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In Polls We Trust. Photo by Mike Licht, NotionsCapital.com License: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic Eigentlich keine Überraschung: Auch dieses Jahr schmeißt sich Ralph Nader wieder furchtlos ins Wahlkampfgetümmel. Das politische Duracell-Häschen steht damit nach 1992, 1996, 2000 und 2004 bereits zum fünften Mal in Folge auf dem Wahlzettel, wie 2004 auch diesmal als Independent, nachdem er die Jahre davor auch schonmal als Kandidat der amerikanischen Grünen aufgestellt war.

Viele demokratische Wähler haben dem Verbraucheranwalt dabei immer noch nicht verziehen: Für sie ist Nader einer der Hauptschuldigen an der achtjährigen Schreckensherrschaft der Bush-Administration, da er – so geht ihre Geschichte – Al Gore im Jahr 2000 die entscheidenden Wählerstimmen in Florida abjagte. Der Nader effect war geboren.

Damals stilisierte sich Nader als Außenseiter gegen die Vertreter des Big Business, gegen Bush und Gore, die er als eineiige Zwillinge “Tweedledee und Tweedledum” abtat. 2000 holte er mit dieser Strategie noch für einen Vertreter einer third party respektable 2,7 %. 2004 war sein Stimmanteil aber auf verschwindend geringe 0,38 % gesunken, geschuldet auch dem ihm nun angepapptem Image als spoiler für demokratische Präsidentschaftskandidaten.

Auch 2008 sieht sich Ralph Nader wieder als Sprachrohr des Volkes vis-à-vis Obama, Clinton und McCain, wie er in einem Gespräch mit Tim Russert bei Meet the Press verdeutlichte. Sein Stimmenanteil wird jedoch auch 2008 nicht größer werden und sich wahrscheinlich in den Sphären von 2004 bewegen. So sehen die amerikanischen Medien in Naders Kandidatur durchgängig keine Gefahr für die Kampagnen von Obama und Clinton. Stellvertreted dafür hier Marc Coopers Einschätzung in der Huffington Post:

“Nader is far too smart a man to know that he has any chance of winning anything. What he, and whatever few supporters who will join him, will argue is that by running he will somehow force Obama – or Hillary if she wins the nomination–to move to the left.
This is, of course, nonsense. All of the factors that contributed to Nader’s dismal finish in 2004 are many times more potent this cycle. His candidacy will force nothing, except the voters to view Nader as some sort of bizarre spectacle. The competing candidates will see him as little more than a nuisance.”

Die für Naders Botschaften empfänglichen Wählerschichten werden 2008 fast vollstädnig von der grassierenden Obama Mania absorbiert, ihm fehlen ohne die organisierte Unterstützung der Green Party und der Dominanz Obamas bei jungen Wählern die Grassroots, um seine Kampagne auch nur in irgendeinerweise entscheidend vorantreiben zu können. Sein Name garantiert ihm Aufmerksamkeit, aber keine Stimmen. Das Obama-Camp reagierte demnach auch relativ kühl auf die Ankündigung einer weiteren Kandiatur Naders. Selbst die linke The Nation, auf die Nader wegen seines Einsatzes für Umwelt, Bürgerrechte und Verbraucherschutz seit Jahrzehnten konstant als Unterstützer zählen konnte, sah sich angesichts der düsteren Aussichten genötigt, ihm einen offenen Brief zu schreiben. Der Titel eine unmissverständliche Aufforderung: “Ralph: Don’t Run!” Dem kann ich mich eigentlich nur anschließen…

Foto: “Unsafe? Nader 2008″ by Mike Licht

Superdelegates in Google Earth

Es ist bereits länger klar, dass die Demokraten ihren Kandidaten erst bei der 2008 Democratic National Convention bestimmen werden. Die US-Bürger werden also erst Ende August wissen, wer der Kandidat sein wird, der sich gegen John McCain messen darf.

Der Grund dafür ist einfach. Keiner der beiden Kandidaten kann bei den ausstehenden Vorwahlen genügend Delegiertenstimmen sammeln um automatisch als Kandidat der Demokraten hervorzugehen. Sogar in einem Fall von einem Sieg von Barack Obama in Texas und / oder Ohio kann es bis August sehr spannend bleiben, den vor allem die so genannten Superdeligierten spielen eine entscheidende Rolle den Demokraten. Über die wurde aber bereits in ausreichender Menge berichtet und es ist auch gar nicht Ziel dieses Beitrages auf das Thema in längerer Form einzugehen. Die Idee hier war es eine sehr praktische Ergänzung für Google Earth vorzustellen, die einem einen sehr guten Überblick über die Superdelegierten gibt.

Einfach diese KML-Datei herunterladen, Google Earth öffnen und die Datei einbinden. Viel Spaß!

Was macht eigentlich Dubya?

The Bush Babies. Photo by guano @flickr. License: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

Bei all dem Brimborium um das spannende und hart umkämpfte Kandidaten-Qualifying im demokratischen Lager ist einer in den letzten Tagen und Wochen etwas in Vergessenheit geraten: der amtierende Präsident George W. “Dubya” Bush.

Der Fokus auf seine potenziellen Nachfolger kommt ihm aber gar nicht ungelegen, da er es sich scheinbar in seiner Rolle als “lame duck” schon ganz gemütlich gemacht hat. Er jettet zwar nach Afrika, wobei er die Krisenherde Kenia und Sudan geschickt auslöst, den er muss sich ja schließlich auf die “success stories” konzentrieren. Dann muss Condi halt nach Kenia. Waterboarding findet er weiterhin OK, Kritik vom Kongress nicht. Und im April trifft er noch den Papst im Weißen Haus, während die amerikanische Wirtschaft weiter den Bach heruntergeht. Genau wie sein Ansehen bei der Bevölkerung, das laut der aktuellen AP-Umfrage einen neuen Tiefstand erreicht hat.

Bush hat schon seit geraumer Zeit die Kontrolle über seine Partei verloren. Hatte er nach 9/11 noch eine Parteilinie durchgesetzt, die Abweichler nicht duldete, tanzen ihm immer mehr republikanischen Kongressabgeordnete auf der Nase herum und stimmen gegen seine Gesetzesvorlagen.

Angesichts der miesen Sympathiewerte und des kontinuierlichen Ansehensverlustes ist es nicht verwunderlich, dass sich auch die republikanischen Präseindentschaftskandidaten bisher von Bush distanziert haben, um nicht als Bush-Freund vom politischen Gegner (Obama: “McCain is one of Bush’s friends in Congress.”) und moderaten Wählern abgestempelt zu werden. Denn das von allen Kandidaten beschworene und von vielen Wählern herbeigesehnte Wahlkampfmantra “CHANGE” (hier bekommt der Begriff Wechselwähler eine ganz neue Bedeutung) und der amtierende Präsident passen in etwa so gut zusammen wie diese beiden Spezis. Nicht wenige innerhalb der GOP haben gehofft, dass Bush nicht in den Wahlkampf eingreift. Das hat er bisher auch getan.

In einem Interview mit FOX News hat Bush nunkürzlich sein Schweigen gebrochen und McCain ein indirektes Endorsement gegeben:

“I think that if John’s the nominee, he’s got some convincing to do to convince people that he is a solid conservative,” Mr. Bush told the Fox host, Chris Wallace. “And I’ll be glad to help him if he’s the nominee, because he is a conservative.”

Wohl wissend, dass McCain bisher Schwierigkeiten hat, Wähler aus dem konservativen Spektrum auf seine Seite zu ziehen, und unter dem Dauerbeschuss konservativer Kommentatoren wie Rush Limbaugh und Ann Coulter, sehen seine Berater in einer mehr oder weniger losen Allianz mit dem Bush-Camp die Chance, diesen Zustand zu ändern:

One McCain adviser, Charlie Black, called Mr. Bush “a political asset” in an interview last week. Another, speaking anonymously to discuss strategy, said Mr. Bush needed to “put his arms around John McCain,” by figuratively linking himself with the senator in public comments.

Mit dieser Strategie riskiert McCain einen gefährlichen Spagat. Auch wenn er durch ein Endorsement von Bush, mit dem er seit den schmutzigen Vorwahlen von 2000 eine eher kompliziertes Verhältnis hat, ein paar Wähler mehr auf seine Seite ziehen kann, ist es doch sehr fraglich, ob die tiefen Vorbehalte der konservativen Kräfte innerhalb der Republikaner weichen. George H. W. Bush – Bush I – und Jeb Bush, der Gouvernor von Florida, haben sich bereits offiziell hinter McCain gestellt – aber der Vietnam-Veteran wäre sicher gut beraten, eine gewisse Distanz zum Bush-Clan zu wahren. Denn ein öffentliches Werben von Präsident Bush für McCain könnte Independents und moderate Wechselwähler abschrecken und diese Wählerschichten in die offenen Arme der Demokraten treiben.

Foto: “Babies Agree…” by guano 

Kann Mrs. Clinton verlieren?

Hillary gibt sich gerne als kampferprobter Kampfpanzer, der den Republikanern den haerteren Fight liefert als Softy Obama. Nicht wenige Demokraten fragen sich, ob das Gegenteil der Fall ist.

Tough – so sieht Hillary sich zumindest selbst. ‘I am ready to lead’ ist ihr Mantra. Doch waehrend sie nicht muede wird, sich selber als die Kandidatin darzustellen die hart genug ist, um gegen den republikanischen Kandidaten besser bestehen zu koennen, mausert sich Kollege Obama zum Soft Giant. Sie geisselt ihn als naiv und unerfahren, er predigt ueber Hoffnung und Wandel. Sie kritisiert seine schwadronierende Unverbindlichkeit, doch ihre vermeintliche Konkretheit erschoepft sich in wenig konstruktiver Kritik an ihrem Konkurrenten. Das haben ihr die Waehler bereits in South Carolina uebelgenommen, als sie durch die Blume die Rassenfrage thematisierte.

Er laesst die Kritik an sich abprallen, und er kann es sich leisten. Die Zeit spielt fuer Obama, dessen unkonkrete Vision vom Wandel immer unangreifbarer wird, weil die Menschen sich gefuehlsmaessig immer mehr zu ihr bekennen – und nicht unbedingt rational dafuer entsscheiden. Die Zeit der Wahrheit fuer Obama kommt spaetestens im Januar 2009, wenn er als dann potenziell gewaehlter Praesident seine im Wahlkampf gehaltenen Bergpredigten in konkrete Politik uebersetzen muesste.

Ganz so weit ist es noch nicht. Super Tuesday brachte noch einmal ein Patt – keinen entscheidenden Vorteil fuer Obama oder Clinton. Ihre Vorwahlsiege hat sie bei den Eliten an den Kuesten geholt – Kalifornien, New York. Obama sammelt indes immer mehr Unterstuetzung im amerikanischen Herzland, dort wo einst ein George W. Bush seine Wahlen gewonnen hat. In den Vorwahlen die jetzt folgen, wird die Luft fuer Mrs. Clinton duenn und jeden Tag duenner. Nicht nur weil Obamas visionaere Rhetorik gegenwaertig unangreifbar scheint.

Bei den Republikanern hat sich mit John McCain ein Kandidat manifestiert, gegen den – so daemmert es vielen Demokraten langsam – eine Kandidatin Clinton einen ungleich schwereren Stand haben wuerde als Obama. Wenn Clinton eine Sache als wichtige Kenngroesse ihrer Kandidatur festgelegt hat, dann ist es ihre ‘Erfahrung’. Die hat McCain aber auch. Obama hat immer klar gemacht, dass er eine ganz andere Schlacht schlaegt – die um den Wandel. Dass der 71-jaehrige Republikaner (einer der aeltesten Praesidentschaftskandidaten) einem jungen, wenn auch unerfahrenen Senator in dieser Sache Paroli bieten kann, ist zumindest fraglich.

Den Nimbus des Siegertypen hat Clinton schon lange verloren, Obama den des Underdog auch. Und waehrend sich viele Menschen lange gefragt haben, ob ein Barack Obama gewinnen kann, muessen sich die Demokraten jetzt langsam mit einer anderen Frage befassen: Kann Mrs. Clinton verlieren?

Can Mrs. Clinton lose?