Kasich platzt der Kragen: Was ist aus unserer Partei geworden?!

Milford, N.H. Town Hall 10-23-15

“What has happened to our Party?”

John Kasich, Governeur in Ohio, ist ein Kandidat der leisen Töne. In seinen Wahlkampfauftritten wirbt er für einen ausgeglichenen Haushalt, stabile Militärausgaben und die Förderung des Mittelstandes. Er hält sich zurück, wo andere gegen Washington keilen, und vertritt eine für republikanische Verhältnisse moderate Position in sozialen Belangen.

In einem Vorwahlkampf, der vielleicht stärker als je zuvor von Zuspitzungen, Vereinfachungen und Polemik geprägt ist, hat er sich damit nicht als Liebling der Medien oder seiner Parteibasis hervorgetan. Zugleich fehlt ihm die Unterstützung des Partei-Establishments in dem Maße, wie Rubio oder Bush sie bekommen.

Da ist es schwierig, gegen den großmäuligen Donald Trump oder den programmatisch flexiblen Carson zu bestehen, die vor allem auf ihre Gegner eindreschen und sich nicht unnötig mit Inhalten oder Fakten aufhalten.

“What has happened to the Conservative Movement?”

Doch gerade deshalb ist Kasich jetzt auf einer Wahlkampfveranstaltung der Kragen geplatzt. Unter dem Gelächter seiner Anhänger erklärte er, dass er die “Schnauze voll” habe. Die politischen Konzepte seiner innerparteilichen Konkurrenten seien schlichtweg verrückt, unsozial und nicht finanzierbar. Obwohl er dabei keine Namen nannte – Kasich bleibt eben doch Kasich – wurde er doch deutlich genug: Warum bei der 10% flat tax (Carson) innehalten, wenn man doch Steuern ganz abschaffen könne, so Kasich ironisch. Dazu sollte jeder US-Bürger noch ein Huhn geschenkt bekommen. Oder wie solle man sich das eigentlich vorstellen, mehrere Millionen Menschen zur Grenze zu bringen und auszuweisen (wie es Trump vorgeschlagen hat).

Als Strategie durchaus intelligent und so dürfte der Wutausbruch trotz echter Empörung letzten Endes nicht spontan ausgefallen sein. Ob der kalkulierte Ausbruch Kasich hilft, sich besser als der moderate Kandidat zu positionieren, der auch in den eigentlichen Präsidentschaftswahlen eine Mehrheit der Wähler um sich scharen kann, bleibt abzuwarten. Klar ist aber schon, dass das Medienecho gewaltig ausgefallen ist.

Warum es für Clinton zurzeit nicht besser laufen könnte

Eingespieltes Duo: Bill und Hillary Clinton in Iowa.

Tja, wir haben es verpasst. Leider. Terminstress, Vergesslichkeit, Faulheit: Irgendwie kam gestern alles zusammen. Von daher holen wir das jetzt einfach nach: alles Gute zum Geburtstag, Hillary Clinton. 68 Jahre ist die ehemalige First Lady und Außenministerin der USA geworden. Aber, machen wir uns nichts vor, es wird Clinton ziemlich egal sein, ob Amerika wählt an ihren Geburtstag denkt oder nicht. Für die Demokratin läuft es im Vorwahlkampf zurzeit ausgesprochen gut. Die vergangenen Tage dürften daher Clintons größtes Geschenk gewesen sein.

Clinton überzeugte in der ersten TV-Debatte der Demokraten, ihr Rivale Bernie Sanders trat als weltfremder Sozialist auf (und erlangte erst durch eine “Saturday Night Live”-Parodie Berümtheit), im Kongressausschuss zum Bengasi-Anschlag stritten sich ihre Rivalen lieber untereinander und dann teilte auch noch Vizepräsident Joe Biden mit, nicht ins Rennen um die Nachfolge von Präsident Barack Obama einzusteigen. Für das Web-Magazin “The Federalist” steht fest: “Clinton ist unausweichlich.”

Dazu kam ein beinahe surreal anmutender Kampf bei den Republikanern um die Nachfolge von John Boehner als Vorsitzender des Repräsentantenhauses.

Vor wenigen Tagen teilte Ex-Präsidentschaftskandidat Paul Ryan mit, für das Amt kandidieren zu wollen. Doch wird es Ryan gelingen, die erzkonservativen Tea-Party-Anhänger (“Freedom Caucus”) einzubinden? Der nun erreichte Budgetkompromiss geht auf Boehners Konto – Ryan dürfte das nur wenig Spielraum verschaffen.

Die chaotischen Zustände bei den Republikanern haben nicht nur Ryan beschädigt. Sie zeigen auch, warum der vermeintliche Spitzenkandidat Jeb Bush bei aktuellen Umfragen nur bei rund sieben Prozent liegt. Die Parteibasis legt keinen Wert auf politische Erfahrung und Kompromissfähigkeit – sie liebäugelt lieber mit dem exzentrischen Milliardär Donald Trump und dem Außenseiter Ben Carson.

Halloween geht bei Clinton vor

Clinton marschiert, ihre Gegner kapitulieren oder versinken in machtpolitischen Grabenkämpfen. Gemeinsam mit Ehemann Bill kann sie daher in Ruhe Spenden einsammeln und um Wähler werben. Der jüngste Post auf Clintons offizieller Facebook-Seite verdeutlich das. Dort geht es nicht um politische Themen, sondern um Vorschläge für ein gelungenes Halloween-Kostüm.

Es läuft also rund für Clinton. Ihr Geburtstag hat das verdeutlicht. 68 Jahre? Vor der Kandidatur der Demokratin gab es immer wieder Diskussionen über ihr Alter. Schließlich gab es mit Ronald Reagan und William Henry Harrison nur zwei Politiker, die mit einem vergleichbaren oder höheren Alter ins Weiße Haus einzogen.

Clinton selbst erstickte alle möglichen Zweifel im Keim: Elf Stunden lang trotze sie entspannt und meist gut gelaunt dem Kreuzfeuer im Bengasi-Ausschuss. Danach sorgten vor allem Gifs ihrer lässigsten Gesten für Aufsehen im Netz. Virale Beliebtheit: Wer braucht da noch Glückwünsche zum Geburtstag?

Wahl 2016: Biden verzichtet auf Kandidatur

Nun ist es raus: Joe Biden will nicht US-Präsident werden.

Die Entscheidung ist gefallen: US-Vizepräsident Joe Biden wird sich bei den Demokraten nicht als Präsident der Vereinigten Staaten bewerben. Das gab der 72-Jährige in Washington bekannt. Biden hatte es lange offengelassen, ob er Nachfolger von Staatschef Barack Obama werden will. An der Basis seiner Partei hatten sich viele Wähler gewünscht, dass Biden antritt.

Ex-Außenministerin Hillary Clinton und Senator Bernie Sanders (Bundesstaat Vermont) bleiben damit die beiden Bewerber mit den höchsten Chancen auf die Kandidatur. Clinton gilt als Favoritin.

Seinen Verzicht begründete Biden unter anderem mit familiären Gründen. Erst im Mai war sein Sohn Beau mit 46 Jahren an den Folgen eines Gehirntumors gestorben.

Besser geht’s nicht

Im Mittelpunkt: Larry David und Kate McKinnon während der “SNL”-Debatte.

Manchmal werden Träume eben doch wahr: Comedian Larry David (“Seinfeld”, “Curb Your Enthusiasm”) ließ es sich nicht nehmen, bei der US-Fernsehshow ”Saturday Night Live” (SNL) überraschend als demokratischer Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders aufzutreten. Nicht nur das “SNL”-Publikum war begeistert. Nach der Sendung wurde David im Netz für seinen Auftritt frenetisch gefeiert. Da mussten sogar Hollywood-Star Alec Baldwin und die ansonsten umjubelte Hillary-Clinton-Darstellerin Kate McKinnon zurückstecken.

Wer die Debatte der Demokraten verpasst hat, kann sie sich hier in voller Länge anschauen:

Republikaner versinken im Chaos

“Brauchen ein frisches Gesicht”: Kevin McCarthy beugt sich dem Druck des Tea-Party-Flügels.

Bei den US-Republikanern eskaliert der Machtkampf zwischen moderaten und konservativen Kräften: Bei einer Vorwahl hat Kevin McCarthy (50), der Favorit für den prestigeprächtigen Posten des Präsidenten des Abgeordnetenhauses, seine Kandidatur zurückgezogen. 50 erzkonservativen Abgeordnete hatten sich zuvor von ihm distanziert. McCarthy galt als Favorit für die Nachfolge von John Boehner. “Wir brauchen ein frisches Gesicht”, sagte dessen aktueller Stellvertreter.

Am 29. Oktober sollen die republikanischen Abgeordneten über die Nachfolge Boehners abstimmen, der seinen Rücktritt angekündigt hatte. Boehner galt dem Tea-Party-Flügel seiner Partei als zu moderat und kompromissbereit. Gleiches wurde nun McCarthy zum Verhängnis.

PAC erhöht Druck: Erster Biden-Spot online

Mann mit bewegter Vergangenheit: undatiertes Familienfoto von Joe Biden.

Es ist eine Frage, die die US-Demokraten umtreibt: Bewirbt sich Joe Biden im kommenden Jahr um die Präsidentschaftskandidatur? Der Vize von Staatschef Barack Obama zögert – und mit jedem zusätzlichen Tag wird eine Kandidatur unwahrscheinlicher. Die Kampagne von Ex-Außenministerin Hillary Clinton läuft – trotz ihrer E-Mail-Affäre – auf Hochtouren. Schon heute wäre es für den beim Volk beliebten Biden schwierig, organisatorisch nachzuziehen und in den Umfragen aufzuholen.

Das Political Action Committee “Draft Biden” hat nun einen TV-Clip veröffentlicht, um den 72-Jährigen zu einer Kandidatur zu ermuntern. In dem rund anderthalb Minuten Spot geht es um Bidens tragische familiäre Vergangenheit: 1972 kamen Bidens Frau Neilia und seine einjährige Tochter Naomi bei einem Autounfall ums Leben. Im Mai dieses Jahres starb Sohn Beau mit 46 Jahren an einem Gehirntumor.

Der Clip “My Redemption” (“Meine Erlösung”) ist unterlegt mit einer emotionalen Rede Bidens. Zu sehen sind zahlreiche Familienbilder und Aufnahmen mit Obama. Am Ende erscheinen zwei Wörter: ”Joe, run” (“Joe, bewirb dich”). Der “Washington Post” zufolge will Biden Ende Oktober bekannt geben, ob er sich um Obamas Nachfolge bewirbt.

“Saturday Night Live”: Wenn Hillary auf Hillary trifft

Hillary Clinton (r.) und Kate McKinnon bei “Saturday Night Live”

Sie hatte die Lacher auf ihrer Seite: Hillary Clinton ist als “Barkeeperin” in der legendären US-Fernsehshow “Saturday Night Live” (SNL) aufgetreten. Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin mimte eine Barfrau namens Val.

Clinton selbst wurde von SNL-Schauspielerin Kate McKinnon verkörpert. Die echte Clinton versuchte sich in dem Sketch auch in einer Darstellung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Clinton schrieb wenig später bei Twitter: “Eine Stimme für Hillary ist eine Stimme für vier weitere Jahre von Kate McKinnons Anmutung.”

Die 67-Jährige gilt bei den Demokraten als Favoritin für die Präsidentschaftskandidatur. Ihr Wahlkampf wird jedoch durch eine Affäre um die Nutzung ihrer privaten E-Mail-Adresse während ihrer Amtszeit als Außenministerin überschattet.