Democracy is not a Spectator Sport :: Zum Tode von Howard Zinn

Photo by Austin Kleon @ Flickr

Am Mittwoch verstarb mit Howard Zinn einer der großen Intellektuellen der amerikanischen Linken. Er verstand sich nicht als Gelehrter, der im Büro verstaubt und wissenschaftliche Aufsätze am Stück produziert. Zinn war ein Aktivist, ein Bürgerrechtskämpfer, der später auch gegen den Vietnamkrieg auf die Straße ging und zusammen mit seinem Freund Noam Chomsky das Bild des aktivistischen Gelehrten prägte.

Sein Hauptwerk war A Peoples History of the United States, ein Buch geschrieben aus der Perspektive des einfachen Volkes: der Indianer, der einfachen Siedler, der Arbeiter, der Immigranten. Das 1980 erstmals und seitdem immer wieder erweiterte Buch ist bewusst an vielen Stellen eher unwissenschaftlich gehalten – und ist dadurch grade so gut lesbar, weil es den Fokus auf Ereignisse und Hauptpersonen legt, die eher unbekannt sind und so einen einzigartigen Blickwinkel auf die amerikanische Geschichte geben.

Sein Fokus auf das einfache Volk und seine immerwährende Hoffnung auf eine Revolution von unten hat ihn wie auch Chomsky komplett außerhalb des politischen Establishments und des Zweiparteiensystems stehen lassen. Den auch von den Demokraten hat er sich keine linke Politik nach seiner Vorstellung versprochen. Für eine Einbindung in demokratische Parteistrukturen war Zinn einfach zu weit links, so dass er sich selbst mit Hinblick auf seine Verortung in der amerikanischen Gesellschaft als radical angesehen hat. Daher kommt auch sein Urteil über Obama, welches er jüngst zu dessen einjährigem Amtsjubiläum gab, nicht überraschend:

As far as disappointments, I wasn’t terribly disappointed because I didn’t expect that much. I expected him to be a traditional Democratic president. (…) I think people are dazzled by Obama’s rhetoric, and that people ought to begin to understand that Obama is going to be a mediocre president–which means, in our time, a dangerous president–unless there is some national movement to push him in a better direction.

Sein letztes großes Projekt war die Dokureihe The People Speak, welches basierend auf seiner People’s History das amerikanische Volk für mehr direkte Demokratie und Aktivismus begeistern soll.