So muss es sein // Mit der Knarre lässt sich einfach alles regeln

Solche Wahlvideos habe ich bisher eigentlich nur von Republikanern gesehen: Der Governeur von West Virginia, Jim Manchin, muss sich als ganzer Kerl stilisieren, der wie Lucky Luke mit der Knarre umgehen kann und daher ein toller Freund der NRA ist.

Und was kann er noch machen? Genau, ein Loch in ein Blatt Papier schießen, um damit sie abgrundtiefe Abneigung gegen jegliche Klimagesetzgebung zu verdeutlichen. Zwar ist das cap and trade-Gesetz schon lange politisch tot, aber egal, die Geste zählt. Denn vielleicht kann man so doch noch ein paar Tea Party-Sympathisanten auf die eigene Seite ziehen.

Ein Tipp vielleicht noch: Nächtes Mal einfach auf ein Bild von Präsident Obama schießen. Das kommt sogar noch viel besser an. In West Virginia kann es den Demokraten jedoch eigentlich völlig egal sein, wer der nächste Governeur sein wird. Denn von beiden kann Fundamentalopposition zur Obama Administration erwartet werden.

Wahlen auf Facebook oder wer hat die meisten „likes“

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Auch im Kampf um den Einzug in den amerikanischen Kongress spielt Social Media dieses Mal wieder eine gewichtige Rolle. Zwischen den einzelnen Kandidaten gibt es jedoch gewaltige Unterschiede in der Art und Weise der Nutzung als auch im Zuspruch der Unterstützer. Heute werfen wir einen kurzen Blick auf die Entwicklung der Unterstützerzahlen im größten sozialen Netzwerk der Welt, Facebook.

„The rich get richer“

Und dabei geht es zu wie bei beim Einkommensgefälle in der amerikanischen Bevölkerung. Die Armen werden ärmer, die Reichen werden reicher. So hat Andrew Cuomo, demokratischer Kandidat im Staate New York, alleine 18.311 „likes“ auf Facebook gesammelt. Bei insgesamt ca. 31.000 Unterstützen doch eine beachtliche Steigerung. Einen ähnlich großen Sprung hat die Republikanerin Meg Whitman mit einem Zuwachs um 11.432 „Fans“ hingelegt.

Größte Zunahme (an „likes“ in der letzten Woche):

  • Andrew Coumo (D) – 19.323
  • Meg Whitman (R) – 15.425
  • Sharron Angle (R) – 6.576
  • Ron Johnson (R) – 5.927
  • Mary Bono Mack (R) – 3.344

Große Diskrepanz und ein Hinweis auf Fähigkeit zur digitalen Mobilisierung sind auch in der Differenz zwischen zwei direkten Konkurrenten zu finden. Im dem von Republikanern regierten Bundesstaat Arizona weist der amtierende Governeur Jan Brewer ein Plus von 218.234 Fans gegenüber seinem demokratischen Widersacher Terry Goddard auf. In Californien hat sich die bereits oben genannte Meg Whitmann einen Vorsprung von über 74.000 Fans zu ihrem Konkurrenten Jerry Brown erarbeitet. Insgesamt, so der erste Eindruck, schaffen es in aller Regel die Republikaner einen Abstand zwischen sich und ihre Konkurrenz erzeugen.

Die Spitze
Ein Blick an die Spitze des Facebookzuspruch zeigt das hier der ehemalige Präsidentschaftskandidat John McCain (R) in Führung liegt, dicht gefolgt von Jan Brewer (R) und Meg Whitman (R). Unter den Top 10 Kandidaten auf Facebook befinden sich insgesamt 8 Republikaner. Blickt man zurück auf die Präsidentschaftswahlen von 2008, so fällt auf, dass sich das Blatt scheinbar zu Gunsten der Republikaner gewendet hat.

Meisten „likes“ insgesamt:

  • John McCain (R) – 713.046
  • Jan Brewer (R) – 314.872
  • Meg Whitman (R) – 177.500
  • Bill White (D) – 149.276
  • Marco Rubio (R) – 129.822

„Likes“ = „Votes“

Interessant werden die Facebookzahlen insbesondere mit Hinblick auf die realen Wahlergebnisse. Wird sich die virtuelle Unterstützung für die einzelnen Kandidaten am Ende der Wahlen in der Anzahl an abgegebenen Wählerstimmen wiederspiegeln?

Die Zahlen gibt es im Übrigen exklusiv von Facebooks „DC Team“, quasi dem politischen Zweig des Unternehmens aus Palo Alto.

Bloody Bloody Andrew Jackson // Eine politische Geschichtsstunde auf dem Broadway

Ich bin kein Freund von Musicals. Biografien hingegen finde ich sehr spannend. Vor kurzem habe ich mir aber eine Biographie über Andrew Jackson gekauft, den 7. Präsidenten der USA, der auch die Demokratische Partei (bzw. deren Vorläufer) gegründet hat. Und Memphis, Tennessee auch. Seinem eigentlich nicht nett gemeinte Spitznamen “Jackass” verdanken die Demokraten auch ihr Parteilogo, den Esel (obwohl es zur Entstehung des Parteilogos mehrere Erklärungen gibt).

Nun hat es Jacksons bewegtes Leben auch auf den Broadway geschafft. Daher werde ich mir eventuell mal ein Ticket zu Bloody Bloody Andrew Jackson besorgen und mich doch mal wieder in ein Musical wagen, Geschichtsstunde inklusive.

Obama in der Daily Show

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Barack Obama
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor Rally to Restore Sanity

Die Rally for Sanity steht vor der Tür. Zeit, dass auch Barack Obama mal wieder in der Daily Show vorbeischaut, um der lustigen Verantaltung nochmal ein bisschen Publicity zu geben. Denn eine Hand wäscht ja die andere, sowas soll es ja sogar unter Politkern geben. Und da die Daily Show-Gagschreiber beim letzten White House Press Conference Dinner ein paar Gags für Obamas Rede beigesteuert haben, taucht er nun das erste Mal in seiner Paraderolle als Präsident bei Jon Stewart auf. Das letzte Mal war er noch ein hoffnungsvoller US-Senator aus Illinois…

Midterms // The Rent is 2 damn high in New York


Die Midterms stehen ja schon fast vor der Tür, am 2. November ist großer Wahltag in den USA. Dann wird über alle 435 Sitze im House of Representatives, 37 der 100 Sitze im Senat und zusätzlich 37 Governorsposten abgestimmt. Für die Demokraten steht viel auf dem Spiel: Auch nach den letzten Umfragen drohen sie die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses zu verlieren.

Zeit, sich einige der Rennen einmal genauer anzugucken. Da ich seit knapp einer Woche in New York weile, beissen wir doch gleich mal kräftig in den Big Apple rein. Denn hier wird seit Wochen ein aus der Distanz doch sehr lustiges Kasperletheater aufgeführt. In den Hauptrollen: Andrew Cuomo (D), New Yorks State Attorney General (also sowas wie der Justizsenator) und Carl Paladino, der lokale Tea Party-Champion, ein Immobilienentwickler aus Buffalo, der mit allerhand lustigen Einfällen, die ihm anscheinend die Gagschreiber der Daily Show heimlich zustecken, ordentlich Dampf ins Rennen bringt.

Nach einigem Wahlkampfgeschrei in den letzten Wochen kam es gestern zum Showdown bei der 1. Debatte aller Kandidaten für den Governorsposten des Staates New York. Auf der Bühne: die beiden Streithähne Cuomo und Paladino, die sich so sehr mögen, dass Security Guards für alle Fälle bereit standen, um die beiden wenn nötig zu trennen. Damit hat die Politik endlich fast das Niveau von Larry Springer erreicht (übrigens ein absolutes Highlight der amerikanischen Unterhaltungskultur). Dazu Howie “The Green Hornet” Hawkins von den Grünen, der Ex-Black Panther Charles Barron (Freedom Party), Warren Redlich von der Libertarian Party (die überall antreten, auch gern als Republikaner, Ron Paul gut finden und die Tradition schlechter Wahlwerbespots zu perfektionieren versuchen), der Geheimfavorit Jimmy McMillan von der Rent is 2 Damn High Party (der müsste eigentlich in allen Umfragen führen, was geht denn, New York?), sowie Kristin Davis, die als Undercover-Politikerin (dafür hat sie extra einen Callgirl-Ring aufgebaut!) schon Eliot Spitzer zu Fall gebracht hat und damit quasi eigentlich fast so ziemlich ein Anrecht auf den Governeursposten hat. Außerdem will sie New York Prostitution und Mariuhana bringen (politische Insider behaupten aber, dass es das schon längst gebe) und hat Unterstützung von keinem gerigeren als 50 Cent. Insgesamt also ein recht interessanter Kreis, der sich vor keinem Bundestagswahlkampf in Cloppenburg verstecken muss. Ein Runde, wie sie sich Olli Geissen in seinen feuchten Talkshowträumen nicht besser ausdenken könnte.

Und unterhaltsam war sie, die Debatte. Aber obwohl McMillan mit komplexen Antworten glänzte (Zur Schwulenehe: “Rent Too Damn High Party feels if you wanna marry a shoe, I’ll marry it.”), obwohl Davis so gut es ging mit ihrem 80.000-Mal operiertem Gesicht in die Kamera grinste und gekonnt vom Blatt ablas, obwohl Redlich bekannte, dass er keine Callgirls kennt – die Debatte war auch völlig überflüssig. Die beiden eigentlichen Kandidaten, um die es ging (denn im Zweiparteiensystem mit “Winner takes” all”-Wahlen haben 3rd Party-Kandidaten leider fast überhaupt nie eine Chance) konnten sich entspannt zurücklehnen. Cuomo lachte vor sich hin. Und die brenzligste Situation für Paladino war noch, dass er sich während der Closing Statements auf die Herrentoilette verziehen wollte und beinah den Weg nicht gefunden hat.

Das wäre für ihn ein würdiger Abgang gewesen. Aber man hätte sich schon gewünscht, dass sich die Kandidaten hätten gegenseitig befragen dürfen, und das vor allem Paladino, der nachher zugab, gar nicht so genau bei den anderen Kandidaten hingehört zu haben, so von den Moderatoren und Cuomo ein bisschen gegrillt hätte werden können. Denn ist einer der typischen, substanzlosen Tea Party-Kandidaten, die mit hohlen “Restore America”-Phrasen durch die Gegend ziehen, zumeist ohne jegliche inhaltliche Substanz. Paladino ist dann auch bisher hauptsächlich durch seine Hetze gegen Homosexuelle und das Versenden von rassistischen und tierpornografischen Emails gemacht. Naja, Restore America halt.

Mit einem Kandidaten wie Paladino manövriert sich die GOP in New York aber noch weiter ins Abseits, als sie eigentlich schon ist. Er liegt in Umfragen mittlerweile deutlich hinter Cuomo zurück. Denn selbst die Republikaner wollten ihn eigentlich nicht, aber auch in New York konnten sich die lautstarken Tea Party-Unterstützer gegen den Kandidaten des republikanischen Establishments durchgesetzen und eben Paladino auf den Kandidatenthron hieven. Auf jeden Fall hat Cuomo, falls er nicht auch wie Spitzer noch über ein Callgirl stolpert, das Rennen schon gewonnen. Und vielleicht kann Jimmy McMillan ja auch noch Paladino überflügeln. Denn die Mieten in New York sind wirklich viel zu hoch.

Böse Propaganda bei NBA Jam

Fox News schwört mal wieder eine liberale Verschwörung. Denn bei der neuen Version von NBA Jam (ein absolutes Highlight meiner Teenager-Videospielzeit) putzen Obama und Biden mit Palin und McCain den Hallenboden -auch wenn Palin und McCain wie in der Politik mit allerlei unfairen Tricks versuchen, sich gegen die Niederlage zu stemmen. Schubsen und so… buh!

Und das gefällt Fox News, dem Leuchtturm der objektiven Berichterstattung in diesen dunklen, sozialistischen Zeiten, nicht – und der Vorwurf des liberal bias rutscht Beck, O’Reilly, Limbaugh und dem Rest vom Tea Party Amerika ja schneller raus als Sarah Palin ihr nächstes “You betcha’”.

Die Kritik: Obama habe bei NBA Jam viel zu viele Fähigkeiten. Aber Obama kann nun mal Basketball spielen. Und eigentlich kommen Palin und McCain viel zu gut weg: Palin hat seit ihrer Highschool Zeit doch nur noch Knarren in der Hand gehabt, um für Nachschub für die Elchburger in ihrer Küche zu sorgen, und McCain kann seine Arme seit seiner Kriegsgefangenschaft in Vietnam nun einmal nicht mehr höher als Bauchnabelniveau heben.

Außerdem versteh ich die Aufregung auch gar nicht. Wenn EA mal die Alaskan Games mit Robbenjagd, Snowmobilwettrennen, Elchburgerwettessen, Buzzword Bingo (The Tea Party Version) und einfach wildem Rumgeballer auf den Markt bringt, ist das Duo Palin/McCain sicher unschlagbar. Und es würde bei der NRA und Tea Party-Anhängern reißenden Absatz finden. Denn die kaufen ja sogar Sarah Palins Biografie. Ein größerer Bestseller wäre wohl nur noch die Dick Cheney Version von Resident Evil.