Wählerregistierung über Facebook

Und es ist soweit: Washington wird als erster Bundesstaat für seine Bürger eine Registrierung zur Wahl via Facebook zulassen. Mittels einer App auf Facebook, die von Facebook zusammen mit Microsoft entwickelt wurde – dem Staat fallen dabei keine Kosten an – , soll es ab nächstem Monat für die Einwohner möglich sein, sich zu registrieren.

Im Zuge des Registrierungsprozesses muss der Antragssteller Name und Geburtsdatum sowie die Führerschein- oder State ID-Nr. angeben. Wer sich nun wundert, ob die Daten alle bei Facebook landen, kann beruhigt aufatmen. Laut Aussagen von involvierten Beamten landen die Daten erst gar nicht bei Facebook sondern direkt beim Bundesstaat.

Um mehr Aufmerksamkeit für die App zu generieren verfügt diese auch über Social Sharing-Funktionen wie den Like-Button.

 

Kim Dotcom looking at things

“What about free speech, Mr. President? What happened to change, Mr. President? Are you pleading the Fifth, Mr. President?”

Jetzt greift endlich auch der wahre Nachfolger von Martin Luther King in den amerikanischen Wahlkmapf ein. Zumindest sieht Kim Dotcom das so, denn er hat wie MLK auch einen Traum. Vordergründig geht es in dem Traum um die Urheberrechsdebatte, um Freiheit für das Internet, um SOPA, PIPA, ACTA. Und natürlich um Kim Dotcom, den Messias, der im gefühlten Bund mit Anonymous den Kampf um das Internet gewinnen wird.

Zu ultraschlechten Techno-Beats flimmern unter “Happiness, Happiness”-Gesängen fröhliche Menschen durch die Gegend. Fast so, wie in einem schlechten amerikanischen Wahlvideo. Und das ist es auch, denn er will mit dem Video und seiner “Kampagne” nur seine eigene Haut retten. Er will nicht in den Knast und will seine Millionen retten. Mit einem Einstehen für die Freiheit des Internets hat das alles soviel zu tun, wie sein Video mit guter Musik. Denn sonst könnte Kim Wieauchimmer, der “mehrfach wegen Insiderhandels sowie Betrugs, Datenausspähung und Computermanipulation verurteilt wurde”, ja gemäß seinem Motto “Share it and use it freely” doch bitte aus reinem Altruismus und für die Sache die Nutzung seines Sharehosters Megaupload allen kostenlos zur Verfügung stellen. Und gleich seinen Maserati und seinen Rolls Royce Anonymous spenden, damit sie weiter gegen ACTA und Co. kämpfen können. Aber eigentlich will der neue Freiheits-Messias doch nur weiterhin ein bisschen Geld von seinen Anhängern haben, damit sich seine Millionen weiter vermehren und er sich in der Selbstberauschung noch mehr alberne Namen ausdenken kann.

Denn in der Urheberrechtsdebatte geht es nicht darum, dass anstelle von Hollywood-Produzenten nun jemand wie Kim Schmitz Millionen scheffeln soll. Der Beitrag von Schmitz ist daher eher geeignet, dass Politik und Medienwirtschaft nun leichter mit dem Finger auf die Akteure zeigen können, die gegen ACTA und für ein neues, dem digitalen Zeitalter angepasstes Urheberrecht kämpfen. Diese wichtige Debatte wird damit weiter polemisiert, die Protagonisten der Bewegung nur diskreditiert, in dem man nun jemanden wie Kim Schmitz als selbternannten Anführer aus dem Hut zaubern kann. Danke Kim, für diesen miesen Beitrag. Wenn wenigstens die Musik gut gewesen wäre!

PS: Im Sinne seiner neuen, freiheitlich-idealistischen Auffassungen sollte Kim doch auch mal schnell den Copyright-Zusatz auf seiner Webseite streichen. Die müsste doch Bitteschön unter einer CC-Lizenz laufen…

Zitat des Tages // Mike Bloomberg // Gun Control

““Soothing words are nice. But maybe it’s time the two people who want to be president of the United States stand up and tell us what they’re going to do about it, because this is obviously a problem across the country. And everybody always says, ‘Isn’t it tragic?’”

I mean, there’s so many murders with guns every day,” Bloomberg continued. “It’s just gotta stop. And instead of these two people, President [Barack] Obama and Governor [Mitt] Romney talking in broad things about, they want to make the world a better place. OK, tell us how. And this is a problem. No matter where you stand on the Second Amendment, no matter where you stand on guns, we have a right to hear from both of them, concretely, not just in generalities, specifically, what are they going to do about guns?

I don’t think there’s any other developed country in the world that has remotely the problem we have,” Bloomberg said. “There’s no other place that allows — we have more guns than people in this country. Every place else, if there are murders, they’re generally not done with guns. There’s something more important than getting re-elected. And that’s standing up and saying what you think is right.”

Diese Worte sprach der New Yorker Michael Bloomberg nach der Amoklauf in einem Vorort Denvers, bei dem während einer Kinovorführung des neuen Batman-Films 13 Menschen erschossen wurden. Der Täter, ein 24-jähriger Student, hatte 4 Waffen bei seinem Amoklauf dabei. Auch wenn ein Teil der amerikanischen Bevölkerung es nicht wahrhaben will: Es gibt, wie Mike Bloomberg richtig schildert, ein sehr großes Problem mit einer fehlgeleiteten Waffenkultur in den USA. Denn fast jedermann kommt viel zu leicht an Waffen heran.

Romney und Obama haben nach dem Amoklauf natürlich pflichtbewusst kondoliert, den Wahlkampf in Denver unterbrochen. Und sprechen natürlich wieder einmal viel von Gebeten, vöm Bösen, von ihrem großartigen Land. Aber Gebete werden nichts ändern an der Tatsache, dass in den USA jedes Jahr Tausende durch Handfeuerwaffen getötet werden. Schärfere Waffengesetze könnten daran was ändern und es wäre wünschenswert, wenn Obama und Romney diese unterstützen würden.

Doch mit einem Blick auf die Stärke der Waffenlobby, allen voran der National Rifle Association, wird auch dieser Amoklauf wohl nichts daran ändern. Obama und Romney werden davor zurückschrecken, schärfere Waffengesetze zu fordern, um keine Wählerstimmen zu verlieren. Es bleibt zu hoffen, dass Obama, sollte er denn wiedergewählt werden, sich diesem Thema dann annimmt und ähnlich wie bei der Homoehe mutiger agiert.

Cost of Freedom App

Die Wählerregistrierung ist in den USA immer ein spannendes Thema und kann wie 2004 sogar wahlentscheidend sein. Wer überhaupt zur Wahl zu gelassen ist und welche Dokumente man zum Nachweis benötigt ist deutlich schwieriger herauszufinden als in Deutschland.

Zwei Herren haben sich dieses Problems angenommen und eine wunderbare Webapp gebaut, in der man kinderleicht nachvollziehen kann, welche Dokumente man benötigt um wahlberechtigt zu sein. Das ganze nennt sich Cost of Freedom App und sieht wie folgt aus:

Photobucket

Infografik // Romney vs. Romney

Grad zieht in Berlin die fieseste schwarze Wolke heran. Ich warte wohl noch etwas, bevor ich mich auf das Fahrrad setzt und dem Feierabendsonnenuntergang entgegen radel. Und mit Flip Flops an den Füßen wird es dieses Wochenende wohl auch nichts. Zum Glück gibt es ja aber noch Mitt Romney, der das Flip-Flopping Woche für Woche in ungeahnte Höhen treibt. John Kerry wurde von den Republikanern 2004 ja als Flip-Flopper in Chief verulkt.

Im Vergleich zu Romney ist Kerry beim Flip-Flopping aber höchstens Kreisliga. Romney spielt dagegen Champions League. Daher hat er uns auch dieses köstliche Video hinterlassen, in dem er John Kerry attackiert und verspottet, eigentlich aber ein Selbstgespräch mit seinem zukünftigem Ich führt.

Facebook für Politiker

Dass sich das soziale Netzwerk Facebook insbesondere für Wahlkampfzwecke eignet, weiß inzwischen selbst jeder anstrebende Politiker im ländlichen Raum. Doch wie genau funktioniert das eigentlich? Wie bekomme ich möglichst schnell möglichst viele Fans?  In einem Leitfaden für Politiker stellt Facebook nun die scheinbar unendlichen Möglichkeiten zum Einsatz von Facebook im Rahmen der politischen Kommunikation vor. Bleibt nur die Frage, machen die Kandidaten bislang alles richtig?

Pages Guide for Politicians

Trendwatching: Fake Follower fürn Fünfziger (oder so)

Heute hat das ZDF-Blog Hyperland berichtet, dass ein Wunder auf Twitter geschehen ist: der Account der CDU Online-Redaktion habe aus dem Nichts (naja, in 4 Tagen) 5.000 neue Follower hinzubekommen.

Da sowas sonst nur Lady Gaga und Justin Bieber (die müssen aus SEO-Gründen einfach mal hier im Blog erwähnt werden) schaffen, vermutet Jens Schröder, der Autor des Beitrags, die CDU habe sich einfach ein paar Follower gekauft. Also eher eine Art befleckte Empfängnis – und kein Wunder. Denn dieser Fanzuwachs ist durch ein organisches Wachstum nicht zu erklären, zumal die meisten neuen Follower aus dem Ausland und inaktive Dummy Accounts waren. Ergo Fakes. Im Verdacht hat Schröder die Firma Social Media Combo aus den USA, die neben Facebook-Freunden und Twitter Followern auch Waffen für Mafia Wars und Kühe für Farmville im Sortiment hat.

Twitter hat diese 5.000 fake Accounts mittlerweile gesperrt. Die Verantwortlichen des CDU Twitter-Accounts weisen derweil jede Schuld von sich. Fakt ist: Jemand hat 5.000 Follower für @cdu_news gekauft. Vielleicht hat Ansgar Hevel jetzt doch das Internet entdeckt und spielt ein bisschen mit Twitter rum. Vielleicht war es eine getarnte Wahlkampfspende. Oder der politische Gegner hat einfach mal 5.000 Follower spendiert. Die kosten ja nichts, hier gibt es 5.000 Follower für Fünfundfünzig Dollar. Ein Schnäppchen also. Und ganz einfach, um ein bisschen Schindluder zu betreiben.

Ich will mich auch gar nicht weiter mit Spekulationen aufhalten. Denn aus Amerika Wählt-Perspektive ist vor allem interessant, dass nun auch endlich ein weiterer toller Trend aus dem USA-Wahlkampf Einzug in Deutschland gefunden hat. Halleluljah! Denn Newt Gingrich war beim Follower-Kaufen der absolute Trendsetter. In den Twitter-Rankings der Republikaner stand Gingrich unangefochten an Platz eins, also da wo er nach seiner Meinung nach auch hingehört. Im August 2011 hatte Gingrich mehr als 1.3 Millionen Follower und damit doppelt soviele wie die zweitplatzierte Sarah Palin. Mitt Romney als Drittplatzierter kam gar nur auf knapp mehr als 100.000 Follower.

Eine Untersuchung von Peekyou kam zu dem Ergebnis, dass von den 1.3 Millionen Followern nur 8 Prozent “reale” Menschen und der Rest Dummy Accounts sind. Das Gingrich-Camp hat natürlich abgestritten, Follower gekauft zu haben. Ein ehemaliger Mitarbeiter von ihm hat aber prompt erklärt, genau das sei passiert.

Auch wenn die Untersuchung sicherlich von den Zahlen her nicht ganz astrein ist: ein Großteil der Nutzer von Newt Gingrich sind Bots oder Fake Accounts. Denn sein Anteil bei Accounts dieser Art ist durchgehend viel größer als bei seinen Rivalen. Und zur legendären Hubris von Newt Gingrich passt es einfach, dass bei den Followern ein klitzekleines bisschen nachgeholfen wurde, damit er oben steht. Vielleicht tue ich Newt einfach unrecht und Romney hat ihm über seine Offshore-Konten einfach ein paar Hunderttausend Follower spendiert.

Happy Independence Day // (nachträglich)

Gestern begingen die Amerikaner den wichtigsten Feiertag im Jahr, den Fourth of July, dem Tag, an dem Thomas Jefferson, John Adams und Co. die Unabhängigkeitserklärung verabschiedeten. Der Tag auch, an dem viele Amerikaner die Founding Fathers so verklären, wie es politisch am besten passt. Und was machen die beiden Kontrahenten im Rennen um das Weiße Haus so? Sie wahlkämpfern (sic) fröhlich in der Gegend herum – verkleidet als ganz normaler Amerikaner von nebenan, der am Independence Day auch mal alle fünfe grade sein lassen kann.

Der eine grillt, feiert den Geburtstag seiner Tochter und begrüßt ein paar Veteranen im Weißen Haus. Der andere feiert mit seiner Familie ganz unverkrampft am Lake Winnipesaukee (benannt nach einem freundlichem Bären, der mal in der Gegend lebte) und sinniert darüber, dass er eigentlich im Weißen Haus die Veteranen begrüßen sollte.

Aber natürlich haben beide auch fleißig Videos für das amerikanische Volk produziert, das gehört sich am Fourth of July einfach so:

Obama lässt dabei Keb Mo und Bilder für sich sprechen. Romney hingegen spricht natürlich selber:

Der Tenor kann am Independende Day natürlich nur sein: Wir sind die Größten, wir waren es schon immer. Und wir werden es immer sein (das verspricht Mitt Romney zumindest am Ende seines Videos). Zu einem anderen Schluss kann man nach Ansicht des vor Pathos nur so strotzendem Video von Romney gar nicht kommen. I believe. Obamas Video ist schon präsidieller und deutlich zurückhaltender, transportiert in den Bildern aber auch die gleiche Botschaft.

Neben den beiden Hauptdarstellern haben noch zwei anderen Politiker der Welt Videos zum Fourth of July geschenkt. Den Sonderpreis in der Kategorie “Der Mann vor der Kamera sagt schönekraftvolleinspierende Sachen, dass dem Kamermann vor Ergriffenheit die Hände zittern” gewinnt eindeutig Rick Santorum. Den Part, als die Hexe aus Blair Witch Project Halleluljah-kreischend aus dem hohen Gras springt, haben sie aber herausgeschnitten. Trotzdem ganz toll:

Speaker Jon Boehner dagegen stellt sich ins Capitol und spricht und spricht und spricht. Nicht besonders inspirierend, aber für eine Karriere als Sidekick von Guide Knopp reicht es aus.