Candidate Tracker ::: On the Road with Obama, Palin, Huckabee und Co.

Wer wissen will, ob Sarah Palin grad wieder mit Flinte bewaffnet auf der Jagd nach ein paar Elchen durch die Wälder Alaskas stapft oder ob sie wieder ein paar Dollar beim eloquenten Vortraghalten an einer Uni verdient, der wird vom Cadidate Tracker auf politico.com immer auf den neuesten Stand gebracht.

Neben Obama und Michael Bloomberg (es gab ja Gerüchte, dass er als unabhängiger Präsidentschaftskandidat antritt) wird hier das gesamte Feld der potentiellen republikanischen Präsidentschaftskandidaten abgedeckt – von Bachmann bis Thune. Diese bislang noch unübersichtliche Ansammlung wird sich in den nächsten Monaten noch lichten, aber wenigstens erfahren wir so, dass Tim Pawlenty am Wochenende beim Pfannkuchen-Frühstück des Northeast Hamilton County Republican Club (Ohio) der unumstrittene Stargast war.

Fox News erklärt die Welt

Nur 37 Prozent der der jungen Amerikaner können Irak auf einer Weltkarte finden. Kein Wunder, denn neueste wissenschaftliche Studien von Fox News belegen, dass der Irak gar nicht da ist, wo ich ihn immer vermutet haben auf unserer hochgeschätzten Mutter Erde. Denn eigentlich ist liegt Ägypten da, wo der Irak liegt. Das ist doch klar. Und der Irak liegt, hmmh, ja wo eigentlich? Naja, das ist ja egal, irgendwo auf der Weltkarte wird schon ein Plätzchen übrigt sein. Vielleicht irgendwo am Südpol, da ist ja noch Platz. Gibt es da eigentlich Erdöl?

Zum Glück stammt die interessante Karte des Nahen Ostens aber vom Juli 2009. Seitdem hat sich Fox News ja die Geographiemeisterin Sarah Palin an Bord geholt. Und unter ihrer Führung werden solche Fehler mit Sicherheit nie mehr vorkommen. You betcha’!

Last Action Hero ::: Tim Pawlenty

Mal ehrlich – geht es irgendwie pathetischer? Und hätten die nicht irgendwie einen besseren Schauspieler verpflichten können, der in diesem abgedroschenen Actionfilm von Uwe Boll die Hauptrolle spielen könnte, um die USA vor diesen außerirdischen Sozialisten zu retten? Chuck Norris zum Beispiel! Wer ist denn eingentlich überhaupt dieser Tim Pawlenty? Bei Reich und Schön hat der damals auch nicht mitgespielt…

Hate cannot drive out hate ::: Martin Luther King

Heute begehen die Vereinigten Staaten den Martin Luther King Day mit zahlreichen Veranstaltungen, die an das Leben und Vermächtnis des afro-amerikanischen Bürgerrechtlers erinnern. King ist dabei längst zu einer Ikone, einem amerikanischen Symbol geworden, er steht für Freiheit, Mut, christliche Werte.

Und wie das bei amerikanischen Symbolen so ist, flammt jedes Jahr zur gleichen Zeit zwischen Rechts und Links wieder ein Kampf um die Deutungshoheit über das Leben von Martin Luther King auf. Ob Verfassung, die mythisch verklärten Founding Fathers, Jesus oder Abraham Lincoln – beide Seiten versuchen, diese Symbole für ihre Seite zu instrumentalisieren und für ihre Anhänger zu deuten.

“Martin Luther was a Republican” schallt es daher von der rechten Seite, aus den Kommentaren auf Sarah Palin’s Facebook-Seite und den Posts von konservativen Bloggern.

Historisch gesehen ist das ja nicht ganz falsch: Unter Abraham Lincoln waren die Republikaner die Partei, die Rechte für Afro-Amerikaner als erste in der Politik vorangetrieben haben. Und in er der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis hinein in der 50er und 60er Jahre waren viele Demokraten in den Südstaaten tumbe Dixiecrats, die die Rassentrennung um jeden Preis aufrecht erhalten wollten. Aber obwohl sein Vater, Martin Luther King Sr., bis in die 60er Jahre Republikaner war, war King wohl mit Sicherheit kein Republikaner. Denn die GOP hatte zur Zeit der Bürgerrechtsbewegung und danach nicht mehr viel mit der Partei gleichen Namens zu tun, die von Abraham Lincoln während des Bürgerkriegs angeführt wurde. Vielmehr waren in den Südstaaten viele Weiße, ob Demokraten oder Republikaner, Anhänger der Rassentrennung.

Auf nationaler Ebene wurde die von Martin Luther King angeführte Bürgerrechtsbewegung aber nun eben von den Demokraten und linken studentischen Gruppen unterstützt. So wählte King Kennedy und Lyndon B. Johnson und sprach sich gegen Barry Goldwater aus – und seit den 60er Jahren wählen beinahe durchgehend 90% der Afro-Amerikaner demokratisch. Und Republikaner wie Strom Thurmond und später Jesse Helms haben ihr Übriges dazu beigetragen, dass die GOP unwählbar für die Erben der Bürgerrechtsbewegung geworden ist.

Wenn Sarah Palin nun heute versucht, sich subtil als Bürgerrechtlerin im Geiste von MLK zu stilisieren, dann sollte sie sich vor Augen halten, dass King doch etwas andere Ideen von “Freiheit”, “Gleichheit” und “Unterdrückung” hatte als sie selber (sofern sie davon eine eigene Idee hat) und von der Tea Party aufgrund seiner Ideen heute als Socialist verteufelt werden würde:

King sympathized with socialized, advocated for reparations and big government programs, opposed school prayer, opposed the Vietnam War, supported a guaranteed minimum wage and some form of what would now be called Ebonics (or at least, the diametric opposite of the whites-only curricula Tea Partyers are proposing for Tennessee schools).

Die Behauptung, King sei ein Republikaner gewesen, hat ungefähr soviel Wahrheit in sich wie Silvio Berlusconi’s Aussagen zu seinen Beziehungen zu jungen Frauen. Politifact hat eine schöne Übersicht zu dieser Diskussion zusammengetragen und kommt zum gleichen Schluss.

“If you can’t fly then run, if you can’t run then walk, if you can’t walk then crawl, but whatever you do you have to keep moving forward.”

— Martin Luther King Jr.

“Crazy always seems to find a way”

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Arizona Shootings Reaction
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor & Satire Blog</a> The Daily Show on Facebook

Während Links und Rechts sich wieder einen auf die Mütze geben, findet ein Komödiant (neben Präsident Obama) mal wieder die besten Worte zu den tragischen Ereignissen in Arizona. Jon Stewart am letzten Montag in der Daily Show:

You know we live in a complex ecosystem of influences and motivations, and I wouldn’t blame our political rhetoric anymore than I would blame heavy metal music for Columbine. And by the way, that is coming from someone who truly hates our political environment. It is toxic; it is unproductive; but to say that is what has caused this or that the people in that are responsible for this, I just don’t think you can do. Boy would that be nice. Boy would it be nice – to be able to draw a straight line of causation from this horror to something tangible, because then we could convince ourselves that if we just stopped this, the horrors would end.

It would be really nice if the ramblings of crazy people didn’t in anyway resemble how we actually talk to each other on TV. Lets at least make troubled individuals easier to spot.

Oh Gosh! Sarah Palin’s Alaska wird abgesetzt

Holy Geez, Badman. Ich kann es nicht fassen. Die megaerfolgreiche Realitydokucomdey (ein brandneus, von Bristol Palin erfundenes Format) “Sarah Palin’s Alaska” wird eingestellt. Heute hat der Sender TLC verkündet, dass es keine zweite Staffel geben wird. Schade. Die Tea Party trauert. Keine Campingtours in der einsamen Wildnis, keine Extremtouren durch das ewige Eis Alaska’s mehr mit dem Palin-Clan, keine Einblicke mehr in das einzig wahre Amerika. Nur Elche, Rentiere, Eisbären, Wölfe und alle anderen Tiere, die man in Alaska abschießen kann, können nun ein bisschen verschnaufen.

Aber wir hören ja jeden Tag Neues aus der noch realeren Realitydoku “Sarah Palin’s Amerika”. Und ein weiterer Trost ist, dass Vanity Fair schon einmal die Scripts der nächsten Staffel bekommen hat.

Und hier gibt es noch zwei weitere Trailer zu der Show:

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Jason Jones’ Bayonne
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor & Satire Blog</a> The Daily Show on Facebook

I have seen the enemy and they is us ::: Attentat in Arizona

Für viele demokratische Politiker ist es ja mittlerweile normal geworden, auf öffentlichen Veranstaltungen angefeindet und angeschrien zu werden. Nachdem die Kongressabgeordnete Gabrielle Gifford aus Arizona im letzten Jahr die Gesundheitsreform der Obama Administration unterstützt hat, wurde ihr Büro ein paar Stunden nach Verabschiedung der Reform auch prompt verwüstet.

Heute wurde es aber alles noch schlimmer: Bei einer Veranstaltung der Demokratin wurden mit einer automatischen Waffe Menschen niedergemäht, es gab mehrere Tote und Verletzte, Gifford selbst wurde in den Kopf geschossen und liegt momentan mit kritischen Verletzungen auf der Intensivstation.

Jetzt stellt dich die Frage nach den Motiven des Täters. In den Köpfen vieler liberaler Amerikaner kristallisiert sich vor allem eine Schuldige momentan heraus: In ihrer unbedachten Art und Weise hatte Sarah Palin Gifford für ihre Unterstützung der Gesundheitsreform vor einigen Monaten ins Fadenkreuz genommen und alle amerikanischen Patrioten zum “Nachladen” aufgefordert:

Die oben gezeigte Map mit den Fadenkreuzen hat sie kurz nach den Schüssen auf Gifford natürlich von ihrer Seite genommen. Aber Bild und Sprache von Palin triefen natürlich voll subtiler Agressivität, und das in einem Land, wo eigentlich Jeder irgendwie an Handfeuerwaffen kommen kann. Der für für das County zuständige Sheriff, in dem das Attentat passierte, prangerte ebendiese Rhetorik an:

“When you look at unbalanced people, how they respond to the vitriol that comes out of certain mouths about tearing down the government. The anger, the hatred, the bigotry that goes on in this country is getting to be outrageous. And, unfortunately, Arizona I think has become sort of the capital. We have become the Mecca for prejudice and bigotry.

“It’s not unusual for all public officials to get threats constantly, myself included. And that’s the sad thing of what’s going on in America. Pretty soon, we’re not going to be able to find reasonable, decent people who are willing to subject themselves to serve in public office.”

Natürlich können bisher nur Mutmassungen zu den Motiven des Täters angestellt werden – aber die gibt es zuhauf. Die liberale Blogosphäre ist überzeugt, dass Palin Beck, Limbaugh und grade diese harsche und hasserfüllte Rhetorik der amerikanischen Rechten einen erheblichen Anteil zur Tat beigetragen hat. Die rechte Blogosphäre verwehrt sich dagegegen und verweist unter anderem darauf, dass der Täter das “Communist Manifesto” gelesen hat und von ehemaligen Mitschülern als “left-wing” bezeichnet wird.

Die gegenseitigen Schuldzuweisungen auf Facebook und Twitter kritisieren oftmals die vergiftete Atmosphäre in den USA, befeueren sie aber gleichzeitig auch wieder, indem sie nur der anderen Seite die Schuld geben und abermals in diese Rhetorik verfallen, um daraus politischen Nutzen zu ziehen. In den nächsten Tagen werden wir wahrscheinlich mehr über den Täter und seine Gedankenwelt rausfinden, den politischen Diskurs wird die Tat aber nicht verändern.

Ich hoffe aber, dass es bei einigen ein Umdenken bezüglich ihrer Einstellung zu strikteren Waffengesetzen geben wird. Denn es kann einfach nicht sein, dass in den meisten Bundesstaaten fast Jeder ohne Probleme jede Art von Handfeuerwaffen kaufen und besitzen kann. Vielleicht wird nach dieser Tat auch Gifford (ich hoffe, dass sie dieses Attentat überlebt), die ihre Haltung ändern, denn sie hat bisher jede Form von Gun Control strikt abgelehnt.

End of Days ::: Hasta la vista, Arnie.

Arnold Schwarzenegger tritt ab. Heute wurde der neue kalifornische Gouverneur Jerry Brown (D) vereidigt, Schwarzenegger dagegen verschwindet nach sieben Jahren als Governator und ein paar Monaten als lame duck nun aus der Sonne Kaliforniens. Er hinterlässt wie als Terminator wirtschaftlich und im Haushalt des Westküstenstaates eine Spur der Verwüstung, denn er bekam das Budget nie in den Griff (was in Kalifornien wohl aber nicht einmal Dagobert Duck schaffen würde).

Fiskalisch war er ein Konservativer, der Steuererhöhungen so sehr liebte wie Rush Limbaugh Barack Obama. Mit Hinblick auf Schwulenrechte, Gun Control und vor allem in Fragen des Klimaschutzes war Schwarzenegger für amerkanische Verhältnisse sehr moderat, was ihn aus Sicht des rechten Randes der GOP und aller Tea Party-Anhänger in die Nähe von sozialistischen Hippies und kommunistischen Baumumarmern gerückt und daher also tendenziell unamerikanischer Aktivitäten verdächtigt gemacht hat. Für sie war er ein RINO, ein Republican in name only, der eigentlich nichts in der wahren GOP zu suchen hat. Und daher tritt mit Schwarzenegger nun ein weiterer der immer weniger werdenen moderaten Republikaner ab, die in den Midterms ja auch schon Federn gelassen haben.

Aber man weiß ja nie, vielleicht taucht er ja in einer anderen Rolle wieder auf. Eher nicht als Kalidor an der Seite von RedWhite’n'Blue Sarah in einem Hollywood-Sequel, denn die beiden können nicht so gut. Der ORF munkelt, dass ihn Obama eventuell nach Washington in sein Umweltteam holt. Das halte ich eher für unwahrscheinlich, man weiß ja aber nie heutzutage: