Aus Fehlern lernen mit Hillary

 

Was im US-Wahlkampf schief lief, soll Deutschland nicht passieren. Robby Mook, Wahlkampfmanager von Hillary Clinton, warnt Deutschland vor Fake News und Hacks und appelliert, gemeinsam gegen sie vorzugehen.

Mirjam Stegherr

Es ist seine Niederlage, die Robby Mook so gefragt macht und die ihn nach Berlin bringt: Mook war Wahlkampfmanager von Hillary Clinton. Er hatte lange geglaubt, sie würde die Wahl gewinnen. Fake News, Bots und Hacks habe er nicht ernst genug genommen, er würde heute mehr Energien investieren, sie zu verstehen. Damit es Deutschland besser ergeht, tourt Mook durch Parteien und Stiftungen, teilt Erfahrungen und diskutiert Konsequenzen, auch mit der Stiftung Neue Verantwortung Berlin.

Jetzt komme es auf Deutschland an, die nächste Wahl sei entscheidend, um zu zeigen, dass die Demokratie feindlichen Innovationen die Stirn bietet. Internetkampagnen, Online-Fundraising, Social Media: Lange Zeit standen die Demokraten für die großen technischen Innovationen im US-Wahlkampf. 2016 war das anders. Seitdem sprechen alle von Fake News und davon, wie Falschmeldungen und Desinformationen die Wahl veränderten – zugunsten der Republikaner.

Falschmeldungen nichts Neues

Schon andere Präsidentschaftskandidaten kämpften gegen Falschmeldungen, Obama zum Beispiel gegen den Vorwurf, er sei kein Amerikaner und seine Geburtsurkunde gefälscht. 2016 änderte sich die Lautstärke, die Kraft, mit der sich Fakes verbreiteten. Russland und rechtspopulistische Medien wie Breitbart hätten ganze Netzwerke aufgebaut, Bots eingesetzt und User gekauft, um falsche Nachrichten zu streuen.

Immer wieder erwähnt Mook Beweise für Hacks aus dem Ausland, gezielte Angriffe, um Clinton zu schaden. Cyber-Security müsse zur Chefsache werden, eine Ansage von oben nicht von der IT und ein Thema für jeden im Umfeld einer Partei, auch privat. Mook wirbt für eine „neue Kultur für die Sicherheit von Daten“, erzählt, wie seine eigenen Leute Kollegen mit Phishing-E-Mails geködert haben, um sie für Security zu sensibilisieren. „Nehmt Cyber-Security ernst!“ Lange hat Mook selbst nicht verstanden, wie ernst die Hacks und das Netzwerk dahinter sind.

Empfehlungen für Deutschland

Was also ist seine Empfehlung für die Wahlkämpfe in Deutschland? Die Parteien sollten sich zusammenschließen, sagt Mook, und gemeinsam gegen Fake News vorgehen. Die Beweise aus dem US-Wahlkampf sollten genutzt werden, um weltweit Angriffe auf die Demokratie abzuwehren und Konsequenzen zu ziehen. Doch während sich deutsche Parteien bereits gegen den Einsatz von Bots ausgesprochen haben, haben sie Mook und sein Team genutzt, nur, betont er, um schneller Antworten auf Fragen zu erstellen, nicht als Lautsprecher für Meinungen und damit selber als Stimmungsverzerrer. Das hätten vielleicht irgendwelche Demokraten eingesetzt, Super-PACs, er nicht.

Nun denn, zwischen Gut und Böse ist bekanntlich viel Platz. Wahlkämpfe effizienter machen, menschliche Beziehungen aufbauen, mit Wählern in Kontakt treten, sie aktivieren und so letztlich Demokratien stärken: Das ist es, was für Mook neue Techniken auszeichnet.

Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk

Vieles von dem, was in den USA möglich ist, würde in Deutschland nicht funktionieren: Im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ werden auch Daten nahezu unbegrenzt genutzt. Daten von Wählern über ihre politischen Interessen, ihr Engagement und ihr Spendenverhalten zum Beispiel, die gezielt ausgelesen werden, um Wähler als Mitstreiter zu gewinnen. Oder Daten über die eigene Wahlhistorie, mit denen man Wähler konfrontiert, um sie zur Stimmabgabe zu motivieren. Ein Mittel für mehr Demokratie nennt Mook solche Einsätze, neue Technik sei per se „Kraft zum Guten“.

Es läge an uns allen jetzt dafür Sorge zu tragen, dass das Schlechte nicht Fuß fasst und das Gute zerstört.

Digital als Infrastruktur oder was die Amerikaner besser machen als wir

Vor knapp drei Wochen fand die dritte Runde der Berliner Hinterhofgespräche statt. Die von politik-digital.de organisierte Talkrunde in Form von Google Hangouts behandelt aktuelle politische Themen. Dieses Mal mit dem Titel: “Auf Stimmenfang im #Neuland – Die Online-Kampagnen zur Bundestagswahl”.

Teilnehmer waren

Wir haben die wichtigsten Aussagen (mit USA-Bezug) zusammengefasst:

1. Deutsche Parteien haben keine gute digitale Infrastruktur. Die Synchronisation von On- und Offline wird hierdurch erschwert. Die SPD mit ihrer neuen Mitmachplattform macht hier einen großen Schritt in die richtige Richtung. Tools und Strukturen sind allerdings das eine, das andere Mitarbeiter, die damit umgehen können. Hieran mangelt es in Deutschland. Die wichtigste Aufgabe ist daher die Schulung von Mitarbeitern..

2. Die sinnvolle Nutzung von Big Data ist auch in Deutschland möglich. Zwar ist der Datenschutz hierzulande strenger als in den USA, aber 90% der von Obama genutzten Daten wurden von den Menschen freiwillig an die Organisation übergeben. Beispielsweise über die Registrierung auf der Website. Die Annahme, dass in den USA Daten einfach gekauft und zusammengeführt werden, ist also nicht ganz korrekt.

Der Unterschied zwischen den USA und Deutschland ist, dass es in den USA a) eine funktionierende Infrastruktur gab, um die Daten zu nutzen und b) genügend Personal vorhanden war, die mit den Daten umgehen konnten. Nicht die Daten an sich sind das Entscheidende sondern die Menschen die damit umgehen können. Dies fehlt in Deutschland.

3. Ausprobieren geht über Studieren. Die deutsche Politik ist zu zurückhaltend im Umgang mit Social Media. In der Regel muss es bereits ein Erfolgsfall gegeben haben, bevor etwas ausprobiert wird. Dies ist in den USA anders. Fehler machen ist gewollt und kein Verbrechen.

4. Digital wird als Tool begriffen und nicht als langfristiger Kommunikationskanal. Nach wie vor werden digitale Kanäle wie Twitter als kurzfristiges Mittel eingesetzt, um meist kurze Aufmerksamkeit in der klassischen Presse zu erhalten.

5. In der digitalen Kommunikation in Deutschland fehlt es an Emotion. Die Mobilisierung von Wählern wird hierdurch erschwert.

6. Das Internet wird die Bundestagswahl 2013 nicht entscheidend beeinflussen, aber es wird gelingen, einige gute Geschichten zu erzählen und mit bestehenden Wählern zu kommunizieren. Die Gewinnung von neuen Stimmen wird aber nur im geringen Maße stattfinden.

Der Hangout in voller Länge:

http://www.youtube.com/watch?v=Fe0pI4YYQU4&feature=c4-overview-vl&list=PLxRsKyODYBMU1BYKwcrn3Gy61q53eeuwk

Wählerstimmen durch Emotionsanalyse: Der Big Data Trend aus den USA

Dieser Beitrag ist zu erst bei wahl.de erschienen.

Das Personal Democracy Forum (PDF) ist eine der weltgrößten Veranstaltungen zu Politik und Technologie. Auf der diesjährigen Ausgabe stand ein Thema im Vordergrund, das auch hier zu Lande heiß diskutiert wird: Big Data.

Im vergangenen US-Wahlkampf als der entscheidende Faktor wahrgenommen, findet die Analyse und Auswertung von personenbezogenen Daten im deutschen Wahlkampf aus datenschutzrechtlichen Gründen bisher kaum statt. Ein Fehler sagen die einen, ein Glück die anderen. In den USA hingegen ist man bereits ein Schritt weiter. Cyrus Krohn, ein ehemaliger Mitarbeiter der republikanischen Partei, und Sara Critchfield von Upworthy sprachen auf dem PDF über die emotionale Komponente von Datensätzen. Krohn verwies dabei auf ein aktuelles Vorgehen der republikanischen Partei. Die möchte durch die Analyse von Emotionen Wählerverhalten vorhersagen und so neue Wähler gewinnen. Krohns These:

Nicht die Analyse von bisherigen Nutzeraktivitäten im Internet führt zum Erfolg, sondern die Deutung von Emotionen.

Krohn begründet dies damit, dass Emotionen Handlungen auslösen und somit die Deutung von Emotionen Rückschlüsse auf das zukünftige Verhalten zulässt.

Mit Emotionalität Klicks erzeugen

Ähnlich spannend war der Vortrag von Sara Critchfield. In ihrer Präsentation erklärt sie das Erfolgsgeheimnis ihres Unternehmens Upworthy. Es liegt in der Kombination aus Emotionen und Analyse. Um Inhalte viral werden zu lassen, setzt Upworthy zum einem auf die klassische Auswertungen von Daten. So werden z. B. bis zu zehn Überschriften getestet. Zum anderen liegt der Fokus auf der emotionalen Verbindung der Redakteure zu den Stücken. Als konkretes Beispiel nannte sie das Video eines jungen Musikers, der kurz nach Veröffentlichung an Krebs verstarb.

Das brachte den zuständigen Redakteur mehrfach zum Weinen. Er erkannte daraufhin das Potential des Videos und steckte schließlich noch mehr Zeit und Energie in die Verbreitung. Das von Critchfield beschriebene Vorgehen beschränkt sich nicht nur auf ihr eigenes Unternehmen und unpolitische Inhalte, sondern war bereits im vergangenen amerikanischen Wahlkampf zu entdecken.
Und Deutschland?

In Deutschland liegt die Sammlung und Auswertung von personenbezogenen Daten im Wahlkampf noch weit hinter den USA zurück. Dies hat auf der einen Seite mit den deutlich strengeren Datenschutzvorgaben zu tun, die eine Zusammenführung unterschiedlicher Datensätze nicht zulässt. Ein anderer Grund ist die Zurückhaltung der Parteien. Trotz allem ist davon auszugehen, dass die Nutzung von Big Data in der deutschen Politik in Zukunft weiter zunehmen wird.