Wahlwerbung des Tages // Romney setzt auf Kohle

Mitt Romney mag Kohle. Er hat viel davon. Und auch im umkämpften Swing-State setzt er im Endspurt ganz auf Kohle – und will so Obama hier noch abfange. Umweltpolitisch geht es bei Romney mit Vollgas in die Vergangenheit. Wie auch bei anderen Themen.

Infografik des Tages // Mitt und seine Freunde über Frauen

Die amerkanischen Frauen sind bei der diesjährigen Präsidentschaftswahl eine heißumkämpfte Zielgruppe, die wahlentscheidend sein kann. Obama und die Demokraten haben lange Zeit die Mehrzahl der amerikanischen Wählerinnen hinter sich gewusst. Sie haben den Republikanern den “War on Women” angehängt – bisher mit Erfolg. Doch der Vorsprung scheint mittlerweile ein bisschen zu bröckeln. Zeit also für ein ganze Reihe von Interessengruppen, den Wählerinnen noch einmal deutlich vor Augen zu führen, was Romney und die GOP so von Frauen halten. So auch die Organisation UltraViolet, die für Frauenrechte kämpft und von Frauen aus dem MoveOn-Umfeld gegründet wurde. Mal sehen, ob sie mit ihrer Strategie Erfolg haben werden.

Wahlvideo des Tages // “Zomney – He Needs Brains”

Und wieder greift ein Prominenter in den US-Wahlkampf ein. Regisseur Joss Whedon, der zuletzt Avengers auf die Kinoleinwände brachte und vorher bei Buffy auch schon ab und an mal mit Untoten zu tun hatte, hat ein lustiges Video aufgenommen, in dem er vor Mitt Zomney und der Zombie Acopalypse warnt:

“Romney is ready to make the deep rollbacks in health care, education, social services, reproductive rights, that will guarantee poverty, unemployment, overpopulation, disease, rioting, all crucial elements in creating a nightmare zombie wasteland. Lets all embrace the future,” the 48-year-old Whedon quips. “Stop pretending we care about each other, and start hoarding canned goods. Because if Mitt takes office, sooner or later the zombies will come for all of us.”

Mitarbeiter des Tages // Dinesh D’Souza

Die Auszeichnung geht heute an Dinesh D’Souza. Der konservative Tausendsassa, der den überaus objektiven Dokumentarfilm 2016: Obama’s America produziert hat, ist nicht nur seinen Posten als Präsident des King’s College los, nachdem er sich als überzeugter evangelikaler Christ mit einer jungen Frau verlobt hatte. Obwohl er auch noch mit seiner eigentlichen Ehefrau verheiratet ist. Und nun hat er auch noch Ärger mit einem seiner Partner bei dem Filmprojekt, da D’Souza angeblich Gelder zweckentfremdet hat. Well done, Dinesh!

Bing’s Election 2012 Hub

Bing, die Suchmaschine von Microsoft, hat es Google gleichgetan und ein digitales Hub zum U.S.-Wahlkampf ins Leben gerufen. Unter www.bing.com/elections finden sich allerlei Infos zur Wahl. Neben aktuellen Meldungen gibt es auch eine Gegenüberstellung der Kandidaten sowie Trending Topics, eine Election Map, Polls und Video-Botschaften die zum Wählen auffordern.

Bing Elections

Zitat des Tages // The National

“Our music was used without our permission in this ad. The song you’re using was written about the same backward, con game policies Romney is proposing. We encourage all students to educate themselves about the differences between the inclusive, pro-social, compassionate, forward-thinking policies of President Obama and the self-serving politics of the neo-conservative movement and Mitt Romney. Every single person involved in the creation of the music you’re using is voting for President Obama.” –Matt Berninger, Sänger von The National, auf YouTube zu einem Video der Band, welches von einer Pro-Romney-Studentenorganisation in Ohio für ihr Wahlvideo genutzt wurde

Wahlwerbung des Tages ::: A Severe Case of Romneysia

Ein ganz besonderer Fall von Romneysia: In Toledo/Ohio lief gestern diese lustige Wahlwerbung von Mitt Romney. Der eigentliche Zielmarkt muss Bizarroworld gewesen sein, denn in der Ad behauptet Romney doch glatt, dass er der Heiland der Automobilindustrie sei. Und nicht dieser Typ aus Chicago, der zufällig im Weißen Haus gelandet ist und behauptet, er hätte mit seinem Bailout Detroit gerettet.

Romney muss wirklich vergessen haben, was er vor knapp vier Jahren in einem Op-Ed in der New York Times geschrieben hat: “Let Detroit go bankrupt.” Der höchste Grad der Heuchelei ist damit erreicht.

The Wire ::: Links des Tages // 28.10.2012

  • Video: Michelle Obama will auf Nummer sicher gehen, dass jeder wählen geht. Auch Jimmy Kimmel. Überhaupt wird interessant sein, was sich die beiden Kampagnen in den letzten Tagen noch für Get-out-the-Vote-Aktionen einfallen lassen.
  • Ein Ex-Wrestler und Romney-Fan in Indiana hat sich das Kampagnenlogo von Romney-Ryan tätowieren lassen. Nun gut, ich hab schon schlimmere Sachen gesehen. Aber musste es das Gesicht sein. Er hat immerhin 15.000 Dollar dafür bekommen. Wenn Romney verliert, sieht’s aber ziemlich blöd aus.
  • “Let me just be candid: My party is full of racists.” Colin Powell hat auch dieses Jahr – nach einigem Zögern – wieder ein Endorsement für Barack Obama abgegeben. Das hat natürlich gleich wieder Stimmen bei den Republikanern auf den Plan gerufen, die behaupten, Powell würde seine Unterstützung nur von einer Sache abhängig machen: der (gleichen) Hautfarbe. Nun schlägt Powells ehemaliger Chief of Staff Lawrence Wilkerson, ebenfalls Republikaner, in einem TV-Interview zurück – und erklärt seine eigene Partei zu einer Bastion von Rassisten.
  • Ein weiteres Endorsement für Barack Obama. Von der New York Times. Also nicht überraschend. Aber gut argumentiert.
  • Die Huffington Post hat eine Übersicht mit weiteren Endorsements für beide Kandidaten gemacht.
  • Der Economist schreibt über Obama und die Jungwähler: nicht mehr so enthusiastisch wie 2008, aber immer noch mit deutlicher Mehrheit an seiner Seite.
  • Die Versuche, bestimmte Wählergruppen von der Urne abzuhalten, nehmen immer hässlichere Formen an. In Ohio zum Beispiel verschickt die (von einer Tea Party-Aktivistin gegründete) Organisation True the Vote unter dem Vorwand, Irregullaritäten aufzudecken, Briefe an Wähler, um diese einzuschüchtern.
  • Interessant – The Monkey Cage über das Romney Momentum Meme.
  • Soros, Spielberg und Co. – die Großspender der Demokraten greifen ins Rennen ein und statten die liberalen Super PACs mit Geld aus.

Der US-Wahlkampf bricht in der TV-Werbung alle Rekorde

von Anatol Itten

Bereits über 915.000 Wahlwerbespots mussten sich die Wähler und Wählerinnen in den USA seit dem 1. Juni über sich ergehen lassen. Das ist eine unglaubliche Steigerung von 44,5 Prozent im Vergleich zu 2008 und 43,7 Prozent im Vergleich zu 2004 in derselben Zeitspanne. Das ergab eine aktuelle Untersuchung des Wesleyan Media Project. Gegen Ende des Wahlkampfes erfährt der Kampf um die Hoheit im Fernsehen einen regelrechten Höhepunkt. Alleine in den letzten drei Wochen wurden über 210.000 Werbespots gesendet. Diese wahnsinnige Masse an Fernsehspots wurde darüber hinaus sogar in weniger Bundesstaaten als vor vier Jahren ausgestrahlt und somit von einer kleineren Anzahl der US-Bevölkerung wahrgenommen. Dies bestätigt, dass sich der Fokus der TV-Spots, wie so ziemlich der gesamte Wahlkampf, insbesondere auf die Swing-States konzentriert.

Montana führt mit über 25.000 Ausstrahlungen die Liste der Staaten mit den meisten TV-Spots an, gefolgt von Wisconsin, Indiana, Virginia und Ohio. Interessant sind zudem die Ausgaben für die TV-Spots in den jeweiligen Bundesstaaten. Diese Liste führt Virginia mit über 14 Millionen US Dollar an, danach folgt Florida, Massachusetts und Ohio. Die Unterschiede von ausgestrahlten Spots und Ausgaben haben jeweils mit den unterschiedlichen Werbe- und TV-Märkten der Staaten zu tun. Manche TV-Sender machen sich zudem mit unüblichen Mittel den lukrativen Markt zu nutze. So berichtete die New York Times, dass Sendestationen in Las Vegas ihr Nachrichtenprogramm gekürzt hätten, um mehr Zeit für Wahlwerbung zu finden. Und die Washington Post berichtete von einem Sender, der die Wiederholung der „Simpsons“ aus diesem Grund vom Sendeplan strich.

Wie lukrativ dieses Geschäft ist, zeigt ein Blick auf die Ausgaben: Die Kampagne von Präsident Barack Obama hat im Endspurt des Wahlkampfes die Nase in der Sendehoheit vorne. Dafür hat sie in den letzten drei Wochen doppelt soviel ausgegeben (65 Millionen US Dollar), wie die Kampagne seines Herausforderers Mitt Romney (30 Millionen US Dollar). Wenn man sich allerdings die Top-Ten Liste der Finanzierer von weiteren Wahlwerbe-Spots der letzten Wochen genauer anschaut, dann gleicht sich das Bild wieder aus. Darin findet sich mit American Crossroads nur eine Pro-Obama Organisation wieder. Die Analysten des Wesleyan Media Project bemessen für die gesamte TV-Wahlwerbung im aktuellen Wahlkampf einen Markt von ca. 600 Millionen Dollar. Egal welcher der beiden Kandidaten diesen Wahlkampf gewinnt, Werbeagenturen und Sendestationen sind jetzt schon die stillen Gewinner.

The Wire ::: Links des Tages // 23.10.2012

  • Die heutigen Links des Tages drehen sich natürlich vor allem um die Rückschau der dritten und letzten Debatte. Der Guardian hat die für mich beste Zusammenstellung der Highlights geliefert. Einfach das folgende Video anschauen.

    • Zeit Online hat eine schöne Storify-Zusammenfassung der Debatte geliefert.
    • Der American Prospect hat die ganze Debatte einfach mal in Form von GIFs dargestellt. Auch sehr zu empfehlen.
    • Die erste Debatte hatte Big Bird, die zweite “binders full of women”, die dritte nun Obamas “bayonets and horses”-Stichelei als Meme und Highlight für das Social Web. Schnell gab es natürlich ein entsprechendes Tumblr. Trotzdem war die gestrige Debatte diejenige mit den bisher wenigsten Tweets und Buzz im Social Web.
    • Unser aller Lieblingsblog FiveThirtyEight von Nate Silver hat wieder alle wichtigen Polls rund um die dritte Debatte versammelt. Was sagt Nate Silver sonst? Obama steigert seine Wiederwahlchancen kontinuierlich seit der verheerden ersten Debatte (momentan liegt er bei über 70 Prozent). Und Ohio hat eine 50-50-Chance, der alles entscheidende Swing State zu sein. Und hier hat Obama kontinuierlich die Nase vorn, wenn auch nur knapp.
    • Ein anderer wichtiger Swing-State ist Florida. Der Sunshine State ist nach dem wirren Wahlchaos im Jahr 2000 ja berühmt-berüchtigt dafür, dass bei Wahlen dort immer irgendetwas schief geht. Auch 2012 ist Florida hart umkämpft, wobei hier Romney führt. Conan O’Brien hofft aber auf die Einwohner Floridas: