Ein kleiner Guide zum Krönungsparteitag der Republikaner

von Adrian Rosenthal

Auch wenn Hurricane Isaac das Programm ordentlich durcheinanderwirbelt, wollen wir mal einen kurzen Überblick zum Parteitag der Republikaner in Tampa geben.

Worum geht es?

Der König

Nach einem langen und sehr unterhaltsamen Vorwahlkampf will sich Mitt Romney nun endlich diese Woche zum König der Republikaner krönen lassen, um dann anschließend Kaiser Obama in seine Schranken zu verweisen. Romney will die Chance nutzen, seinen bisherigen Wahlkampf mal ein bisschen aufzuputzen und die vielen Patzer vergessen zu machen. Er will sich als König aller Republikaner präsentieren, er will geliebt und bewundert werden. Denn das wird er bisher nicht. Er muss eine feurige Rede halten, um die Partei und die Basis zu mobilisieren. Mal gucken, ob es ihm gelingt.

Des Königs Frau

Ann Romney hat eine schwere Aufgabe, die vielleicht schwerer als die des Königs an ihrer Seite ist: “to humanize Mitt” (wie Politico es so schön nennt). Denn viele Wähler können nichts mit Romney anfangen, er ist als Mensch, als Typ nicht greifbar, konturlos. Die Amerikaner fremdeln mit ihm, selbst seine eigene Partei. Böze Zungen zweifeln sogar sein Menschsein an und vermuten, er sei ein Cyborg. Darum geht es also beim Parteitag auch: Ann, mach Mitt menschlich! Viel Glück.

Die Königsmacher

Die wahren Königsmacher und Strippenzieher sind Romneys reiche Spender, Leute wie die Koch-Brüder oder Karl Rove, die über ihre Super PACs Millionen über Millionen in den Wahlkampf einbringen. Aber es gibt ja auch noch ein paar Laudatoren, die verbal ein bisschen Gold, Weihrauch und Myrrhe für Romney unter das Parteivolk bringen sollen. Ron Paul darf leider nicht sprechen. Gingrich muss draußen vor der Tür Kurse in der Newt University geben. Rick Perry, wolle nicht kommen. Von seinen ehemaligen Gegnern dürfen nur Rich Santorum und Tim Pawlenty sprechen, um Mitt Romney zu konservieren bzw. so richtig schon konservativ zu machen. Und um sich Hoffnung auf einen Platz am Hof zu machen, denn das ein oder andere Ministeramt fällt ja im Falle eines Wahlsieges ab. Ansonsten dürfen ganz viele Leute sprechen, die niemand kennt.

Am Ende jeden Tages dürfen dann ein paar bekanntere Leute aus dem Hofstaat sprechen. So sprechen am heutigen Dienstag als letztes erst Ann Romney und dann Chris Christie, der Governeur von New Jersey. Für ihr wird es auch eine sehr wichtige Rede sein, denn Christie spielt mit dem Gedanken, auch einmal zum König gekrönt zu werden.

Am Mittwoch sprechen dann unter anderem Mitch McConnell, Rand Paul, John McCain, Tim Pawlenty, Mike Huckabee, Condi Rice und zuguterletzt Paul Ryan, der neue Vizekönig. Es ist also für jeden – Tea Party Supporter, jung, alt, Mann, Frau, Tea Party Fans, Evangelikale, Neokonservative, Veteranen, Intellektuelle, Couch Potatos, Fitnessfreaks, schwarz, weiß, Paulbots, Tea Party Anhänger – was dabei. Der Einfluß der Tea Party innerhalb der GOP ist auf Fall zu spüren. Die Party Platform, die auf dem Parteitag verabschiedet werden soll, ist extrem konservativ und die radikale Rechte lässt ihre Muskeln spürbar spielen.

Am Donnerstag dann der Höhepunkt. Newt Gingrich darf doch sprechen und die gesamte Welt mit seinem Intellekt und Eloquenz beeindrucken. Was für eine Ehre für Romney. Auch Jeb Bush wird sprechen und mit Sicherheit an das Wahlchaos von 2000 in Florida erinnern, das half, seinen Bruder zum Kaiser Bush II zu krönen. Und am Ende schwebt dann König Mitt unter dem Jubel der Anhänger, denen vorher so richtig schon eingeheizt wurde, auf die Bühne.

Hier gibt es eine Übersicht aller Speaker. Die Washington Post hat zudem kurze Portraits über die ihrer Ansicht nach wichtigsten Speaker aufbereitet.

Gaukler und Minnesänger

Die Meister ihres Fachs dürfen leider nicht auftreten. Glenn Beck ist nicht da, ebensowenig Rush Limbaugh. Herman Cain macht nur von den Toren des Convention Centers Stimmung, vor allem für sich und gegen Obama. Und Sarah Palin ist leider nicht dabei. Damit sinkt der Entertainment-Faktor einfach mal komplett um die Hälfte ab. Als Ersatz hätte wenigstens Michele Bachman verpflichtet werden müssen, aber auch sie darf nicht sprechen. Die üblichen Verdächtigen unter den Country-Interpreten sowie Kid Rock werden für eine tolle Stimmung sorgen.

Von Gottes Gnaden?

Wie wir schon berichteten, scheint Gott sich einen Spaß daraus zu machen, die Parteitage der Republikaner ein bisschen zu sabotieren. Erst wird Gustav geschickt, diesmal schaut Isaac vorbei.

Der Gegenkönig

Auch wenn er nicht als Redner auftritt, wird Ron Paul als Gegenkönig omnipräsent. Denn seine Getreuen, die Paulbots sind überall und machen Stimmung für den in ihren Augen einzig wahren und wahrhaftigen König. Zur Befriedung darf sein Sohn Rand sprechen. Und auch einen Video-Tribut gibt es. Nützt aber alles nichts. Der Gegenkönig wird König Mitt nicht offiziell unterstützen. Auch wenn es das letzte Hurra von Ron Paul war: die Paulbots werden weitermachen.

Live im Social Web

Natürlich wird das Social Web mit Kommentaren und Gossip zum RNC 2012 nur so überquillen. Die GOP stellt natürlich (man ist ja wenigstens in Sachen Technik modern) eine Smartphone App zur Verfügung. Das Event an sich ist fein in Twitter-Slogans unterteilt, damit alle schön retweeten können. Mashable hat dazu eine kleine Übersicht erstellt. Und auch die TV-Networks werden mit Social Media experimentieren. So wird NBC zum Beispiel einen Twitter-Feed in die Live-Berichterstattung einbauen.

Und sonst so?

Am anderen Ende von Tampa hat sich Romneyville gegründet, ein Örtchen von Occupy-Protestlern. Mal sehen, wie lange die im Angesicht von Isaac in ihren Zelten noch aushalten. Vielleicht sollten sie einfach in einen der örtlichen Stripclubs gehen, die nach Ansicht von Insidern am meisten von der Republican National Convention profitieren werden. Natürlich sind die Clubs ganz im Sinne der GOP in Red, White and Blue aufgemacht. Selbst das weltberühmte Sarah Palin-Double Lisa Ann wird nach Tampa kommen und wird sich, da es zu ihrer Überraschung keine Elche zu schießen gibt und es viel heißer als in Alaska ist, gleich ganz schnell ihrer Kleider entledigen.

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