Al und Joe: The Return of the Vizepräsident(en)

Es wurde ja auch Zeit, dass wir wieder gute Nachrichten zu vermelden haben. Dank den ehemaligen Vizepräsidenten Al Gore und Joe Biden, können wir das heute auch, denn beide sind nach einigen ruhigeren Wochen und Monaten wieder mit neuen Ankündigen ins nationale Rampenlicht getreten.

Al Gore, Vizepräsident unter Bill Clinton von 1993 bis 2001, hat sich mit einem neuen Film zum Thema Klimawandel zurückgemeldet. Nach dem sehr erfolgreichen “An Inconvenient Truth” folgt nun mit “An Inconvenient Sequel: Truth to Power” – logischerweise die Fortsetzung. Nach Präsident Trumps Ankündigung, die Umweltschutzbehörde abzuschaffen und aus den Vereinbarungen des Pariser Klimaabkommens austreten zu wollen, könnte der Film zu keinem besseren Zeitpunkt kommen, um uns daran zu erinnern, wie dringlich die Lage ist und das die wissenschaftlichen Belege für das menschengemachte Debakel nicht wegzudiskutieren sind.

Joe Biden, der Diplomat

Sein Amtskollege Joe Biden hat heute über einen neuen Twitter-Account bekannt gegeben, dass im Herbst das Penn Biden Center for Diplomacy and Global Engagement als Teil der Pennsylvania University eröffnen wird. Wie der Name sagt, soll sich das Zentrum der Gestaltung globaler Beziehungen widmen. Was wohl schon länger geplant war, wirkt im Kontrast zur aktuellen Misere US-amerikanischer Außenpolitik wie ein Silberstreif am Horizont. Joe erinnert seine Landsleute und Politikerkollegen an den Wert von soft power, Bündnistreue und Diplomatie. Ein guter Schritt zum richtigen Zeitpunkt, Joe.

Leben und Sterben in New Hampshire

In knapp sechs Stunden schließen die Wahllokale in New Hampshire. Höchste Zeit also, sich noch schnell mit ein paar Prognosen aus dem Fenster zu lehnen!

Wer gewinnt bei den Republikanern?

Ronald Reagan. Denn im Prinzip möchte jeder Republikaner so sein, wie er. Damit America endlich wieder so great wird, wie unter seiner Herrschaft. Was damals so genau so großartig war, ist ganz egal. Hauptsache es wird irgendwie so, wie es irgendwann mal war irgendwie war. Irgendwas. Schon Ronald Reagan nutzte ja bekanntlich den Slogan “Make America Great Again”, um wieder so ein schönes Amerika zu erschaffen, wie damals, als er regierte. Ok, das geht ja nicht. Vielleicht meinte er auch Jimmy Carter? Oder doch James A. Garfield? Egal. Wichtig ist: Früher war alles besser. Und da müssen wir wieder hin.

Da Donald Trump also den gleichen Slogan wie Ronald Reagan hat – und sich ihre Vornamen fast gleichen!!!1!! – kann nur er gewinnen. Er hat ja eigentlich auch in Iowa gewonnen, wie er mehrfach betonte. Beziehungsweise wurde im Iowa von diesem windigen Kanadier Ted Cruz (der sich ja eigentlich bei diesem Nachnamen irgendwie aus Mexiko eingeschlichen haben muss! Also ein Mexican-Canadian!) fies geklaut. In den Umfragen liegt Ronald Trump aber tatsächlich soweit vorne, dass ihm wohl keiner diesen Vorsprung klauen kann: er führt mit mindestens 10 Prozent und liegt konstant bei über 30 Prozent. Prognose: Trump wird trotzdem verlieren. Zumindest wünschen wir uns das, damit er sich wieder so schön via Twitter aufregt. Er wird schlechter als die Umfragen abschneiden, bei unter 28 Prozent. Denn die unentschlossenen Wähler wollen ihn eher nicht.

Ted Cruz: Der gottesfürchtige Texaner hat in New Hampshire eigentlich keine Chance. Trotz der Nähe zu Kanada. Denn es gibt dort nicht so viele Evangelikale. Egal. Er wird eine Runde beten, kurz abschütteln, dass Trump ihn grad als Pussy bezeichnet hat – und sich auf South Carolina konzentrieren. Prognose: Die Champions League ist auch mit Gottes Hilfe nicht drin, er hat aber auch nichts mit dem Abstieg zu tun.

RobotRubio: Es sah nach dem Caucus in Iowa eigentlich gut aus, dass der telegene Roboter mit dem jungendlichen Charme sein Momentum auch nach New Hampshire trägt. Ein paar fehlerhafte Updates in der Sprachsoftware und einer dadurch deutlich erhöhten Reaktionsfähigkeit haben seine Werte aber wieder nach unten gezogen. Prognose: Es wird nicht soweit gehen, dass die Hardware ausgetauscht werden muss. Außerdem hört sein Publikum gerne Wiederholungen. Allerdings wird er sich nicht deutlich von Kasich, Bush und sogar Christie absetzen können.

Jeb “Please Clap Your Hand Say Yeah” Bush: New Hampshire ist seine letzte Chance. Danach dürfte er alles Geld ausgegeben haben. Er muss überraschen und sich an Rubio und am besten Kasich vorbei in die Top 3 quetschen. Sonst gibt es bald kein Geld mehr, denn Hank Greenberg ist echt sauer. Prognose: Das wird leider nichts. Nicht in New Hampshire, in South Carolina, selbst in Florida. Danach hat er keine Lust mehr, vorher wird er noch ein bisschen Geld ausgeben.

John Kasich: Ist den Umfragen nach überraschend stark, liegt zuletzt bei 17 Prozent. Es könnten deutlich mehr sein, wenn ihn ein paar mehr Leute kennen würden. Hat dafür noch nicht soviel Ärgern mit Trump gehabt, wurde selten beschimpft und sagt zuwenig dummes Zeug. Sollte daher noch ein bisschen länger im Rennen bleiben um zu gucken, was die Leute von ihm halten. Prognose: Er denkt von Spiel zu Spiel.

Chris Christie: Wird überraschen, wird deutlich mehr als die 5.8 Prozent bekommen, die er in den letzten Polls im Durchschnitt hatte. Wird danach noch angriffslustiger sein und von Donald Trump als “Pussy Fatass” beschimpft werden. Wird dadurch in den Umfragen steigen. Prognose: Bleibt eher ein One Hit Wonder und geht zurück nach New Jersey, wenn die Brücken wieder offen sind. Versucht es dann in 2020 nochmal.

Carly Fiorian und Ben Carson: Sollen Gerüchten zufolge noch im Rennen sein. Dürfen aber bald nicht mehr mitspielen. Ben Carson wird nach Hause fliegen, noch vor der Primary in Florida, die Hose wechseln und sich auf die Couch legen.

Und die Demokraten? Sanders wird gewinnen. Das ist aber recht egal. Denn Hillary und Bernie fetzen sich weiter – angetrieben und unter tatkräftiger Mithilfe ihrer Anhänger – und versuchen so auch ein bisschen mehr Stimmung reinzubringen. Aber das beleuchten wir an anderer Stelle noch einmal genauer.

Und was sagen die Experten? Wir haben mal bei unseren Blog-Freunden nachgehorcht, wie sie die Lage sehen. Thomas Rasser von US-Präsidentschaftswahl 2016 sieht Chris Christie auf dem Weg nach Hause:

Ich rechne damit, dass Chris Christie trotz seines guten Auftritts bei der TV-Debatte nach New Hampshire aufgeben wird, wenn er hinter Kasich und Bush ins Ziel kommt. An der Spitze rechne ich nicht mit einer Überraschung, Donald Trump dürfte mit 27% aufwärts gewinnen. Bei den Demokraten wird es darauf ankommen, wie weit Sanders vor Clinton landet. Ist der Abstand nur einstellig, wäre dies sicherlich ein kleiner Dämpfer für den Senator aus Vermont.

Und Kai Uwe Hülss von 1600 Pennsylvania setzt dagegen eher auf ein Ausscheiden von Ben Carson. Und bringt Jim Gilmore ins Spiel, von dem ich vorher – ehrlich – noch nichts gehört hatte.

Carsons Kampagne hat mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sollte er zudem in NH schlecht abschneiden, könnte das Ende nah sein. Ansonsten wird sich das Feld der Establishment-Kandidaten wohl reduzieren. Rubio, Kasich, Bush, Christie – mittelfristig wird nur eine Kampagne überleben können. Eine Frage wird auch sein, wie viele Bewerber der “12-Stimmen-Kandidat” Jim Gilmore noch überleben kann…

Danke für eure Einschätzungen, wir sind jetzt auf die Ergebnisse gespannt!

Das Rennen geht los: Wer gewinnt Iowa, was sagen die Umfragen?

So, schnell die Tränen aus den Augenwinkeln wischen, mir sind wahre Bäche das Gesicht runtergelaufen beim Anblick des Videos von Trump, mit dem er die ehrlichen, hart-arbeitenden, patriotischen Leute von Iowa überzeugen will. Sein Programm: Greatness! Denn seien wir ehrlich, er ist so ein großartiger Typ, Anführer, Verhandler, Rhetoriker, dass es gar keinen Zweifel geben kann, wer gewinnt (Er natürlich!), um Amerika wieder irgendwie so richtig groß und stark und unbesiegbar zu machen, so wie früher (wann auch immer das war).

Auch wenn der Ergebnis also jetzt schon feststeht: Der Fairness halber wollen wir uns mal mit der Wirklichkeit beschäftigen. Auch wenn Umfragen – unter anderem wegen der fortschreitenden Digitalisierung und dem Vormarsch von Smartphones – grade in den letzten Vorhersagen zu Wahlen oftmals ziemlich daneben lagen, bleiben sie die beste Möglichkeit, einen möglichen Wahlausgang vorherzusagen. Die Twitter-Follower zum Beispiel kann man ja kaufen, so dass selbst Newt Gingrich auf einmal den Eindruck erwecken könnte, dass viele Leute ihm zuhören würden.

Gucken wir uns die gesammelten Umfragen an, die RealClearPolitics netterweise immer sammelt, sieht es tatsächlich gut aus für Trump. Seit dem 18. Januar führt er die Umfragen in Iowa an, davor hatte er sich mit Cruz abgewechselt. Auch wenn Trump in den Umfragen der letzten Tage im Schnitt mit 6.2 Prozentpunkten vor Cruz führt, bleibt ihm dieser doch recht dicht auf den Fersen. So sieht das Umfrage-Bild momentan bei RCP aus:

  • Trump führt mit ihm Schnitt 30.4%
  • Cruz folgt ihm mit 24.2%
  • Rubio holt immerhin 15.2%, gefolgt von Carson mit 8.8%
  • alle anderen – Bush, Christie, Fiorina und Co. – laufen unter ferner liefen und knacken nicht einmal die 5%-Marke

Auch der hochverehrte Nate Silver, ein direkter Nachfahre von Nostradamus, sagt einen – wenn auch knappen – Sieg von Trump voraus. Er bringt aber zusätzlich eine weitere Komponente ins Spiel:

Danach hat Trump zwar einen sehr harten Kern von Unterstützern, aber auch deutlich schlechtere Beliebtheitswerte in Iowa – und er wird immer unbeliebter (nur Jeb Bush wird noch negativer gesehen).

How does that make any sense? Trump isn’t liked by many Republicans, but he’s loved by a few, and in a 12-candidate field, that may be enough.

Von daher sieht er zwar wie der Favorit aus, es könnte aber sehr, sehr eng werden – und er könnte von Cruz am heutigen Wahltag abgefangen werden. Für Fiorina, Santorum und Huckabee sollte aber spätestens nach der Vorwahl in New Hampshire Schluss sein. Christie und Kasich dürften sich wohl noch ein bisschen länger Hoffnungen machen, da sie eine andere partei-interne Wählerschaft als Trump und Cruz ansprechen.

Und bei den Demokraten. Hier liegt Hillary Clinton in Iowa in allen Umfragen konstant vorne. Allerdings führt Sanders in New Hampshire deutlich. Hier bleibt es also spannend.