Ein Mann, eine Mission

Mit einem neuen Web-Video will der Republikaner Rick Perry auf seinen neuen Kinofilm seine politischen Führungsqualitäten aufmerksam machen. In dem fast zweiminütigen Video attackiert Perry zunächst US-Präsident Barack Obamas Wirtschaftspolitik und bezeichnet den Demokraten als “President zero”, als “Präsident Null”. Die düsteren Bilder verschwinden, die dramatische Musik stoppt – und aus dem Off hört der Nutzer Perrys Stimme: “Es ist an der Zeit, Amerika zu reparieren.”

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Hinter dem Video “Proven Leadership”, zu Deutsch: “Bewährte Führung”, steckt der US-Filmemacher Lucas Baiano, der bereits für Tim Pawlenty, Perrys ehemaligen Konkurrenten um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, gearbeitet hat. Das US-Magazin “Details” hat den jungen Machern der immer aufwendigeren Kandidaten-Videos in seiner Oktober-Ausgabe einen lesenswerten Artikel gewidmet.

Pawlenty unterstützt Romney

Mitte August hat der Republikaner Tim Pawlenty seine Kandidatur für die US-Präsidentschaftswahl 2012 zurückgezogen – nun hat Pawlenty angekündigt, seinen ehemaligen Konkurrenten Mitt Romney zu unterstützen. “Er allein besitzt die Fähigkeiten, die schwierige wirtschaftliche Situation, in der sich die USA befinden, zu lösen”, begründet Pawlenty seine Entscheidung.

Romney kann die Unterstützung gut gebrauchen. In aktuellen Umfragen liegt er mittlerweile klar hinter dem texanischen Gouverneur, Rick Perry.

Tea Party Zombies Must Die

Nicht wirklich mein Ding, aber wer auf Ego Shooter steht und seine Wut auf Glenn Beck, Sarah Palin, Fox-Moderatoren und die Koch-Brüder einfach nicht anders kanalisieren kann: bei Tea Party Zombies Must Die man genauso stumpf und dumpf wie so mancher Tea Party-Anhänger auf dem politischem Gegner rumhacken.

Vom Spielspaß her ziemlich lahm, ein unblutigeres Jump’n'Run hätt ich besser gefunden. Wer kennt denn noch North & South? Das waren noch Zeiten!

Heute im Angebot: Geschenkideen für Sean Hannity

Ein tolles Geschenkerlschmankerl für Sean Hannity und seine Freunde hat sich Clare Booth Luce Policy Institute ausgedacht: den Great American Conservative Women 2012 Calendar.

Mit tollen Fotos in noch atemberaubenden Kostümchen sitzen konservative Pin-Up Girls wie Michelle Bachmann (die nächste US-Präsidentin!), Ann Coulter (Comedian), Michelle Malkin (mother, wife, blogger, conservative syndicated columnist, author, and Fox News Channel contributor, also invented unbiased journalism), ein paar Politikerinnen, die niemand kennt (egal, Hauptsache sie haben alle die gleiche Frisur) sowie eine Armada von Fox News Moderatorinnen (“fair and balanced!”) hübsch lächelnd auf Bänkchen, Fenstersimschen und weißen Plastikböxchen. Schöne, heile Welt! Wo sind denn die Pferdchen? Und Uschi Glas? Der Kalendar ist auf jeden Fall ein Muss für alle, die Amerika, Gott und ihre Familie lieben. Kaufen! Einziger Kritikpunkt: Sarah Palin ist nicht dabei. Schade.

Fans, Follower, Frontrunner?

Rick Perry ist momentan eindeutig der Frontrunner im Kampf um die Nominierung bei der GOP. Im aktuellen Battleground Poll von Politico und der George Washington University führt der Texaner mit 36 Prozent eindeutig vor Mitt Romney (17 Prozent). Auf den Plätzen: Michelle Bachmann und Ron Paul (jeweils 10 Prozent), Newt Gingrich und Rick Santorum (jeweils 5 Prozent), Herman Cain (4 Prozent), und abgeschlagen Jon Huntsman (1 Prozent).

Die aktuelle Umfrage (6. September) von NBC und dem Wall Street Journal zeichnet das gleiche Bild: Perry liegt mit 30 Prozent alleine an der Spitze, Romney kommt auf 23 Prozent. Paul (9 Prozent) und Bachmann (8 Prozent) runden die Top 4 ab. Der Rest der möglichen Kandidaten scheitert wie die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde.

Es sieht momentan also nach einem Zweikampf an der Spitze aus. Perry ist mittlerweile eindeutig der neue Liebling der Tea Party: 35 Prozent Perry der Tea Party-Sympathisante wollen Perry, nur 14 Prozent setzen auf Bachmann. Da Bachmann und ihre Kampagne aber vor allem auf die Unterstützung aus diesem Lager angewiesen ist, wird sie Schwierigkeiten haben, ihre Kampagne zu finanzieren und in den Vorwahlen eine wichtige Rolle zu spielen. Ron Paul hingegen hat stabile Basis von Anhängern, die ihn im Rennen halten wird. Die hatte er bei den letzten Wahlen jedoch auch schon, für mehr als 10-15 Prozent wird es in den Umfragen jedoch nicht reichen.

Können Fan- und Followerzahlen im Social Web diese Umfragewerte belegen? Die Anzahl der Twitter-Follower spiegelt die aktuellen Umfragen nur bedingt wieder: Newt Gingrich ist der eindeutige Twitter-König im Kandidatenfeld mit mehr als 1 Million Follower. Danach kommen aber schon Perry und Romney mit jeweils 80.000+ Followern, danach folgenCaon (67.000+ Follower) und Paul (58.000+).

Die Anzahl der Fans bei Facebook scheinen ein besserer Indikator zu sein. Die noch geringe Anzahl der Facebook-Fans von Rick Perry ist der Tatsache geschuldet, dass dessen Seite noch brandneu ist. Wenn man daher Perry hier außen vor lässt, gibt die Anzahl der Fans ein sehr gutes Bild der aktuellen Umfragen wieder: Romney kommt auf mehr als 1 Million Fans und hat damit jeweils mehr als doppelt soviele Änhänger bei Facebook als Paul (500.000+ Fans) und Bachmann (460.000+ Fans). Cain und Gingrich liegen beide unter 200.000 Fans. Santorum und Huntsman sind auch hier weit abgeschlagen und können nicht einmal die 30.000-Fan-Marke knacken.

Anbei alle Fans und Follower der momentan noch im Rennen verbleibenden Kandidaten im Überblick:

Rick Perry:

Mitt Romney:

Michelle Bachmann:

Ron Paul:

Newt Gingrich:

Herman Cain:

Rick Santorum:

Jon Huntsman:

Und was ist eigentlich mit Sarah Palin? Sie eiert ja immer noch quer durch die Vereinigten Staaten und mag sich nicht so recht erklären. Obwohl ihr in Umfragen keinerlei Chancen gegen Obama eingeräumt werden, könnte Palin sicherlich aus dem Stand mindestens die Nummer Drei in der Meinungsgunst bei den Republikanern werden und sowohl Bachmann als auch Paul abhängen. Wenn es nach der Anzahl der Fans und Follower bei Twitter und Facebook ginge, wäre sie sogar locker Anwärterin auf den ersten Platz:

Hier darf man jedoch nicht unterschätzen, dass es hier vor allem auch viele  gibt (wie natürlich bei anderen Kandidaten auch), die nur aufgrund des hohen Unterhaltungswertes die Tweets und Updates von Mama Grizzly lesen.

Der Countdown läuft

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat heute die neue Microsite “Obama isn’t working” gestartet. Auf der Webseite informiert der Republikaner vor allem über seine wirtschaftspolitischen Pläne. Gleichzeitig fordert er die Nutzer dazu auf, eine Petition für einen Wechsel im Weißen Haus zu unterschreiben. Das Ziel der Webseite ist klar: Romney will seine Anhänger im Kampf gegen seinen härtesten Konkurrenten Rick Perry mobilisieren und neue Unterstützer an sich binden. Laut aktuellen Umfragen gehen die meisten Republikaner mittlerweile davon aus, dass Perry die besten Chancen hat, US-Präsident Barack Obama im kommenden Jahr zu besiegen.

Die Evolution des Rick Perry

Es war einmal in einem fernen Land, weitab von unserer Zeit, da lebte vor langer Zeit ein junger aufstrebender Politiker mit tollen Haaren. Dieser fesche, junge, unschuldige Geist untersützte damals einen ebenfalls jungen Senator aus Tennesse bei seinem Versuch, die Nominierung der demokratischen Partei für das Weiße Haus zu erkämpfen.

Der junge Senator mit präsidiellen Ambitionen war Al Gore, der Science-Nerd unter den Politikern. Sein Mitstreiter mit den tollen Haare führte 1988 die Vorwahlkampagne in Texas. Sein Name war Rick Perry. Rick Perry? OMG! Rick Perry war ein Demokrat, ein enger Vertrauter von Al Gore? Bei dieser Nachricht fällt sicherlich geschätzen 3 Millionen Frauen zwischen Alabama und Idaho die Teetasse (wahlweise: Diet Coke) aus der Hand. Wie konnte er nur? Al Gore, das ist doch dieser Mensch, der das Internet erfunden hat und schon damals an den Klimawandel glaubte und vor dem Treibhaus-Effekt warnte.

Mehr als zwei Jahrzehnte später liegt der geläuterte Republikaner Perry an der Spitze der republikanischen Hoffnungsträger. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Laut Perry hat sich zwischen ihm und Gore seit 1988 halt einiges getan:

“I certainly got religion. I think he’s gone to hell.”

Aha. Das ist also ganz einfach. Perry hat die Religion für sich entdeckt, die Wissenschaft, nun, die kann zur Hölle fahren. Denn damit lässt sich ja kein Wahlkampf gewinnen, mit Sachen, die ja niemand richtig versteht. Der Klimawandel?

“I’ve heard Al Gore talk about man-made global warming so much that I’m starting to think that his mouth is the leading source of all that supposedly deadly carbon dioxide.”

Soweit zum Klimawandel. Erledigt. Keiner Diskussion wert. Amen.

Nun wurde Perry vor kurzem von einem Neunjährigen gefragt, was er zum Thema Evolution zu sagen hat. Evolution, Darwinismus, Kreationismus, Intelligent Design – in den Vereinigten Staaten schwappt der Kulturkampf (und hier benutze ich dieses Wort mal bewusst) um Darwin’s Evolutionstheorie seit den “Monkey Trials” im Tennessee der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts immer wieder an die Oberfläche. Es gibt eigentlich immer einen Staat oder klagende Eltern, Schoolboards und dergleichen, die die Evolutionstherorie aus dem Curriculum verbannen wollen. Da das jedoch nicht geht, versuchen sie dann zumindest “gleichwertige, wissenschaftliche” Theorien wie die vom Intelligent Design im Klassenzimmer zu platzieren. Wie beim Karneval: als Wissenschaft verkleidet. Und Intelligent Design ist maskierter Kreationismus.

Zurück zu Perry. Seine Antwort auf die Frage des kleinen Jungen:

“I hear your mom was asking about evolution and, you know, it’s a theory that’s out there. It’s got some gaps in it, but in Texas we teach both creationism and evolution in our public schools, because I figure you’re smart enough to figure out which one is right.”

Nebenbei behauptete Perry dann auch noch, dass in Texas daher Evolution und Kreationismus gleichberechtigt in der Schule gelehrt werden (Kreationismus ist die hochwissenschaftliche Theorie, dass die Erde so ungefähr 10.000 Jahre alt ist und der Schöpfungsprozess ungefähr genauso wie in der Bibel abgelaufen ist. Natürlich hat auch diese Theorie ein paar kleine Lückchen, ist aber – wissenschaftlich – total fundiert. Also eher Fakt. Punkt.). Das wiederum hat sicher den ein oder anderen Biologielehrer in Texas vor Schreck das Gerstengras-Extrakt aus der Hand geschlagen. Ist aber falsch, Perry kennt sich da anscheinend nicht richtig aus. Oder es war ein Freud’scher Versprecher. Das wäre zumindest meine Theorie.

Rick Perry erinnert mich ja immer irgendwie an Jefferson, den ewig grinsenden, stets gut frisierten Freund der Nachbarin Marcy. Substanz: Wenig bis keine. Die Hauptsache ist doch, bei den Nachbarn gut anzukommen. Daher liegt er mit seiner Antwort auf die Frage des kleinen Jungen politisch auch genau bei seiner Wählerschaft. Denn nur knapp 40 Prozent der Amerikaner “glauben” (ja, so wurde die Frage leider gestellt) an die Evolution im Sinne von Darwin. Das ist keine Theorie von mir, sondern basiert auf einer Gallup-Umfrage aus dem Jahr 2009. Bei Kirchgängern und Republikanern verschlechtern sich die Werte laut Gallup noch einmal immens: 74 Prozent der wöchentlichen Kirchgänger “glauben” nicht an die Evolutionstheorie, 68 Prozent der Republikaner zweifeln sie ebenfalls an. Denn es ist ja schließlich nur so eine Theorie “that’s out there.”

Bachmann, Paul und Palin finden das übrigens auch, während Gingrich und Romney bei diesen Thema noch ein bisschen rumeiern und erstmal beides glauben, um niemanden zu verschrecken. Ist ja auch ein delikates Thema, daher heißt die Devise erstmal: Stillhalten. Der einzige GOP-Politiker mit aktuellen Ambitione, der dazu eine eindeutige Aussage traf, war Jon Huntsman, der folgendes twitterte:

“To be clear. I believe in evolution and trust scientists on global warming. Call me crazy.”

Der Kampf “Science vs. the Republican Party” hat auf jeden Fall noch viele Runden vor sich.