Wie dieser Mann Donald Trump bloßstellt

Rotmaler: Andrew Boynton vom “New Yorker”. (Bild: Facebook/The New Yorker)

Andrew Boynton ist Redakteur des US-Magazins “The New Yorker“. Jüngst analysierte er Donald Trumps Rede zum Start des Black History Month. Dabei stellte er den US-Präsidenten auf denkbar einfache Art bloß. It’s true.

Zum Video gut es hier.

Das ist Obamas Plan B

Die Zeit im Weißen Haus hat Barack Obama altern lassen (Bild: Flickr/Obama White House)

Barack Obamas Pläne für die Zeit nach seiner Präsidentschaft waren einfach. Urlaub machen und Zeit mit der Familie verbringen, das stand ganz oben auf der Liste. Danach wollte er sich den Projekten zuwenden, die für Ex-Präsidenten traditionell von Bedeutung sind: Buch schreiben, Präsidentenbibliothek bauen, Stiftung gründen.

Das mit dem Urlaub hat Obama geschafft. Am 20. Januar verließ er das Weiße Haus in Richtung Kalifornien, aktuell befindet er sich mit seiner Frau Michelle auf Necker Island (Britische Jungferninseln). Viel Sonne, viel Strand, so weit, so gut. Doch es gibt ein Problem. Obama machte seine Pläne vor dem 8. November, vor dem Tag der US-Wahl, vor Donald Trumps Sieg.

Der mit 55 Jahren immer noch junge Ex-Präsident musste erkennen, dass der Wahlausgang dem denkbar härtesten Bruch mit seiner Botschaft der Hoffnung und des Wandels gleichkam. Obama war 2009 angetreten, um Trennendes zu überwinden. Er wollte den USA einen Weg in eine Zukunft des Gemeinsamen weisen.

Innenpolitisch konnte er mit der Gesundheitsreform, der Legalisierung der Homo-Ehe und zwei neuen weiblichen Verfassungsrichterinnen am Supreme Court durchaus Erfolge feiern. Dazu kamen eine stabilisierte Wirtschaft und eine niedrige Arbeitslosenquote.

“Wir können das Land versöhnen, wir können den Planeten heilen”, verkündete Obama 2008 im Wahlkampf. Die USA und die Welt hofften mit. Sie wurden enttäuscht. Obama selbst wusste am Ende seiner Amtszeit, dass er seine Ziele – nicht nur in der Außenpolitik – verfehlte hatte. Durch die Fundamentalopposition der Republikaner bekam Obama seine Grenzen aufgezeigt, das vergiftete politische Klima frustrierte ihn zutiefst.

Doch eines verlor der Demokrat nicht: seinen Optimismus. Obama glaubte an die Stärke der USA und an Fortschritt durch progressive, durch humanistische Politik. Er glaubte an das Motto, das das Siegel des Landes verziert: ”E pluribus unum” (“Aus vielem eines”). Und er glaubte bis kurz vor der Wahl, dass seine Ex-Außenministerin und Parteifreundin Hillary Clinton in den kommenden Jahren einen ähnlich progressiven Ansatz verfolgen würde. Dann kam der 8. November und veränderte alles.

Was kann sich Obama erlauben? Was darf er sich erlauben? 

“Es gab eine Art von Rahmen für die Zeit nach der Präsidentschaft”, sagte ein Obama-Berater dem Magazin “GQ”. Ein Clinton-Sieg sei dafür eine Grundvoraussetzung gewesen. “Jetzt kommt Plan B.”

Nach dem 8. November traf sich der Ex-Staatschef mit zahlreichen Beratern und Historikern, um mit ihnen über seine künftige Rolle in der US-Politik zu sprechen. Eine Aufgabe steht bereits fest: Obama soll zum Architekten des Wiederaufbaus der Demokratischen Partei werden. Hillary und Bill Clinton wollen die Verantwortlichen nach der demütigenden Wahlpleite keine Verantwortung übertragen. Vielmehr soll Ex-Justizminister Eric Holder Obama unterstützen.

Viel wichtiger sind jedoch andere Fragen: Wie kann Obama sein politisches Erbe vor Trump beschützen? Wie kann er sich weiterhin für eine progressiv-liberale Ausrichtung der USA einsetzen? Was kann er sich als Ex-Präsident erlauben? Was darf er sich erlauben?

“Obama wird das größte und einflussreichste Megafon der Welt besitzen – auch wenn Trump Präsident ist. Denn seine Popularität im In- und Ausland wird viel größer sein als die von Trump”, sagte Obamas langjähriger Kommunikationsberater Dan Pfeiffer “GQ”.

Der Ex-Staatschef weiß um seine Redetalent und um seine Mobilisierungsfähigkeit. Es dürfte ihm nicht schwerfallen, auch ohne den Regierungsapparat große Kundgebungen zu organisieren. Obamas Vorteile: Er verfügt in den sozialen Netzwerken noch immer über eine riesige Anzahl an Anhängern. Auf Twitter (@BarackObama) folgen ihm fast 84 Millionen Menschen, auf Facebook (@barackobama) rund 54 Millionen. Dazu kommt ein in den Wahlkämpfen 2008 und 2012 erstellter E-Mail-Verteiler, der ebenfalls Millionen Namen umfasst.

Obamas altes Twitter-Profil ist bereits aktualisiert – in seiner Biografie präsentiert er sich jetzt als “Papa, Ehemann, Präsident, Bürger”. Wenige Stunden nach der Amtsübernahme von Trump schrieb Obama: ”Hi zusammen! Zurück mit dem alten Namen. Geht dieses Ding noch? Michelle und ich fahren jetzt schnell in Urlaub, dann machen wir uns wieder an die Arbeit.”

“Hi”: Barack Obama twittert wieder unter eigenem Namen. (Bild: Twitter/@BarackObama)

Doch was Obama mit “wieder an die Arbeit machen” meint, ist noch offen. Klar ist, dass seine in Chicago beheimatete Stiftung eine große Rolle spielen wird. Sie will gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern und junge Führungskräfte unterstützen. Auf der Webseite der Stiftung ist zu lesen: “Ich bitte euch, zu glauben. Nicht an meine Fähigkeit, Veränderungen herbeizuführen, sondern an eure.” Dazu ein passendes Video mit dem Titel “Pass the mic” (“Das Mikro weitergeben”):

Erste personelle Entscheidungen hat Obama bereits getroffen. So bleibt der bisherige Vize-Regierungssprecher Eric Schultz als Berater an seiner Seite. Schultz soll Obama unter anderem dabei helfen, sein Image zu fördern und Kontakte zu Abgeordneten und Organisationen zu pflegen. Gleichzeitig heuerte der Ex-Präsident den im Justizministerium tätigen Kevin Lewis als Sprecher an.

“Die Menschen sind auf der Suche nach jemandem, der die Dinge irgendwie wieder in die richtige Reihenfolge bringen kann”, sagte Obamas ehemaliger Chefstratege David Axelrod. Doch er warnte davor, den Demokraten als alleinigen Retter der freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsordnung anzusehen. Diese Aufgabe komme nun anderen Politikern der Partei zu.

Wagt Obama trotzdem den Tabubruch? Wird er sich in aller Öffentlichkeit gegen Trump stellen? Es wäre ein einmaliger Vorgang. Allerdings agiert Trump als Präsident ebenfalls auf bislang nie dagewesene Art. Obamacare, TPP-Ausstieg, Mauerbau, Einreiseverbot: Der neue Staatschef setzt auf Polarisierung und lässt keine Zweifel aufkommen, dass er von Obamas politischer Leistung nicht viel hält.

Während seiner letzten Pressekonferenz im Weißen Haus sagte Obama, er freue sich nun auf ein Leben abseits des politischen Rampenlichts. “Ich will eine Weile ruhig sein und mich nicht mehr so verdammt viel reden hören.” Doch werde er sich zu Wort melden, wenn er Amerikas “Kernwerte” verletzt sehe.

“Obama, du musst nach Hause kommen”, forderte die US-Tageszeitung “Daily News” jüngst. “Wir brauchen eine Stimme für die Mehrheit der Amerikaner, die nicht für Donald Trump stimmten.”

Mittlerweile steht fest: Obamas Schweigen endete zehn Tage nach der Amtsübergabe. ”Der Präsident (Obama) ist grundsätzlich gegen die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Religion”, heißt es in einer veröffentlichten Mitteilung.

“Bürger, die ihr Grundrecht wahrnehmen, sich zu versammeln und sich zu organisieren: Das ist genau das, was wir in Zeiten erwarten, in denen amerikanische Werte auf dem Spiel stehen.”

Perfekt: Baldwin gibt den Trump

Viel besser geht’s nicht: Alec Baldwin als Donald Trump und Kate McKinnon als Hillary Clinton.

Alec Baldwin (“30 Rock”) hat sich zur Riege der Donald-Trump-Imitatoren gesellt. Und das auf ziemlich perfekte Art und Wiese. Mit Kate McKinnon als Hillary Clinton lieferte sich der 58-Jährige bei “Saturday Night Live” (SNL) eine Comedy-Version der ersten TV-Debatte der beiden Präsidentschaftskandidaten.

Baldwin begann mit folgendem Satz: “Guten Abend, Amerika! Ich werde so gut sein heute, ich werde so besonnen, so präsidentschaftswürdig sein, dass alle, die heute Abend zusehen, sich in die Hosen machen werden!”

Mit der berühmt-berüchtigten Trump-Tolle, gespitztem Mund und wütenden Zwischenrufen war Baldwin kaum vom Original zu unterscheiden. Auch die zum SNL-Ensemble gehörende McKinnon lieferte eine überzeugende Clinton, die freudig die Antworten ihres Gegners verfolgte und ihm gar Redezeit schenkte.

Im Netz erfährt der rund 10 Minuten lange Clip eine enorme Verbreitung. Der ursprüngliche Facebook-Post wurde bereits 16 Millionen Mal angesehen und rund 230.000 Mal geteilt. Auch auf YouTube gibt es zahlreiche Versionen des Videos.

Hier das komplette Video.

Clinton bricht 9/11-Auftritt ab – Video auf Twitter

Szene aus dem Twitter-Clip von Zdenek Gazda: bereits über 34.000 Retweets.

Hillary Clinton hat die 9/11-Gedenkveranstaltung in New York wegen gesundheitlicher Probleme vorzeitig verlassen müssen. Ein Sprecher sagte, Clinton habe sich “überhitzt” gefühlt und sich in die Wohnung ihrer Tochter Chelsea zurückgezogen.

In einem Video, das der Amerikaner Zdenek Gazda auf Twitter postete, war zu sehen, wie die 68-Jährige schwankt und zu stürzen scheint. Drei Leuten müssen sie halten. Gazdas Clip erfährt eine enorme virale Verbreitung: In wenigen Stunden wurde er bereits mehr als 34.000 Mal weitergeleitet. Mehr als eine Stunde später verließ die demokratische Präsidentschaftskandidatin die Wohnung ihrer Tochter wieder. Clinton sprach kurz mit Reportern und sagte, dass es ihr wieder besser gehe.

Clintons Gesundheit war zuletzt immer wieder ein Thema im US-Wahlkampf. Ihr republikanischer Rivale Donald Trump (70) warf ihr vor, physisch nicht in der Lage zu sein, das Präsidentenamt auszufüllen.

Die Lehren aus der Vorwahl in Iowa

Schlechter Start: Bei der Vorwahl in Iowa landete Donald Trump nur auf Platz zwei.

1. Trump kann tatsächlich verlieren   

Loser, Versager, Underperformer: Natürlich kennt Donald Trump diese Wörter. Allerdings hat er sie bislang nur dazu benutzt, um politische Gegner und Rivalen zu diffamieren. Nun ist Trump jedoch selbst zum Loser geworden. Die ersten Präsidentschafts-Vorwahlen verlor er krachend. Im Bundesstaat Iowa zog sein republikanischer Konkurrent Ted Cruz locker davon. Der Sieg des 45-jährigen Senators aus Texas ist ein schwerer Schlag für Trump, der das Bewerberfeld seit Monaten anführt. Er machte schnell klar, wer für sein schlechtes Abschneiden verantwortlich ist: die Medien.

Kurz nach der Wahl verbreitete sich ein Tweet von Trump aus dem Juni 2014 wie ein Lauffeuer im Internet. “Keiner erinnert sich daran, wer als Zweiter ankam”, zitierte der umstrittene Milliardär den legendären US-Golfer Walter Hagen.

2. Nach der Wahl ist vor der Wahl

Der Ausgang der Vorwahl ist für den selbstbewussten Trump schmerzhaft. Doch der 69-Jährige weiß, dass Iowa nur der Auftakt zu einem Wahlmarathon war, der erst im Juni enden wird. In der Politik ist das eine Ewigkeit. Schon am 9. Februar geht es, “You betcha!“, in New Hampshire weiter. Trump hat genügend Zeit für ein Comeback – die Umfragen dürften ihm Mut machen. Dazu kommt: Iowa ist kein Spiegelbild der USA. Der Bundesstaat ist weißer, ländlicher und konservativer als das übrige Land. Zur Erinnerung: 2008 gewann Mike Huckabee in Iowa, 2012 Rick Santorum. Beiden Republikanern gelang es nicht, genügend Stimmen für die Nominierung zu bekommen.

3. Der wahre Sieger ist Rubio

Marco Rubio landete in Iowa zwar nur auf dem dritten Platz, jedoch fuhr er ein starkes Ergebnis ein. Fast hätte der Senator aus Florida seinen Rivalen Trump überholt. “Wir haben den ersten Schritt unternommen, aber einen wichtigen Schritt, um die Nominierung zu gewinnen”, erklärte Rubio bei einer Kundgebung in Des Moines. Sein Ergebnis dürfte bei den Republikanern für Erleichterung sorgen. Der 44-Jährige ist unter dem Spitzentrio der einzige Politiker, der moderat genug auftritt, um bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl am 8. November eine Mehrheit der Wähler von sich überzeugen zu können.

Auf seiner Webseite findet sich bereits der Begriff “Marcomentum”, eine Mischung aus Rubios Vornamen und dem Begriff Momentum, also dem Entstehen einer immer größer werdenden Bewegung, also eines politischen Siegeszugs. 2008 gelang dies beispielsweise einem jungen demokratischen Senator aus Illinois. Sein Name: Barack Obama. Rubios Chancen auf Unterstützung durch prominente Wahlkampfhelfer und Großspenden dürften nach der Wahl in Iowa steigen.

4. Sanders “Revolution” geht weiter

Bei den Demokraten lieferten die sich Favoritin Hillary Clinton und ihr Rivale Bernie Sanders ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Clinton gewann zwar, jedoch blieb unter dem Strich ein hauchdünner Vorsprung von gerade einmal 0,3 Prozentpunkten. Bei den Demokraten ist der Wahlkampf zwischen Clinton und Sanders noch lange nicht vorbei. ”Die politische Revolution hat gerade erst begonnen”, hieß es auf der Facebook-Seite des Senators aus Vermont.

5. Clintons knapper Sieg überrascht

Die ehemalige Außenministerin hat einen steinigen Weg vor sich. Schon wieder. Die Vorwahlen im Jahr 2008 entwickelten sich für Clinton zum Albtraum. In ihrer Kampagne präsentierte sie sich bereits als designierte Kandidatin. Nach einem dramatischen Wahlkampf konnte sich Obama die Nominierung sichern. Acht Jahre später hatte Clinton  genügend Zeit, ihre Kampagne vorzubereiten. Gemeinsam mit Ehemann Bill verfügt die 68-Jährige über das wohl einflussreichste Netzwerk in der US-Politik. Geldsorgen muss sich Clinton dank kräftiger Unterstützung aus der Finanzbranche keine machen. Ihr knapper Sieg überrascht daher umso mehr.

6. Die Favoritin hat ein Problem mit Liberalen 

Nach der Wahl trat Clinton erkennbar gefrustet vor die Kameras. Lautstark sprach sie von einem “Wettkampf der Ideen” und bezeichnete sich als Reformerin und progressive Politikerin. Das zeigt: Clintons Kampagne droht eine Zerreißprobe. Einerseits will sich die Demokratin als pragmatische Alternative zu Sanders präsentieren, die Probleme aufgrund ihrer Erfahrung lösen kann. Doch die Basis ist unzufrieden und fordert frische Ideen. Sanders kann diese Sehnsucht mit seinen radikalen Forderungen befriedigen. Zieht Clinton nun nach und versucht sich als linke Populistin? Zuletzt attackierte sie bereits die Pharma- sowie die Finanzbranche und beklagte die soziale Ungleichheit in den USA.

7. Sanders baut auf die Jungen

Umfragen zeigen, dass vor allem Wähler unter 30 Jahren den 74-jährigen Sanders unterstützen. Clinton dagegen rekrutiert die meisten ihrer Fürsprecher aus dem Lager der 45- bis 64-Jährigen. Der selbsternannte “demokratische Sozialist” kann damit auf eine Wählergruppe bauen, die besonders engagiert und mit einer gehörigen Portion Idealismus zur Sache geht. Es bleibt abzuwarten, ob sich Sanders’ Anhänger im Falle einer Niederlage geschlossen hinter Clinton stellen, hinter die Vertreterin des so ungeliebten Washingtoner Politsystems

8. Sanders hat Heimvorteil, Clinton hat Geld

Umfragen zufolge liegt Sanders in New Hampshire, einem Nachbarstaat von Vermont, klar vor der Favoritin. Siegt der Senator dort nach seinem starken Abschneiden in Iowa, wird Clintons Nervosität und die der Demokraten in Washington spürbar wachsen. Doch – und auch das hat Iowa gezeigt – stimmen die Wahlumfragen nicht immer mit der Wirklichkeit überein. Zuletzt sagten Demoskopen Siege von Trump und Clinton voraus. Weitaus spannender ist, wie sich Sanders Kampagne in den kommenden Wochen entwickeln wird. Clinton mag angeschlagen sein, jedoch verfügt ihr Team über die nötigen finanziellen Ressourcen und organisatorischen Strukturen in den einzelnen Bundesstaaten, um bestens vorbereitet in die monatelange Wahlschlacht zu ziehen.

9. Das Bewerberfeld lichtet sich

Bei den Republikanern lichtete sich nach der Vorwahl in Iowa das Bewerberfeld: Mike Huckabee erklärte auf Twitter das Ende seiner Wahlkampfkampagne. Der frühere Gouverneur von Arkansas hatte sich bereits vor acht Jahren erfolglos um das Präsidentenamt bemüht. Wenig später zogen Senator Rand Paul (Kentucky) und Rick Santorum nach. Bei den Demokraten gab auch Martin O’Malley seine Ambitionen auf das Präsidentenamt auf. Seine Partei müsse sich geschlossen hinter einen Kandidaten stellen, sagte O’Malley.

Obamas Kampfansage an die Kohlekraft

Barack Obama will den Klimaschutz zu einem Markenzeichen seiner Präsidentschaft machen.

Es geht um sein politisches Erbe. US-Präsident Barack Obama will die Ziele zur Bekämpfung des Klimawandels verschärfen. Das kündigte er in einem auf Facebook veröffentlichen Video an. Obamas Plan zufolge müssten Kraftwerke ihren Schadstoffausstoß bis 2030 um 32 Prozent (im Vergleich zu 2005) verringern, berichtete die “New York Times“. Obama sprach vom größten Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels, den die USA je gemacht hätten.

Die Sache hat jedoch einen Haken: Die Republikaner kündigten bereits Widerstand an. Gleichzeitig dürften sich auch zahlreiche Bundesstaaten querstellen. Mit großer Wahrscheinlichkeit muss sich am Ende der Supreme Court mit dem Streit beschäftigen.

Bereits in Obamas Wahlkampf 2008 hatte der Klimaschutz eine wichtige Rolle gespielt. Als Staatschef konzentrierte sich der Demokrat zunächst auf die Verabschiedung der Gesundheitsreform. Nun soll der Klimaschutz zum weiteren Markenzeichen seiner Präsidentschaft werden. Diese endet im Januar 2017.

Vor Kandidatur: Jeb Bush zeigt Wahlkampf-Logo

Wer braucht schon einen Nachnamen: Jeb Bushs neues Titelbild bei Facebook.

Die Zeit der Spekulationen neigt sich dem Ende zu. Morgen dürfte der US-Republikaner Jeb Bush seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2016 bekannt geben. Der Ex-Gouverneur von Florida will sich während einer Großkundgebung in einem College in Miami äußern. Die Ankündigung einer solchen Kandidatur ist ein exakt durchgeplantes Politmanöver, das möglichst viel Aufmerksamkeit erregen soll.

Ein Blick auf Bushs Facebook-Seite zeigt jedoch: Dort ist die Kandidatur längst Realität. Ein aktualisiertes Titelbild zeigt Bush mit dem Slogan “Jeb 2016!”, dazu kommt ein frisches Kampagnenvideo. Das entsprechende Logo hatte Bush bereits via Twitter veröffentlicht. Nun fehlt nur noch die Kampagnen-Webseite. Ein wenig Spannung bleibt also.

Jeb Bushs Wahlkampf-Logo

Zehn Fakten zu Clintons Kampagne

Pfeil nach rechts: So sieht die Facebook-Seite von Hillary Clintons Kampagne aus.

Nun kann der Wahlkampf beginnen. Hillary Clinton hat entschieden, es noch einmal zu wagen. Die Ex-Außenministerin will erste US-Präsidentin werden. Mit einem YouTube-Video verkündete Clinton ihre Kandidatur, wenig später folgten Nachrichten auf Twitter (auch von Tochter Chelsea) und auf Facebook. Mittlerweile ist Clinton in den Bundesstaat Iowa unterwegs, wo Anfang 2016 die erste Vorwahl stattfindet.

Hier die zehn wichtigsten Fakten zur Kampagne:

1. Das veröffentlichte YouTube-Video (“Getting Started”) gilt als Startschuss der Kampagne. Kurz vorher verschickte John Podest, der Chef von Clintons Wahlkampfteam, eine E-Mail an potenzielle Spender und Unterstützer.

2. Der Clip ist 2 Minuten und 19 Sekunden lang. Es dauert jedoch eine Minute und 31 Sekunden, bis Clinton zum ersten Mal ins Bild kommt. Der Unterschied zum Kampagnenstart im Jahr 2007 könnte nicht größer sein.

3. Eine große Rede zum Wahlkampfauftakt hat Clinton wohl erst im Mai geplant. Der Tageszeitung “Washington Post” zufolge will sich die Demokratin in Iowa vor allem in kleinen Runden mit Wählern unterhalten.

Mehr: Clintons Wahlkampflogo: Wikileaks ist sauer

4. Mit dieser Zurückhaltung will Clinton aus den Fehlern bei ihrer gescheiterten Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2008 lernen. Damals vermittelte sie den Eindruck, dass ihr als “unvermeidbare Kandidatin” die Nominierung zustehe. Der damalige Senator Barack Obama nutzte das aus und zog im parteiinternen Vorwahlkampf an Clinton vorbei.

5. Das Online-Magazin “Politico” berichtete, dass Clinton ihre Kampagne auf die wirtschaftlichen Sorgen der Mittelschicht und ihre Rolle als Vorkämpferin für die Sache der Frauen zuschneiden will.

6. Neben Iowa dürfte Clinton in der kommende Woche auch den Bundesstaat New Hampshire besuchen. Dort findet traditionell ebenfalls eine frühe Vorwahl abhält.

7. Clintons Wahlkampfmanager heißt Robby Mook. Der 35-Jährige ist die Nummer zwei der Kampagne – hinter Podesta. Mook gilt als Datenexperte. Er ist der britischen Tageszeitung “The Guardian” zufolge der erste offen schwule Wahlkampfmanager in der US-Geschichte. Sein mutmaßlicher Twitter-Kanal gilt als ausbaufähig.

8. Clintons Mitarbeiter haben ihr Kampagnenhauptquartier im New Yorker Stadtteil Brooklyn bezogen.

9. Die “New York Times” bezifferte die anvisierten Kosten von Clintons Wahlkampf unter Berufung aus das Umfeld der Politikerin auf über 2,5 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro).

10. Clintons offizieller Kampagnenstart bedeutet das Ende des Super-PAC “Ready for Hillary“. Von nun an gilt es, die Öffentlichkeit mit einer einheitlichen Botschaft zu überzeugen.

“Obamacare”-Protest wird zum Fiasko

“Erzählen Sie Ihre Geschichte”: Webseite von Cathy McMorris Rodgers.

Die US-Republikaner verachten die Gesundheitsreform. Für die Konservativen ist das wohl wichtigste innenpolitische Projekt von Präsident Barack Obama eine Beschneidung bürgerlicher Freiheitsrechte und eine Belastung der Wirtschaft. Obama, der den Affordable Care Act vor fünf Jahren unterzeichnete, sieht das naturgemäß anders. “Familien und Unternehmen sparen mit diesem Gesetz Geld”, sagte der Staatschef jüngst. Außerdem rette die Reform Leben. Das Gesetz “funktioniert”, befand Obama, trotz der “unzähligen Versuche” der Republikaner, es “zu diffamieren”.

Mehr“Obamacare” = iOS 7?

Die Kongressabgeordnete Cathy McMorris Rodgers ist eine besonders erbitterte Gegnerin von “Obamacare”. Als Vorsitzende der House Republican Conference ist die evanglikale Christin zurzeit die mächtigste Republikanerin im Kongress. Nun wollte Rodgers einen Online-Protest gegen die Reform entfachen. Das Gesetz sei ”zerstörerisch”, so Rodgers. “Erzählen Sie Ihre Geschichte, damit ich besser verstehen kann, wie groß Ihre Probleme sind”, schrieb die 45-Jährige auf ihrer Webseite und auf Facebook. Doch der Aufruf entwickelte sich zum Fiasko.

Es dauerte nicht lange, bis auch die Befürworter der Reform auf den Aufruf aufmerksam wurde. Viele Nutzer beschrieben die positiven Auswirkungen des Gesetzes. Familienangehörige seien endlich versichert und könnten nun ein besseres Leben führen. Gleichzeitig wurde massive Kritik an Rodgers und ihrer Partei laut. Die Webseite “Vox.com” schrieb: “Das ist ein Lehrstück in der Nutzung sozialer Medien.”

Supreme Court prüft “Obamacare” noch immer

Der Affordable Care Act hatte den Kongress im März 2010 nach heftigem politischen Streit passiert und trat im Oktober 2013 in Kraft. Im Zentrum steht die Pflicht aller Bürger, sich bei einer Krankenkasse zu versichern – sonst droht eine Strafzahlung. Geringverdiener erhalten staatliche Zuschüsse für den Kauf einer Versicherung. Die Folgen: Die Zahl der Amerikaner ohne Krankenversicherung sank um 16,4 Millionen. Der Anteil der Unversicherten ging von 20,3 auf 13,2 Prozent zurück.

Der Oberste Gerichtshof erklärte die Versicherungspflicht im Juni 2012 zwar für verfassungskonform. Derzeit prüft der Supreme Court jedoch, ob die staatlichen Beihilfen für Versicherte rechtlich gedeckt sind. Im Juni wird mit einer Entscheidung gerechnet.

“Wie bringt man Obamas Augen zum Leuchten?”

Entspannter US-Präsident: Barack Obama scheint keine Probleme mit fiesen Tweets zu haben.

Barack Obama weiß, wie man sich als Prominenter im Internet präsentieren muss. Zuletzt bewies der US-Präsident das mit einem Clip für die Webseite “Buzzfeed”, der auf Facebook eine enorme virale Verbreitung erfuhr. Rund 50 Millionen Mal wurde das Video dort aufgerufen. Nun hat der 52-Jährige bewiesen, dass er auch über Sticheleien in fiesen Twitter-Nachrichten lachen kann – sogar wenn es um sein Äußeres geht. Obama machte bei der auf YouTube populären Kategorie “Mean Tweets” der US-Talkshow von Moderator Jimmy Kimmel mit.

Bei “Mean Tweets” lesen Prominente gehässige Nachrichten über sich selbst vor. “Gibt es irgendeine Möglichkeit, Obama zu einem Golfplatz um die halbe Welt zu fliegen und ihn einfach dort zu lassen?”, heißt es in einem Tweet, den der Demokrat vorlas. “Ich denke, das ist eine großartige Idee”, sagte der passionierte Golfer.

Ein anderer Nutzer schrieb: “Wie bringt man Obamas Augen zum Leuchten? Scheine mit einer Taschenlampe in seine Ohren.” Da musste sogar Obama lachen. “Ich finde, der ist ziemlich gut”, sagte der 52-Jährige.

Seit geraumer Zeit wird Obama wegen vermeintlich schlecht sitzender Jeans (“dad jeans”) aufgezogen – auch dazu gab es einen Tweet: ”Ich finde es ok, wenn der Präsident Jeans trägt. Aber ich finde es nicht ok, wenn der Präsident SOLCHE Jeans trägt”, las Obama vor. Moderator Jimmy Kimmel ließ es sich nicht nehmen, den Clip in einer typischen “Obama-Jeans” zu beenden.

Auf YouTube wurde die Obama-Ausgabe von “Mean Tweets” innerhalb eines Tages rund 3,1 Millionen Mal angesehen.

Freundschaft à la carte

US-Präsident Barack Obama und Hillary Clinton im Garten des Weißen Hauses

Diese Verabredung war ein heißes Thema in Washington: Am Montagmittag trafen sich US-Präsident Barack Obama und Ex-Außenministerin Hillary Clinton im Weißen Haus zum Mittagessen. Das Weiße Haus veröffentlichte im Anschluss ein Foto auf seiner Flickr-Seite. Ein Sprecher Obamas sagte, dass es für das Essen keinen offiziellen Anlass gab: “In erster Linie geht es um die Freundschaft.”

Trotzdem war das Mittagessen ein wichtiges Thema in der US-Hauptstadt. Beobachter gehen seit langem davon aus, dass sich Clinton 2016 um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewerben wird. Clinton selbst schweigt zu dem Thema – im Gegensatz zum sogenannten Super Pac “Ready for Hillary“. Auf Facebook postete die Organisation ein Foto des Treffens. Titel: “Table for Two: 44 and 45.” Mit den Ziffern sind der aktuelle Präsident und dessen Nachfolger gemeint – beziehungsweise dessen Nachfolgerin.

Zu Essen gab es “Politico” zufolge übrigens gegrilltes Hühnchen, Jambalaya und Salat.

Adam Conner: Lessons from 2012

Am Donnerstagabend war Adam Conner, seines Zeichen Manager Public Policy von Facebook in Washington D.C., zu Besuch im BASE_camp und hat einen interessanten Vortrag über Erfahrungen und Erkenntnisse der letztjährigen US-Wahl aus Sicht von Facebook gehalten. Herausgekommen sind einige überraschende und einige weniger überraschende Fakten.

Zu Beginn seiner Präsentation ging Conner kurz auf den allgemeinen Charakter von Wahlen in den USA ein und stellte dabei heraus, dass wir im Zeitalter der “Social Elections” angekommen sind. Inhalte werden schneller und leichter verteilt als früher, die Menschen sind vernetzter und Wahlkampf findet nicht mehr primär im Lokalen statt sondern bedingt durch die “neuen Medien” überall. “Influence is no longer contained geographically”
Dies war zugleich der Übergang zur Bedeutung von Social Media und sozialen Netzwerken im Wahlkampf. Hier präsentierter er einige spannende Zahlen rund um Facebook. So ist die Anzahl an wahlberechtigten Amerikanern mit einem Profil auf Facebook höher, als die Anzahl derer, die tatsächlich wählen war. So gesehen ist Facebook also attraktiver als Wählen zu gehen, zeigt aber zugleich, welch großes Potential Facebook zur Wähleransprache- und Mobilisierung bietet.

Hier noch einige weitere Zahlen:

Menschen die auf Facebook sind…
…zu 57% eher bereit, einen Freund und Arbeitskollegen zum Wählen zu überreden.
…2,5 Mal eher bereit, eine Wahlkampfveranstaltung zu besuchen.
…zu 43% eher bereit Wählen zu gehen, als andere.

Und die 34 Millionen Fans von Barack Obama auf Facebook sind mit 98% der US-Bevölkerung verknüpft.

Im Anschluß gab es einige sehr interessante Einblicke in die Strategien und Vorgehensweisen von Barack Obama und Mitt Romney in Bezug auf Facebook. Das Team um Mitt Romney nutzte beispielsweise das Geotargeting intensiv. So wurden täglich 40-50 Nachrichten abgesetzt, die nur für einen bestimmten Nutzerkreis der Fans sichtbar waren.
Barack Obama’s Team zielte vor allem darauf ab, Nutzer dazu zubewegen Inhalte der Kampagne mit ihren Freunden zu teilen. Auf allen Online-Präsenzen gab es deshalb eine starke Einbindung von Facebook-Sharing-Funktionen und auch hier mit der Möglichkeit, Inhalte nur mit bestimmten Freunden zu teilen. Der Hintergrund: Empfehlungen von Freunden sind authentisch und werden besonders hoch vom Empfänger eingestuft.
Eine weitere Erfahrung die das Team um Obama machte war, dass Fotos, die Obama möglichst menschlich zeigten, die höchste “Responserate” erzeugten. Authentizität gewinnt. Das beste Beispiel hierfür ist wohl das Foto aus der Siegesnacht.

Zum Abschluß präsentierte Adam Conner die vier, aus seiner Sicht, wichtigsten Erfolgsfaktoren (im englischen Original):

1. Targeting is important
2. Messengers are just as important
3. Friends talking to friends is the most powerful
4. Voters are people

Wahl Digital // Von Memes und Viralitäten

Zwei Dinge haben die letzten 24 Stunden das Social Web mit Blick auf den US-Wahlkampf dominiert: eine Meme und eine virale Microsite.

Das Meme ist ein direktes Resultat einer flapsigen und unbedachten Äußerung von Romney in der gestrigen Debatte. Romney behauptete, er hätte “binders full of women” (“Aktenordner voller Frauen”) zur Verfügung gehabt, um Posten in seiner Regierung während seiner Zeit als Gouverneur von Massachusetts zu füllen. Romney und die Republikaner hatten eh schon ein Problem mit den Frauen, nun haben sie ein noch größeres. Minuten später, nachdem seine Äußerung schon rauf und runter auf Twitter ratterte, gab es bereits ein sehr unterhaltsames Tumblr-Blog, erstellt von Veronica de Souza. Bei Mashable gibt’s ein Interview mit ihr (sie sucht übrigens einen Job im, oh Wunder, Social Media-Bereich…). Sie erzählt, dass sie bereits kurz vor Mitternacht schon mehr als tausend Einsendungen für ihr Tumblr erhalten habe. Die entsprechende Facebook Page hat innerhalb von nicht einmal 24 Stunden schon mehr als 300.000 Fans gesammelt. Und auch der Aktenhefter von Romney wurde offenabr geleaked – enjoy!

Bevor Romney’s binders in den Fokus rückte, machte eine Microsite die Runde, die sich über Tausende Tweets und Facebook Posts viral verbreitete: romneytaxplan.com. Diese Seite war jedoch kein Meme, sondern eine clevere Aktion des demokratischen Parteikommittees (DNC). Die Seite nimmt Paul Ryans und Mitt Romneys Weigerung aufs Korn, etwas konkretes zu ihren Steuerplänen zu sagen. Der Clou ist jedoch die Verbindung mit Google: wenn man in der Suchmaschine “Romney tax plan” eingibt, kommt als erster Treffer diese Seite. So kommen auch Leute auf die Seite, die vorher nichts von der viralen Aktion Wind bekommen hatten, sondern die sich tatsächlich voller Hoffnung auf Antworten über die Steuerpläne informieren wollten. Simpel, aber effektiv – eine gute Aktion der Demokraten