Gay Marriage // Advantage Obama?

Nachdem Job Biden vorgeprescht war, hat sich auch Obama diese Woche als Unterstützer der Homo-Ehe erklärt. Mit dieser Entscheidung hat er viel Lob geerntet, nicht nur aus der LGBT-Ecke. In den Stunden nach seiner Ankündigung prasselten die Spendendollar auf die Konten der Obama-Kampagne. Newsweek und der New Yorker ehren Obama mit entsprechenden Covern.

Und natürlich zerbrachen sich die Pundits gleich die Köpfe, was diese Entscheidung bedeutet. War sie Kalkül? Oder Überzeugung? Wird ihm seine Unterstützung der Homo-Ehe im Wahlkampf helfen oder schaden? Rick Santorum schwört Mitt Romney sogleich drauf ein, die Homo-Ehe als Waffe gegen Obama zu nutzen. Gary Bauer, Präsident der Organisation American Values, reibt sich die Hände und erklärt, dass Obama durch seine Entscheidung die Wahl verlieren werde. Der republikanische Kongressabgeordnete Allen West frohlockt, dass Obama Stimmen bei den Afro-Amerikanern verlieren werde. Und auch Politico ist sich sicher, dass Obama nun wichtige Swing States verlieren werde. Denn die LA Times ruft sogleich den Kulturkampf wieder aus, der die Konservativen mobilisieren werde.

Slate hingegen ist sich sicher, dass Obama keine Wähler verlieren werde. The Daily Beast sagt gleich, dass Obama’s Entscheidung gar kaum eine Rolle bei der Wahlentscheidung spielen werde. Der San Francisco Chronicle meint, Obama werde weder bei den Latinos noch bei den Afro-Amerikanern Stimmen verlieren. Und The Hill schreibt, dass Obama vor allem bei jungen Wählern Stimmen hinzugewinnen werde.

Genaueres werden wir erst am Wahltag bei den Exit Polls wissen. Aber er gibt Hinweise für beide Argumente. Diejenigen, die behaupten, Obama werde Stimmen verlieren, verweisen darauf, dass die Mehrheit der Staaten die Homo-Ehe ablehnen. Darunter viele wichtige Swing States wie North Carolina, wo sich in einem Referendum kürzlich eine deutliche Mehrheit gegen die Homo-Ehe aussprach.

Realität ist aber auch, dass sich die Einstellung der Amerikaner gegenüber der Homo-Ehe in den letzten Jahren deutlich verändert hat. Sprachen sich 1996 noch 68 Prozent gegen diese aus und bis 2006 noch 59 Prozent, hat sich das Verhältnis mittlerweile umgedreht: 50 Prozent unterstützen die Homo-Ehe, 45 Prozent lehnen sie ab, so Nate Silver nach Analyse von FiveThirtyEight. Es ist dieser Trend, auf den das Obama-Team hofft.

Anbei noch ein paar weiterführende Links zum Thema:

  • eine Infografik, die aufschlüsselt, welche Wählergruppen die Homo-Ehe unterstützen – und welche nicht
  • eine interaktive Chronologie der LA Times, die den Status der Homo-Ehe in den einzelnen Bundesstaaten zeigt
  • eine wirklich informative – und sehr schöne – interaktive Infografik vom Guardian, die die Rechte Homosexueller in den einzelnen Bundesstaaten noch einmal sehr detailliert darstellt. Auf einen Blick: Im Nordosten sieht es gut aus für Homosexuelle, im den Südstaaten überhaupt nicht.
  • Schließlich eine (schon etwas ältere) Übersicht, die zeigt, in welchen Staaten Homosexuelle legal heiraten dürfen – und in welchen Staaten es legal ist, einen Cousin oder Cousine 1. Grades zu heiraten.