Barack O’Baller!


He got game! Barack Obama beim Pick Up 3-on-3. Seine Gegner: die Gewinner des “Challenge for Change voter registration drives.” Man kann eindeutig erkennen, dass er seit seiner Kindheit Basketball spielt. Seine Mitspieler verteidigen ihn aber in etwa so gut wie dieser nette Herr, der schnell mal den Kopf einzieht. Clinton und McCain dagegen würden wohl eher so oder so verteidigen. Und wenn Obama nicht aufpasst, dann endet das Spielchen so.

Kabale im Keystone State

Keystone State Candidate Combat. Photo by Mike Licht @flickr. License: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

Clinton und Obama kämpfen die Demokraten in die Krise – und daran wird auch die heutige Vorwahl in Pennsylvania nichts ändern. Im Gegenteil: Der Wahlkampf immer dreckiger, die Attacken heftiger. Hillary Clinton hat sich in den letzten Tagen und Stunden die allergrößte Mühe gegeben, an die von Karl Rove und Dick Cheney geschusterten Kampagnen zu erinnern (darum wohl auch gleich das Angebot einer Regierungsbeteiligung an die Republikaner).

In ihrem neuesten Wahlkampfspot taucht dann auch ganz beiläufig Osama bin Laden auf – gleich nach einem Bild vom Mauerfall. Der Spot transportiert noch andere Motive, die die diffusen Ängste in den Köpfen vieler Amerikaner anzapfen: Katrina, einen möglichen bevorstehenden Börsencrash, die steigenden Ölpreise, die Kriege im Irak und in Afghanistan, ja sogar Pearl Harbor. Noch schnell ein Griff in die Cowboy-Rhetorik-Kiste zur rechten Zeit – die Verbindung der Wöter “ausradieren” und “Iran” kommt beim Wahlvolk ja ganz gut an – und fertig ist die Strategie für Pennsylvania.

Und sie wird damit wahrscheinlich sogar Erfolg haben. Die Wählerstruktur in Pennsylvania kommt Clinton entgegen, hier sind ihre wichtigsten Unterstützergruppen zuhause: “Another White Guy ELection”. Den ersten Exit Polls nach führt Clinton, wenn auch nur knapp.

Das Zurückgreifen auf normalerweise von konservativen Republikanern verwendete Motive und Strategien, das Schüren von Ängsten und das Verstecken hinter Drohgebärden werden die Demokraten jedoch nur noch weiter spalten,vor allem da ein Ende des parteiinternen Vorwahlkampfes immer noch nicht in Sicht ist. Die republikanischen Parteistrategen zerbrechen sich mittlerweile bestimmt schon den Kopf, wie sie diese Attacken und Angriffe überhaupt noch überbieten sollen.

Keystone State Candidate Combat. Photo by Mike Licht

Ein SPD-Caucus: Warum denn eigentlich nicht?

Kurt Beck #7. Photo by dream4akeem @flickr. License: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

Laut einer Emnid-Umfrage wollen über 90 Prozent der SPD-Wähler den nächsten Kanzlerkandidaten der Partei per Urwahl bestimmen. Das ist eine eindeutige Mehrheit und eine demokratisch herbeigeführte Entscheidung. Auch Michael Naumann befürwortet die Mitgliederentscheidung (aus welchen Motiven heraus auch immer). Eine Minderheit möchte dies jedoch nicht: Kurt Beck, Hubertus Heil, Peter Struck, Niels Annen und, so wurde verlautbart, der Rest der SPD-Spitze – denn es sei ja, so Heil, eine “ärgerliche” und “alberne” Debatte: “Wir sagen selbst, was wir wollen.”

Und so soll die Willensbildung nach der Vorstellung der Parteiführung zur Aufstellung des Kanzlerkandidaten dann aussehen: “Beck wird seinen Vorschlag machen, und das zur rechten Zeit.” Also im Prinzip fast so, wie es sich die Basis (und eine Mehrheit der Bevölkerung) wünscht – denn schließlich werde Beck ja einen Vorschlag machen, der “auf eine breite Zustimmung stoßen werde,” so Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner. Passive Zustimmung vor aktiver Mitbestimmung.

Schnell mal einen Blick auf die andere Seite des Atlantiks schweifen lassen. Dort läuft die Bestimmung des Kandidaten ja bekanntlich ein bisschen anders. Durch das gnadenlose Campaigning über Monate hinweg erscheint auf jeden Fall demokratischer. Zehntausende Amerikaner sind bereits in den parteiinternen Wahlkämpfen direkt involviert: als klinkenputzende Freiwillige innerhalb der demokratischen und republikanischen Bodentruppen – oder auch nur als Spender, die sich einen bumper sticker auf das Auto pappen.

Naürlich hat das System der Primaries viele Nachteile: zu lang, zu kompliziert, zu teuer – und nur Multimillionäre mit einem dicken Bankkonto oder Kandidaten mit millionenschweren Gönnern hätten reelle Chancen. Alles richtig. Doch ein Kandidat wie Barack Obama hätte es im deutschen System ungleich schwerer gehabt. Die demokratische Parteispitze stand anfangs eindeutig mehrheitlich hinter Hillary Clinton, und für die Clinton-Unterstützer galt ihre Nominierung eigentlich als ein Selbstläufer. Diese Front hat erst nach den ersten Wahlsiegen Obamas in den Primaries angefangen zu bröckeln.

Übertragen auf die Situation der SPD sehe ich eigentlich keinen wirklichen Grund für die Ablehnung der Kandidatenauswahl durch die Parteibasis. Eine einfache Urwahl durch SPD-Mitglieder, quasi einen umfangreichen bundesweiten Caucus, würde einen Kanzlerkandidaten hervorbringen, der durch die Mehrheit der Parteimitglieder demokratisch gewählt wäre. Und genau diese durch politische Partizipation gekennzeichnete Kür scheint sich die eindeutige Mehrheit ja zu wünschen.

Foto: “Kurt Beck #7″ by dream4akeem

Rocky Clinton. Oder so.

Über manche Vergleiche der Kandidaten mit sich selbst wird schon gar nicht mehr richtig gestaunt. Über andere, wie diesen, dagegen schon.

Hillary Clinton vergleicht sich also mit Rocky Balboa, dem von Sylvester Stallone gespielten Boxer aus Philadelphia, PA. Sie zitiert dabei eine Szene aus dem Film, der zu Recht 1976 den Oscar gewonnen hat, und verspricht, dass sie nicht aufgegeben wird.

Genau wie Rocky.

Ob sie den Film auch wirklich gesehen hat? Vielleicht hätte es ja auch schon gereicht, wenn der Redensschreiber den Film gesehen hätte um festzustellen, dass Rocky seinen ersten großen Kampf im Film verliert. Gegen einen Afroamerikaner.

Nächtliche Anrufe im Weißen Haus – geht mal bitte jemand ran?

Was machen Sie um 3 Uhr morgens? Schlafen? Late Night TV? Doch noch eine Schlaftablette reinschieben? Nichts dergleichen treibt Hillary Clinton zu so früher Stunde.

Und was dann? Sie telefoniert! In einem 30-Sekunden-Spot versucht Hillarys Kampagne ihre “Fellow Americans” davon zu überzeugen, dass es besser sei, eine Präsidentin im Weißen Haus zu haben, die jederzeit bereit ist, sich der Geschicke der Welt anzunehmen – auch um 3 Uhr morgens. Ein Seitenhieb auf ihren demokratischen Konkurrenten Barack Obama, dem sie wiederholt seine außenpolitische Unerfahrenheit vorgehalten hat – auch wenn sie ihn in dem Video nicht explizit erwähnt.

Der Spot, der bereits seit über einem Monat läuft, soll Experten zufolge ein wichtiger Faktor für Hillarys Vorwahl-Sieg in Texas Anfang März gewesen sein. Davon scheinen auch Clintons schlaflose Wahlhelfer überzeugt zu sein, die jetzt noch ein “3am-Video” nachgeschoben haben: Der gleiche Einstieg mit einer Szene schlafender Kinder. Ein Telefon klingelt – im Weißen Haus. Doch diesmal geht es um die Wirtschaft. Immobilienkrise, Bankenkollaps, Schulden – glaubt man dem neuen Video, dann können Amerikaner sich telefonisch bei Hillary melden und ihr Leid mit dem unbezahlbaren Immobilienkredit beklagen. Auch um 3 Uhr morgens.

Clinton vs. McCain: Aktionismus in den Morgenstunden

Was macht die Videos so vermeintlich erfolgreich? Die Vorstellung, dass wenn alles schläft, eine wacht (und die Nation beschützt)? Die Schadenfreude, dass die besserwisserischen Pundits von Fox und CNN noch früher aufstehen müssen – für potenzielle Breaking News aus dem Weißen Haus um 3? Oder das mysteriöse, aufregende, ja, erregende, das John Doe (aka Otto Normalbürger) mit Anrufen von Unbekannten in den frühen Morgenstunden assoziiert?

John McCain will da nicht zurückstehen und hat nun sein eigenes 3am Video ins Web gestellt. Die gleichen Szenen wie in Clintons Filmchen. Bis zur Halbzeitmarke des 30-Sekunden-Spots sogar der gleiche Text, nur dass eine andere Person in spricht. Dass alte Menschen tendenziell weniger Schlaf benötigen, ist bekannt. Vielleicht wirkt der 71-jährige McCain deshalb in der Rolle des Frühtelefonierers besser besetzt als Clinton.

3am: Obama schläft lieber

Die “3am-Videos” haben im Netz mittlerweile unfreiwilligen Kultstatus erreicht. Denn die Amerikaner fragen sich: Wie kann Hillary Clinton um 3 Uhr früh so perfekt geschminkt am Telefon sitzen? Trägt sie unter dem Designer-Jäckchen Schlafanzug? Schläft sie tagsüber, um sich von den nächtlichen Anrufen zu erholen? Von der kreativen Reaktion des US-Fußvolks auf die Videos kann sich jeder selber überzeugen, der in YouTube nach “3am spoof” sucht.

Vielleicht rufen sich Clinton und McCain auch nur gegenseitig an. Die Vermutung, die dieses Video über den Gegenstand ihrer Gespräche hegt, wirkt dann allerdings doch arg spekulativ.

Und Obama? Der setzt auf ausgeschlafene Typen. Sprichwörtlich. Die Bilder, die eine Agentur für die 3am Videos zur Verfügung stellte sind, mehr als acht Jahre alt. Das schlafende Mädchen in der Einstiegsszene ist heute 17 und hat sich längst als glühender Obama-Fan geoutet.

Das Michigan-Problem

Wie sich einige der werten Leser vielleicht errinern werden, hat sich Michigan, jedenfalls die Demokratische Partei des Bundesstaates Michigan, entschieden, dass sie zu wenig Bedeutung in den Primaries zur Bestimmung des neuen Kandidaten haben. Die Sache ist nämlich, dass nach dem Super Tuesday die Wahl meist entschieden ist. Das es in diesem Jahr nicht so sein wird, wusste man offensichtlich in Michigan nicht und da die Primaries in Michigan normalerweise nach dem Super Tuesday stattfinden hat man, so ganz ohne es die Zustimmung der Democratic National Committee (DNC), die Wahlen vorgezogen.

Natürlich kam es, wie es kommen musste. Die DNC ahndete den Alleingang von Michigan mit einer harten Strafe: Die Delegierten des Staates dürfen nicht zur der Großversammlung der Demokraten im August fahren um ihre Stimme abzugeben, was wiederum dazu geführt hat, dass die Kandidaten der Demokratischen Partei erst gar nicht zur Wahl angetretten sind. Bis auf Hillary Clinton.

Und weil Mrs. Clinton derzeit noch weniger Delegiertenstimmen hat, als Mr. Obama, versucht sie einfach Michigan wieder die dem Staat zustehende Bedeutung zurück zu geben. Wie der Zufall es so will, würde sie natürlich auch (fast) alle Delegiertenstimmen bekommen, die der Staat zu vergeben hätte. So selbstlos ist die liebe Frau. Schön zusammen gefasst wird diese Situation auch vom folgenden Video.

Im übrigen versucht Mrs. Clinton die gleiche Geschichte mit Florida, die aus den gleichen Gründen disqualifiziert worden sind wie Michigan, abzuziehen. Auch hier ist sie, wie man es nicht anders erwarten würde, nur für Fairness.