Donald Trump startet Wahlkampf 2020

Donald Trump ist erst seit vier Wochen US-Präsident. (It’s true.) Trotzdem befindet sich der Milliardär schon wieder im Wahlkampfmodus. In einer Rede vor Unterstützern in Melbourne (Bundesstaat Florida) hat Trump erneut gegen die Medien ausgeteilt. Sie seien Teil des korrupten Systems, kritisierte er.

Erstaunlich: Die Versammlung wurde von Trumps Walkampfteam organisiert und nicht vom Weißen Haus. Reporter wollten vom Staatschef denn auch wissen, ob es nicht zu früh für den Start einer neuen Kampagne sei. Trumps Antwort: “Das Leben ist eine Kampagne.” Auch sein Motto “Make America Great Again” sei eine Kampagne.

Der Wahlkampf 2020 ist eröffnet – 3 Jahre und 9 Monate vor der eigentlichen Abstimmung.

Die Lehren aus der Vorwahl in Iowa

Schlechter Start: Bei der Vorwahl in Iowa landete Donald Trump nur auf Platz zwei.

1. Trump kann tatsächlich verlieren   

Loser, Versager, Underperformer: Natürlich kennt Donald Trump diese Wörter. Allerdings hat er sie bislang nur dazu benutzt, um politische Gegner und Rivalen zu diffamieren. Nun ist Trump jedoch selbst zum Loser geworden. Die ersten Präsidentschafts-Vorwahlen verlor er krachend. Im Bundesstaat Iowa zog sein republikanischer Konkurrent Ted Cruz locker davon. Der Sieg des 45-jährigen Senators aus Texas ist ein schwerer Schlag für Trump, der das Bewerberfeld seit Monaten anführt. Er machte schnell klar, wer für sein schlechtes Abschneiden verantwortlich ist: die Medien.

Kurz nach der Wahl verbreitete sich ein Tweet von Trump aus dem Juni 2014 wie ein Lauffeuer im Internet. “Keiner erinnert sich daran, wer als Zweiter ankam”, zitierte der umstrittene Milliardär den legendären US-Golfer Walter Hagen.

2. Nach der Wahl ist vor der Wahl

Der Ausgang der Vorwahl ist für den selbstbewussten Trump schmerzhaft. Doch der 69-Jährige weiß, dass Iowa nur der Auftakt zu einem Wahlmarathon war, der erst im Juni enden wird. In der Politik ist das eine Ewigkeit. Schon am 9. Februar geht es, “You betcha!“, in New Hampshire weiter. Trump hat genügend Zeit für ein Comeback – die Umfragen dürften ihm Mut machen. Dazu kommt: Iowa ist kein Spiegelbild der USA. Der Bundesstaat ist weißer, ländlicher und konservativer als das übrige Land. Zur Erinnerung: 2008 gewann Mike Huckabee in Iowa, 2012 Rick Santorum. Beiden Republikanern gelang es nicht, genügend Stimmen für die Nominierung zu bekommen.

3. Der wahre Sieger ist Rubio

Marco Rubio landete in Iowa zwar nur auf dem dritten Platz, jedoch fuhr er ein starkes Ergebnis ein. Fast hätte der Senator aus Florida seinen Rivalen Trump überholt. “Wir haben den ersten Schritt unternommen, aber einen wichtigen Schritt, um die Nominierung zu gewinnen”, erklärte Rubio bei einer Kundgebung in Des Moines. Sein Ergebnis dürfte bei den Republikanern für Erleichterung sorgen. Der 44-Jährige ist unter dem Spitzentrio der einzige Politiker, der moderat genug auftritt, um bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl am 8. November eine Mehrheit der Wähler von sich überzeugen zu können.

Auf seiner Webseite findet sich bereits der Begriff “Marcomentum”, eine Mischung aus Rubios Vornamen und dem Begriff Momentum, also dem Entstehen einer immer größer werdenden Bewegung, also eines politischen Siegeszugs. 2008 gelang dies beispielsweise einem jungen demokratischen Senator aus Illinois. Sein Name: Barack Obama. Rubios Chancen auf Unterstützung durch prominente Wahlkampfhelfer und Großspenden dürften nach der Wahl in Iowa steigen.

4. Sanders “Revolution” geht weiter

Bei den Demokraten lieferten die sich Favoritin Hillary Clinton und ihr Rivale Bernie Sanders ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Clinton gewann zwar, jedoch blieb unter dem Strich ein hauchdünner Vorsprung von gerade einmal 0,3 Prozentpunkten. Bei den Demokraten ist der Wahlkampf zwischen Clinton und Sanders noch lange nicht vorbei. ”Die politische Revolution hat gerade erst begonnen”, hieß es auf der Facebook-Seite des Senators aus Vermont.

5. Clintons knapper Sieg überrascht

Die ehemalige Außenministerin hat einen steinigen Weg vor sich. Schon wieder. Die Vorwahlen im Jahr 2008 entwickelten sich für Clinton zum Albtraum. In ihrer Kampagne präsentierte sie sich bereits als designierte Kandidatin. Nach einem dramatischen Wahlkampf konnte sich Obama die Nominierung sichern. Acht Jahre später hatte Clinton  genügend Zeit, ihre Kampagne vorzubereiten. Gemeinsam mit Ehemann Bill verfügt die 68-Jährige über das wohl einflussreichste Netzwerk in der US-Politik. Geldsorgen muss sich Clinton dank kräftiger Unterstützung aus der Finanzbranche keine machen. Ihr knapper Sieg überrascht daher umso mehr.

6. Die Favoritin hat ein Problem mit Liberalen 

Nach der Wahl trat Clinton erkennbar gefrustet vor die Kameras. Lautstark sprach sie von einem “Wettkampf der Ideen” und bezeichnete sich als Reformerin und progressive Politikerin. Das zeigt: Clintons Kampagne droht eine Zerreißprobe. Einerseits will sich die Demokratin als pragmatische Alternative zu Sanders präsentieren, die Probleme aufgrund ihrer Erfahrung lösen kann. Doch die Basis ist unzufrieden und fordert frische Ideen. Sanders kann diese Sehnsucht mit seinen radikalen Forderungen befriedigen. Zieht Clinton nun nach und versucht sich als linke Populistin? Zuletzt attackierte sie bereits die Pharma- sowie die Finanzbranche und beklagte die soziale Ungleichheit in den USA.

7. Sanders baut auf die Jungen

Umfragen zeigen, dass vor allem Wähler unter 30 Jahren den 74-jährigen Sanders unterstützen. Clinton dagegen rekrutiert die meisten ihrer Fürsprecher aus dem Lager der 45- bis 64-Jährigen. Der selbsternannte “demokratische Sozialist” kann damit auf eine Wählergruppe bauen, die besonders engagiert und mit einer gehörigen Portion Idealismus zur Sache geht. Es bleibt abzuwarten, ob sich Sanders’ Anhänger im Falle einer Niederlage geschlossen hinter Clinton stellen, hinter die Vertreterin des so ungeliebten Washingtoner Politsystems

8. Sanders hat Heimvorteil, Clinton hat Geld

Umfragen zufolge liegt Sanders in New Hampshire, einem Nachbarstaat von Vermont, klar vor der Favoritin. Siegt der Senator dort nach seinem starken Abschneiden in Iowa, wird Clintons Nervosität und die der Demokraten in Washington spürbar wachsen. Doch – und auch das hat Iowa gezeigt – stimmen die Wahlumfragen nicht immer mit der Wirklichkeit überein. Zuletzt sagten Demoskopen Siege von Trump und Clinton voraus. Weitaus spannender ist, wie sich Sanders Kampagne in den kommenden Wochen entwickeln wird. Clinton mag angeschlagen sein, jedoch verfügt ihr Team über die nötigen finanziellen Ressourcen und organisatorischen Strukturen in den einzelnen Bundesstaaten, um bestens vorbereitet in die monatelange Wahlschlacht zu ziehen.

9. Das Bewerberfeld lichtet sich

Bei den Republikanern lichtete sich nach der Vorwahl in Iowa das Bewerberfeld: Mike Huckabee erklärte auf Twitter das Ende seiner Wahlkampfkampagne. Der frühere Gouverneur von Arkansas hatte sich bereits vor acht Jahren erfolglos um das Präsidentenamt bemüht. Wenig später zogen Senator Rand Paul (Kentucky) und Rick Santorum nach. Bei den Demokraten gab auch Martin O’Malley seine Ambitionen auf das Präsidentenamt auf. Seine Partei müsse sich geschlossen hinter einen Kandidaten stellen, sagte O’Malley.

Vor Kandidatur: Jeb Bush zeigt Wahlkampf-Logo

Wer braucht schon einen Nachnamen: Jeb Bushs neues Titelbild bei Facebook.

Die Zeit der Spekulationen neigt sich dem Ende zu. Morgen dürfte der US-Republikaner Jeb Bush seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2016 bekannt geben. Der Ex-Gouverneur von Florida will sich während einer Großkundgebung in einem College in Miami äußern. Die Ankündigung einer solchen Kandidatur ist ein exakt durchgeplantes Politmanöver, das möglichst viel Aufmerksamkeit erregen soll.

Ein Blick auf Bushs Facebook-Seite zeigt jedoch: Dort ist die Kandidatur längst Realität. Ein aktualisiertes Titelbild zeigt Bush mit dem Slogan “Jeb 2016!”, dazu kommt ein frisches Kampagnenvideo. Das entsprechende Logo hatte Bush bereits via Twitter veröffentlicht. Nun fehlt nur noch die Kampagnen-Webseite. Ein wenig Spannung bleibt also.

Jeb Bushs Wahlkampf-Logo

Rubio kandidiert – und attackiert Clinton

“Gestern ist vorüber”: Marco Rubio während seiner Rede in Miami.

Der Republikaner Marco Rubio hat angekündigt, im kommenden Jahr bei der US-Präsidentschaftswahl antreten zu wollen. “Ich kann als Präsident einen Unterschied machen”, sagte der Senator aus Florida in Miami. Der 43-Jährige versprach, als Staatschef ein “neues amerikanisches Jahrhundert” einzuläuten. Rubio ist nach Ted Cruz und Rand Paul der dritte Konservative, der sich das Ticket der Konservativen sichern will.

Am Sonntag hatte Ex-Außenministerin Hillary Clinton angekündigt, für die Demokraten zur Wahl 2016 antreten zu wollen. Rubio nannte sie in Miami vor einer jubelnden Menge eine “gestrige Politikerin” mit veralteten Ansichten. “Gestern ist vorüber – und wir gehen nicht zurück.”

Romney plant wohl dritte Kandidatur

Im Jahr 2012 verlor Mitt Romney (l.) die Präsidentschaftswahl gegen Barack Obama.

Er will es wohl noch einmal wissen. Mitt Romney erwägt einen dritten Anlauf auf das Weiße Haus. CNN zufolge sagte der Ex-Gouverneur von Massachusetts zu republikanischen Abgeordneten in San Diego, dass er “ernsthaft” über eine Kandidatur nachdenke. ”Was ich weiß, ist, dass unsere Partei 2016 das Abgeordnetenhaus, den Senat und das Weiße Haus gewinnen kann, wenn es uns gelingt, eine klare Vision zu vermitteln, wo wir dieses Land hinführen wollen”, sagte Romney.

Zuletzt hatte der 67-Jährige mehrfach betont, keine Präsidentschaftsambitionen mehr zu haben. Romney kämpfte zwei Mal um den Einzug ins Weiße Haus. Vor der Wahl im Jahr 2008 scheiterte er bei den republikanischen Vorwahlen gegen John McCain. Vier Jahre später wurde Romney zwar nominiert, verlor die Präsidentschaftswahl jedoch gegen Barack Obama. Nach zwei Amtszeiten darf der Demokrat  2016 nicht erneut antreten.

Der Republikaner Jason Chaffetz sagte zu CNN, dass es Romney ernst mit seinen Plänen sei. Romney habe bereits 2012 verstanden, wichtige internationale Themen wie Russlands machtpolitische Ambitionen oder den Krieg gegen den Terrorismus richtig einzuschätzen. Außerdem verfüge Romney über ein breites Netz an finanziellen Helfern.

Entscheidet sich Romney für ein politisches Comeback, könnte er es im parteiinternen Duell um die Spitzenkandidatur mit dem Ex-Gouverneur von Florida, Jeb Bush, zu tun bekommen. Der Bruder des ehemaligen Präsidenten George W. Bush und Sohn von Ex-Präsident George Bush hatte Anfang Januar mitgeteilt, eine Kandidatur zu prüfen. Bei den Demokraten gilt als wahrscheinlich, dass sich die frühere Außenministerin Hillary Clinton bewerben wird.

Fangate in Florida

Charlie Crist in Davie: Der Ventilator unter seinem Pult ist gut zu erkennen. 

Die Geschichte ist kaum zu glauben, und dennoch ist sie wahr. In der Stadt Davie wollten Floridas Gouverneur Rick Scott und sein Herausforderer Charlie Crist in einer TV-Debatte um Wählerstimmen werben. Der Republikaner Scott weigerte sich jedoch auf die Bühne zu kommen, weil sein demokratischer Gegner Crist einen Ventilator unter sein Pult gestellt hatte. ”Meine Damen und Herren, wir haben hier eine ziemlich seltsame Situation”, sagte Moderator Elliott Rodriguez.

Das Publikum buhte, Crist nutzte den Moment und fragte: “Wollen wir wirklich über einen Ventilator debattieren? Oder wollen wir über Bildung, die Umwelt und die Zukunft unseres Staates reden?” In diesem Augenblick erkannte Scott wohl, dass er einen Fehler gemacht hatte. Wenig später erschien er auf der Bühne.

Das Internet hatte da längst einen Namen für die peinliche Posse gefunden: #Fangate.

“Made in Ohio” – Interview with Governor John R. Kasich

John R. Kasich (R), Governor of Ohio and former member of the U.S. House of Representatives for Ohio’s 12th district (1983 – 2001), answered our questions about the strength of “Made in Ohio”, his home state’s special relationship with German companies, his recipe to avoid Washington-style gridlock in America’s most prominent battleground state and his perspective on the Prism-debate. He did not reveal, however, if his impressive economic and fiscal track record will prompt him to aim for the Republican nomination in 2016.

In recent business rankings, Ohio beat most neighboring states. What’s your recipe for success?

Ohio was just named the state with the most improved business climate by Chief Executive magazine in its survey of more than 700 CEOs.  That is impressive and a reflection of what we have done to strengthen our state’s finances without a tax increase, cut taxes, streamline regulations and eliminate red tape, and reform our economic development system. We need to keep driving on all of these fronts and make sure that job creators have access to a workforce with the skills they need, but the formula is not complex, you just need the will to pursue it and not every state has that will the same way we do here in Ohio.

States like North Carolina, Florida, or Texas are still seen as more business friendly. How will you close that gap?

All of those states have lower overall tax burdens than Ohio, which is why we have cut taxes and are pursuing more tax cuts.  We can continue to restrain state government’s costs so we can reduce taxes and we need to help local governments do so as well.  Education and training are critical also. We lead those states already with our higher education and research systems, especially in health care.  Better articulating those resources with the needs of job creators will be a leap-ahead achievement for us and we have got major resources behind that effort.

German companies are strongly represented in Ohio. What makes the state attractive for foreign investment?

Ohioans have a long tradition of making things, discovering things and inventing things—it is in our blood, we work hard at it and that focus on innovation continues today.  For companies from Germany, where there is also a strong focus on research and development, Ohio seems very familiar. When you combine that ingenuity and the people and institutions that support it, with our advantages of location, the advantages become even greater. Ohio’s combination of innovation, location and workforce is the best in North America.  We are within 600 miles of 60 percent of the population and have the world-class highway, rail and water links to fully leverage that proximity.   The companies that are here stay here and grow here because they simply cannot duplicate their Ohio experience anywhere.

Ohio is the battleground state. How do you avoid being trapped in constant campaigning?

It is no more complex than simply choosing a better path. Weathervane policymaking can be a big temptation for some, and we see the product of it every day in Washington—gridlock. The best solutions to tough problems often are not the most popular ones, but that does not mean you walk away from them.  If innovation produces complaints from the entrenched interests that are feeding off the status quo, so be it.  Governance based merely on the avoidance of complaints is doomed to paralysis. Governance that is based on putting Ohio on a path to sustainable, broad-based prosperity is what Ohioans demand and deserve, and it is the North Star by which our Administration sets our compass.

Your political trademark is fiscal responsibility. Is the NSA’s Prism program a good use of American taxpayer’s money?

National security and foreign policy are not state-level issues so I try to resist weighing in on them in an official capacity. There is an increasing willingness to politicize these types of issues and I think that can interfere with our efforts to formulate and implement the best solutions for keeping America safe. That does not mean I do not have very strong views on them, especially on privacy and the duty of government to respect individual liberty, nor should anyone assume that I am not concerned by what I have read in the newspaper lately. It just means that I think we need a more constructive, less political dialogue in these areas so that Americans can be confident that their safety—and nothing else—is what’s driving policymaking.

To learn more about Governor John Kasich visit his website or follow him on twitter @JohnKasich

Warum die Republikaner eine Merkel brauchen

"When Angie was a punk rock girl ... "

Morgen auf den Tag genau vor 13 Jahren trat Wolfgang Schäuble als Partei- und Fraktionsvorsitzender zurück. Nach Wochen der Orientierungslosigkeit wurde Angela Merkel dann am 10. April 2000 auf dem CDU-Bundesparteitag in Essen zur neuen Bundesvorsitzenden gewählt. Sie erhielt 897 von 935 gültigen Stimmen. Eine innerparteilichen Revolution, geboren aus der Verlegenheit des Spendenskandals und der schmerzhaften Wahlniederlage der siegesverwöhnten CDU, war perfekt. Die katholische, männlich dominierte Partei mit ihren westdeutschen Kraftzentren wurde plötzlich von einer protestantischen Frau mit DDR-Biographie geführt. Soweit bekannt.

Wenn heute von den Verdiensten der Bundeskanzlerin die Rede ist, werden meistens das Krisenmanagement während der Finanzkrise genannt und in jüngster Vergangenheit ihre Führungsrolle bei der Bewältigung oder zumindest Eindämmung der Eurokrise. Auch vom relativ gesunden Arbeitsmarkt in Deutschland und den anhaltend hohen Ausfuhren profitiert Angela Merkel politisch. In Umfragen liegt sie regelmässig an der Spitze der Beliebtsheitsskala. In der Kritik steht Merkel – vor allem innerparteilich – wegen ihres Führungsstils, dem Ausschalten innerparteilicher Konkurrenz, dem vermeintlichen Vernachlässigen der konservativen Stammwähler und der Aufgabe des so genannten CDU-Markenkerns.

Genau das ist aber Angela Merkels grösster Verdienst.

Wären die innerparteilichen Kritiker von Merkel ehrlich, würden sie anerkennen: Der „Markenkern“ der CDU unter Helmut Kohl war Helmut Kohl. Und manches, was zu den Gewissheiten der BRD gehörte, ist heute schlichtweg nicht mehr mehrheitsfähig. Der Glaube, eine Bundeskanzlerin könne einen solchen Prozess gesellschaftlicher Moderinisierung aufhalten, ist schlichtweg falsch. Wichtiger noch: die Riege der männlichen, katholischen, westdeutschen Parteigranden, zuvorderst die Andenpaktierer, hat sich stramm konservativ gegeben, aber (alternativ: und) jeden Anstand vermissen lassen. Guttenberg, Wulff, Koch und Mappus haben durch ihr Fehlverhalten den bürgerlichen Idealen mehr Schaden zugefügt, als jede andere politische Kraft oder Person in Deutschland in den letzten Jahren. Bürgersinn und Konservatismus sind etwas anderes als geschredderte Festplatten, schwarze Kassen, krumme Kredite und falsche Titel.

Hier kommt die Republikanische Partei ins Spiel.

Über Obamas ersten Wahlsieg ist womöglich alles gesagt. Allen Fans und Hagiographen (ja, auch Du „Amerika Wählt“) sei aber nochmal ins Gedächtnis gerufen: Obamas Sieg wurde tatkräftig von der Gegenseite unterstützt. Acht wirtschaftlich, sicherheitspolitisch und vor allem moralisch desaströse Jahre unter Bush Jr., „mitfühlender Konservatismus“ gepaart mit Zynismus a la Dick Cheney und schlussendlich die Kandidatur der Hockey-Mum des Grauens, Sarah Palin, waren die besten Wahlhelfer, die sich ein demokratischer Präsidentschaftskandidat wünschen kann.

Bei den Wahlen im vergangen Jahr hat sich dieser Befund bestätigt. Die Republikaner boten in den Primaries mit Romney, Santorum, Gingrich und Ron Paul lediglich die Wahl zwischen verschiedenen Schattierungen religiösen Fundamentalismus. Weiß, wertkonservativ und kritisch gegenüber der Bundesregierung in Washington gaben sich alle. Die Quotenkandidaten Michele Bachmann und Hermann Cain waren zu diesem Zeitpunkt schon mit Tränen in den Augen oder mit Pokemon-Zitaten abgetreten.
Die zweite krachende Niederlage der republikanischen Partei, die ihren moderaten Flügel und damit auch ihren Kompass für merhheitsfähige, zeitgemässe Politik verloren zu haben scheint, sollte, so die Hoffnung einiger Kommentatoren zu einer politischen Erneuerung führen. Dieser Wunsch wurde bisher enttäuscht. Der Grand Old Party drohen jetzt „Jahre in der Wildnis“.

Wer aber soll die Republikaner aus der Wildnis führen? Für eine kraftvolle Erneuerung fehlt die integrative Führungspersönlichkeit, die das Mandat hat, alte Zöpfe abzuschneiden und den Willen, den Stammwählern geschätzte Feindbilder von Schwulen, Einwanderern und Frauen auszureden. Dass das so bleibt, dafür sorgen radikalisierte Strömungen in der Partei, die für sich in Anspruch nehmen, die „reine Lehre“ zu vertreten, wie die Tea Party oder Grover Norquists Steuertruppe „Americans for Tax Reform“. Gezielt werden Geldstöme an „loyale“ Abgeordnete gesteuert, Abweichler mit Negativkampagnen überzogen. Prominentests Beispiel, dürfte der Gouverneur New Jersey’s, Chris Christie, gewesen sein. Sein Lob für Obama und dessen schnelle und unkomplizierte Hilfe nach dem Hurrikan Sandy, brachten ihm harsche Kritik aus seiner eigenen Partei und vor allem konservativen Leitmedien ein.

Die routinierte Blockadepolitik im Kongress, die Verzögerungen bei der Ernennung der neuen Kabinettsmitglieder und die Rhetorik gegenüber Obama, die sich auch im republikanischen Mainstream kruder Feindbilder bedient, unterstreichen die Misere der Partei und lassen vermuten, dass die Republikaner zu alten Mustern übergegangen sind.

Anlass zu moderater Hoffnung bietet Marco Rubio. Er ist nicht nur Senator im wichtigen Swing-State Florida, sondern auch Sohn kubanischer Einwanderer und damit möglicherweise attraktiver für die wachsende und zumindest potentiell konservative Wählergruppe der Latinos. Dass er in einer Rede die republikanische Antwort zur State of the Union Address des Präsidenten geben durfte, zeigt seinen momentanen Stellenwert in der Partei.

Im Vergleich zu Angela Merkels politischer Karriere, erinnert das aber noch stark an die Phase, in der Angela Merkel noch von Helmut Kohl „mein Mädchen“ genannt wurde.

Election Map // Das Wahlergebnis auf einen Blick

Nach einem langen Wahltag gibt es hier nun das Ergebnis der US-Wahl. Wir können es offiziell wohl noch nicht Endergebnis nennen, denn in Florida wird immer noch gezählt. Da Obama den Sonnenstaat aber auch gewinnen wird, haben wir das bei unserer Wahlergebniskarte einfach schonmal berücksichtigt. Das (vorläufige) Endergebnis lautet dann:

  • Obama: 332 Wahlmännerstimmen
  • Romney: 206 Wahlmännerstimmen
  • Popular Vote: Obama 50.3 Prozent // Romney 48.1 Prozent

Infografik // Mit welcher Pokerhand Mitt Romney die Wahl noch gewinnen kann

Diese Infografik von Nerdwallet zeigt mal anschauliche, welche Kombination aus Swing States Mitt Romney braucht, um die Wahl noch zu gewinnen. Allerdings liegt Obama in den meisten Swing States den Umfragen nach vorne. Daher braucht Mitt Romney einfach ein bisschen Glück, wie eben auch beim Pokern.

Leitfaden zur US-Wahl // Wie das Electoral College funktioniert

Im Moment kursieren ja allerleo Szenarien, wie die Wahl ausgehen wird. Es könnte sein, das Romney landeseit mehr Stimmen holt als Obama, dieser aber gewinnt. So wie es 200 bei Al Gore und George W. Bush war, wo der Erstere insgesamt eine halbe Millionen mehr Stimmen hatte, die Wahl jedoch verlor. Es wird sogar disktutiert, ob es ein Unentschieden geben könnte. Im Mittelpunkt steht dabei immer das Electoral College und das System der Wahlmänner, ein Relikt aus alten Zeiten, das diese Szenarien erst möglich macht und das eigentlich endlich mal reformiert werden müsste.

Die nachfolgenden Videos erklären, wie dieses System genau funktioniert – und auf was wir in der Wahlnacht tatsächlich achten müssen:

The Wire ::: Links des Tages // 23.10.2012

  • Die heutigen Links des Tages drehen sich natürlich vor allem um die Rückschau der dritten und letzten Debatte. Der Guardian hat die für mich beste Zusammenstellung der Highlights geliefert. Einfach das folgende Video anschauen.

    • Zeit Online hat eine schöne Storify-Zusammenfassung der Debatte geliefert.
    • Der American Prospect hat die ganze Debatte einfach mal in Form von GIFs dargestellt. Auch sehr zu empfehlen.
    • Die erste Debatte hatte Big Bird, die zweite “binders full of women”, die dritte nun Obamas “bayonets and horses”-Stichelei als Meme und Highlight für das Social Web. Schnell gab es natürlich ein entsprechendes Tumblr. Trotzdem war die gestrige Debatte diejenige mit den bisher wenigsten Tweets und Buzz im Social Web.
    • Unser aller Lieblingsblog FiveThirtyEight von Nate Silver hat wieder alle wichtigen Polls rund um die dritte Debatte versammelt. Was sagt Nate Silver sonst? Obama steigert seine Wiederwahlchancen kontinuierlich seit der verheerden ersten Debatte (momentan liegt er bei über 70 Prozent). Und Ohio hat eine 50-50-Chance, der alles entscheidende Swing State zu sein. Und hier hat Obama kontinuierlich die Nase vorn, wenn auch nur knapp.
    • Ein anderer wichtiger Swing-State ist Florida. Der Sunshine State ist nach dem wirren Wahlchaos im Jahr 2000 ja berühmt-berüchtigt dafür, dass bei Wahlen dort immer irgendetwas schief geht. Auch 2012 ist Florida hart umkämpft, wobei hier Romney führt. Conan O’Brien hofft aber auf die Einwohner Floridas:

Marco Rubio als Running Mate?

Obama/Biden chocolates

Marco Rubio hat einen schönen Beruf. Er ist Senator in Florida. Das könnte sich allerdings bald ändern. Je sicherer die Nominierung Mitt Romney’s zum republikanischen Präsdientschaftskandidaten scheint, desto häufiger wird über aussichtsreiche running mates, also Kandidaten für die Vize-Präsidentschaft, spekuliert. Jedesmal fällt dabei der Name des smarten jungen Senators mit kubanischen Wurzeln.

Rubio hat diese Gedankenspiele mit grosser Ausdauer dementiert. Nun hat er sich aber einen Freudschen Versprecher geleistet, der dazu geeignet ist, die Spekulationen weiter zu befeuern, wie The Atlantic berichtet: “If in four to five years, if I do a good job as vice president — I’m sorry, as senator — I’ll have the chance to do all sorts of things.”

Damit hat Rubio schon eines bewiesen: das Potenzial is da, um dem notorischen Vize-Verhaspler Joe Biden ein würdiger Nachfolger zu sein. Und Rubio könnte als running mate für den ehemaligen Governeur von Massachussetts durchaus eine gute Wahl sein. Um ins Weisse Haus zu kommen, braucht Romney mehr Stimmen aus der Latino-Community. Da hilft nicht nur Rubios kubanische Familienhistorie: Als Romney Arizona für seine harte Linie gegen Einwanderer lobte, widesprach ihm Rubio deutlich.

Florida! Und was dann?

 

Jon Stewart gibt noch einmal einen schönen Überblick über alles, was sich in den letzten Tagen vor der Primary bei den Republikanern abgespielt hat. Es ist vor allem ein Duell Romney gegen Gingrich, Santorum und Paul laufen in Florida und in der Berichterstattung nur unter ferner liefen. Romney wird die Wahl in Florida wohl eindeutig gewinnen – aber wie geht es weiter?

Meine Prognose hatte ich gestern ja schon ausführlich dargelegt. Die Kurzform: Es wird ein langes Rennen geben, denn Gingrich und Paul werden auch nach dem Super Tuesday und darüber hinaus im Rennen bleiben. Einzig Rick Santorum könnte nach schlechtem Abschneiden am Super Tuesday Anfang März aufgeben und dann Gingrich unterstützen. Am Ende wird jedoch wohl Romney die Nase vorn haben.

Wir haben uns aber auch nochmal in der deutschsprachigen Blogosphäre umgehört.

  • Maik Bohne (Amerika im Wahlkampf) hatte bereits Ende Dezember ein Szenario entworfen, in dem Mitt Romney sich auch ob seiner starken Super PACs schnell durchsetzt und Obama früh direkt attackieren wird. Und an dieser Stelle auch gleich ein Veranstaltungshinweis: Das Blog ruht momentan, aber Maik Bohne wird am kommenden Samstag im Rahmen des Seminars “A one-term president? Wahlkampf um das Weiße Haus” der Atlantischen Akademie einen Vortrag zum Thema “Campaigning as a team – Das (informelle) Zusammenspiel von Kandidaten, Parteien und Interessengruppen im Wahlkampf” halten.
  • Felix Reimer (Amerika 2012) setzt ebenso auf Mitt Romney: “Eigentlich hat die Partei ihn schon nominiert, aber dank seiner Niederlage in South Carolina muss er noch bis Super Tuesday so tun, als kämpfe er um die Nominierung. Die republikanische Basis kann mit ihm leben, auch wenn sie nicht wirklich will. Newt Gingrich und Rick Santorum haben ihm weder organisatorisch noch finanziell etwas entgegenzusetzen.
  • Stefan Bachleitner (USA2012.at) sieht Mitt Romney noch nicht am Ziel:

    Mitt Romney wird in Florida wohl einen Erfolg feiern dürfen, das Rennen um die republikanische Nominierung wird damit aber nicht entschieden werden. Aus heutiger Sicht dürfte das Rennen jedenfalls bis zum “Super Tuesday” am 6. März spannend bleiben.

    Am Ende dieser Woche steht bereits Nevada im Mittelpunkt des Interesses und alles andere als ein klarer Sieg dort würde die Favoritenrolle, an der Romney so hart arbeitet, wieder ankratzen. Immerhin gewann er bei den Vorwahlen 2008 in Nevada  mit beeindruckenden 51,1 % (der spätere Präsidentschaftskandidat John McCain lag dort mit 12,8 % sogar hinter Ron Paul mit 13,7 %).

    Romney kann jedenfalls nicht darauf vertrauen, dass ihm ein deutlicher Sieg in Florida auch in anderen Bundesstaaten Aufwind verleiht – dieser Effekt war nämlich bislang bei diesen Vorwahlen kaum zu beobachten. Er hat zwar nach wie vor die besten Chancen, sich die republikanische Nominierung zu sichern, doch er wird mehr dafür tun (und ausgeben) müssen, als ihm lieb sein kann. Besonders spannend wird bei den nächsten Vorwahlen das Match zwischen Newt Gingrich und Rick Santorum, denn das Rennen um die Rolle des konservativen Champions hat maßgeblichen Einfluss darauf, wie stark Romney noch unter Druck geraten wird.

Tendenz: Romney wird es machen. Allerdings bleibt abzuwarten, wie schnell er sich durchsetzen und vor allem Newt Gingrich abschütteln kann.

Ein Blick nach Florida

Mitt Romney wird die Closed Primary in Florida heute mit einem beruhigendem Vorsprung gewinnen. Zwar ist sein Vorsprung auf Gingrich in den letzten Tagen zusammengeschmolzen, aber trotzdem stabil geblieben. Und Romney hat auch die Attacken von Gingrich in den letzten Tagen souverän pariert, so dass selbst die Daily Show ihn zum Gewinner ausruft. Und von Santorum und Paul, die in Florida nur halbherzig campaignen, geht im Sunshine State eh keine Gefahr aus.

Trotzdem: Auch nach einem Sieg in Florida und dem Einsammeln von 50 weiteren Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag werden sich die Vorwahlen noch hinziehen. Ron Paul ist ein Überzeugungstäter und wird nicht aussteigen. Ebenso Newt Gingrich, der sich ohne jeglichen Anflug von Selbstzweifeln für den besten und einzig wahren Kandidaten der GOP und geborenen Präsidenten hält. Er würde wohl erst aufhören, wenn ihm das Geld irgendwann ausgeht.

Zu persönlich ist mittlerweile der Zweikampf zwischen Romney und ihm geworden, als das er aufstecken würde. Und die scheinbar endlosen Irrungen und Wirrungen, die das Rennen bei den Republikanern bisher prägten und neben Romney und Gingrich auch schon einmal Perry, Bachmann, Cain und sogar Donald Trump an die Spitze des Feldes spülten, geben Team Gingrich auch nach einer deutlichen Niederlage in Florida und Nevada (dort sind mehr als ein Viertel der Wähler Mormonen und Romney gewann hier 2008 deutlich) die Hoffnung, dass jedweder Trend immer noch zu drehen ist. Und US-weit führt Gingrich dem letzten Gallup Poll zufolge sogar vor Romney.

Bis zum Super Tuesday am 6.März werden alle Kandidaten wohl sicher im Rennen bleiben. Auch danach, sollte Romney nicht auch in eher konservativen Bundesstaaten gewinnen, werden Gingrich und auch Paul weiter im Rennen bleiben. So könnte sich wiederholen, was die Demokraten 2008 durchmachten, bei denen sich Hillary Clinton erst im Juni geschlagen gab. Einzig Rick Santorum könnte sich nach dem Super Tuesday bei ausbleibenden Erfolgen zur Aufgabe entschließen – und anschließend wie Cain und Perry vor ihm dann Gingrich untersützen. Sollte Santorum aussteigen, würde dies Gingrich stärken und den Zweikampf zwischen ihm und Romney noch weiter befeuern.

Photo Credit: “Welcome to Florida Sign” by DonkeyHotey // Flickr