So verfolgte Obama die US-Niederlage

Deutschland steht im WM-Achtelfinale. Auch “Amerika wählt” freut sich über den 1:0-Sieg gegen die USA. US-Präsident Barack Obama verfolgte das Spiel übrigens in der Air Force One. Doug Mills, Fotograf der “New York Times”, twitterte das oben zu sehende und ein weiteres Bild. Auch Beraterin Valerie Jarrett scheint Fußball-Fan zu sein. Sie verfolgte das Spiel gemeinsam mit Obama.

 

Hundert Jahre US-Politik auf einen Blick

Vo wenigen Tagen ging es hier auf “Amerika wählt” um die politische Stimmung in den USA, die sich immer mehr verschlechtert, immer mehr verschärft. “Es gibt keine roten und blauen Staaten, es gibt nur die Vereinigten Staaten.” Mit diesem Satz gelang es Barack Obama in seiner ersten Präsidentschaftskampagne 2008, seine berühmte Botschaft von Hoffnung und Wandelt in die ganze Welt zu tragen. Was damals nach einem lange ersehnten Neustart in der US-Politik klang, entpuppte sich schnell als Utopie und Illusion.

Denn die Hauptstadt Washington bewies schnell, dass der Wandel kaum durchzusetzen war. Die Republikaner schalteten nach den schmachvollen Wahlniederlagen 2008 und 2012 auf Totalopposition. Die erzkonservative Tea-Party-Bewegung hält die Partei weiterhin in Atem. Eine konstruktive Zusammenarbeit ist so unmöglich. Das auf gegenseitige Kontrolle angelegte System der USA ist gelähmt – und der Präsident gleich mit.

Wie tiefgreifend die politischen Unterschiede in den USA mittlerweile sind, zeigt eine beeindrucke animierte Karte auf der Webseite “MapStory“. Dort ist zu sehen, welche Parteien die einzelnen Wahlbezirke seit 1918 gewinnen konnten. Aus einer einst bunt gemischten Nation wurde im Lauf der Jahre ein politisch geteiltes Land. Republikanisch in ländlichen Gebieten, in der Mitte und im Süden, demokratisch in den Städten sowie an der Ost- und Westküste. Die  Daten für die Karte sammelte Jonathan Davis von der Arizona State Universität.

(Vielen Dank an Sergius Seebohm für den Tipp)

Land des Misstrauens

US-Präsident Barack Obama stößt im eigenen Land auf immer größeren Widerstand

Die politische Stimmung in den USA sinkt weiter. Das zumindest besagen zwei neue Meinungsumfragen. Dem Institut Gallup zufolge lehnen 54 Prozent der Befragten die Politik von US-Präsident Barack ab, lediglich 40 Prozent stimmen zu. In den USA stoßen vor allem die Immigrationspläne des Weißen Hauses und der umstrittene Austausch des US-Soldaten Bowe Bergdahl auf Ablehnung. Eine Ipsos/Reuters-Umfrage ergab jüngst noch dramatischere Werte. Demnach lehnten 58 Prozent der Befragten Obamas Agenda ab, nur 36 Prozent befürworteten sie.

Die Webseite “Real Clear Politics” bildet aus den wichtigsten US-Umfragen einen Mittelwert und bildet diesen in einem Schaubild ab. Dieses zeigt, dass sich rund fünf Monate vor der Kongresswahl im November Obamas Zustimmungs- und Ablehnungskurven immer weiter voneinander entfernen. Doch die Freude der Republikaner über diese Zahlen dürfte sich in Grenzen halten.

Denn gleichzeitig ist auch ein großer Teil der Amerikaner unzufrieden über die Arbeit des Kongress. Eine YouGov-Umfrage für die Wochenzeitschrift “The Economist” hat ergeben, dass 73 Prozent der Befragten die Arbeit beider Parlamentskammern ablehnen; lediglich 7 Prozent sind demnach mit der Arbeit des Repräsentantenhauses und des Senats zufrieden. “Real Clear Politics” zufolge klaffen auch hier die Kurven für Zustimmung Ablehnung weit auseinander.

Ein Strippenzieher wie in “House of Cards”

Kevin McCarthy ist neue “Nummer zwei” der Republikaner

Die Republikaner haben entschieden. Die Partei hat einen Nachfolger für ihren Mehrheitsführer im US-Repräsentantenhaus bestimmt. Der bisherige Amtsinhaber Eric Cantor hatte in der vergangenen Woche beim parteiinternen Vorentscheid für die Kongresswahlen überraschend gegen einen Herausforderer aus dem Tea-Party-Lager verloren. Nun soll der kalifornische Abgeordnete Kevin McCarthy die Republikaner im “House” anführen.

Der 49-Jährigre gehörte bereits der Parteiführung im Repräsentantenhaus an und galt als bevorzugter Kandidat des Partei-Establishments. Als “Whip” (Einpeitscher) sorgte McCarthy bislang dafür, seine Fraktion bei Abstimmungen auf Kurs zu halten. Nun darf er sich über einen gewaltigen Karrieresprung freuen. Ab sofort gilt er bei den Republikanern als neue “Nummer zwei” – direkt hinter John Boehner, dem republikanischen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses.

McCarthy gehört erst seit acht Jahren dem Repräsentantenhaus in Washington an, zuvor saß er im Parlament von Kalifornien. Trotzdem gilt er als versierter Insider und fähiger Strippenzieher. Hollywood-Star Kevin Spacey gab zu, dass er für seinen legendären Charakter Frank Underwood aus der TV-Serie “House  of Cards“ McCarthy studiert habe. Dieser sagte, dass ihm Underwoods Büro merkwürdig bekannt vorkomme. US-Präsident Barack Obama sollte sich in Acht nehmen. Spacey spielt Underwood als durchtriebenen, skrupellosen und machthungrigen Politiker, der auch vor Mord nicht zurückschreckt.

Cantors spektakuläre Niederlage

Neuer “Whip” im Abgeordnetenhaus ist der aus Louisiana stammende Steve Scalise, der dem erzkonservativen Lager der Partei zugerechnet wird. Scalises Wahl könnte dazu führen, dass die Konservativen bei künftigen Verhandlungen mit den Demokraten eine noch kompromisslosere Haltung einnehmen. “Wir haben solide konservative Lösungen für die Probleme in unserem Land”, sagte er.

Mit McCarthys Wahl versuchen die Republikaner den Wirbel um Cantors spektakuläre Niederlage zu beenden. Dieser hatte seinen Amtsrücktritt erklärt, nachdem ihn der Tea-Party-Kandidat Dave Brat verdrängt hatte. Der Wirtschaftsprofessor gewann überraschend den parteinternen Vorentscheid in Virginia und tritt dort nun für die Republikaner bei der Kongresswahl im November an. Cantor will sein Abgeordnetenmandat noch bis zum Ende der Legislaturperiode im Januar 2015 behalten.

Mehr Informationen zu McCarthy gibt es auf seiner Webseite, seinem Twitter-, Facebook-, Flickr- und YouTube-Kanal.

Christie “rockt” mit Fallon

Bitte tanzen Sie jetzt: Jimmy Kimmel (l.) und Chris Christie.

First Lady Michelle Obama machte es vor, nun hat New Jerseys Gouverneur Chris Christie nachgezogen. Mit US-Talker Jimmy Fallon ließ der potenzielle Präsidentschaftskandidat der Republikaner in der vergangenen Woche seine Hüften kreisen. Ja, seine Hüften. Beim “Bridgegate”-Tanz wurde es Christie dann aber doch zu viel. Ein Auftritt mit viel Selbstironie – so lieben die Amerikaner ihre Politiker.

TV-Tipp: “The Ides of March”

Unser heutiger TV-Tipp: “The Ides of March – Tage des Verrats” auf ProSieben (20:15 Uhr). George Clooney, prominenter Unterstützter von US-Präsident Barack Obama, nimmt den US-Wahlkampf unter die Lupe. Als Regisseur beleuchtet er die verborgenen Mechanismen der Macht im Washingtoner Polit-Zirkus. Unter anderem mit Ryan Gosling, Philip Seymour Hoffman und Evan Rachel Wood.

Übrigens: Der Filmtitel spielt auf den Mord an Julius Cäsar an. Im römischen Kalender standen die “Iden” für die Festtage in der Monatsmitte. An einem dieser Festtage, am 15. März 44 v. Chr., wurde Cäsar umgebracht. Seit dieser Zeit sind die “Iden des März” zum Synonym für Intrigen und Machtspiele in der Politik geworden.