“Well, the trouble with our liberal friends is not that they are ignorant, but that they know so much that isn’t so.”

Es gab Zeiten, da wollten nicht einmal demokratische Politiker als “liberal” bezeichnet werden. Denn ein “liberal” war noch schlimmer als das, was ein “Gutmensch” im deutschen Diskurs ist. Denn ein “liberal” war dumm und hatte die Realität komplett aus den Augen verloren, eine Meinung, die Ronald Reagan in einer Rede zu Ehren von Barry Goldwater ziemlich deutlich vertrat (und aus der das Zitat aus der Überschrift dieses Posts ist).(. Ein Kommunist war der “liberal” auch. Und fuhr Volvo, trank Latte, war ein Akademiker ohne jegliche Bindung zum wahren Amerika. Ein Weichei, das auch nicht richtig mit einer Knarre umgehen kann (weshalb John Kerry sich während seiner Kandidatur für die Präsidentschaft auch verzweifelt als Jäger zu inszenieren versuchte).

Der Begriff “liberal” wurde dabei von Konservativen – um den Begriff von George Lakoff zu nehmen – extrem erfolgreich geframed, so dass es fast eine Beleidigung war, jemanden so zu nennen. Und er bleibt weiter umkämpft in der Schlacht um eine nicht nur verbale Deutungshoheit, in der natürlich auch an anderen Begriffen gezerrt wird – und die daher natürlich im nicht nur politischen Diskurs anders definiert und verstanden werden als es die Wissenschaft oder die FDP eigentlich will.

Der kürzlich verstorbene Historiker Tony Judt, definierte einen “liberal” (und damit auch sich selbst so) wie folgt:

“Liberal” is a venerable and respectable label and we should all be proud to wear it. But like a well-designed outer coat, it conceals more than it displays.

A liberal is someone who opposes interference in the affairs of others: who is tolerant of dissenting attitudes and unconventional behavior. Liberals have historically favored keeping other people out of our lives, leaving individuals the maximum space in which to live and flourish as they choose. In their extreme form, such attitudes are associated today with self-styled “libertarians,” but the term is largely redundant. Most genuine liberals remain disposed to leave other people alone.

Social democrats, on the other hand, are something of a hybrid. They share with liberals a commitment to cultural and religious tolerance. But in public policy social democrats believe in the possibility and virtue of collective action for the collective good. Like most liberals, social democrats favor progressive taxation in order to pay for public services and other social goods that individuals cannot provide themselves; but whereas many liberals might see such taxation or public provision as a necessary evil, a social democratic vision of the good society entails from the outset a greater role for the state and the public sector. “

Das sehen Limbaugh, Palin und Co. natürlich ganz anders, ihnen kommen eher “Big Government”, “Taxes” oder “Communist Facist” in den Sinn. Der Kampf um die Definitionsmacht geht weiter. Leider haben die Schreihälse die lauteren Stimmen. Ich werde mir mal “Ill fares the Land” von Tony Judt besorgen, um die Stimmen aus meinem Kopf zu vertreiben.

  • Georg

    Eminem würde wollen, dass sie Chrysler fahren. ;-)