“The American president Americans have been waiting for”


Eine Minute Pathos für alle: Der erste TV-Wahlspotvon John McCain wirkt, gelinde gesagt, wie der Trailer für einen neuen Mel Gibson Film, in dem er als heldenhafter Präsident die Welt rettet – The Patriot Reloaded. Nicht ganz so schlimm wie ein Chuck Norris-Trailer, aber die sind einfach unterhaltsamer. Und Chuck findet ja eh, McCain sei zu alt für das Präsidentamt. Schlechte Vorzeichen für McCain – denn Chuck Norris hat immer Recht (Kurz am Rande: Sogar Google hat Respekt vor Chuck).

Zurück zu McCains Wahlspot: Es wimmelt nur so von buzzwords, die Joe Sixpack die Tränen in die Augen treiben sollen – courage, strong, liberty, free, honorable, American values… We’re Americans. And we’ll never surrender - und in ihm den Drang auslösen sollen, in die Doppelgarage zu laufen, die Flinte zu schnappen und die Heimat zu verteidigen, Hand in Hand mit Oberpatriot und -befehlshaber John McCain.

Auch ein anderer, schon altbekannter Erzählstrang des Wahlkampfes schwingt im Spot wie selbstverständlich mit: Experience versus change. Hier der gestande, erfahrene Anführer, der Kriegsheld, der vom ersten Tag an bereit sein wird. Während Obama und Clinton immer noch aufeinander rumhacken, versucht McCain die Definitionshoheit über seine Person und seine Gegner zu bekommen. Er hat im Moment alle Zeit, sein Profil zu schärfen. Wie schrieb das National Journal angesichts dieses Spots so schön: “John McCain … American hero. Let the branding begin.” Hier das Script des Films in voller Länge:

JOHN MCCAIN: Keep that faith. Keep your courage. Stick together. Stay strong. Do not yield. Stand up. We’re Americans. And we’ll never surrender.

ANNCR: What must a president believe about us? About America? That she is worth protecting? That liberty is priceless? Our people, honorable? Our future, prosperous, remarkable and free? And, what must we believe about that president? What does he think? Where has he been? Has he walked the walk?

INTERVIEWER: What is your rank? JOHN MCCAIN: Lt. Commander in the Navy. INTERVIEWER: And your official number? JOHN MCCAIN: 624787

ANNCR: John McCain. The American president Americans have been waiting for.

JOHN MCCAIN: I’m John McCain and I approve this message.

Twice Upon a Time: Meineid-Mayhem in Detroit

In Polls We Trust. Photo by kagey_b @flickr. License: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic Nun hat es die nächste demokratische Nachwuchshoffnung erwischt: Nachdem vor kurzem bereits Eliot Spitzer als “Client 9″ über eine Sexaffäre stolperte, wurde heute Detroits junger “Hip Hop”-Bürgermeister Kwame Kilpatrick mit einer ganzen Liste von Anschuldigungen konfrontiert. Die Staatsanwaltschaft klagte den Demokraten unter anderem wegen Behinderung der Justiz und mehrfachen Meineids an.

Auch hier lodert wieder ein Sex-Skandal: Auslöser sei eine Affäre zwischen Kilpatrick und seiner Stabschefin Christine Beatty, die die beiden um jeden Preis vertuschen wollten, so die Anklage. Dabei wurden mehrere Polizisten gefeuert, die in diesem Fall ermittelten, und denen später eine Abfindung in Millionenhöhe auf Kosten der Steuerzahler gezahlt worden sei. Zudem soll er noch eine Stripperin für eine Party angeheuert haben, die kurz danach ermordet wurde.

Ein gefundenes Fressen für die Republikaner. In der konservativen Blogosphere wurde sogleich kolportiert, Kilpatrick unterstütze Obama und sei einer seiner Superdelegierten bei der Democratic National Convention. Verbreitet wurde dies über die Internetseite NewsBusters.org, einem Internet-Projekt des konservativen Media Research Centers. Das erklärte Ziel dieser Organisation ist, die Lügen und Verdrehungen der liberalen Medien aufzuzeigen. Nun ja. Mittlerweile haben sie diese Aussage wenigstens wieder zurückgenommen, in anderen Blogs ist sie aber noch zu finden. Als Superdelegierter des Staates Michigan hätte Kilpatrick eh kein Stimmrecht auf der Konvention, da die demokratische Parteiorganisation in Michigan die Vorwahlen vorgezogen und das Democratic National Committee dem Staat daher das Stimmrecht für seine demokratischen Delegierten entzogen hatte.

Wie auch schon Eliot Spitzer lehnte Kilpatrick einen Rücktritt ab und versprach, alle Vorwürfe zu entkräften. Allerdings wird auch er zweifellos in den nächsten Tagen zurücktreten müssen. Es bleiben schlechte Tage für die Demokraten…

Foto: “Happy New Year, Mayor” by Cave Canem

Thank God for YouTube: “It’s Raining McCain”

Aua. Eine Runde Fremdschämen für alle McCain-Fans. Das Video ist einfach so schlecht, dass ich dahinter eigentlich eine geniale Attacke von Obama-Anhängern vermute. Die McCain-Girls sind echt furchteinflößend, diese latente Aggressivität! Heute Nacht gibt’s Alpträume. Naja, wenigstens die Effekte waren großartig. Ich werde mir auch einfach einen kleinen McCain fangen und damit mein Gesicht waschen. Erfrischend. Davon brauchen wir noch mehr.

“God bless John McCain, he’s a Vietnam veteran, too / he took off to Vietnam, and he did what he had to do / he taught every angel to rearrange the vote / so that each and every American could find John McCain… / It’s raining McCain / Halleluljah”

Häh? Pfleger! Ich habe solche Ohrenschmerzen!

Amen.

Na Spitze: Alle Neune für “Client 9″

In Polls We Trust. Photo by kagey_b @flickr. License: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic New Yorks demokratischer Gouverneur Eliot Spitzer hat Barack Obama und Hillary Clinton gestern mit einem klassischem Strike aus dem medialen Scheinwerferlicht gekegelt. Gegen den demokratischen Saubermann wird wegen Kontakten zu einem Prostituiertenring ermittelt.

Das übliche Ritual bei moralischen Fehltritten ertappter Politiker ist auch hier zu beobachten: Auftritt zusammen mit der betrogenen Ehefrau, die üblichen Entschuldigungsfloskeln – “But I have disappointed and failed to live up to the standard I expected of myself. I must now dedicate some time to regain the trust of my family” -, die Abkehr politischer Freunde, der Sturm im Blätterwald und das Finger-wund-tippen in der Blogosphere. Naja, er ist ja nicht der erste Politiker, dem sowas passiert, und er wird auch nicht der letzte sein. Wenigstens lässt er im Gegensatz zu anderen das Flehen um Gottes Gnade aus.

Ein Rücktritt scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, Spitzer ist politisch erledigt – und der Druck auf ihn wird nur noch zunehmen. Und hier wird es auch für den Zweikampf zwischen Clinton und Obama wieder interessant. Sicher, die Republikaner werden das Thema genüßlich breit treten und hämisch mit dem Finger auf die Demokraten zeigen. Endlich mal nicht einer der ihren – kann sich noch jemand an die Herren Vitter, Sherwood oder Foley erinnern? -, dem die Moralkeule mit einem lauten Knall auf das Haupt rasselt.

Viel interessanter aber ist, dass Eliot Spitzer (noch) einer der 794 demokratischen Superdelegierten ist, die im August die entscheidende Rolle bei der Democratic National Convention spielen werden – und dass er sich bereits festgelegt hatte, dort für Hillary Clinton zu stimmen, die im Mai 2007 auch ein offizielles endorsement von ihm bekam. Bereits eine Stunde nachdem der Spitzer-Skandal in den Medien lanciert wurde, war dieses endorsement jedoch schwuppsdiwupps von ihrer Webseite verschwunden. Bei einem Rücktritt Spitzers vom Gouverneursposten würde er auch seinen Status als Superdelegierter verlieren. Auf Spitzer würde David Paterson folgen, der jedoch bereits Superdelegierter ist, und auch für Clinton stimmen wird. Bei Spitzers Abgang stünde Clinton also unterm Strich mit einer Superdelegierten-Stimme weniger da.

Bisher haben sich sowohl Obama und Clinton als auch McCain mit öffentlichen Statements in dem Fall zurückgehalten. Es bleibt abzuwarten, wie sich die l’affaire Spitzer entwickelt, wie sie gedreht, gewendet und instrumentalisiert wird – und ob sich Clinton öffentlich von Spitzer distanzieren und ihn zum Rücktritt auffordern wird.

Foto: “Eliot Spitzer” by aboutmattlaw

In Polls We Trust?

In Polls We Trust. Photo by kagey_b @flickr. License: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 GenericFür Barack Obama, aber vor allem für Hillary Clinton steht bei den heutigen Vorwahlen in Texas und Ohio viel auf dem Spiel – nicht nur die 193 respektive 141 Delegiertenstimmen. Obama will seine Siegesserie (11 Siege in Folge) ausbauen und mit Siegen in den beiden wichtigen Staaten den Sack zumachen, Clinton kämpft ums Überleben ihrer Kampagne. Der Governour von New Mexico Bill Richardson, vor kurzem selbst noch im Rennen, sprach bereits vom D-Day for Dems.

Das Clinton-Camp hat die Ansprüche jedoch vorsichtshalber schon einmal gesenkt – entgegen früherer Ankündigungen reiche nun schon ein Sieg in einem der beiden Staaten, um weiterzumachen. Bei einem Wahlkampfauftritt am Dienstag in Houston stimmte Clinton demokratische Wähler deshalb auf einen harten Vorwahlkampf mit Obama an, der noch monatelang anhalten könnte. Und wenn man vorsichtig auf die aktuellsten Polls schielt, sieht es gar nicht so schlecht für Hillary aus.

Nach den letzen Umfragen liegt Clinton in Ohio eindeutig vorne: Auf Pollster.com, wo verschiedene Polls (unter anderem ARG, Zogby, Rasmussen) zu einem Ergebnis kumuliert werden, führt Clinton vor Obama mit 49.6 % zu 43.6 %. In Texas liegt sie laut Pollster.com liegt sie mit 47.8 % knapp vor Obama, der auf 45.9 % kommt. Clinton und ihre Unterstützer möchten den Umfragen also gerne glauben und hoffen, dass die Zahlen stimmen.

Aber was sagen uns die Polls wirklich und wie sicher kann sich Clinton’s Wahlkampfteam sein? Die meisten Polls haben einen margin of error von zwischen +3/-3 bis +5/-5 Prozent. Im schlimmsten Fall können die Prognosen also total daneben liegen. Zudem ist eine nicht unerhebliche Anzahl der Wähler aber noch unentschlossen, wem sie ihre Stimmen geben werden. Und auch bezüglich der Vorwahlen in Texas und Ohio gibt es Polls, die ein ganz anderes Ergebnis vorraussagen. So sieht eine Umfrage von Reuters, C-Span und dem Houston Chronicle die beiden demokratischen Kontrahenten gleichauf bei 44 %. Es gibt also einige Faktoren, die Zweifel an der Genauigkeit und Aussagekraft der Polls aufwerfen, da immer wieder Fälle auftreten, bei denen man sich fragt, ob die Meinungsforscher nicht heimlich Uri Geller konsultieren und eigentlich in die Glaskugel gucken . Bei den diesjährigen Primaries in New Hampshire haben sich die die Meinungsforscher zum Beispiel bereits völlig verschätzt: Alle Umfragen sahen Obama nach dem Sieg in Iowa eindeutig auf der Gewinnerstraße. Am Ende hatte Hillary Clinton die Nase aber vorne. Bei den Republikanern hingegen trafen die Vorraussagen nahezu ins Schwarze. Hier ein etwas ratloser Erklärungsversuch, was in New Hampshire falsch lief.

Zuguterletzt noch ein Punkt, der Obamas Aussichten heute ein bisschen aufbessern könnte. Nahezu alle Polls werden durch telefonische Umfragen von ausgewählten Personen durchgeführt, die über ihren Festnetzanschluss angerufen werden. Viele Jungwähler, bei denen Barack Obama eindeutig in der Wählergunst vorne liegt, haben jedoch keinen Festnetzanschluss, sondern nur noch ein Handy, beziehungsweise sind sowieso generell mobiler und deshalb seltener anzutreffen als ältere Wähler, bei denen Clinton klar vorne liegt. Dieser Punkt wurde bereits an einigen Stellen in der amerikanischen Presse diskutiert. Aufgrund dieses “cell phone effects” sehen Blogger des einflussreichen Politblogs dailykos Obama in Texas eindeutig vorne.

Die ersten Exit Polls flattern nun schon ins CNN-Studio. In ein paar Stunden werden wir wissen, ob die Pollster diesmal richtig lagen.

Nachtrag: Und sie hatten recht. Clinton geht als eindeutige Siegerin hervor. In Ohio hatte sie sogar einen nicht vorhergesehenen Vorsprung von 10 %…

Foto: “Polling Station” bykagey_b 

May the Schlammschlacht begin …

So, oder so ähnlich. Die Luft wird rauer, es sind die letzten Stunden angebrochen, an denen die Kandidaten vor den Vorwahlen in Texas, Ohio, Vermont und Rhode Island noch Stimmen fangen gehen können. Es werden einige Unnettigkeiten ausgetauscht, wie die diesjährigen Vorwahlen sie bisher selten gesehen haben – Obama und Clinton, das muss man ihnen lassen, haben sich sehr zurückgehalten. Und sie tun gut daran, denn die Demokraten müssen sich, vor allem für die eigentliche Wahl 2008, sehr viel Mühe geben, um möglichst unrepublikanisch auszusehen.

Seien wir ehrlich, John McCain wäre vermutlich nicht die schlechteste Wahl als Präsident. Ok, er ist Republikaner, aber er hat Jahre damit verbracht, sich selbst ziemlich weit links außen innerhalb seiner Partei zu platzieren. So einige der konservativen “spoke persons” tönen (Video), dass ihnen Mrs. Clinton deutlich lieber wäre, als der “so-called conservative” “Phony Goldwater Conservative” aus Arizona.

Das wissen auch die demokratischen Kandidaten. Das Land ist, nach acht Jahren George W. Bush, sehr frustriert. Vor allem aus dem demokratischen Lager wird nicht nur verlangt, dass der nächste Präsident ein Demokrat ist – für viele ist es eine Selbstverständlichkeit. Doch ganz so einfach wird es nicht sein. John McCain ist auch für viele Demokraten eine legitime Option. Wir erinnern uns an 2004, als ein McCain als ein möglicher “running mate” für John Kerry im Gespräch war. Die Allianz ist nicht zustande gekommen – doch ganz so unwahrscheinlich war sie eben auch nicht.

Heute, benachteiligt durch die Partei, die weder landesweit besonders hoch in der Gunst der Wähler steht, noch John McCain selbst sonderlich mag, rückt McCain immer weiter in die Mitte. Ob er allerdings ausreichend Stimmen aus dem demokratischen Lager gegen einen jungen und motivierten Obama sammeln kann, bleibt mehr als fraglich. Und deswegen ist es umso wichtiger, dass die demokratischen Kandidaten nicht auf die Mittel zurückgreifen, auf die sie bisher verzichtet haben. Es ist wichtig, dass die demokratische Partei sich deutlich von ihren republikanischen Kontrahenten abgrenzen kann – wenn es nämlich eine Verschiebung in der Reputation der Kandidaten geben sollte, wird von allen Beteiligten nur John McCain davon profitieren.

Neulich bei Larry King…

Eine interessante und aufschlussreiche Prominenten-Parade (mehr oder weniger) gab’s am Wochenende bei Larry King auf CNN zu beobachten. Dieser kleine Mikrokosmos schaffte es, alle Handlungsstränge, Strategien und Emotionen des laufenden Wahlkampfes in einer kurzen Stunde exemplarisch zu bündeln. Obama-Unterstützer Kal Penn (Schauspieler) trat selbst- und siegessicher auf und ließ die Attacken der anderen Gäste auf Obama einfach abperlen. Hobbit Sean Astin wurde anscheinend von Clinton-Beratern instruiert, mindestes in jedem Satz dreimal das Wort experience unterzubringen – was ihm auch gut gelang. Allerdings gelang es ihm nicht, auch nur einen dieser Sätze vernünftig zu Ende zu bringen. Die Nervosität und die Angst vor der drohenden Niederlage in der Clinton-Campaign schien sich in seinem Auftritt wiederzuspiegeln. Fran Drescher (Die Nanny) und Bradley Whitford ( West Wing) repäsentierten so etwas wie den Pragmatismus und die Mitte der demokratischen Partei. Eigentlich Clinton-Anhänger (“She’s ready”, She’s experienced”), arrangieren sie sich – gar nicht widerwillig – nun mit einem möglichen demokratischen Kandidaten Barack Obama, genau wie viele im demokratischen party establishment, die noch schnell auf die Seite des wahrscheinlichen Gewinners wechseln. Am liebsten hätte die beiden allerdings eine Combo aus Clinton-Obama, die sich einträchtig auf den Weg ins Weiße Haus aufmacht.

Den Comedian Penn Jillette, der sich als Libertarian bezeichnet, verbuchen wir hier mal als den unabhängigen Wechselwähler. Er ist noch ein bisschen unentschieden, findet McCain eingentlich nicht all zu schlecht, Obama aber eigentlich irgendwie ganz klasse. Die Unterstützer der Republikaner hatten eingentlich nicht viel zu sagen und gingen in der Diskussion um Obama und Clinton ein bisschen unter. McCain-Freund Ben Stein konnte immer nur wieder betonen, dass der Vietnam-Veteran sicher auch ein guter Präsident wäre (“He’s ready”, “He’s experienced”), findet Obama aber eigentlich auch gar nicht so übel. Kurzer Auftritt Amy Holmes als Mitleid heischende, heimatlose Rechtskonservative, die lamentiert, dass McCain ihr leider gar nicht konservativ genug sei (dazu passend ein schöner Spruch von Jay Leno: “Obama and Hillary argued last night over which candidate the Republicans are most afraid of. Interesting. I don’t want to take sides here, but I think it’s pretty obvious which candidate Republicans are most afraid of, John McCain.”). Was sie sich den für einen Kandidanten wünsche: “I would support somebody that wants to cut taxes and kill terrorists.” Schön wie einfach es doch sein kann. Hoffentlich wird der Wahlkmapf nicht auf dieses Niveau absinken. Karl Rove, bleib wo du bist! Aber er spint anscheinend schon wieder herum