Die Tod-Lüge

US-Präsident Donald Trump polarisiert (Bild: Flickr/Gage Skidmore)

Teresa Elliott wusste, dass ihr Ex-Mann bald sterben würde. Michael Garland Elliott, 75 Jahre alt, litt an einer Herzinsuffizienz. Zuletzt ging es ihm gesundheitlich immer schlechter. In seinem Haus in der Nähe von Portland (Bundesstaat Oregon) lag er in seinem Bett im Sterben. Freunde und Nachbarn waren an seiner Seite.

Eine Person fehlte jedoch: Teresa Elliott. Auch nach ihrer Trennung blieben die Elliotts enge Freunde. Teresa war sich darüber im Klaren, dass sie es von Texas aus, wo sie nun lebte, nicht rechtzeitig nach Portland schaffen würde.

Michaels Freunde wussten um die besondere Beziehung. Sie riefen dessen Ex-Frau an und informierten sie über die aktuelle Situation. Am 6. April verabschiedeten sich die Elliotts am Telefon voneinander.

Eine Sache wollte sich Teresa nicht nehmen lassen. Sie entschied sich dafür, ihrem sterbenden Ex-Mann eine letzte Sache zu sagen. Ihr war jedoch klar, dass es sich um eine Lüge handelte.

“Trump wurde des Amtes enthoben”

Sie wusste, dass Michael ein leidenschaftlicher Anhänger der Demokraten war. Für den neuen Präsidenten – ein “abscheuliches Individuum” – hatte er nur Verachtung übrig. Also sagte Teresa: ”Donald Trump wurde des Amtes enthoben.” Wenig später starb Michael. Friedlich und sicherlich ein Stück weit versöhnt mit der politischen Situation in seinem Land.

Und wie drang all das an die Öffentlichkeit? Durch einen Nachruf, den die Zeitung “The Oregonian” abdruckte. Der Text erfuhr im Internet eine enorme Verbreitung. Im Gespräch mit der “Washington Post” bestätigte Teresa Elliott die Geschichte.

Und wer weiß? Vielleicht wird aus der Lüge irgendwann einmal die Wahrheit. Allan Lichtman, der US-Politikwissenschaftler, der den Sieg des Republikaners voraussagte, geht von einem vorzeitigen Ende von Trumps Präsidentschaft aus.

Hier ein Interview mit Lichtman in der Sendung “Morning Joe”:

“Get Out” – das Grauen zeigt sich von der netten Seite

“Get Out” läuft ab dem 4. Mai in deutschen Kinos (Bild: Universal Pictures)

“Eine Horrorsatire über Rassismus”: So beschreibt “Der Spiegel” den Film “Get Out” von Jordan Peele, der am 4. Mai in den deutschen Kinos anläuft. Wir freuen uns jetzt schon auf den nicht nur von der “New York Times” gefeierten Streifen.

Die bei Film- und Serienfans beliebte Webseite “Rotten Tomatoes” adelte ”Get Out” mit 99 Prozent Zustimmung. Die Wertung der Filmdatenbank IMDB: 8.2 von möglichen 10 Punkten. Die Webseite “Metacritic”, die aus mehreren Kritiken einen Durchschnittswert errechnet, vergibt 84 (von möglichen 100) Punkten. Dazu kommt ein enormer kommerzieller Erfolg.

Noch immer nicht überzeugt? Der Trailer dürfte das ändern:

Darauf ein Bier!

Logo des Fake News Ale (Bild: Northern Maverick)

Haben Sie auch gefastet? 40 Tage lang? Auf Zigaretten verzichtet? Schokolade? Smartphone? Oder Bier? Wer durchgehalten hat, dem gratulieren wir an dieser Stelle.

Und zwar mit einem Gif von, na klar, Barack Obama:

via Giphy.com

 

Aber Obama ist ja nicht mehr US-Präsident. Donald Trump trifft jetzt die Entscheidungen in Mar-a-Lago im Weißen Haus. Ende April steht sein 100. Tag als Staatschef an. It’s true.

Wir hier bei “Amerika wählt” haben uns mit Trumps Wahl lange schwer getan. Aber es muss ja weitergehen. (Fünf Euro ins Phrasenschwein!)

Von daher widmen wir diesen Post gleich zwei Ereignissen: dem Ende der Fastenzeit und dem langen Kampf gegen Trumps oft unverschämter Faktenverdrehung. Bier ist dafür ein gutes Symbol, oder?

Clevere PR-Aktion

Wir wissen es ehrlich gesagt nicht. Aber folgende Nachricht war einfach zu gut, um sie nicht aufzugreifen: Die kanadische Craft-Beer-Brauerei Northern Maverick hat angekündigt, ein Fake News Ale zu verkaufen.

Leider wird es das Getränk ab Sommer nur in Ontario geben. Aber: Die Folgen der Aktion könnten gravierend sein. Denn die Brauerei will von jeder verkauften Dose fünf Prozent des Preises spenden, um eine “fragwürdige” politische Entscheidung zu revidieren.

Ob sich das Northern-Maverick-Angebot nur auf das eigene Land oder auch den Rest der Welt bezieht, ist offen. Aber die Idee an sich ist gut. Und das Logo auch.

Von daher steuern wir unseren Teil dazu bei, die clevere PR-Aktion in die unendlichen Weiten des Internets zu tragen.

In diesem Sinne: frohe Ostertage.

Das Fake News Ale gibt es ab Sommer in Ontario (Bild: Northern Maverick)

“Die Hoffnung stirbt zuletzt”

“Sorge mich um die Ideale der USA”: Claus Dierksmeier in Berlin. (Bild: Lena Kiesewetter)

Claus Dierksmeier, 45, ist Direktor des Weltethos-Instituts an der Universität Tübingen. Anfang April war der Philosoph zu Gast im Aspen-Institut in Berlin. Dort sprach er über die Idee der Freiheit und die Rolle des Liberalismus. Im Anschluss nahm sich Dierksmeier Zeit für ein Interview mit “Amerika wählt”.

Amerika wählt: Herr Professor Dierksmeier, was haben Sie gedacht, als am Morgen des 9. Novembers feststand, dass Donald Trump neuer US-Präsident wird?

Claus Dierksmeier: Ich war enttäuscht und besorgt. Ich habe zehn Jahre lang in den USA gewohnt, habe dort mütterlicher- und väterlicherseits Familie, zudem ist meine Ehefrau Amerikanerin. Meine Reaktion war also zunächst eine private.

Dann folgte die berufliche Reaktion, die Sorge um das Erdenrund. Die Programmatik, die wir am Weltethos-Institut verfolgen, zielt auf ein friedliches globales Miteinander und vertritt säkulare wie spirituelle Argumente für ein menschheitlich-gemeinsames Ethos. Grundlage dafür ist die verantwortliche Freiheit aller. Entscheidet sich nun ausgerechnet das Land, das sich stets als Hafen der Freiheit verstanden hat, für einen Politiker wie Donald Trump, ist das ein Schock.

Für welchen Freiheitsbegriff steht Trump?

Für einen verdrehten und verkürzten. Trump scheint die Freiheit offenbar wie ein Stück Papier anzusehen. Es wird kleiner, je mehr Stückchen abgerissen und vergeben werden. Deswegen spielen Mauern – geistige wie physische –für ihn eine so große Rolle. Trump sieht nicht, dass Freiheit eher wie ein Licht ist. Je öfter dieses geteilt wird, desto heller strahlt es.

Verspielen die USA ihr Erbe als „Land of the free“?

Ich sorge mich schon länger um die Ideale der USA. Trump ist letztlich das Resultat einer Bewegung, die sich seit Jahrzehnten aufbaut. Wir haben in unserem Land öffentliche Medien, ein öffentliches Bildungssystem und ein daran geschultes gesellschaftliches Urteilsvermögen. In den USA sind die öffentlichen Medien zu vernachlässigen. Für Stimmungen und Meinungen sind private Medien zuständig. Diese wiederum sind abhängig von bestimmten Interessen – seien es die von Quoten, der Werbekunden oder die privater Geldgeber.

Ähnliches gilt für das Bildungssystem, das, wo es auf Qualität ankommt, fast ausschließlich in privater Hand ist. Wo man aber die Studierenden als Kunden ansieht oder von Geldgebern aus der Industrie abhängig ist, bleiben unbequeme Wahrheiten im Unterricht oft außen vor. Nicht die Bürger insgesamt geben die Richtlinien vor – wie in unserem überwiegend steuerfinanzierten Bildungssystem –, sondern bestimmte Schichten.

Seit Jahrzehnten wird auf diese doppelte Art und Weise der politische Diskurs in den USA beeinflusst. Die Personalisierung der Wahlkämpfe, der Druck zur radikalen Vereinfachung, die Ablehnung unbequemer Wahrheiten, all das sind Tendenzen, die aus der Kunden- und Kommerzorientierung eines überwiegend privatwirtschaftlich betriebenen Meinungs- und Bildungssytems resultieren. Trumps Aufstieg vom Reality-Star zum Präsidenten ist das konsequente Ergebnis dieses Prozesses.

Ein Fan von Mauern: US-Präsident Donald Trump. (Bild: Flickr/Gage Skidmore)

Die Politik und die Gesellschaft der USA sind tief gespalten. Es gibt ein „rotes“ und ein „blaues“, ein konservatives und ein progressives Amerika. Kann das Land diese Spaltung überwinden?

Die Hoffnung stirbt zuletzt. In der Tat gibt es bei den Lebensstilen und bei den politischen Orientierungen fundamentale Unterschiede. Das Gerrymandering, die dem Stimmgewinn dienende Manipulation von Wahlkreisgrenzen, verstärkt diese Tendenzen. Das Problem, das die Amerikaner lösen müssen, setzt an ihren Grundwerten an.

Die zentrale Ideologie des US-Gemeinwesens ist nämlich die Idee der Freiheit – losgelöst von ethnischen, kulturellen oder religiösen Grenzen. Die USA müssen wieder ein Verständnis der Freiheit entwickeln, das weder die eine noch die andere Seite der Bevölkerung als Feinde derselben ausgrenzt und das zugleich so kosmopolitisch ist wie die Idee der Freiheit selbst.

Trumps Vorgänger Barack Obama verfolgte als Präsident einen humanistischen und moralisch-legitimierten Ansatz. Nach acht Jahren wählten die USA die Republikaner an die Macht. Musste Obama, der oft als Philosophenkönig beschrieben wurde, zwangsläufig scheitern?

Nein, nicht zwangsläufig. Dass der Konsistenz seines Denkens keine Kohärenz in der Praxis folgte lag eher daran, dass Obama oft die Mehrheiten im Kongress fehlten. Daher konnten die Republikaner gezielt verhindern, dass er die Früchte seiner Arbeit erntet. Dennoch sind viele Amerikaner noch immer von Obama begeistert. Nicht er – oder seine politischen Ideale – wurden abgewählt, sondern etliche Wähler wollten eher Hillary Clinton verhindern beziehungsweise abstrafen. (Interview: Johannes Altmeyer)

Im Mai 2016 erschien im Transcript-Verlag Claus Dierksmeier Buch “Qualitative Freiheit – Selbstbestimmung in weltbürgerlicher Verantwortung“.

Trumps schlimmster Tag als Präsident

Der Druck auf US-Präsident Donald Trump wächst (Bild: Flickr/Gage Skidmore)

Für Donald Trump wird es politisch ungemütlich. Und das bereits am 60. Tag seiner Präsidentschaft.

Denn FBI-Chef James Comey hat mitgeteilt, dass seine Behörde mögliche Verbindungen von Trumps Wahlkampfteam mit Russland untersucht – und das bereits seit Juli 2016. Comey sagte auch, dass das FBI über keine Informationen verfüge, die Trumps Abhörvorwürfe in Richtung seines Amtsvorgängers Barack Obama belegten. Comey äußerte sich im Geheimdienstausschuss des Abgeordnetenhauses.

Es geht um brisante Fragen: Hat Russland sich in den US-Wahlkampf eingemischt? Hat Trumps Team im vergangenen Jahr mit Moskau zusammengearbeitet? Was wusste der damalige Präsidentschaftskandidat der Republikaner?

Die US-Geheimdienste glauben, dass Russland hinter Cyberangriffen auf die demokratische Partei steht. Beweis dafür gibt es nicht. Comeys selbstbewusster Auftritt dürfte die Diskussionen erneut anheizen.

Für Trump ist all das ein Desaster. Denn im Fokus der Untersuchungen steht der engste Kreis des Staatschefs – zum Beispiel Ex-Wahlkampfchef Paul Manafort. Sicherheitsberater Michael Flynn musste aufgrund von widersprüchlichen Aussagen über seine Kontakte mit dem russischen US-Botschafter bereist zurücktreten.

Trump musste noch einen Tiefschlag einstecken.

Am 4. März hatte der Republikaner via Twitter behauptet, dass Barack Obama („kranker Typ“) ihn während des Wahlkampfs im Trump-Tower habe abhören lassen. Comey konnte das nicht bestätigen. Mehr noch: Ein Präsident könne ein solches Abhören gar nicht anordnen.

Zuvor hatte Trump via Twitter versucht, alle Vorwürfe auf die Demokraten abzuwälzen. Viel wichtiger sei es, die Personen zu finden, die seit Wochen geheime Informationen an die Öffentlichkeit leakten. Comey entkräftete die Tweets während seiner Befragung – live im TV.

Tweet von Joe Scarborough (Screenshot: Twitter/@JoeNBC)

Der populäre TV-Moderator Joe Scarborough (“Morning Joe”) twitterte: “Ich dachte, Freitag war der schlimmste Tag in Donald Trumps Präsidentschaft. Ich habe mich geirrt. Er ist heute.”

Das Weiße Haus wollte die Abhörvorwürfe gegen Obama nicht zurücknehmen. Regierungssprecher Sean Spicer sagte, die Aussage von Comey habe nichts an der Lage geändert.

“Karikatur eines Präsidenten”

Screenshot: Twitter/McDonaldsCorp

“Ekelhafte Karikatur eines Präsidenten”: Hacker haben über den Twitter-Account von McDonald’s in den USA beleidigende Botschaften an Donald Trump gesendet. Wenig später war die Nachricht gelöscht, der Fastfood-Konzern entschuldigte sich für den Tweet. Im Internet verbreiteten sich trotzdem Screenshots der Nachricht.

(Den Teil mit den “winzigen Händen” finden wir lustig. Sehr sogar.)

Ein Trump-Tweet – und seine Geschichte

“Nicht mein Feind”: Tweet von Donald Trump. (Bild: Twitter/@realDonaldTrump)

Am Freitagabend (Ortszeit) verschickte Donald Trump einen Tweet. Erst einmal nicht ungewöhnlich. ”Feind des amerikanischen Volkes”, “krank”, “unehrlich”: Mit diesen Beschimpfungen reagierte der US-Präsident auf die jüngsten Enthüllungen zahlreicher US-Medien. Auch nicht ungewöhnlich. (Leider.)

Die ”Fake-News-Medien” seien “nicht mein Feind, sie sind der Feind des amerikanischen Volkes”, twitterte Trump. Seine Kritik bezog er auf die Tageszeitung “New York Times” sowie die TV-Sender CNN, NBCNews, ABC und CBS.

In einem ersten Tweet hatte Trump seinen Vorwurf gegen die “New York Times”, CNN, NBC “und viele mehr” gerichtet und ihn mit dem Wort “KRANK!” beendet. Diesen Eintrag löschte er aber wieder.

Die vollständige Geschichte bei “Mother Jones“.

Der republikanische Senator John McCain, ein erklärter Gegner des Staatschefs, verteidigte die freie Presse. “So machen sich Diktatoren ans Werk”, sagte er bei “Meet the Press with Chuck Todd”.

Donald Trump startet Wahlkampf 2020

Donald Trump ist erst seit vier Wochen US-Präsident. (It’s true.) Trotzdem befindet sich der Milliardär schon wieder im Wahlkampfmodus. In einer Rede vor Unterstützern in Melbourne (Bundesstaat Florida) hat Trump erneut gegen die Medien ausgeteilt. Sie seien Teil des korrupten Systems, kritisierte er.

Erstaunlich: Die Versammlung wurde von Trumps Walkampfteam organisiert und nicht vom Weißen Haus. Reporter wollten vom Staatschef denn auch wissen, ob es nicht zu früh für den Start einer neuen Kampagne sei. Trumps Antwort: “Das Leben ist eine Kampagne.” Auch sein Motto “Make America Great Again” sei eine Kampagne.

Der Wahlkampf 2020 ist eröffnet – 3 Jahre und 9 Monate vor der eigentlichen Abstimmung.

“Wie eine fein abgestimmte Maschine”

War was?

Donald Trump ist mit seinen ersten vier Wochen als US-Präsident durchweg zufrieden. Vermutlich sei noch nie ein US-Präsident in so kurzer Zeit so erfolgreich gewesen wie er, sagte der 70-Jährige während einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Er warf, na klar, den Medien vor, seine Erfolge zu verschwiegen. Trump: “Diese Regierung arbeitet wie eine fein abgestimmte Maschine.”

Hier das Video der gesamten Pressekonferenz:

“Quartz” hat die neun “verrücktesten” Momente von Trumps Auftritt zusammengefasst. Der Kommentar von “Spiegel Online”: “Einen Arzt, bitte!”

Wir schließen uns an.

Wie dieser Mann Donald Trump bloßstellt

Rotmaler: Andrew Boynton vom “New Yorker”. (Bild: Facebook/The New Yorker)

Andrew Boynton ist Redakteur des US-Magazins “The New Yorker“. Jüngst analysierte er Donald Trumps Rede zum Start des Black History Month. Dabei stellte er den US-Präsidenten auf denkbar einfache Art bloß. It’s true.

Zum Video gut es hier.