Das Weiße Haus blickt zurück

Obama-Montage für das Correspondents’ Dinner

Die vom Whistleblower Edward Snowden ausgelöste NSA-Affäre, der Drohnenkrieg in Afghanistan und Pakistan, das Desaster beim Start der “Healthcare.gov“-Webseite: US-Präsident Barack Obama musste sich in diesem Jahr um viele Krisen kümmern. Einige Probleme konnte er lösen, viele jedoch nicht. Aus politischer Sicht ist es wenig überraschend, dass sich das Weiße Haus bei seinem interaktiven Jahresrückblick auf die positiven Themen konzentriert. Vom einstigen Verfechter der Mantras “Hoffnung” und “Wandel” hätte man trotzdem etwas mehr erwartet.

Immerhin: Obamas amüsanter Auftritt beim “White House Correspondents Dinner” im April hat es ebenfalls in die Übersicht geschafft.

Ein Satz sorgte an jenem Abend für besonders laute Lacher. “Ich bin nicht mehr der stramme junge muslimische Sozialist, der ich einmal war”, sagte der Demokrat im Rückblick auf seine erste Amtszeit. Auch die hier gezeigte Montage war Teil von Obamas Rede. Sie spielte auf ein umstrittenes Foto an, das Obama im August 2012 beim Tontaubenschießen in Camp David zeigte. Das Weiße Haus veröffentlichte die Aufnahme mitten in der Debatte über eine Verschärfung des Waffenrechts.

Cool, cooler, Obama

Politik und Lässigkeit: Diese Kombination will nicht so recht passen. Einmal an die deutsche Kanzlerin gedacht, und schon ist der Beweis dafür geliefert. Einer, der es hin und wieder schafft, cool zu wirken, ist und bleibt US-Präsident Barack Obama. So trat er im April vergangenen Jahres in der Late-Night-Show von Jimmy Fallon auf, um mit diesem einen durchaus respektablen “Slow Jam” abzuliefern.

Zuletzt konnte “No Drama Obama” seine Lässigkeit aber nicht mehr zeigen. Der in letzter Minute verhinderte Staatsbankrott, technische Pannen beim Start der Gesundheitsreform und die NSA-Affäre haben dem Demokraten arg zugesetzt. Obamas Zustimmungswerte sind im Keller. Ein allzu cooles Auftreten könnte die von den Republikanern angetriebene feindliche Stimmung weiter anheizen. In der vergangenen Woche dürfte Obama daher überrascht über den Artikel “The President of the Cool” in der “New York Times” gewesen sein.

Darin beschrieb der Dichter Ishmael Reed, wie er Obama bei einem Auftritt im neuen San Francisco Jazz Center erlebte. Vor dem Gebäude hätten Demonstranten gegen die Drohnenpolitik des Weißen Hauses demonstriert, drinnen habe Obama jedoch eine muntere Rede gehalten. Auf die Bühne sei er gar “gehüpft”.

Reed ging in seinem Artikel, über den die “Süddeutsche Zeitung” ausführlich in ihrer Weihnachtsausgabe berichtete, auch auf den Zusammenhang zwischen Musik und US-Politik ein. Es scheine, schrieb Reed, dass es Obamas Demokraten schon immer leichter gefallen sei, sich mit coolen (Jazz-)Musikern zu umgeben. Sogar Ex-Präsident Jimmy Carter (“nicht jedermanns Vorstellung eines Hipsters”) habe es geschafft, den Musiker Dizzy Gillespie einzuladen.

Es war wohl kein Zufall, dass der Pianist Herbie Hancock in San Francisco durch den Abend führte. Hancock war auch im legendären “Yes we can”-Musikvideo aus dem Jahr 2008 zu sehen.

Der Grafiker und Radio-Moderator J.C. Pagán hat Obamas hin und wieder durchscheinender Nonchalance übrigens eine Webseite gewidemt: “Barack Obama’s Jazz“. Dort sind Fotos des Präsidenten zu sehen, die Pagán in fiktive Plattencover umgewandelt hat. Was jetzt also noch fehlt, ist Obamas erste Musik-CD. Wie wäre es mit einer neuen Version von “Sweet Home Chicago”?

“Winning is what we do. We’re the GOP” (TRAILER)

Nach unserem gestrigen Post über die neue TV-Serie MITT hat uns unser Leser Erik Meyer – zurecht – ermahnt: Es gibt ein Leben jenseits von Netflix. Deshalb hier auch noch der Hinweis auf die neue Serie Alpha House von Amazon originals.

Vier republikanische Senatoren arbeiten und wohnen zusammen in einer Wohngemeinschaft im namensgebenden Alpha House. Es geht um die Wiederwahl, das Innenleben der Partei und den nächsten Drink. Es dürfte schwer werden, House of Cards zu toppen, aber mit John Goodman als Senator Gil John Biggs ist das Potenzial auf jeden Fall vorhanden.

Der andere Mitt Romney (TRAILER)

Netflix hat mit “House of Cards“, der Geschichte des ambitionierten demokratischen Kongressabgeordneten Frank Underwood, ohne Zweifel die beste politische Serie der letzten Jahre vorgelegt (sorry, West Wing Fans). Millionen verfolgen gerade, wie sich der gekränkte Mehrheitsführer des Repräsentantenhauses auch in der zweiten Staffel anschickt, Rache am Präsidenten zu nehmen. Der hatte ihn bei der Besetzung des Aussenministeriums übergangen. Aufgepasst, Herr Ramsauer!

Am 24. Januar startet auf Netflix nun eine Doku-Serie über Mitt Romney, die Material verwendet, das über sechs Monate hinter den Kulissen seiner Kampagne gefilmt wurde. Damit unterstreicht Netflix seinen Anspruch auf den ersten Verfolger des TV-Serien-Marktführers HBO.

Wer sehen will, wie Mitt mit dem Vorwurf des Flippfloppers zu kämpfen hatte und wie er den Moment seiner Niederlage erlebt hat, der gehe hin und schaue diesen Trailer.

Meme-Präsident Barack Obama

Der Kampf um die US-Gesundheitsreform (“Obamacare”) geht weiter – auch im Netz. Dort hat Präsident Barack Obama seinen Status als Idol und Hoffnungsträger zwar längst verloren, für eine clevere PR-Kampagne reicht es aber allemal. Mit der “Get Covered“-Aktion versucht das Weiße Haus, den Meme-Mechanismus im Internet für sich einzusetzen. Auf der Webseite können Nutzer ein Bild herunterladen und dort ihren Grund eintragen, warum es sinnvoll ist, eine Krankenversicherung abzuschließen. Als Testimonial dient Obama selbst. Nicht jeder Nutzer will sich jedoch für die Kampagne einspannen lassen.

Unterstützung für die Sozialreform gibt es auch auf YouTube. Dort hat Iman Crosson alias “Alphacat” eine Cover-Version von Snoop Doggs “Drop it like it’s hot” hochgeladen. “Sign up cause it’s hot”, heißt es in dem rund drei Minuten langen Clip.

Mit seinen Obama-Imitationen ist Crosson auf YouTube zum Star geworden. Seine Version von Beyoncés Hit “Single Ladies” schauten sich bereits rund 22 Millionen Nutzer an. Das neue Video wirbt für die Organisation “Tell a friend –  Get Covered“, hinter der Kaliforniens staatliche Krankenversicherung “Covered California” steht.

Das Weiße Haus zielt mit der “Get Covered”-Kampagne direkt auf die Nutzer ab. Für den Erfolg der Gesundheitsreform ist es entscheidend, dass sich genügend junge Amerikaner trotz ihrer geringen Krankheitsrisiken versichern. Nur so können die Durchschnittsprämien insgesamt gesenkt werden.

Obama knipst die Lichter an

Harmonie in der US-Hauptstadt, auch das gibt es. In Washington hat Präsident Barack Obama am Freitag per Knopfdruck den nationalen Weihnachtsbaum erleuchtet. Da es statt Schnee jedoch nur Regen gab, verkürzte Obama den Countdown von zehn auf fünf. Begleitet wurde der Demokrat von seiner Frau Michelle, den beiden Töchtern Sasha und Malia sowie Schwiegermutter Marian Robinson.

Dass der Präsident den nationalen Christbaum erleuchtet und damit offiziell die Weihnachtszeit in den USA einläutet, ist jahrzehntelange Tradition. In diesem Jahr fand die Zeremonie bereits zum 91. Mal statt.

Zwei Männer, ein Schicksal

Barack Obama samt Familie in Nelson Mandelas Zelle auf Robben Island

US-Präsident Barack Obama hat der Tod von Nelson Mandela besonders hart getroffen. Südafrikas Ex-Präsident war für den Demokraten mehr als ein Held, mehr als ein Vorbild. In seiner Autobiographie beschreibt Obama, wie er im Februar 1981 auf dem Campus des Occidental College in Los Angeles gegen die Apartheid demonstrierte. Es war das erste Mal, dass Obama politisch in Erscheinung trat.

Die Parallelen zwischen beiden sind offensichtlich. Mandela war Südafrikas erster schwarzer Präsident, Obama zog als erster Afroamerikaner ins Weiße Haus ein. Beide wurden mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet – Mandela im Jahr 1993, Obama 2009.  Charisma, Rhetorik, der Wille zur Versöhnung: Im politischen Alltag glichen sich das US-Staatsoberhaupt und Südafrikas “Vater der Nation”.

“Ich bin einer von unzähligen Millionen, die Inspiration aus Nelson Mandelas Leben gezogen haben”, sagte Obama nur wenige Minuten nach der Nachricht von “Madibas” Tod sichtlich mitgenommen. Im Jahr 2005 kam es in Washington zum einzigen persönlichen Treffen der beiden. Ein Foto der Begegnung hängt heute im Weißen Haus.

Hier Obamas Kommentar zu Mandelas Tod: