterstützung der Green Party und der Dominanz Obamas bei jungen Wählern die Grassroots, um seine Kampagne auch nur in irgendeinerweise entscheidend vorantreiben zu können. Sein Name garantiert ihm Aufmerksamkeit, aber keine Stimmen. Das Obama-Camp reagierte demnach auch relativ kühl auf die Ankündigung einer weiteren Kandiatur Naders. Selbst die linke The Nation, auf die Nader wegen seines Einsatzes für Umwelt, Bürgerrechte und Verbraucherschutz seit Jahrzehnten konstant als Unterstützer zählen konnte, sah sich angesichts der düsteren Aussichten genötigt, ihm einen offenen Brief zu schreiben. Der Titel eine unmissverständliche Aufforderung: „Ralph: Don’t Run!“ Dem kann ich mich eigentlich nur anschließen…

Foto: „Unsafe? Nader 2008“ by Mike Licht

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