Aus Fehlern lernen mit Hillary

Hillary Clintons politische Karriere bleibt unvollendet (Bild: Flickr/Brett Weinstein)

Was im US-Wahlkampf schief lief, soll Deutschland nicht passieren. Robby Mook, Wahlkampfmanager von Hillary Clinton, warnt Deutschland vor Fake News und Hacks und appelliert, gemeinsam gegen sie vorzugehen.

Mirjam Stegherr

Es ist seine Niederlage, die Robby Mook so gefragt macht und die ihn nach Berlin bringt: Mook war Wahlkampfmanager von Hillary Clinton. Er hatte lange geglaubt, sie würde die Wahl gewinnen. Fake News, Bots und Hacks habe er nicht ernst genug genommen, er würde heute mehr Energien investieren, sie zu verstehen. Damit es Deutschland besser ergeht, tourt Mook durch Parteien und Stiftungen, teilt Erfahrungen und diskutiert Konsequenzen, auch mit der Stiftung Neue Verantwortung Berlin.

Jetzt komme es auf Deutschland an, die nächste Wahl sei entscheidend, um zu zeigen, dass die Demokratie feindlichen Innovationen die Stirn bietet. Internetkampagnen, Online-Fundraising, Social Media: Lange Zeit standen die Demokraten für die großen technischen Innovationen im US-Wahlkampf. 2016 war das anders. Seitdem sprechen alle von Fake News und davon, wie Falschmeldungen und Desinformationen die Wahl veränderten – zugunsten der Republikaner.

Falschmeldungen nichts Neues

Schon andere Präsidentschaftskandidaten kämpften gegen Falschmeldungen, Obama zum Beispiel gegen den Vorwurf, er sei kein Amerikaner und seine Geburtsurkunde gefälscht. 2016 änderte sich die Lautstärke, die Kraft, mit der sich Fakes verbreiteten. Russland und rechtspopulistische Medien wie Breitbart hätten ganze Netzwerke aufgebaut, Bots eingesetzt und User gekauft, um falsche Nachrichten zu streuen.

Immer wieder erwähnt Mook Beweise für Hacks aus dem Ausland, gezielte Angriffe, um Clinton zu schaden. Cyber-Security müsse zur Chefsache werden, eine Ansage von oben nicht von der IT und ein Thema für jeden im Umfeld einer Partei, auch privat. Mook wirbt für eine „neue Kultur für die Sicherheit von Daten“, erzählt, wie seine eigenen Leute Kollegen mit Phishing-E-Mails geködert haben, um sie für Security zu sensibilisieren. „Nehmt Cyber-Security ernst!“ Lange hat Mook selbst nicht verstanden, wie ernst die Hacks und das Netzwerk dahinter sind.

Empfehlungen für Deutschland

Was also ist seine Empfehlung für die Wahlkämpfe in Deutschland? Die Parteien sollten sich zusammenschließen, sagt Mook, und gemeinsam gegen Fake News vorgehen. Die Beweise aus dem US-Wahlkampf sollten genutzt werden, um weltweit Angriffe auf die Demokratie abzuwehren und Konsequenzen zu ziehen. Doch während sich deutsche Parteien bereits gegen den Einsatz von Bots ausgesprochen haben, haben sie Mook und sein Team genutzt, nur, betont er, um schneller Antworten auf Fragen zu erstellen, nicht als Lautsprecher für Meinungen und damit selber als Stimmungsverzerrer. Das hätten vielleicht irgendwelche Demokraten eingesetzt, Super-PACs, er nicht.

Nun denn, zwischen Gut und Böse ist bekanntlich viel Platz. Wahlkämpfe effizienter machen, menschliche Beziehungen aufbauen, mit Wählern in Kontakt treten, sie aktivieren und so letztlich Demokratien stärken: Das ist es, was für Mook neue Techniken auszeichnet.

Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk

Vieles von dem, was in den USA möglich ist, würde in Deutschland nicht funktionieren: Im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ werden auch Daten nahezu unbegrenzt genutzt. Daten von Wählern über ihre politischen Interessen, ihr Engagement und ihr Spendenverhalten zum Beispiel, die gezielt ausgelesen werden, um Wähler als Mitstreiter zu gewinnen. Oder Daten über die eigene Wahlhistorie, mit denen man Wähler konfrontiert, um sie zur Stimmabgabe zu motivieren. Ein Mittel für mehr Demokratie nennt Mook solche Einsätze, neue Technik sei per se „Kraft zum Guten“.

Es läge an uns allen jetzt dafür Sorge zu tragen, dass das Schlechte nicht Fuß fasst und das Gute zerstört.

Ein Trump-Tweet – und seine Geschichte

“Nicht mein Feind”: Tweet von Donald Trump. (Bild: Twitter/@realDonaldTrump)

Am Freitagabend (Ortszeit) verschickte Donald Trump einen Tweet. Erst einmal nicht ungewöhnlich. ”Feind des amerikanischen Volkes”, “krank”, “unehrlich”: Mit diesen Beschimpfungen reagierte der US-Präsident auf die jüngsten Enthüllungen zahlreicher US-Medien. Auch nicht ungewöhnlich. (Leider.)

Die ”Fake-News-Medien” seien “nicht mein Feind, sie sind der Feind des amerikanischen Volkes”, twitterte Trump. Seine Kritik bezog er auf die Tageszeitung “New York Times” sowie die TV-Sender CNN, NBCNews, ABC und CBS.

In einem ersten Tweet hatte Trump seinen Vorwurf gegen die “New York Times”, CNN, NBC “und viele mehr” gerichtet und ihn mit dem Wort “KRANK!” beendet. Diesen Eintrag löschte er aber wieder.

Die vollständige Geschichte bei “Mother Jones“.

Der republikanische Senator John McCain, ein erklärter Gegner des Staatschefs, verteidigte die freie Presse. “So machen sich Diktatoren ans Werk”, sagte er bei “Meet the Press with Chuck Todd”.

“Das normale Tagesgeschäft ist vorbei”

140 Twitter-Zeichen reichen Donald Trump oft aus (Bild: Flickr/Gage Skidmore)

Donald Trump nutzt Twitter auf beinahe fanatische Art und Weise. Oft wird der designierte US-Präsident für seine teils kruden Nachrichten verspottet. Doch Trump hat sich mit seinen Tweets einen beeindruckenden Kommunikationskanal geschaffen.

Und nun steht fest: Der 70-Jährige will auch nach seinem Amtsantritt weiter auf Twitter und in den sozialen Netzwerken aktiv bleiben. Das sagte Sean Spicer, der künftige Sprecher des Weißen Hauses, dem Sender ABC.

“Es macht die etablierten Medien verrückt, dass ihm (Trump) mehr als 45 Millionen Menschen in den sozialen Netzwerken folgen und dass sie eine direkte Konversationen haben können. Sie müssen sie nicht durch die Medien filtern. Das normale Tagesgeschäft ist damit vorbei”, so Spicer.

Spicer: “Wenn er (Trump) twittert, dann gibt es Ergebnisse, das ist eine Tatsache. Egal ob auf Twitter, bei einer Pressekonferenz, in einem Anruf oder bei einem Treffen, er wird sicherstellen, dass er jeden Tag für das amerikanische Volk kämpft.”

Benefiz-Dinner: Trump wird ausgebuht

An Buhrufe dürfte er sich gewöhnt haben: Donald Trump in New York.

Wenige Stunden nach ihrem dritten und letzten TV-Duell sind Hillary Clinton und Donald Trump erneut aufeinandergetroffen. Beim Wohltätigkeits-Dinner der Alfred E. Smith Gedächtnisstiftung in New York versuchten beide Präsidentschaftskandidaten, humorvoll miteinander umzugehen. Trump wurde dabei jedoch ausbuht.

Einige Bemerkungen des Republikaners kamen beim Publikum weniger gut an. Clinton versuche, in der Öffentlichkeit einen anderen Eindruck zu wecken als im Privaten, so Trump: “Heute Abend gibt sie vor, Katholiken nicht zu hassen.” Dafür setzte es Buhrufe, was bei dem Dinner sonst nie vorkommt.

Clinton selbst verzichtete auf solche Attacken und nahm sich auf die Schippe. Sie stelle heute keine Rechnung, sagte die Demokratin. Normalerweise verlange sie für Reden ein Honorar.

Hier das komplette Video:

Perfekt: Baldwin gibt den Trump

Viel besser geht’s nicht: Alec Baldwin als Donald Trump und Kate McKinnon als Hillary Clinton.

Alec Baldwin (“30 Rock”) hat sich zur Riege der Donald-Trump-Imitatoren gesellt. Und das auf ziemlich perfekte Art und Wiese. Mit Kate McKinnon als Hillary Clinton lieferte sich der 58-Jährige bei “Saturday Night Live” (SNL) eine Comedy-Version der ersten TV-Debatte der beiden Präsidentschaftskandidaten.

Baldwin begann mit folgendem Satz: “Guten Abend, Amerika! Ich werde so gut sein heute, ich werde so besonnen, so präsidentschaftswürdig sein, dass alle, die heute Abend zusehen, sich in die Hosen machen werden!”

Mit der berühmt-berüchtigten Trump-Tolle, gespitztem Mund und wütenden Zwischenrufen war Baldwin kaum vom Original zu unterscheiden. Auch die zum SNL-Ensemble gehörende McKinnon lieferte eine überzeugende Clinton, die freudig die Antworten ihres Gegners verfolgte und ihm gar Redezeit schenkte.

Im Netz erfährt der rund 10 Minuten lange Clip eine enorme Verbreitung. Der ursprüngliche Facebook-Post wurde bereits 16 Millionen Mal angesehen und rund 230.000 Mal geteilt. Auch auf YouTube gibt es zahlreiche Versionen des Videos.

Hier das komplette Video.

#DearNextPresident

Die amerikanische Webseite “Fusion”, die sich vor allem an Millenials richtet, hat in den letzten Wochen die Kampagne #DearNextPresident gefahren. Die simple, aber wirklich gute Idee: was sehen jungen Menschen in den USA als die wichtigsten politischen Herausforderungen an. Was ist ihre Wunschliste an den neuen Präsidenten (hoffentlich Präsidentin)?

Jetzt hat Fusion in Zusammenarbeit mit dem Weltwirtschaftsforum die Kampagne ausgedehnt und Millenials nicht nur aus den USA sondern weltweit dazu befragt. Das Ergebnis könnt ihr hier sehen:

[Disclaimer: Der Autor arbeitet für das Medienteam des Weltwirtschaftsforums]

From Russia with Love – #TrumpWon hashtag in Russland gestartet.

UPDATE:

Es gibt berechtigte Zweifel, dass der #TrumpWon hashtag tatsächlich in Russland gestartet wurde. Fest steht aber wohl, dass er einen wesentlichen Teil seines Traffics aus Russland erhalten hat. Besonders @TeamTrumpRussia hat sich dabei hervorgetan.

Den besten Überblick dazu gibt es in diesem Artikel der Washington Post.

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Bescheiden war der ja nie, der Donald. Dass er seinen vermeintlichen Sieg in der ersten TV-Debatte gegen Hillary Clinton als Twitter-Trend feiert überrascht daher niemanden.

Angesichts der in Wirklichkeit absolut unterirdischen Debatten-Performance sind andere aber schon stutzig geworden. Zum Beispiel Louise Mensch, die sich selbst als konservative Vordenkerin versteht.

Die hat es wiederum bei dem Nerd Dusty ausgegraben, der sich die Herkunft der Tweets genauer angeschaut hat.

A Question of Character(s): Hillary vs Trump on Twitter

A combination photo shows U.S. Democratic presidential candidate Hillary Clinton (L) and Republican U.S. presidential candidate Donald Trump (R) in Los Angeles, California on May 5, 2016 and in Eugene, Oregon, U.S. on May 6, 2016 respectively.

By Matthias Lüfkens

The election campaign in the United States is entering its decisive phase. Both candidates are fighting it out on every medium from newspapers to television – and social media is no exception.

So who’s top on Twitter? According to the latest Twiplomacy analysis, Donald Trump is in the lead, at least in terms of followers and engagement.

As of July this year, @realDonaldTrump had 10,267,655 followers, placing him in 177th position among the global Twitterati. If elected tomorrow, he would be the third most followed world leader. (Pope Francis has 30 million followers and India’s Prime Minister Narendra Modi has 20 million.)

With her 7,765,519 followers @HillaryClinton is in 275th position worldwide and would be the fourth most followed world leader.

Both candidates have witnessed exponential growth in the number of their Twitter followers during their respective primaries. According to Twittercounter.com, in late 2015 Trump overtook Clinton in terms of followers. His account is still growing, adding an average of 30,574 new followers per day. The @HillaryClintonaccount, meanwhile, counts 22,086 new followers each day.

Image: Wall Street Journal

Which candidate is more effective?

In terms of efficacy, Donald Trump would seem to outperform Hillary Clinton, since his tweets have been retweeted a total of 12 million times – twice as many as Clinton’s, which have been retweeted 5.5 million times.

Trump has also received 33 million likes for his tweets, almost three times as many as Clinton, who has a total of 12 million likes. Trump averages 5,639 retweets per tweet, compared with 2,154 retweets per tweet for Clinton. It’s not possible to say at this point whether the Trump campaign uses paid promotion to boost its posts.

Donald Trump, who set up his account on 18 March 2009, has sent a total of 32,697 tweets, almost five times as many tweets as Hillary Clinton, who only joined four years later, on 9 April 2013, after leaving the State Department. However, Clinton has been more prolific over the past six months, averaging 18 tweets per day compared with Trump’s 12 tweets per day.

One in every five tweets on the @HillaryClinton account is either a retweet or a quoted tweet, mainly from @TheBriefing2016 and the @HFA campaign accounts. Only 5% of Trump’s tweets are retweets or quoted tweets, including several tweets from his children @EricTrump and @DonaldJTrumpJr.

Do they talk to each other?

Hillary Clinton’s most popular tweet, with more than a million interactions, was her quip at Donald Trump to delete his Twitter account. Donald Trump replied by asking: “How long did it take your staff (…) to think that up”. It became his most popular tweet.

 

However, in general the two opponents do not directly interact with each other on Twitter.

While Hillary Clinton only mentions other Twitter users in every fifth tweet, 92 of the 580 user mentions are for the @realDonaldTrump, more than any other Twitter user mentioned on her account, including @POTUS (81 mentions) and her husband @BillClinton (51 mentions).

Donald Trump’s team, on the other hand, does not mention @HillaryClinton’s Twitter handle. Donald Trump consistently mentions other Twitter users in two-thirds of his tweets, often mentioning his own account @realDonaldTrump (226 mentions), but also @FoxNews (71 mentions), @CNN (52) and Fox News anchor @MegynKelly (42 mentions) for their allegedly biased and unfair reporting.

It remains to be seen which strategy is better: engaging with and mentioning your opponent’s Twitter account or simply ignoring it.

Neither of the two candidates are very conversational on their Twitter channels: Clinton has replied to 16 other users, including a personal message to singer Jennifer Lopez, while Trump has sent 20 @replies, to praise positive contributions and sometimes challenge media reports.

Hashtags wars

Donald Trump includes a hashtag in almost every other tweet, including #Trump2016, used 279 times, and #MakeAmericaGreatAgain, used 186 times. Hillary Clinton is more sparing, using hashtags in only 14% of her tweets; most commonly #DemDebate and #DemTownhall. She has also used hashtags to react to her opponent during the Republican National Convention (#RNCinCLE used 50 times) and the #GOPDebate.

Both candidates make good use of visuals, and both accounts post photos in 17% of their tweets. Clinton posts more videos and animated gifs (one in every six tweets). Only 5% of Trump’s tweets contain a video, and these are often a link to his YouTube channel. He also includes fewer links, with only one in every fifth containing one, while 43% of Clinton’s tweets contain a link, often to her campaign website.

Who is most followed by other world leaders?

Foreign leaders seem to favour Hillary Clinton: 124 heads of state, heads of government and ministers of foreign affairs follow the presidential candidate. Donald Trump, on the other hand, is only followed by 24 of the 800 world leaders on Twitter, including the @IsraeliPM and Ghana’s president @JDMahama. So far, neither Trump nor Clinton have reciprocated and do not follow any other foreign leader on Twitter.

Nationally, Clinton is following the @WhiteHouse, @POTUS and @FLOTUS. These official administration accounts, however, are legally prohibited to follow, endorse or @mention either candidate. Among the 690 Twitter users Clinton follows are her campaign staff as well as her husband @BillClinton and daughter @ChelseaClinton.

It is interesting to note that while President Barack Obama endorsed Hillary Clinton at the Democratic convention he has not mentioned her on the @BarackObama campaign account, which is the most followed account of any world leader (it has 76 million followers).

Donald Trump currently follows only 44 other Twitter accounts, including his different properties (hotels and golf courses), his wife @MelaniaTrump and his children @DonaldJTrumpJr, @IvankaTrump, @EricTrump and @TiffanyATrump.

And finally, it’s somewhat ironic to note that while their parents fight it out on social media, daughters @ChelseaClinton and @IvankaTrump follow each other on Twitter.

About this study

Twiplomacy is an award-winning global study of world leaders on social media, conducted by Burson-Marsteller. The 2016 edition has analysed 2,146 tweets by @realDonaldTrump and 3,198 tweets by @HillaryClinton, sent between 1 February and 27 July 2016. Find out more at @Twiplomacy

This article has been originally published by the World Economic Forum.

Der Trump-Code

Name vorne, starker Begriff hinten: Donald Trumps Sprache hat einen einfachen Code.

Donald Trumps sagenhafter Aufstieg geht weiter. Bei der jüngsten Runde der Vorwahlen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner hat Trump in den Bundesstaaten Michigan, Mississippi und Hawaii gewonnen (hier der aktuelle Stand der Delegiertenzahl). Ted Cruz, Trumps größter Rivale, konnte lediglich in Idaho triumphieren. Marco Rubio, Hoffnungsträger des Partei-Establishments, schaffte es erneut nicht, die Wähler zu überzeugen. Seiner Kampagne droht vor den wohl entscheidenden Vorwahlen am 15. März das Aus.

Trumps Erfolg gibt Rätsel auf – trotz der zahlreichen Analysen, die jüngst erschienen sind. Klar ist, dass der 69-Jährige verstanden hat, den Aufstand an der Basis der Republikaner für seine Zwecke zu nutzen. Trump setzt auf weiße und weniger gut gebildete Amerikaner, deren Lebensumstände sich in den vergangenen Jahren verschlechtert haben. Sie wollen vor allem eines: einen einfachen Plan, der die USA in eine Zeit zurückversetzt, in der das Land mehrheitlich weiß war und nicht gegen die oft schmerzhaften Folgen der Globalisierung kämpfen musste. All das drückt Trumps historisch bewährtes Kampagnenmotto “Make America great again” (“Amerika wieder groß machen”) aus.

Der Immobilien-Milliardär weiß, dass dieses Amerika, von dem seine Anhänger träumen, längst Geschichte ist. Die US-Gesellschaft wird bunter und die Globalisierung lässt sich nicht zurückdrehen. Die Wut und die Enttäuschung der Amerikaner werden dadurch nicht kleiner. Und genau darauf setzt Trump in seinem Wahlkampf. Seine Sprache ist dabei seine wohl wichtigste Waffe.

“Sie spielt eine entscheidende Rolle. Donald Trump benutzt eine Sprache, die niemand zuvor im politischen Alltag benutzt hat”, so der ehemalige Redenschreiber Barton Swaim jüngst in einem lesenswerten Interview der “Süddeutschen Zeitung”.

Swaim sagte, dass die Reden der meisten Politiker inhaltlich schwach und voller Floskeln seien. Das wichtigste Ziel der Kandidaten sei es, sichere Reden zu halten, die Gegnern keine Möglichkeiten böten, Schwachstellen oder Fehler zu finden. Die Authentizität bleibe bei so viel sprachlichem Geschwurbel auf auf der Strecke. “Bei Trump sind alle Sätze sehr kurz und pointiert”, so Swaim.

Gaga-Auftritte und bizarre Repliken

Die Erkenntnis ist nicht neu. Im Oktober vergangenen Jahres fand die Tageszeitung “The Boston Globe” heraus, dass Trump von allen Präsidentschaftskandidaten die einfachste Sprache benutzt. Trumps Reden sind so aufgebaut, dass selbst Viertklässler sie verstehen können. Zum Vergleich: Cruz’ und Rubios Aussagen haben das Wissensniveau von Achtklässlern als Grundlage.

Der Amerikaner Evan Puschak wollte es genauer wissen. Er analysierte Trumps Rhetorik durch einen Auftritt bei Latenight-Talker Jimmy Kimmel. Wichtigstes Ergebnis: Trump gelingt es durch teils skurrile Satzkonstruktionen, den stärksten Begriff oft ans Satzende zu stellen. Hier das komplette YouTube-Video:

Der Trumps Sprachcode ist also entschlüsselt. Schadet ihm das? Die jüngsten Ergebnisse lassen das Gegenteil vermuten. Trump siegt weiter – und muss sich über die Attacken seiner Gegner und von Parteigrößen wie Mitt Romney und John McCain offenbar keine Sorgen machen. Die Repliken des republikanischen Frontrunner nehmen mittlerweile teils bizarre Formen an.

Barton Swaim zufolge machen Trumps Gaga-Auftritte in diesem Jahr offenbar den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage aus. “Viele Leute finden seine Rhetorik erfrischend. Ich mag ihn nicht als Kandidaten, aber ich kann verstehen, warum er die Leute fasziniert. Um ehrlich zu sein: Ich muss bei seinen Reden oft laut lachen. Und als Autor weiß ich: Wer jemanden zum Lachen bringt, dem gehört die Sympathie des Zuhörers.”

Die Lehren aus der Vorwahl in Iowa

Schlechter Start: Bei der Vorwahl in Iowa landete Donald Trump nur auf Platz zwei.

1. Trump kann tatsächlich verlieren   

Loser, Versager, Underperformer: Natürlich kennt Donald Trump diese Wörter. Allerdings hat er sie bislang nur dazu benutzt, um politische Gegner und Rivalen zu diffamieren. Nun ist Trump jedoch selbst zum Loser geworden. Die ersten Präsidentschafts-Vorwahlen verlor er krachend. Im Bundesstaat Iowa zog sein republikanischer Konkurrent Ted Cruz locker davon. Der Sieg des 45-jährigen Senators aus Texas ist ein schwerer Schlag für Trump, der das Bewerberfeld seit Monaten anführt. Er machte schnell klar, wer für sein schlechtes Abschneiden verantwortlich ist: die Medien.

Kurz nach der Wahl verbreitete sich ein Tweet von Trump aus dem Juni 2014 wie ein Lauffeuer im Internet. “Keiner erinnert sich daran, wer als Zweiter ankam”, zitierte der umstrittene Milliardär den legendären US-Golfer Walter Hagen.

2. Nach der Wahl ist vor der Wahl

Der Ausgang der Vorwahl ist für den selbstbewussten Trump schmerzhaft. Doch der 69-Jährige weiß, dass Iowa nur der Auftakt zu einem Wahlmarathon war, der erst im Juni enden wird. In der Politik ist das eine Ewigkeit. Schon am 9. Februar geht es, “You betcha!“, in New Hampshire weiter. Trump hat genügend Zeit für ein Comeback – die Umfragen dürften ihm Mut machen. Dazu kommt: Iowa ist kein Spiegelbild der USA. Der Bundesstaat ist weißer, ländlicher und konservativer als das übrige Land. Zur Erinnerung: 2008 gewann Mike Huckabee in Iowa, 2012 Rick Santorum. Beiden Republikanern gelang es nicht, genügend Stimmen für die Nominierung zu bekommen.

3. Der wahre Sieger ist Rubio

Marco Rubio landete in Iowa zwar nur auf dem dritten Platz, jedoch fuhr er ein starkes Ergebnis ein. Fast hätte der Senator aus Florida seinen Rivalen Trump überholt. “Wir haben den ersten Schritt unternommen, aber einen wichtigen Schritt, um die Nominierung zu gewinnen”, erklärte Rubio bei einer Kundgebung in Des Moines. Sein Ergebnis dürfte bei den Republikanern für Erleichterung sorgen. Der 44-Jährige ist unter dem Spitzentrio der einzige Politiker, der moderat genug auftritt, um bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl am 8. November eine Mehrheit der Wähler von sich überzeugen zu können.

Auf seiner Webseite findet sich bereits der Begriff “Marcomentum”, eine Mischung aus Rubios Vornamen und dem Begriff Momentum, also dem Entstehen einer immer größer werdenden Bewegung, also eines politischen Siegeszugs. 2008 gelang dies beispielsweise einem jungen demokratischen Senator aus Illinois. Sein Name: Barack Obama. Rubios Chancen auf Unterstützung durch prominente Wahlkampfhelfer und Großspenden dürften nach der Wahl in Iowa steigen.

4. Sanders “Revolution” geht weiter

Bei den Demokraten lieferten die sich Favoritin Hillary Clinton und ihr Rivale Bernie Sanders ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Clinton gewann zwar, jedoch blieb unter dem Strich ein hauchdünner Vorsprung von gerade einmal 0,3 Prozentpunkten. Bei den Demokraten ist der Wahlkampf zwischen Clinton und Sanders noch lange nicht vorbei. ”Die politische Revolution hat gerade erst begonnen”, hieß es auf der Facebook-Seite des Senators aus Vermont.

5. Clintons knapper Sieg überrascht

Die ehemalige Außenministerin hat einen steinigen Weg vor sich. Schon wieder. Die Vorwahlen im Jahr 2008 entwickelten sich für Clinton zum Albtraum. In ihrer Kampagne präsentierte sie sich bereits als designierte Kandidatin. Nach einem dramatischen Wahlkampf konnte sich Obama die Nominierung sichern. Acht Jahre später hatte Clinton  genügend Zeit, ihre Kampagne vorzubereiten. Gemeinsam mit Ehemann Bill verfügt die 68-Jährige über das wohl einflussreichste Netzwerk in der US-Politik. Geldsorgen muss sich Clinton dank kräftiger Unterstützung aus der Finanzbranche keine machen. Ihr knapper Sieg überrascht daher umso mehr.

6. Die Favoritin hat ein Problem mit Liberalen 

Nach der Wahl trat Clinton erkennbar gefrustet vor die Kameras. Lautstark sprach sie von einem “Wettkampf der Ideen” und bezeichnete sich als Reformerin und progressive Politikerin. Das zeigt: Clintons Kampagne droht eine Zerreißprobe. Einerseits will sich die Demokratin als pragmatische Alternative zu Sanders präsentieren, die Probleme aufgrund ihrer Erfahrung lösen kann. Doch die Basis ist unzufrieden und fordert frische Ideen. Sanders kann diese Sehnsucht mit seinen radikalen Forderungen befriedigen. Zieht Clinton nun nach und versucht sich als linke Populistin? Zuletzt attackierte sie bereits die Pharma- sowie die Finanzbranche und beklagte die soziale Ungleichheit in den USA.

7. Sanders baut auf die Jungen

Umfragen zeigen, dass vor allem Wähler unter 30 Jahren den 74-jährigen Sanders unterstützen. Clinton dagegen rekrutiert die meisten ihrer Fürsprecher aus dem Lager der 45- bis 64-Jährigen. Der selbsternannte “demokratische Sozialist” kann damit auf eine Wählergruppe bauen, die besonders engagiert und mit einer gehörigen Portion Idealismus zur Sache geht. Es bleibt abzuwarten, ob sich Sanders’ Anhänger im Falle einer Niederlage geschlossen hinter Clinton stellen, hinter die Vertreterin des so ungeliebten Washingtoner Politsystems

8. Sanders hat Heimvorteil, Clinton hat Geld

Umfragen zufolge liegt Sanders in New Hampshire, einem Nachbarstaat von Vermont, klar vor der Favoritin. Siegt der Senator dort nach seinem starken Abschneiden in Iowa, wird Clintons Nervosität und die der Demokraten in Washington spürbar wachsen. Doch – und auch das hat Iowa gezeigt – stimmen die Wahlumfragen nicht immer mit der Wirklichkeit überein. Zuletzt sagten Demoskopen Siege von Trump und Clinton voraus. Weitaus spannender ist, wie sich Sanders Kampagne in den kommenden Wochen entwickeln wird. Clinton mag angeschlagen sein, jedoch verfügt ihr Team über die nötigen finanziellen Ressourcen und organisatorischen Strukturen in den einzelnen Bundesstaaten, um bestens vorbereitet in die monatelange Wahlschlacht zu ziehen.

9. Das Bewerberfeld lichtet sich

Bei den Republikanern lichtete sich nach der Vorwahl in Iowa das Bewerberfeld: Mike Huckabee erklärte auf Twitter das Ende seiner Wahlkampfkampagne. Der frühere Gouverneur von Arkansas hatte sich bereits vor acht Jahren erfolglos um das Präsidentenamt bemüht. Wenig später zogen Senator Rand Paul (Kentucky) und Rick Santorum nach. Bei den Demokraten gab auch Martin O’Malley seine Ambitionen auf das Präsidentenamt auf. Seine Partei müsse sich geschlossen hinter einen Kandidaten stellen, sagte O’Malley.

US-Republikaner: Scott Walker verkündet Kandidatur

“Ich bin dabei”: Scott Walker will für die Republikaner ins Weiße Haus einziehen.

Er ist Nummer 15: Der US-Republikaner Scott Walker hat seine Präsidentschaftsbewerbung verkündet. “Ich bin dabei. Ich bewerbe mich als Präsident, weil die Amerikaner einen Anführer verdienen, der für sie kämpft und gewinnt”, schrieb der Gouverneur des Bundesstaats Wisconsin bei Twitter. Der 47-Jährige liegt in Umfragen derzeit in der Spitzengruppe.

Vor Kandidatur: Jeb Bush zeigt Wahlkampf-Logo

Wer braucht schon einen Nachnamen: Jeb Bushs neues Titelbild bei Facebook.

Die Zeit der Spekulationen neigt sich dem Ende zu. Morgen dürfte der US-Republikaner Jeb Bush seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2016 bekannt geben. Der Ex-Gouverneur von Florida will sich während einer Großkundgebung in einem College in Miami äußern. Die Ankündigung einer solchen Kandidatur ist ein exakt durchgeplantes Politmanöver, das möglichst viel Aufmerksamkeit erregen soll.

Ein Blick auf Bushs Facebook-Seite zeigt jedoch: Dort ist die Kandidatur längst Realität. Ein aktualisiertes Titelbild zeigt Bush mit dem Slogan “Jeb 2016!”, dazu kommt ein frisches Kampagnenvideo. Das entsprechende Logo hatte Bush bereits via Twitter veröffentlicht. Nun fehlt nur noch die Kampagnen-Webseite. Ein wenig Spannung bleibt also.

Jeb Bushs Wahlkampf-Logo

Das ist Hillary Clintons erster Instagram-Post

Hillary Clinton will sich 2016 zur ersten US-Präsidentin wählen lassen. 

Kanzlerin Angela Merkel hat es vorgemacht: Nun verfügt auch Hillary Clinton, favorisierte Präsidentschaftskandidatin der Demokraten für die Wahl 2016, über einen eigenen Instagram-Account. Dieser zieht viel Aufmerksamkeit auf sich: Kurz nach dem Start hat der Kanal bereits über 25.000 Abonnenten.

Das erste Foto zeigt eine patriotisch zusammengestellte Auswahl an Kleidern. Der dazugehörige Kommentar lautet: “Hard choices”. Es ist eine Anspielung auf Clintons im Juni vergangenen Jahres erschienenen Buchs “Entscheidungen“.

Patriotischer Start: Hillary Clintons erster Instagram-Post.

“Hallo Twitter! Hier ist Barack. Wirklich!”

Gelungener Einstand: Ab sofort twittert US-Präsident Barack Obama persönlich.

Drei Tweets, zwei Millionen Follower: Mit seinem neuen Twitter-Account hat US-Präsident Barack Obama (@POTUS) einen rekordverdächtigen Start hingelegt. Am Montagmorgen erklärte der 53-Jährige: ”Hallo Twitter! Hier ist Barack. Wirklich! Sechs Jahre dabei, und schließlich geben sie mir meinen eigenen Account.” Dieser erste Tweet wurde bislang rund 260.000 Mal weitergeleitet und über 360.000 Mal favorisiert.

Das Weiße Haus nutzt Twitter bereits seit 2009 für Mitteilungen (@WhiteHouse), Obama selbst hatte hin und wieder Nachrichten mit dem Kürzel “-bo” verschickt. Dazu benutzt Organizing for Action, die Nachfolgeorganisation von Obamas Wahlplattform aus dem Jahr 2008, den Account @BarackObama. Rund 60 Millionen Nutzer sind dort Follower.

Ex-Präsident Bill Clinton ließ es sich nicht nehmen, nachzufragen, ob Obamas neuer Account auch nach dessen Amtszeit zur Verfügung stehe. Clinton frage für einen Freund nach – eine Anspielung auf seine Frau Hillary, die jüngst ankündigte, im kommenden Jahr als demokratische Präsidentschaftskandidatin antreten zu wollen. Obama antwortete, dass die Nutzung mit dem Amt verbunden sei. Im Anschluss fragte er: “Eine Ahnung, ob jemand Interesse an @FLOTUS hat?” Dahinter verbirgt sich der Twitter-Account von Obamas Frau Michelle.

Obama wiederum spielte damit auf Bill Clintons (noch unklare) Rolle während einer möglichen Präsidentschaft seiner Frau an. Flotus ist die Abkürzung für “First Lady of the United States”.