McCain singt, Barack Obama muss begleiten

Da veranstaltet der Barack in Denver die teuerste Grillparty des Sommers, aber wer kommt am Ende ins Fernsehen? Und in die Zeitung? Und sowieso? Der McCain. Mit der Nominierung von Ms. Alaska 1847 zu seiner Vizepräsidentschaftskandidatin: 3 Topartikel auf der Startseite der NY Times, die dem neuen Gespann McCain-Palin gewidmet sind, die ganze Startseite in der online-Ausgabe der heutigen LA Times, sogar der China Daily und die russische Itar-Tass bieten ganzseitige Artikel zum Thema. Obwohl letztere sicher andere Themen zu berichten hat (What the hell is G.o..ia?)

Damit ist McCain ein strategisch genialer Zug gelungen. Nicht nur, dass ER am Ende des demokratischen Nominierungsparteitags für die eigentlichen News sorgt. Sondern auch, dass er eine VP-Kandidatin aus dem Hut zaubert, die fast niemand kennt, die aber entsprechend wenig vorbelastet ist. Und die eine ganze Menge Wählergruppen zu McCain ziehen könnte, die bisher noch untentschlossen sind. Denn…

…Sarah Palin ist:
- (beinahe) rechtsradikal: Mit ihr kann man Bären jagen und die Häuser der Nichtgläubigen anzünden gehen. Damit dürfte sie die Gruppe der weißen, konservativen, evangelikalen Wähler ansprechen, die sich von McCain allein bisher wenig repräsentiert fühlen.

- eine Frau: In ihrer Art ist sie ähnlich weiblich wie Hillary Clinton und verkörpert wie diese Werte wie “Fleiß”, “Disziplin” etc. Bei einigen noch immer vergnatzten Hillary-Wahlkämpfern dürfte dies genügen, um McCain als Alternative zu Obama zu begreifen. Allein die Tatsache, dass McCain gelungen ist, was Obama nicht schaffte, nämlich eine Frau überhaupt aufzustellen, dürfte auch für die frauenbewegten Frauen (und Männer) zumindest für die eine oder andere Überlegung sorgen, ins McCain-Lager abzuwandern. (Natürlich nicht für die abtreibungsfanatischen Alt-68-Gender-Hippi-Muttis!)

- jünger als Barack Obama: Damit hält sie ein gewaltiges Pfund für McCain, denn Obamas “Change”-Gedanke war bisher immer auch als Generationenwechsel kommuniziert. Gegenüber dem biblisch alten McCain ging diese Rechnung auf; sogar parteiintern gegenüber Mama Hillary. Aber dank Palin kann Obama die “Change” à la Generationenwechsel-Karte nicht mehr als USP ausspielen. Denn, dass McCain ein Übergangskandidat ist, weiß jeder. Wer sagt aber, dass die Republikaner im nächsten Schritt mit Palin im Weißen Haus “Change” nicht genau so gut beherrschen, wie Obama?

Was bleiben dem Barack also nun für Argumente? Folgt der demokratischen Grillparty nun die Magenverstimmung danach?

Präsidentin Palin?

McCains Entscheidung für die 44-jährige Gouverneurin ist genial – solange sie Vizepräsidentein bleibt. Doch was, wenn die politisch völlig unerfahrene Sarah Palin tatsächlich als Päsidentin übernehmen müsste? Sollten die Republikaner das Weiße Haus gewinnen, würde jeder Schwächeanfall McCains zu einem nationalen Risiko, sagen Beobachter.

Wer hat den Probleme mit dem Älterwerden? Männer wohl nur dann, wenn sie auf die 40 zugehen und beginnen, Haare zu verlieren. Mit 72 Jahren ist man(n) darüber hinweg – vor allem wenn noch ein paar Haare da sind. Grund genug eigentlich für John McCain sich zurückzulehnen. Doch im Verlauf seiner Kandidatur ist sein Age-Problem eher größer als kleiner geworden.

Wie sonst ist es zu erklären, dass er an seinem 72. Geburtstag eine Vize vorstellt, die das Durchschnittsalter des repblikanischen ‘Tickets’ auf 58 Lenze herunterschraubt (übrigens immer noch zwei Jahre älter als das kombinierte Durchschnittsalter von Obama + Biden). Die 44-jährige Sarah Palin ist seit Dezember 2006 Gouverneurin von Alaska – verheiratet, 5 Kinder, sozial streng konservativ und ein Lifetime-Mitglied der National Rifle Association. Kurzum, eine mit zwei X-Chromosomen ausgestattete Version von Chalton Heston, nachdem er in einen Jungbrunnen geplumpst ist, wie eine Radio-Station feststellte.

Eine strategisch geniale Wahl sagen Einige: Obama spricht vom Wandel und engagiert einen 65-jährigen Washington-Insider als Vize. Stattdessen ist es McCain, der mehr Wandel demonstriert als Obama predigt. Palin ist jünger als Obama, kennt Washington in erster Linie von der landkarte und – natürlich – ist die einzige Frau im verbleibenden Wahlkampf.

Doch die Freude, mit der Verkündung Palins die Schlagzeilenhoheit (nach Ende der mehrtägigen Obama-Messe aka Democratic Convention) erreicht zu haben, könnte selbst bei Republikanern nur kurz währen. Denn was passiert in dem Fall dass die Nummer zwei, nicht nur als Wahlkampfbriefmarke herhalten sondern wirklich für den Präsidenten einspringen müsste? Palin regiert einen Staat, in dem mehr Rentiere als Menschen leben, kommentiert CNN. Ihre Auslandserfahrung sei gleich null und selbst den Gouverneursjob hat sie weniger als zwei Jahre. Sollten die Republikaner das Weiße Haus gewinnen, wird mit der Wahl Palins zum VP jeder Schwächeanfall von John McCain zu einem nationalen Risiko – gerade wegen seines Alters und gerade wegen ihrer Unerfahrenheit.

Nächste Woche folgt erst einmal die 4-tägige Krönungsmesse für John McCain. Doch wenn im Excel Energy Center in Minneapolis am Morgen des 5. September die Aufräumarbeiten zu Ende gehen und die letzten Konfettispuren verschwinden, könnte es auch vielen Republikanern dämmern: Dass der geniale Überraschungscoup John McCains bei Tageslicht betrachtet zu einem handfesten Problem wird.

Grand Prix der Präsidentschaftskandidaten: Denver Tag 3

Truth. Photo by MatthewBradley @flickr. License: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

Heute wird ja erstmal ein bisschen Grand Prix gespielt. “Louisiana: 43 for Obama, 7 for Clinton.” Sehr spannend. Aber man lernt auch viel: “As Maine goes, so goes the nation.” Ah ja.

Heute sprechen noch Nancy Pelosi, John Kerry, Joe Biden und auch Monica Lewinky’s ex-boyfriend Bill Clinton (das Foto wollte ich schon immermal benutzen). Seine Frau hat ja gestern schon eine vielbeachtete Rede gehalten, in der sie ihre Änhänger aufrief, sich hinter Barack Obama zu stellen, und ihren Delegierten freistellte, auf der Convention für Obama zu stimmen. Die Stimmen aus New Hampshire gehen denn auch alle an Obama. Aus New Jersey auch. Clinton bekommt aber doch immer noch einige Delegiertenstimmen ab. Hier auch noch einmal ihre gestrige Rede – wieder mal als allseits beliebte wordle.net tag cloud:

tag cloud HRC @ DNCC 2008

Sehr schön. Hillary Clinton hat den Roll Call nun beendet, eine schöne Geste. Alle Stimmen gehen an Obama, er ist nun offiziell nominiert. Ich gehe jetzt schlafen.

Nicht aber ohne vorher noch zwei Links zu posten: Reinhard Bütikofer von den Grünen twittert jetzt auch vom Parteitag, die LA Times schreibt über den Einsatz von Social Media in der Berichterstattung bei den Parteitagen der Demokraten und Republikaner (“Social media mobs the national conventions”).

Foto: “If only some local tire merchant would cut through the politics and tell me who to vote for…”

Wink nochmal, Hillary! Live aus Denver… Tag 2

Sen. Hillary Clinton and Chelsea Clinton. Photo by DemConvention @flickr.  License: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

Auch heut abend zum Einschlafen wieder ein bisschen livestream von der DNCC gucken.

Die Auftritte von Michelle Obama und Ed Kennedy waren gestern die Highlights. Beide sind sehr gute Redner. Michelle Obamas Rede gibt es hier gleich rechts – im Kasten “AmerikaWählt TV”. Das heutige Highlight ist ohne Frage die Rede von Hillary Clinton. Sie hat heut gleich schonmal ein kleines Rehearsal absolviert, deswegen können wir auch schon ein (Abschieds-?) Foto zu zeigen.

Jetzt gab es eben grad aber erstmal den Congressional Black Caucus. Als musikalische Untermalung dazu gab es Sam Cooke’s ” A Change is Gonna Come”. Tolles Lied. Hier mal die Version von Otis Redding.

Hubertus Heil twittert übrigens immer noch. Spiegel Online und auch SZ finden das doof. Was solls – die Anzahl seiner Follower wächst und scheint ihm Recht zu geben. Am lustigsten ist dabei der Vorwurf von Carsten Volkery auf Spiegel Online, Heil blogge jetzt im Jugendjargon. Stimmt, genauso sprechen die Jugendlichen, die ich morgens in der U-Bahn sehe. Die rufen andauernd laut “Kracher”. Und dann noch diese ganzen Berufsjugendlichen, die sich bei Twitter rumtreiben. Gewiss twittert Heil auch viel Banales – aber so ist Twitter ja nun mal, das gehört dazu. Und sowas find ich viel banaler. Lasst den Mann also mal twittern, wenigstens nutzt er das Internet und interagiert dabei mit anderen Nutzern. Und der Tweet mit “Mdb muetze hat ein skateboard, mdb annen schuh gekauft”ist doch jetzt schon ein Klassiker. Den Beiträgen von Nico Lumma, Robin Haseler, Thomas Knüwer und Frank Helmschrott eigentlich kann ich mich daher eigentlich nur anschließen.

Und Dennis Kucinich hat ja doch mal für richtig Stimmung gesorgt…

Foto: “Sen. Hillary Clinton and Chelsea Clinton”

15

Das ist die Anzahl der Prozentpunkte, um die sich die Umfrageergebnisse verändern werden. Jedenfalls ist es die Meinung eines Sprechers des McCain-Teams und natürlich ist sie ein wenig höher als realistisch. Wer die Erwartungen an den Demokratischen Konvent hoch hält, der stellt dem Gegner eine Messlatte, die dieser erst erreichen muss und 15 Prozent sind selbst für ein Obama-Biden-Team eine ordentliche Zahl.

John Kerry hatte 2004 kaum einen Zuwachs in Umfragezahlen bekommen. Nun werden vielleicht einige Leser denken, dass es an John Kerry lag und das mag bis zu einem gewissen Grad auch stimmen. Es ist aber nicht alles.

Aus taktischen Gründen musste sich Kerry sehr früh für einen VP-Kandidaten entscheiden. Edwards wurde es, nachdem es, aus demokratischer Sicht, sehr viele konterproduktive Gespräche über McCain als potentiellen Kandidaten gab. Joe Biden war einer der bekannteren demokratischen Senatoren, die diese Idee unterstützt haben. Realistisch war das nie und so musste Kerry sich schnell für einen Demokraten entscheiden. Es wurde der charmante, glatte und letztlich wenig überzeugende John Edwards. Und er wurde bereits im Juli 2004 der Welt vorgestellt. Bei der DNC in Boston war das also Schnee von gestern und konnte nicht dazu beitragen, dass Kerry einen Zuwachs bei den Umfragezahlen verbuchen konnte.

Ebenfalls Nachteilhaft war es, dass Kerry bei den Umfragen, zu dem Zeitpunkt, vor Bush lag. In solchen Fällen verhalten sich die US-Bürger allerdings leicht asymptotisch und tendieren dazu dem Führenden weniger Pluspunkte zu geben, als dem Verfolger. Die Republikaner mussten schwer aufgeatmet haben, als sie bemerkten, dass Kerry nachdem Konvent keinen ordentlichen ‘Bump’ einfahren konnte.

Doch kommen wir noch ein Mal zu den 15 Prozentpunkten. Das ist, wenn man auf die letzten 11 Wahlkämpfe blickt, eine bisher unerreichte Zahl. Bill Clinton erhielt 1992 13,6%, Jimmy Carter erhielt 1980 12,4%. Das sind aber auch wirklich die einzigen beiden Demokraten, die in den zweistelligen Bereich gekommen sind. Die Republikaner profitieren, im Durschnitt, mehr von ihren Veranstaltungen als die Demokraten.

Es spricht einiges dagegen, dass das Obama-Biden-Team die 15% erreichen wird. Sie führen bei den Umfragen. Biden mag zwar zum richtigen Zeitpunkt angekündigt worden sein, ist aber keine Wahl, die alle Demokraten gleichermaßen zufrieden stellen konnte und das McCain-Team konnte sich bereit schnell und früh auf einige von Bidens Fehlern stürzen.

Mein Tipp, wenn ich so frei sein darf, ist etwas um die 10,5%. Viel mehr wird schwierig aber soviel Stärke muss Obama zeigen um genau so unantastbar zu wirken, wie er es bisher – noch! – geschafft hat.

Live aus Denver… Tag 1

Obama 2008. Photo by Steve Rhodes @flickr.  License: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

Naja, nicht wirklich live aus Denver – aber immerhin live vom livestream. Den gibt es nämlich hier.

So. Grad spricht eine kleine Frau mit Piepsstimme. Ihre Ausführungen über das Rules Committee sind ja echt mitreißend. Ich sehne mich nach Change. Hier und da ein paar eher lahme Versuche der Redner, ein bisschen Applaus zu heischen.
Natürlich wird auch live von der DNCC getwittert: Die DNCjournalists sind da, die Denver 7, die Huffington Post sowieso – und auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hat Twitter entdeckt und tippt fleißig in seinen Blackberry. Einen guten Überblick über Tweets zur Convention gibt es hier.

Auf der Convention darf jeder mal hinter das Podium treten und ein paar Wörter an die Teilnehmer richten. Dabei wird wieder einmal buzzword bingo gespielt: economy, worldclass education, high-paid jobs, change, reform, hope usw usf tauchen eigentlich in jeder Rede mindestens einmal auf. Aber alle sind wenig mitreißend und wirken fast ein bisschen uninspiriert, was wohl vor allem daran liegt, dass dort bisher keine guten Redner auf der Bühne stehen. Es handelt sich da anscheinend eher um verdiente Parteimitglieder (wobei die Rednerliste möglichst diverse zusammengesetzt ist), denen auf der DNCC auch mal eine Plattform geboten werden soll. Und das Publikum ist am ersten Tag auch noch etwas zurückhaltend. Das Funk-Orchester ist aber spitze.

Der Convention Schedule verspricht für den heutigen Tag noch viel mehr solcher Reden. Daher gehe ich jetzt ins Bett. John Legend würde ich allerdings gerne noch sehen. Und die heutige Hauptrednerin Michelle Obama natürlich auch.

Zum Abschluss noch einen kleinen Newbie Guide für die Convention. Gute Nacht!

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Für eine Analyse der Rede von Michelle Obama habe ich heute leider keine Zeit. Daher ihre Rede hier mal in Form einer Tag Cloud (via wordle.net):

Tag Cloud of Michelle Obamas speech at the DNCC 2008. Created with wordle.

Und ebenso die Rede von Ed Kennedy alsTag Cloud (via wordle.net) hinterher:

Tag Cloud of Ed Kennedys speech at the DNCC 2008. Created with wordle.

Man kann unschwer erkennen, dass wirklich absolut im Zeichen der Person Barack Obama steht. Dies ist sein Parteitag, seine Kampagne, seine Show – und sein Wahlkampf ist sicherlich einer der personalisiertesten in den letzten Jahrzehnten, owohl US-amerikanische Wahlkämpfe sich schon immer durch eine extreme Polarisierung, einen hochstilisierten Kampf zwischen zwei Kandidaten, ausgezeichnet haben.

Foto: “Obama 2008″ by Steve Rhodes

Paris Hilton is running for President!

Ok, ok, stimmt nicht ganz aber ich wollte praktisch ausprobieren, wie sich die Schreiber von McCains-Werbespots so fühlen. Gar nicht schlecht … ach, ich lenke ab. Worum gehts? Nun, es hat, damit angefangen:

Das hat man davon, wenn 200.000 Menschen einem zuhören kommen. Man kriegt nicht Anerkennung, nein, mein bekommt etwas um die Ohren gehauen. Gut, dass man im McCain-Lager, in der Wahlkampfphase, dem Senator aus Illinois nicht dafür danken würde, dass er, als Vertretter der USA, mal ausnahmsweise keine Protestmärsche provoziert, hat nun wirklich keiner erwartet. Der Spot hätte aber wirklich nicht sein müssen.

Doch wer denkt, dass Obama sich die beste Antwort auf diesen Werbespot ausdenken würde, hat sich getäuscht. Keine andere als Frau Paris Hilton hat sich – persönlich! – für den Vergleich mit Obama bedankt. Doch seht selbst:


See more funny videos at Funny or Die

Die wunderbare Welt des Internets. Natürlich wäre dieses Video früher nie entstanden. Hilton hätte mit Sicherheit kein Geld für die Schaltung des Spots bezahlt. Das muss sie heute, zum Glück, auch nicht mehr, den über das Internet verteilt sich sowas schnell. Dieser Blogbeitrag ist nur eins von sehr vielen Beweisen dafür.

(via Spreeblick)

Gender Card, Race Card, Patriotism Card… Antichrist Card?


Die McCain-Campaign hat seit ein paar Tagen ein neues Video ins Netz gestellt. Was eigentlich wie der eher hilflose und gescheiterte Versuch aussieht, der zugegebenermaßen zum Teil etwas aus dem Ruder gelaufenen Begeisterung um Obama mit Ironie und Satire zu begegnen, ist laut der US-Bloggerin Maud Newton eigentlich was ganz anderes. Das Video solle Barack Obama vielmehr als möglichen Antichristen porträtieren. Die Zielgruppe: evangelikale Christen, die bisher von McCain nicht sonderlich begeistert sind, aber so an die Urnen getrieben werden sollen.

Nun, während meines Amerikanistik-Studiums hatte ich auch mal mit der lustigen Left Behind-Serie zu tun, geschrieben von zwei fundamentalistischen Christen. Der Plot ganz kurz und überspitzt (nach meinen Erinnerungen, und es ist ja schon spät und ich bin ziemlich müde…): Der Antichrist ist gekommen (wenn ich mich recht erinnere ist er ein rumänischer Politiker, der UNO-Generalsekretär ist) und hat die Weltmacht an sich gerissen, die guten Christen verschwinden alle von dieser Welt (The Rapture), Jesus kommt, besiegt den Antichristen und errichtet das 1000-jährige Königreich (Kingdom Come), und irgendwann kommt es noch zur finalen Entscheidungsschlacht zwischen Gut und Böse, alle Ungläubigen (= böse Nichtchristen) werden niedergemetzelt und all die guten Christen freuen sich. Welch christliche Botschaft! Trotz des wirren Plots ist die Serie mit einer Auflage von mehr als 50 Millionen Büchern in den USA ein Riesenerfolg – und dass nicht nur in irgendwelchen fundamentalistischen Gebetszirkeln in Alabama.

Nun ist mir aber noch folgendes in den Sinn gekommen, was das McCain-Camp wohl nicht bedacht hat. Da Jesus erst auf die Erde zurückkehrt, wenn der Antichrist, also Obama, an die Macht kommt, sollten eigentlich alle, die an Rapture, Kingdom Come und so weiter glauben, Obama wählen. Das würde den Weg zum Tausendjährigen Reich, zum Paradies auf Erden, ja eigentlich nur beschleunigen. Das würde auch die Zeugen Jehovas freuen. Also an dieser Stelle der offizielle Aufruf an fundamentalistische Christen, an alle Dispensationalisten: Wählt Obama!

Ganz viele neue Election Maps…

Wir haben wieder eine ganze Reihe neuer Election Maps zum Präsidentschaftswahlkampf integriert. Eine Übersicht gibt es hier. In den kommenden Tagen (oder Wochen, je nachdem wie die Arbeitsbelastung im Job ist), soll hier die ein oder andere Map genauer vorgestellt werden.

Als kleiner Teaser vorab mal eine Google Map aus der Twitterwelt. Hier kann gesehen werden, welche Themen des Wahlkampfes die Twitterwelt aktuell diskutiert – und sicher auch der ein oder andere interessante Link oder Twitterer entdeckt werden. Good Night, and Good Luck.


Berlin, Berlin, wir fuhren nach Berlin!

Obama '08. Photo by Staněky @flickr.  License: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

Es ist Wochenende (noch). Daher habe ich sogar Zeit, diesen Beitrag zu schreiben (ok – ich habe ihn zumindest am Wochenende (Update: letztes!) angefangen). Aber Barack Obama hingegen hat eigentlich keine Wochenenden mehr. Er ist immer unterwegs, Wahlkampf nonstop, taugaus tagein. Dieser Wahlkampf hat ihn letzte Woche bekanntlich ja sogar nach Deutschland geführt, man konnte es ja gar nicht verpassen. Aber was hat seine Reise Obama gebracht? Eine kleine Nachbetrachtung.

Eine Mischung aus Dalai Lama und Johnny Depp

So hat die geschätzte Maureen Dowd Obama unter dem Eindruck des Obamafests an der Siegessäule in Berlin ganz treffend bezeichnet. Obwohl es zu bezweifeln ist, dass ein gemeinsamer Auftritt dieser beiden auch 200.000 Obamaniacs angezogen hätte. Dazu hätten dort wohl noch der Papst, Brangelina und Mario Barth (der hat ja immerhin 70.000 Leute in ein Stadion gekriegt, warum auch immer) eintreffen müssen.

Hysterie in Deutschland

Ja, da oben steht es. Hysterie. Hype. War es – ein bisschen jedenfalls, mindestens. In Deutschand. Obamamania pur. Obama auf allen Titelbildern. Obama live auf allen Sendern (bei n-tv manchmal anscheinend mit unfreiwilliger Komik, es folgte die Reportage “Was ist drin in der Weißwurst?”… und hat Antonia Rados wirklich behauptet, Obama sei Muslim?Wechselt sie dann jetzt bald zu FOXNews?). Obama halt irgendwie überall. Immer auf seine Fersen zudem der riesige amerikanische Medientross. Und alle wollen was von ihm. Vor allem eine junge Bild-Reporterin, die Obama ganz zufällig im Fitnessraum des Ritz Carlton trifft und dabei ob seiner maskulinen Ausstrahlung fast in Ohnmacht fällt (“Mir wird heiß.”). Knallharter investigativer Journalismus. Ein paar amerikanische Blogs freuten sich über die Story und die peinlichen Fotos. Obama nicht: “Ich wurde reingelegt.”

People of the World, Look at Me

Aber was hat sich Obama eigentlich von dieser Reise erwartet? Wollte er sein Profil aus Außenpolitiker schärfen? Oder vielleicht doch nur im Borcherts essen? Sich noch einmal ordentlich bejubeln lassen? Immerhin pilgerten ja 200.000 (manche behaupten hier sei eine Null zuviel im Spiel) zur Siegessäule, um seiner Rede zu lauschen (hier gibts einen minutiösen Bericht von der Fanmeile). Er schenkte dem Publikum und der Medienmeute eine nette, präsidiale Rede ohne Überraschungen, dafür mit ein paar schönen Metaphern und Aussagen (die ganze Rede gibt es hier), und ganz Berlin freute sich über die Anerkennung des in ihren Augen nächsten Präsidente: “People of Berlin – people of the world – this is our moment. This is our time.” Und hier und da liess er dann auch wie erwartet anklingen, dass die von ihm gewünschte tiefe Partnerschaft auch (militärische) Pflichten im Irak und in Afghanistan mit sich bringt.

Aber eigentlich hoffte Obama vor allem auf die Macht der Bilder. Abgesehen von den Amerikanern im Publikum waren die Besucher daher vor allem eins: eine eindrucksvolle Kulisse für die eigentlich Zielgruppe – und die saß in den USA vorm Fernseher.

Johnny allein zu Haus

Und genau das schien auch John McCain zu stören, der auf sich auf der anderen Seite des Atlantiks grob vernachlässigt fühlte und um Aufmerksamkeit heischte. Folgerichtig kritisierte er, dass Obama bereits sich bereits arroganterweise als zukünftiger Präsident stilisiere – und das auch noch im Ausland. Er hingegen kümmere sich lieber um die Amerikaner als um die, mit den Worten eines seiner Sprecher, “kriecherischen Deutschen.” Zur Verdeutlichung folgte daher gleich dieser Clip.

Was hat der Auftritt in Berlin gebracht?
Tolle Bilder. Schöne Worte. Verzückte Anhänger. Noch ein höheres Ansehen in Europa. So würde Obama, wenn die Deutschen den denn nächten US-Präsidenten wählen könnten, einen Stimmenanteil wie die SED bei den freien Wahlen in der DDR bekommen. Aber das nützt ihm nichts an der Heimatfront. Dort interessieren die transatlantischen Beziehungen den Durchschnittswähler nicht. Eine zu enge Beziehung zu Europa kann ihm in einigen Wählergruppen sogar schaden. Es gab zwar einen riesigen Medienbohei und auch ein paar Punkte für das außenpolitische Profil, aber in den amerikanischen Meinungsunfragen schlug die Weltreise nicht positiv zu Buche. Aber auch nicht negativ, da McCaine es momentan schafft, bezüglich seiner außenpolitischen Kompetenzvon einem Fettnäpfchen ins nächste zu springen.

Foto: “Obama ’08″ by Staněky