Der Mann aus Stahl will frei sein

Der amerikanische Comic-Verlag DC hat mit der aktuellen Ausgabe seiner Reihe “Action Comics” eine politische Kontroverse in den USA ausgelöst. In einer Kurzgeschichte in der Jubiläumsnummer 900, Titel: “The Incident”, gibt Superman seine US-Bürgerschaft auf. “Ich bin es leid, dass meine Taten stets als Instrument der US-Politik ausgelegt werden”, sagt der Mann aus Stahl im Comic. Er reagiert damit auf Vorwürfe, mitverantwortlich für politische Unruhen im Iran gewesen zu sein. “Die Welt ist zu klein, zu vernetzt”, sagt der Superheld zu einem Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten und kündigt an, seine Staatsbürgerschaft vor den Vereinten Nationen niederzulegen. “Wahrheit, Gerechtigkeit und der amerikanische Weg – das ist nicht mehr genug.” Superman sagt sich damit von seinem Motto los, das ihn seit seinem ersten Auftritt im Jahr 1938 zunächst in den USA, später weltweit bekannt gemacht hat.

Das Comic, seit Mittwoch in den USA erhältlich, führte bereits zu hitzigen Debatten in den Medien. Nicht so sehr bei der “New York Times”, die wie immer sachlich-distanziert berichtet. Vor allem konservative US-Medien verbinden die Entwicklung im jüngsten Superman-Comic mit den aktuellen politischen Problemen des Landes. So kritisiert Jonathan Last im Blog des konservativen Wochenmagazins “Weekly Standard”, dass sich DC grundlos vom bislang erfolgreichen Superman-Image abwendet:

All of these stories work because Superman believes in, and is part of, America. Once he’s a “citizen of the universe” what, exactly, will he believe in? Heck, what does “citizen of the Universe” even mean? Will Superman now adhere to the Tamaran code of honor? Will he follow the Atlantean system of monarchy? Does he believe in liberté, égalité, fraternité, or sharia? Does he believe in British interventionism or Swiss neutrality? You see where I’m going with this: If Superman doesn’t believe in America, then he doesn’t believe in anything.

Und so überrascht es, dass Nutzer ausgerechnet auf der Webseite des konservativen Nachrichtensenders Fox News Argumente für Supermans Schritt finden. Dort sagen die DC-Mitherausgeber Jim Lee und Dan DiDio beispielsweise: “Als Comic-Charakter und Symbol verkörpert Superman das Beste am amerikanischen Lebensweg.” Auch wenn er sich nun dazu entschieden habe, seinen Kampf auf einer globalen Ebene auszutragen, bleibe er immer seinen Wurzeln in Smallville, Kansas, verpflichtet.

Vielleicht fasst es der Blogger Scott Thill auf “Wired.com” am besten zusammen: “Superman war schon immer größer als die USA.” Das Geniale sei einfach, dass er allen gehöre.

Obama, Social Media und die Generation Y

Die Generation Y war eine der wichtigsten Stützen Obamas bei seinem Wahlsieg 2008: 66 Prozent der Wähler in der Altersklasse 18-29 gaben ihm ihre Stimme, nur 31 Prozent wählten McCain. Obwohl jüngere Wähler auch bei den vergangenen Wahlen oftmals zu den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten tendierten, markierte Obamas Stimmenanteil bei den Jungwählern ein absolutes Hoch. Ein wichtige Rolle spielte dabei natürlich auch die Jungwählerkampagne des Obama-Teams, die vor allem auch über Social Media-Kanäle diese Altersgruppe erfolgreich ansprechen und mobilisieren konnte.

Nach einer neuen Studie des Harvard Institute of Politics (IOP) wird die Generation Y (das IOP nennt die Altersgruppe der 18-29jährigen Millennials und befragt diese in regelmäßigen Abständen zu politischen und gesellschaftlichen Themen) auch im kommenden Wahlkampf wahrscheinlich eine tragende Säule im Konzept des Wahlkampfteams von Obama spielen, denn aus dieser Gruppe rekrutiert sich nicht nur der Großteil der Freiwilligen für die Kampagne.

80 Prozent der 18-29-Jährigen haben mittlerweile einen Facebook-Account, bei den College-Studenten sind es sogar 90 Prozent – alles potenzielle Multiplikatoren, die über Facebook und andere Social Media-Plattformen erreicht, umgarnt und mobilisiert werden können. Als ihre bevorzugte Informationsquelle zum kommenden Präsidentschaftswahlkampf geben zwar noch 49 Prozent die großen nationalen Tageszeitungen der USA an. Aber verbreitete Links oder Videos ihrer Facebook-Freunde (36 Prozent) sowie die Feeds von Kandidatenseiten (29 Prozent) folgen schon auf dem zweiten Platz und dritten Platz.

Das eigentlich interessante Resultat der Studie ist jedoch folgendes:

Among all Millennials, 27% percent reported that compared to in-person advocacy, they believe that “advocating for a political position by using online tools like Facebook, Twitter, blogs, and YouTube” makes more of an impact – while only 16 percent said it made less of an impact. Approximately one-quarter (24%) believe the impact is about the same and one-third (33%) either did not know or did not answer the question.

Dieses Ergebnis treibt allen Internet-Wahlkampfstrategen in den USA sicherlich mehr als nur virtuelle Tränen in die Augen. Interessant wird vor allem, wie die Republikaner versuchen werden, Social Media-Känale für die Ansprache von Jungwählern einzusetzen, um in dieser Wählerschicht Boden gut zu machen. Denn hier hat Obama 2008 vorgelegt – und in dieser Zielgruppe hat er einen relativ starken Rückhalt.

Gary wer?

New Mexikos ehemaliger Gouverneur Gary Johnson bewirbt sich um die republikanische Präsidentschaftskandidatur. Der 57-Jährige kündigte seinen Schritt auf Twitter an: “Hier zum ersten Mal: Ich bewerbe mich um das Amt des Präsidenten.” Johnsons Entscheidung sorgte für Gesprächsstoff in den USA; in den Diskussionen um potenzielle Gegner für Präsident Barack Obama tauchte der Name des Republikaners zuletzt nicht auf. Es war daher wenig überraschend, dass die Moderatoren der Late-Night-Sendungen Johnsons Schritt mit beißendem Humor kommentierten. So sagte Conan O’Brien in seiner TBS-Talkshow: “Wenn die anderen Kandidaten nicht aufregend genug sind, wird es Zeit für Gary Johnson.” Craig Ferguson sagte in seiner “Late Late Show“: “Ich denke, dass ich für uns alle spreche, wenn ich frage: Wer zur Hölle ist Gary Johnson?”

Das amerikanische Online-Magazin “Slate” analysiert die Kandidatur des Republikaners mit mehr Ernst. “Slate”-Autor David Weigel geht davon aus, dass Johnson vor allem um libertäre Wähler werben will. “Bevor Ron Paul 2007 bekanntgab, als republikanischer Präsidentschaftskandidat anzutreten, war Johnson die große Hoffnung der libertären Bewegung.” Damals entschied er sich jedoch gegen eine Kandidatur. Nun dürfte es für ihn schwierig werden, den bereits landesweit bekannten Paul zu verdrängen. Schwierig, aber nicht unmöglich, schreibt Weigel: “Johnson braucht einen politischen Aufreger. Eine TV-Debatte der Republikaner wäre am besten geeignet.”

Gut möglich, dass in einigen Wochen mehr Amerikaner wissen, wer Gary Johnson ist.

Barbour tritt nicht an

Haley Barbour, Gouverneur von Mississippi, wird sich nicht um die republikanische Präsidentschaftskandidatur bewerben. Das hat Barbour am Montag auf seiner Webseite angekündigt. “Ein Präsidentschaftskandidat muss damit rechnen, eine zehnjährige Verpflichtung einzugehen, die allumfassend ist und sämtliche anderen Tätigkeiten ausschließt. Seine Unterstützer erwarten und verdienen nichts anderes als eine absolute Leidenschaft bei ihrem Kandidaten.” Er selbst könne seinen Anhängern diese notwendige Sicherheit nicht geben, teilte der 63-Jährige auf seiner Webseite mit; deshalb bewerbe er sich nicht um die Kandidatur.
Barbour ist seit 2004 Gouverneur von Mississippi und ehemaliger Parteichef der Republikaner. Anfang der 90er Jahre war er Mitbegründer der Lobby-Firma BGR-Group, nicht nur deswegen hat er in Washington den Ruf eines versierten Strippenziehers. In jüngsten Beliebtheits-Umfragen unter republikanischen Wählern landete Barbour oft nur auf den hinteren Plätzen.

Facebook-Freunde fürs Leben

Eigentlich müsste Tim Pawlenty doch der beste Freund von Facebook. Er hat seine Kandidatur für die internen Vorwahlen bei den Republikanern exklusiv über seine Facebook Page angekündigt. Und auch eines der beliebten Townhall Meetings hat er Ende März schon via Facebook abgehalten. Dafür haben sich zwar nur knapp über 1.000 Facebook-Nutzer registriert, aber seitdem konnte er seine Anhänger dort von 31.000 auf mehr 85.000 Fans mehr als verdoppeln.

Obama hatte 2008 mehr als jeder andere Kandidat auf die sozialen Medien und auch auf Facebook gesetzt. Und muss Tim Pawlenty jetzt natürlich toppen, das wäre ja gelacht. Also veranstaltet er nicht so einfach ein Townhall Meeting via Facebook, denn das kann ja jeder, sondern er hält sein Meeting letzte Woche gleich in der Facebook Zentrale in Palo Alto ab, zusammen mit Mark Zuckerberg (der auch gleich die erste Frage stellen durfte) und Facebook COO Sheryl Sandberg und weiteren Mitarbeitern des sozialen Netzwerks. Und natürlich streamt Facebook das Townhall Meeting auch gleich live, damit auch jeder Nutzer zugucken kann. Mehr als 45.000 Nutzer hatten sich auch für das Facebook-Event angemeldet.

Obama wird sein Engagement auf Facebook in den nächsten Wochen und Monaten sicher weiter intensivieren: um Botschaften zu verbreiten, Freunde zu aktivieren und Freunde von Freunden anzusprechen. Denn er weiß, das Facebook bei der kommenden Wahl nach wichtiger als 2008 wird. Nicht nur junge Wähler lassen sich bei Facebook umgarnen: Mehr als 130 Millionen Amerikaner sind mittlerweile bei Facebook registriert (was ca. 42 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht). Und eine aktuelle Umfrage der Harvard University unterstreicht die Rolle der sozialen Medien bei der politischen Meinungsbildung.

Die Partnerschaft ist aber für beide Seiten fruchtbar, denn auch Facebook braucht mittlerweile Freunde in der Politik, da auch in den USA mittlerweile Diskussionen rund um den Datenschutz in sozialen Netzwerken auf die Tagesordnung treten. Deswegen ist Facebook gezwungen, sein Lobbying in Washington weiter professionalisieren und Kontakte zur Politik zu intensivieren. Es wird weiterhin gemunkelt, das Obamas ehemaliger Sprecher Robert Gibbs bald der oberste Kommunikator für das größte soziale Netzwerk der Welt werden könnte. Und mit Marne Levine, vormals Stabschef des National Economics Council der Obama Administration, steht bereits ein Akteur aus dem Dunstkreis von Obama als neuer Vice President of Global Public Policy auf der Gehaltsliste von Mark Zuckerberg (auch andersrum funktioniert die Personal-Rochade: mit Chris Hughes, war 2008 einer der Facebook-Mitgründer für den Aufbau von My.BarackObama.com verantwortlich; COO Sandberg ist Mitglied in einem wirtschaftlichen Beratergremium der Obama-Adminstration; Mark Zuckerberg und Obama sind dieses Jahr schließlich schon zwei Mal zusammen getroffen).

Aber für den Fall der Fälle hat Facebook vorgesorgt: Mit Cathie Martin ist seit kurzem eine neue Verantwortliche für Public Policy mit am Faceboard. Und diese hat aus gemeinsamen Tagen beste Beziehungen zu George W. Bush und Dick Cheney.

Immer trifft es die Guten /// Glenn Beck verlässt Fox

Eine unbeschreibliche Trauer erfüllte mich heute: Glenn Beck verlässt Fox. Wie es bei diesen Trennungen so üblich ist, sagt die eine Seite “Ich habe gekündigt, mit dir kann man nicht mehr richtig verrückte Dinge tun” (Beck), während die andere Seite genau das Gegenteil sagt: “Du bist selbst für uns ein verrückter Psychopath, hau ab!” (Fox).

Beck will jetzt Gerüchten nach einen eigenen Kabelsender aufbauen – oder gleich übernehmen (wie wäre es denn mit Comedy Central?). Wir wünschen ihm dabei ganz viel Glück. Gute Comedyshows haben einfach einen Platz um amerikanischen TV verdient. Und nicht nur diese biederen linkskommunistischen Nazi-Shows von “Komikern” wie Jon Stewart.

Anbei noch einmal ein schöner Clip von Glenn Beck. Enjoy!

Und ein Video seines größten Fans wollen wir uns auch nochmal mit einem weinenden und lachenden Auge angucken:

“What I know is troubling enough.” // Mike Huckabee

HUCKABEE: I would love to know more. What I know is troubling enough. (…) [O]ne thing that I do know is his having grown up in Kenya, his view of the Brits, for example, very different than the average American. When he gave the bust back to the Brits –

MALZBERG: Of Winston Churchill.

HUCKABEE: The bust of Winston Churchill, a great insult to the British. But then if you think about it, his perspective as growing up in Kenya with a Kenyan father and grandfather, their view of the Mau Mau Revolution in Kenya is very different than ours because he probably grew up hearing that the British were a bunch of imperialists who persecuted his grandfather.

Nein, Mike Huckabee ist kein Birther, der behauptet, Obama wäre irgendwo in Saudi-Arabien als Halbbruder von Osama bin Laden geboren. Er stellt nicht in Frage, dass Obama amerikanischer Staatsbürger qua Geburt ist.

Micke Huckabee kennt aber auch Umfragen wie diese: Poll: 51 percent of GOP primary voters think Obama born abroad. Da er sich nun aber auch nicht zur kompletten Lachnummer machen will, würde er nie direkt behaupten, dass Obama wahlweise im Iran, in Kenia oder auf der Osterinsel (dieses Profil, von der Seite her betrachtet…) das Licht der Welt erblickt hat.

Aber ein bisschen Futter bei die Fische für diese tiefenintellektuelle, kosmopolitische Segment der amerikanischen Wählerschaft muss auch Mike Huckabee auf der Agenda haben. Darum schmeisst er ihnen so ein paar Interviewbrocken hin, ganz einfach um zu zeigen, dass er einer von ihnen ist. Ein jolly old fellow aus dem Heartland, der auf der Gitarre klimpert, gottesfürchtig ist und der noch nie länger als zwei Minuten das heilige Land verlassen hat. Damit kommt er sicher gut an.

Und Obama? Keiner von uns, sondern ein K-E-N-I-A-N-E-R. Oder sowas. Wo auch immer das liegt. Jedenfalls keiner von uns. Denn er ist nicht in Arkansas aufgewachsen, sondern halt woanders. Ohne Bibel!

Und dann erst sein Bild von den Briten. Imperialisten? Hahaha! Die haben den Afrikanern damals nur das Fußballspielen beigebracht. Darum können die heute auch keine Elfer schießen. Ein bisschen friedliche Religion wurde denen auch gezeigt. Und überhaupt: Wer sagt denn, dass die Briten nicht vor den Kenianern in Kenia waren? Na? Da starten die einfach so eine Revolution! Und nennen die Mau Mau-Revolution? Warum nicht gleich Poker-Revolution? Diese Wilden!

Wir Amerikaner wären nie auf so eine Idee gekommen! Wir haben damals mit den Engländern eine Riesenparty gefeiert, dann sind sie betrunken auf ihre Schiffe und zurück nach Europa. Imperialisten? So ein Quatsch! Doch nicht die Engländer! “Empire” war nur so ein kleines Wortspiel der englischen Krone ohne jeglichen Hintergedanken. Imperialisten? Das waren damals doch schon diese Franzosen und Arabisten oder wie die alle heißen. Die haben wir rausgeschmissen. Genau wie die Indianer. Wo sind die damals eigentlich auf einmal hergekommen?

“What I know is troubling enough.” Nö. Aber wenn die Birther denken, ich sei einer von ihnen, ist das auch nicht das Schlechteste. Bravo, Mike Huckabee!

Der ideale GOP-Kandidat: Karab Amabo

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Die republikanische Partei ist zurzeit noch auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten, um Barack Obama aus dem Weißen Haus zu verdrängen. Bill Maher, Gastgeber der US-Talkshow “Real Time“, hat sich in der vergangenen Woche einige Gedanken darüber gemacht, wie der ideale GOP-Kandidat aussehen müsste: “Ein fetter, weißer Idiot, mit kleinen Ohren, schnell reizbar, der sich über alles aufregt sowie 300 Punkte beim Bowling schafft – und der bei sich nur eine einzige Art der Identifizierung trägt: seine Geburtsurkunde.” Doch damit war Maher noch lange nicht fertig.